Vor dem Derby-Wochenende: Fan-Gewalt in Deutschland

"Fußball-Fans sind Neandertaler"

Von Philipp Dornhegge
Freitag, 17.09.2010 | 12:26 Uhr
Immer wieder kommt es bei Fußball-Spielen zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei
© Getty
Advertisement
International
So17:00
Topspiel am Sonntag: Tottenham - Liverpool
Ligue 1
St. Etienne -
Montpellier
Premier League
West Ham -
Brighton
J1 League
Kobe -
Tosu
A-League
FC Sydney -
Sydney Wanderers
Primera División
Levante -
Getafe
Premier League
Chelsea -
Watford
Premier League
Huddersfield -
Man United
Primera División
Real Betis -
Alaves
Ligue 1
Monaco -
Caen
Serie A
Sampdoria -
Crotone
Premier League
Southampton -
West Bromwich
Primera División
Valencia -
Sevilla
1. HNL
Hajduk Split -
Dinamo Zagreb
Ligue 1
Amiens -
Bordeaux
Ligue 1
Angers -
Toulouse
Ligue 1
Metz -
Dijon
Ligue 1
Nantes -
Guingamp
Ligue 1
Rennes -
Lille
Premier League
Man City -
Burnley (DELAYED)
Primera División
Barcelona -
Malaga
Serie A
Neapel -
Inter Mailand
Primeira Liga
Porto -
Pacos Ferreira
Premier League
Stoke -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Swansea -
Leicester (DELAYED)
Premier League
Newcastle -
Crystal Palace (Delayed)
Primera División
Villarreal -
Las Palmas
Eredivisie
PSV – Heracles
Serie A
Chievo Verona -
Hellas Verona
Championship
Ipswich -
Norwich
CSL
Evergrande -
Guizhou
Eredivisie
Feyenoord -
Ajax
Premier League
Everton -
Arsenal
Ligue 1
Nizza -
Strassburg
Serie A
Atalanta -
Bologna
Serie A
Benevento -
Florenz
Serie A
AC Mailand -
Genua
Serie A
SPAL -
Sassuolo
Serie A
FC Turin -
AS Rom
Premier League
ZSKA Moskau -
Zenit
Primera División
Celta Vigo -
Atletico Madrid
Ligue 1
Troyes -
Lyon
Premier League
Tottenham -
Liverpool
First Division A
Anderlecht -
Genk
Serie A
Udinese -
Juventus
Premier League
Dynamo Kiew -
Schachtjor Donezk
Primera División
Leganes -
Bilbao
Super Liga
Roter Stern Belgrad -
Lucani
Primera División
Real Madrid -
Eibar
Serie A
Lazio -
Cagliari
Serie A
São Paulo -
Flamengo
Ligue 1
Marseille -
PSG
Allsvenskan
Malmö -
AIK
Primera División
Real Sociedad -
Espanyol
Primera División
La Coruna -
Girona
Copa del Rey
Saragossa -
Valencia
Serie A
Inter Mailand -
Sampdoria
League Cup
Arsenal -
Norwich
League Cup
Leicester -
Leeds
League Cup
Swansea -
Man United
League Cup
Man City -
Wolverhampton
Copa del Rey
Murcia -
Barcelona
Copa Libertadores
River Plate -
Lanus
Serie A
Atalanta -
Hellas Verona
First Division A
Genk -
Brügge
Serie A
Bologna -
Lazio
Serie A
Cagliari -
Benevento
Serie A
Chievo -
Milan
Serie A
Florenz -
FC Turin
Serie A
Genua -
Neapel
Serie A
Juventus -
SPAL
Serie A
AS Rom -
Crotone
Serie A
Sassuolo -
Udinese
Premiership
Aberdeen -
Celtic
League Cup
Chelsea -
Everton
League Cup
Tottenham -
West Ham
Coupe de la Ligue
Strasbourg -
Saint-Etienne
Copa del Rey
Elche -
Atletico Madrid
Copa Libertadores
Barcelona SC -
Gremio
Copa Sudamericana
Fluminense -
Flamengo
Copa del Rey
Fuenlabrada -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Nizza
Championship
Leeds -
Sheffield Utd
A-League
Adelaide Udt – Melbourne City
Primera División
Alaves -
Valencia
Premier League
Man Utd -
Tottenham
Premiership
Hearts -
Rangers
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Rijeka
Premier League
Liverpool -
Huddersfield
Championship
Cardiff -
Millwall
Primera División
Sevilla -
Leganes
Ligue 1
Bordeaux -
Monaco
Serie A
Milan -
Juventus
Premier League
Bournemouth -
Chelsea
Primera División
Atletico Madrid -
Villarreal
Championship
Hull -
Nottingham
Ligue 1
Caen -
Troyes
Ligue 1
Dijon -
Nantes
Ligue 1
Guingamp -
Amiens
Ligue 1
Montpellier -
Rennes
Ligue 1
Strasbourg -
Angers
Premier League
Arsenal -
Swansea (DELAYED)
Primera División
Bilbao -
Barcelona
Serie A
AS Rom -
Bologna
Primeira Liga
Boavista -
Porto
Premier League
Watford -
Stoke (Delayed)
Premier League
West Bromwich – Man City (DELAYED)
Premier League
Crystal Palace -
West Ham (Delayed)
CSL
Hebei -
Guangzhou Evergrande
J1 League
Kofu -
Kobe
Primera División
Getafe -
Real Sociedad
Eredivisie
Vitesse -
PSV
Serie A
Benevento -
Lazio
Championship
Birmingham -
Aston Villa
Premier League
Zenit -
Lok Moskau
First Division A
Brügge -
Sint-Truiden
Premier League
Brighton -
Southampton
Ligue 1
Lyon -
Metz
Serie A
Crotone- Florenz
Serie A
Neapel -
Sassuolo
Serie A
Sampdoria -
Chievo Verona
Serie A
SPAL -
Genua
Serie A
Udinese -
Atalanta
Primera División
Girona -
Real Madrid
Ligue 1
Toulouse -
St. Etienne
Premier League
Leicester -
Everton
Primera División
Eibar -
Levante
Serie A
Ponte Preta -
Corinthians
Primera División
Malaga -
Celta Vigo
Serie A
FC Turin -
Cagliari
Ligue 1
Lille -
Marseille
Superliga
Boca Juniors -
Belgrano
Serie A
Hellas Verona – Inter Mailand
Premier League
Burnley -
Newcastle
Primera División
Espanyol -
Real Betis
Primera División
Las Palmas -
La Coruna
Championship
Preston -
Aston Villa

