Hoffenheim: Die 6 Gründe für den Absturz

Besessen - aber ohne Energie

Von Haruka Gruber
Dienstag, 13.04.2010 | 20:12 Uhr
Ralf Rangnick (l.) und Jan Schindelmeiser: Hoffenheim wartet seit sechs Spielen auf einen Sieg
© Getty
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Gerüchte um Ralf Rangnicks Rücktritt, Jan Schindelmeisers Entmachtung und der drohende Rauswurf von Spielern. 1899 Hoffenheim taumelt dem Abgrund entgegen. Dietmar Hopp flüchtet in Sarkasmus.

Für Interviews steht Ralf Rangnick derzeit nicht zur Verfügung. Dafür aber für die Einweihung des neuen Kinderzentrums in der Trainingsakademie von 1899 Hoffenheim.

Einen Tag nach dem 0:2 gegen Köln begrüßte der Chefcoach zusammen mit Gönner Dietmar Hopp und Sportdirektor Bernhard Peters die 2500 meist kleinen Besucher und ließ sich für ein Gruppenbild ablichten. Mit einem Lächeln im Gesicht.

Vermutlich war es eine Wohltat für Rangnick, zumindest für eine kurze Zeit nicht an die Krise seines Vereins denken zu müssen. An die sechs sieglosen Spiele in Folge mit nur einem erzielten Tor. An die Wandlung des Tabellen-Vierten mit Anschluss an die Spitze (13. Spieltag) zum Tabellen-12. mit latenter Abstiegsangst (30. Spieltag). In den letzten 18 Partien gab es insgesamt nur zwei Erfolge.

Die Gründe für den Absturz sind so vielfältig wie komplex. Es geht um falsch investierte Millionen, zwischenmenschliche Differenzen, unreife Jungstars und zu hohe Ambitionen. Nichts lässt sich als alleinige Erklärung nutzen, vielmehr scheint es eine Wechselwirkung aller Faktoren zu sein. So eng miteinander verwoben, dass vermutlich nicht mal die sportliche Führung mehr weiß, welches Problem sie als erstes lösen soll.

Das sind die sechs Problemfelder:

Der Trainer

Das Zitat ist fast eineinhalb Jahre alt und mittlerweile abgedroschen, nichtsdestotrotz aktuell wie nie: "Ralf Rangnick versteht nicht mit Höhenluft umzugehen. Er hat bisher immer im ersten Jahr Erfolg gehabt, im zweiten wurde er dann entlassen", sagte der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß im Herbst 2008.

Lange galt Rangnick im positiven wie im negativen Sinn als (zu) verbissener Perfektionist. Als einer, der alles dem Erfolg unterordnet und auch nicht auf Befindlichkeiten achtet, wenn es der Zweck erfordert. Selbst von persönlichen Kränkungen gegen Mitarbeiter berichtet die "Rhein-Neckar-Zeitung".

Von dieser Art der Besessenheit ist mittlerweile keine Rede mehr, vielmehr nimmt ihn die schwere Krankheit seines Vaters emotional und zeitlich derart in Anspruch, dass er sich verständlicherweise "nicht mehr so auf die Mannschaft konzentrieren konnte", wie Hopp bestätigt. "Da ist offensichtlich etwas verrutscht."

Weil er sich um seinen Vater kümmern wollte, überließ Rangnick auch die letzte und entscheidende Phase der Winter-Vorbereitung seinem Co-Trainer Peter Zeidler. Früher fast undenkbar, sagt Rangnick mittlerweile Sätze wie: "Mittelmaß ist kein Schimpfwort" oder "Man fragt sich, ob Fußball wirklich alles ist im Leben."

Ob aufgrund Rangnicks verschobener Prioritäten das Benehmen der Spieler gelitten hat, lässt sich nur spekulieren. Fakt ist: Seit Beginn der Rückrunde haben zumindest die öffentlich gewordenen Undiszipliniertheiten wie dem Disko-Besuch zugenommen.