Der Bundesligastart war ein Fest für die Fans: Underdogsiege und viele Tore. Das nicht alles rosig ist, zeigte allerdings ein Angriff von HSV-Anhängern auf Fans des FC St. Pauli und dessen Keeper Benedikt Pliquett. Am 4. Spieltag kommt es nun zum Duell zwischen den Hamburger Klubs und zwei weiteren Derbys in Berlin und auf Schalke. Ausschreitungen sind nicht auszuschließen.

Ob Fans gegen Fans oder Fans gegen Polizei: Immer wieder ist der Fußball Ausgangspunkt für überflüssige Gewalt. Bei SPOX berichten zwei Polizisten, ein ehemaliger Ultra und der Sprecher der Fanbeauftragten von Ihren Erfahrungen.

Wenn Henning Schmidtke* am Wochenende aus dem Haus geht, ist er mental meist schon auf eine Schlägerei eingestellt. Körperliche Auseinandersetzungen gehören für ihn fast schon zum Alltag. Denn Schmidtke ist Bundespolizist und als solcher regelmäßig für Fußballspiele eingeteilt.

"Für mich sind das alles Neandertaler", beschreibt der Beamte aus Nordrhein-Westfalen die häufigen Konfrontationen mit den Fans. "Wenn es um Fußball geht, Bier im Spiel ist und viele Menschen zusammenkommen, dann werden selbst Leute, die unter der Woche völlig normal sind, zu Steinzeitmenschen."

Pöbeleien, Flaschen- und Steinwürfe sowie Tritte gegen den Brustpanzer sind laut Schmidtke keine Besonderheit mehr.

Obwohl der Fokus eindeutig auf der Bundesliga liegt, geht die Polizei mit ihrer Spieltagsbegleitung runter bis in die Oberliga. Und je niedriger das Spielniveau, desto gewaltbereiter die Fans und desto dramatischer die Szenen in und ums Stadion.

Eigenes Sicherheitspersonal statt polizeilicher Hilfe

"Viele Erstligaklubs haben ihre eigenen Sicherheitsleute, die mit den Fans zu den Spielen reisen und den Leuten, die sich daneben benehmen, sofort Stadionverbot erteilen", erläutert Schmidtke das Erfolgsrezept der Bundesligisten. "Das schreckt die meisten Fans ab. Leverkusen ist da ein positives Beispiel, mit denen kann man sehr gut zusammenarbeiten."

Schwarze Schafe gebe es aber auch hier: "Den Kölnern scheint das komplett egal zu sein. Die haben zwar auch Sicherheitstrupps, aber mein Gefühl ist, dass die sich vor allem aus alten Hooligans zusammensetzen. Die schlagen sich im Streitfall eher auf die Seite der Gewaltbereiten."

"Das ist doch völliger Quatsch", entgegnet Rainer Mendel diesem Vorwurf entrüstet. Der 45-Jährige ist seit 1989 Fanbeautragter des 1. FC Köln und erklärt: "Seit fünf Jahren nehmen wir unseren Ordnungsdienst mit, zu allen Auswärtsspielen. Da waren wir bundesligaweit Vorreiter. Keiner von unseren Leuten kommt aus der Ultraszene. Den Vorwurf kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: Die Arbeit unseres mitgereisten Ordnungsdienstes wird von den FC-Fans, aber auch von den Ordnungsbehörden, durchweg gut angenommen und anerkannt."

Kompetenzgerangel zwischen Land und Bund

Dass die Arbeit mit den Fans schwieriger wird, je tiefer man im Spielniveau geht, kann aber auch Mendel, der auch gesamtdeutscher Sprecher der Fanbeauftragten ist, nicht abstreiten.

"Weiter unten hat man das Problem, dass die Klubs finanziell nicht die Ressourcen für eine intensive Fanbetreuung haben. Dazu sind die Stadien nicht so modern. Sicherlich ist die Gefahr deshalb in den unteren Ligen höher, dass etwas passiert", so Mendel.

Problem erkannt, Problem gebannt? Mitnichten. Denn obwohl die Polizei oftmals weiß, wann und wo es krachen könnte, werden Präventivmaßnahmen aufgrund des Kompetenzgerangels zwischen Bundes- und Landespolizei zum Teil schon im Keim erstickt.

Erstere ist grob gesagt für die Arbeit an Bahnhöfen und Flughäfen verantwortlich und begleitet die Fans somit auf Auswärtsreisen, zweitere übernimmt dann im und ums Stadion.

"Es gibt Momente, in denen wir kurzfristig handeln müssten", sagt Schmidtke. "Aber ich habe es schon erlebt, dass die jeweiligen Chefs drei Stunden diskutiert haben: 'Machen wir es, macht ihr es, machen wir es gemeinsam, macht es keiner.' Bis die ein Ende gefunden haben, haben sich die Leute schon längst die Köpfe eingeschlagen."

Überforderter Sicherheitsdienst

Dies sei aber nur eine Facette der Probleme rund um das Thema Fußball. Die Situation sei auch im Stadion kompliziert. "Viele Stadionbetreiber wollen keine Polizei mehr im Stadion, weil sie glauben, dass das nur unnötig Aggressionen schürt", weiß Schmidtke von Erzählungen der Kollegen von der Landespolizei.