Eine gewisse Resignation ist herauszulesen, wenn Rangnick auf die Frage, ob er die Mannschaft noch erreicht, folgendes antwortet: "Die Frage stelle ich mir auch, vor allem nach so einer Trainingswoche und der Gesamtatmosphäre der letzten Tage."

Der "Kicker" spekuliert bereits über einen möglichen Rücktritt von Rangnick, der in Hoffenheim einen Vertrag bis 2011 besitzt. Bereits Ende Januar titelte die "Rhein-Neckar-Zeitung": "Soll Hopp mit Rangnick verlängern?" Das Gerücht, wonach Wolfsburg an ihm interessiert ist, will seit Wochen nicht verstummen.

Der Manager

Vor einem Jahr profilierte sich Jan Schindelmeiser im Konflikt zwischen Rangnick und Hopp um mögliche Millionen-Transfers als bedachter und ruhiger Mediator. Dass der Manager im Zuge des Streits aber tendenziell Hopp Recht gab, sorgte für Verstimmung bei Rangnick.

Genauso wie Schindelmeisers Beförderung zum Geschäftsführer, der ihn faktisch zum Vorgesetzten von Rangnick macht, obwohl dieser Schindelmeiser ursprünglich als seinen wichtigsten Mitarbeiter anwarb.

Doch Hopp schätzt Schindelmeisers Arbeitseifer. Vier Jahre verzichtete er beispielsweise auf Urlaub und verschrieb sich dem Klub. Nicht umsonst lebte Schindelmeiser lange in einer kleinen Wohnung direkt am alten Trainingsgelände.

Womöglich war es ein schleichender Prozess, aber irgendwann in den letzten Monaten verlor Schindelmeiser sein Gespür. Das Gespür für gute Verpflichtungen - und das Gespür im zwischenmenschlichen Miteinander. Seine öffentliche Kritik an Timo Hildebrand nach einem Gegentor Ende Januar war bereits verwunderlich. Dass er nun unnötig die Diskussion um einen Weggang des offenbar nicht wohl gelittenen Torwarts förderte, hinterlässt einen faden Beigeschmack.

"Wir erleben einen schmerzhaften Kontakt mit der Wirklichkeit", sagte Schindelmeiser. Er selbst muss es wissen. Laut dem "Kicker" wackelt seine Position.

Die Mannschaft

Es war eine bemerkenswerte Woche vor dem 0:2 gegen Köln. Erst feierten sechs Profis (Carlos Eduardo, Luiz Gustavo, Salihovic, Ibisevic, Obasi, Simunic) nach dem 0:4 in Wolfsburg in einer Heidelberger Disco, woraufhin die sportliche Führung einen Verhaltenskodex aufstellte - nur damit am Freitag gleich drei Profis (Maicosuel, Zuculini, Vukcevic) zu spät zum Abschlusstraining kamen, weil sie verschlafen hatten.

Erst vor einem Monat baten Rangnick und Schindelmeiser jeden Profi um ein Einzelgespräch und stellten dabei die Frage: "Was kannst du persönlich bis zum Ende der Saison in diese Mannschaft einbringen?"

Dies verpuffte genauso im Nichts wie Rangnicks Drohung: "Dann spielt halt einer mal nicht." Der resignierte Trainer: "Mehr als wir zuletzt mit der Mannschaft gemacht und an Energie in die Mannschaft gesteckt haben, geht nicht.".

So platt es klingt: Es mangelt an der Disziplin, es mangelt am Gemeinschaftssinn, es mangelt an einer Hierarchie. Simunic wäre von seinem Talent her ein Führungsspieler, gilt aber als zu ruhig. Per Nilsson ist ein Leadertyp, gehört bei Rangnick aber nur zur Reserve. Und Hildebrand hat offensichtlich nicht das Standing im Verein. Dass Rangnick nachträglich Marvin Compper und Andreas Beck in den Mannschaftsrat berufen hat, obwohl das Gremium ursprünglich von den Spielern gewählt wurde, passt  ins Bild.

Das Scouting

Früher hoch gelobt, mittlerweile im Zentrum der Kritik: die Scouting-Abteilung. Das Zwei-Säulen-Konzept, wonach einerseits einheimische Nachwuchsfußballer und andererseits preiswerte Talente aus der ganzen Welt verpflichtet werden sollen, ist gescheitert, weswegen die Transferpolitik nach dieser Saison ein Stück weit reformiert wird.

Ab jetzt sucht der Verein vorwiegend nach deutschen oder deutschsprachigen Spielern, statt bei Profis aus Afrika oder Südamerika auf einen schnellen Wertanstieg zu hoffen. "Die Überlegungen gehen in diese Richtung", so Hopp.

Schindelmeiser: "Wir brauchen Jungs, die eine hohe Identifikation haben mit dem Klub. Die den Geist, der uns ausgezeichnet und stark gemacht hat, auch leben. Das gemeinsam durch dick und dünn Gehen."

Jungs wie vielleicht Neven Subotic oder Lewis Holtby, die Rangnick unbedingt nach Hoffenheim holen wollte. Wie zu hören ist, scheiterten die Transfers jedoch an Schindelmeisers Veto.

Wie sehr die Scouting-Abteilung auf dem Prüfstand steht, verdeutlicht die Personalie Christian Möckel (Foto). Der lange äußerst geschätzte Scout, der zuletzt aber auch für Flop-Einkäufe wie Franco Zuculini mitverantwortlich zeichnete, verkündete im März überraschend seinen Wechsel zum 1. FC Nürnberg. Ob Möckel oder Hoffenheim die treibende Kraft für die Trennung war, ist nicht bekannt.

Die Infrastruktur

Hoffenheims Entwicklung verlief rasant. Wie es aussieht: zu rasant. Der Verein stemmte neben dem Durchmarsch in die Bundesliga parallel auch noch den Bau einer eigenen Arena und eines 25 Millionen Euro teuren Trainingszentrums. Zudem wurde der Betreuerstab Schritt für Schritt ausgebaut.

Die Infrastruktur ist demnach gegeben - nur: Offenbar unterschätzte der Verein die menschliche Komponente. Was helfen die modernsten medizinischen Geräte, wenn bei Prince Tagoe offenbar unberechtigt ein Herzfehler attestiert wird? Oder wenn Demba Ba wegen einer Verletzung für den Rest der Saison ausfällt, die bereits im vergangenen Sommer der VfB Stuttgart diagnostizierte und deswegen von einem Kauf absah?

Und was bringt ein großer Trainer- und Betreuerstab, wenn die Regularien beim Dopingtest nach einem Bundesliga-Spiel leichtfertig verletzt werden?

Hoffenheim hat sich offenbar übernommen - und zahlt nun den Preis dafür. Vor allem die Baumaßnahmen mit dem Stadion und dem Trainingszentrum "haben eine Menge Energie abgezogen", gibt Schindelmeiser zu.

Die Fans

Immerhin hat der Retortenklub Hoffenheim überhaupt Fans, könnte man zynisch sagen. Doch die Malaise, die sich mittlerweile unter den Anhängern breitgemacht hat, nahm zuletzt mit der 200-Mann-Blockade nach dem Köln-Spiel und den "Rangnick raus"- und "Scheiß Millionäre"-Sprechchören nicht gekannte Ausmaße an.

"Wir haben bisher nur auf der Sonnenseite gelebt. Es ist bitter, wenn man jetzt in solch einem Prozess drinsteckt. Ich sehe die Gefahr, dass etwas weg bricht von dem, was wir hier aufgebaut haben. Es geht ein Stück weit Sympathie und Reputation verloren", sagt Schindelmeiser. Gegen Hannover war ein Heimspiel erstmals nach zwei Jahren nicht ausverkauft.

Nur eine kurzzeitige Fluktuation? Oder der Vorbote eines Trends? "Die Mannschaft hat überhaupt bei fast allen Heimspielen - mit wenigen Ausnahmen - total enttäuscht", sagt Hopp - und fügt mit viel Sarkasmus zu: "Die Sorge, dass das Stadion zu klein ist, bin ich erstmal los."

Der Absturz im Überblick: Hoffenheims Spielplan

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