"Eigentlich ist es andersherum", kontert Mendel. "Die Polizei ist es doch, die - durchaus zu Recht - sagt, dass im Stadion der Veranstalter für die Sicherheit verantwortlich ist und die Polizei nur bei Bedarf eingreift. Grundsätzlich funktioniert das auch gut. Das Vertrauen zu Leuten vom Verein ist auf Seiten der Fans sicher größer als zur Polizei."

Julian Wagner* bestätigt Schmidtkes Eindruck. "Die Zusammenarbeit mit den Stadionbetreibern ist schwierig", sagt der 30-jährige Landespolizist, der die Situation genau kennt.

"Sie sind auf die Polizei angewiesen, gleichzeitig wollen sie die Polizei nicht im Stadion haben. Kommt es zu Zwischenfällen, dann dauert es oft lange, bis die Polizei von außen im Stadion ist. Der Sicherheitsdienst ist - so mein Eindruck - oftmals überfordert und personell absolut unterbesetzt."

Das sei aber kein Wunder: Schließlich müsse man den Sicherheitsdienst bezahlen, die Polizei dagegen nicht. Positiv sei immerhin, dass die Stadien mittlerweile mit einer so guten Videotechnik ausgestattet sind, dass Straftaten durch das aufgezeichnete Material oftmals im Nachhinein aufgeklärt würden.

Schmuggeln leicht gemacht

Vom Gebrauch von Pyrotechnik hält das die Fans allerdings nicht ab. Die Wege, Rauchbomben und Feuerwerkskörper ins Stadion zu schmuggeln, sind vielfältig. "Die Ultras dürfen meist schon ein bisschen früher rein, um Plakate aufzuhängen und Choreographien vorzubereiten. Die Kontrollen werden da meist von den Security-Kräften der Stadien vorgenommen. Da haben wir keine Handhabe", so Schmidtke.

Oft fungieren Frauen als Kuriere. "Rauchpulver in Tütchen, vaginal einführen - und schon hast du als Polizist keine Chance mehr." Es gibt Pulver, das man entzünden kann, indem man darauf spuckt.

"Vielen ist dabei egal, dass sie mit ihrem selbst zusammen gemischten Zeug, das zum Teil hochgiftige Stoffe enthält, Körperverletzung an den anderen Fans begehen", ärgert sich Schmidtke. Und selbst wenn es der Polizei doch einmal gelänge, einen Täter zu stellen, sei die Aufgabe für die Beamten extrem undankbar.

Denn meist würde in solchen Fällen die Polizei außerhalb des Stadions eine Täterbeschreibung bekommen: "Dann ziehen wir den Schuldigen erst nach dem Spiel aus der Gruppe heraus. Die anderen Fans wissen natürlich nicht, worum es geht, und denken gleich wieder an übertriebene Polizeigewalt."

Schlechtes Verhältnis zwischen Fans und Polizei

Das Verhältnis zwischen Polizei und Fans habe sich in den letzten Jahren "massiv verschlechtert, weil immer weniger Kommunikation stattfindet", kritisiert Mendel. "Das ist auf Seiten der Ultras ein Problem, weil die in der Regel leider jede Zusammenarbeit mit der Polizei ablehnen."

Schmidtke bestätigt: "Früher war es so, dass die zivilen Beamten engen Kontakt mit den Fans hatten und sogar deren Namen kannten. Inzwischen werden unsere Leute zum Teil nicht einmal mehr zu Fantreffen eingeladen."

Die Polizei stehe nun mal für den Staat und sei an Spieltagen unerwünscht. Die nordrhein-westfälische Polizei würde von den gewaltbereiten Fans gar nicht mehr ernst genommen. Rowdys hätten bei Flaschenwürfen, Schlägen und Tritten vor Gericht wenig zu befürchten.

Schmidtke: "Über Gewalt gegen die Polizei lachen viele Richter nur noch und sagen: 'Das ist doch ihr Beruf, damit müssen sie sich abfinden. Beleidigungen? Da müssen sie eine dickere Haut haben.'"

*Namen von der Redaktion geändert

Teil II: Berüchtigte Frankfurter Fans und Maßnahmen zur Vermeidung von Gewalt

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung