Dienstag, 09.02.2010

Hoffenheims Marvin Compper im Interview

Marvin Compper: "Auf einmal ist alles miserabel"

Ärger in der Kabine von 1899 Hoffenheim? Regiert der Egoismus? Steckt die Mannschaft in der Formkrise? Nein, nein, nein - sagt Marvin Compper und ist vor dem Pokal-Viertelfinale bei Werder Bremen (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) genervt von Berichten über seinen angeblichen Streit mit Timo Hildebrand.

Marvin Compper kam in 20 von 21 Saison-Spielen zum Einsatz und erzielte einen Treffer
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Marvin Compper kam in 20 von 21 Saison-Spielen zum Einsatz und erzielte einen Treffer

SPOX: Hoffenheim hatte vor dem 2:1 gegen Hannover sieben Spiele nicht mehr gewonnen, zudem soll es mannschaftsintern Probleme geben. Die Rede ist von Undiszipliniertheiten und Egoismus. Wie schlimm steht es wirklich um 1899?

Marvin Compper: Offenbar kennen die Medien nur zwei Extreme, wenn es um Hoffenheim geht. Entweder werden wir wie in der Hinrunde im letzten Jahr in den Himmel gelobt, oder auf einmal ist alles miserabel, so wie derzeit. Solch eine Berichterstattung ist mir zu oberflächlich und interessiert mich daher auch nicht. So schlecht, wie wir gemacht werden, sind wir nicht.

SPOX: Aber dass Hoffenheim vor dem 96-Spiel in der Rückrunde noch kein Tor erzielt, dafür aber drei Niederlagen in Serie kassiert hat, ist Fakt.

Compper: Natürlich stimmt das. Aber Sie müssen sich ansehen, gegen wen wir gespielt haben: Bayern, Leverkusen und Schalke, die Top drei der Bundesliga. Dass man gegen solche Teams verliert, ist keine Schande. In der Hinrunde haben wir aus den drei Spielen ja auch nur zwei Punkte geholt.

SPOX: Den Außenstehenden beschleicht jedoch das Gefühl, dass die Mannschaft einen Rückschritt gemacht hat.

Compper: Das ist falsch. In der Hinrunde in Leverkusen haben wir zwar nur 0:1 verloren, hatten dabei aber quasi keine eigene Tormöglichkeit. Jetzt beim 0:3 zuhause sahen wir trotz des Resultats lange besser aus, nur an der Chancenverwertung hat es gehapert. Wenn wir in Führung gegangen wären, hätte sich alles wahrscheinlich anders entwickelt und wir würden vielleicht nicht über eine Krise sprechen.

SPOX: Trainer Ralf Rangnick hat gesagt, dass sich die Gegner mittlerweile besser auf Hoffenheim einstellen könnten. Warum findet Ihr Team kein Gegenrezept?

Compper: Wenn das so einfach wäre, würden wir jedes Spiel gewinnen.

SPOX: Hat Rangnick womöglich den Zugang zur Mannschaft etwas verloren? Es heißt, dass sein perfektionistischer Stil auf wenig Gegenliebe stößt.

Commper: Schauen Sie: Ralf Rangnick arbeitet seit 2006 in Hoffenheim und hat Überragendes geschaffen. Er hat den Verein aus der Drittklassigkeit bis in die Bundesliga geführt. Warum sollte er deswegen etwas an sich ändern? Selbstredend ist er ambitioniert, aber genau diese Eigenschaft macht ihn doch aus. Und dafür wurde er übrigens von den Medien auch gelobt.

SPOX: Nächster verbreiteter Kritikpunkt: Die Mannschaft ist zu dünn besetzt. Rangnick und Manager Jan Schindelmeiser entschieden sich gegen Winter-Transfers, Timo Hildebrand und Carlos Eduardo hingegen plädierten für Verstärkungen. Welche Partei hat recht?

Compper: Egal was ich sage, es würde ja am Ende doch gegen mich verwendet werden. Daher werde ich dazu keine Stellung nehmen, zumal ich glaube, dass die Äußerungen von Timo oder Carlos übertrieben dargestellt wurden. Nur soviel: Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie in der Zusammensetzung guten Fußball spielen kann. Das Problem ist nur, dass einige nicht in Topform sind.

SPOX: So wie sie?

Compper: Natürlich kann ich besser spielen als zuletzt, aber ich sehe mich auf einem guten Weg. Ich fand, dass ich auf Schalke mein bestes Spiel der Rückrunde abgeliefert habe.

SPOX: Beim 0:2 auf Schalke haben Sie jedoch mit die schlechtesten Noten bekommen.

Compper: Es wird soviel falsch oder verzerrt dargestellt, mit so etwas will ich mich gar nicht beschäftigen.

SPOX: Aber Sie haben wahrscheinlich mitbekommen, dass der "Kicker" über das angeblich schwierige Verhältnis zwischen Ihnen und Torwart Hildebrand geschrieben hat: "Immer wieder geraten die beiden aneinander", hieß es da.

Compper: Ich habe es nicht gelesen und es stimmt auch nicht. Generell kann die Stimmung in der Kabine besser sein, aber das ist normal, wenn es nicht so gut läuft. Auch letztes Jahr, als es bei uns richtig lief, war nicht alles Gold, was glänzt.

Die Endspiele des DFB-Pokals
DFB-Pokal-Finale 1973: In einem hart umkämpften Spiel gewannen die Fohlen von Trainer Hennes Weisweiler gegen die Geißböcke aus Köln mit 2:1 n.V.
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DFB-Pokal-Finale 1973: In einem hart umkämpften Spiel gewannen die Fohlen von Trainer Hennes Weisweiler gegen die Geißböcke aus Köln mit 2:1 n.V.
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Günther Netzer, der sich selbst eingewechselte, avancierte zum Matchwinner und erzielte den Treffer zum entscheidenden 2:1
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DFB-Pokal-Finale 1986: Stuttgarts Torhüter Armin Jäger hält beim Spielstand von 0:2 einen Elfmeter von Lothar Matthäus
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DFB-Pokal-Finale 1986: Stuttgarts Torhüter Armin Jäger hält beim Spielstand von 0:2 einen Elfmeter von Lothar Matthäus
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Doch auch der verschossene Elfmeter konnte die Bayern nicht aufhalten. Mit 5:2 wurde der VfB abgefertigt
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Doch auch der verschossene Elfmeter konnte die Bayern nicht aufhalten. Mit 5:2 wurde der VfB abgefertigt
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DFB-Pokal-Finale 1992: Borussia Mönchengladbach mit Martin Max (l.) traf auf Axel Sundermann und Hannover 96
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Nach 120 torlosen Minuten siegten die Niedersachsen im Elfmeterschießen mit 4:3. 96 ist bislang der letzte Zweitligist, der den Pokal gewinnen konnte
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DFB-Pokal-Finale 2004: Meister Werder Bremen mit Torschützenkönig Ailton spielte gegen die Alemannia aus Aachen
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Mit zwei Treffern schoss Tim Borowski den SV Werder fast im Alleingang zum Sieg. Mit einem 3:2 sicherte sich Bremen das Double
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DFB-Pokal-Finale 2005: Bayern gegen Schalke. Mit 2:1 gewannen die Münchner und holten in der ersten Saison unter Felix Magath das Double an die Isar
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Der in der 75. Spielminute eingewechselte Hasan Salihamidzic sorgte nur 60 Sekunden später für die Entscheidung und erzielte das 2:1
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Wie sich die Bilder gleichen. Auch 2006 konnten die Bayern den Gewinn des Doubles feiern. Im Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt reichte ein 1:0.
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Für Publikumsliebling Mehmet Scholl war es der letzte Titel mit dem FC Bayern. Ein Jahr später beendete er seine Karriere
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DFB-Pokal-Finale 2007: Meister VfB Stuttgart traf auf die Überraschungsmannschaft der Saison den Club aus Nürnberg. Mit 3:2 n.V. siegten die Franken.
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Sonntagsschuss in der 109. Minute. Der Mann, dem die Nürnberger den ersten Pokalsieg seit 1962 zu verdanken haben, heißt Jan Kristiansen
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DFB-Pokal-Finale 2008: Luca Toni sorgte mit seinem Tor zum 2:1 in der Verlängerung gegen Borussia Dortmund für den 14. Pokalsieg der Bayern
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Unvergessen, wie Franck Ribery mit dem Pokal durchs Berliner Olympiastadion läuft. In der ersten Saison in München konnte der Ausnahmefußballer das Double gewinnen
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Abgang des Titan. Das Pokalfinale war das letzte Pflichtspiel für den dreimaligen Welttorhüter Oliver Kahn
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DFB-Pokal-Finale 2009: Diesmal nahm Werder den Pokal mit nach Hause. 1:0 hieß es dank Mesut Özil gegen Bayer Leverkusen
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SPOX: Der "Kicker" schrieb weiter, dass Ihre Mitspieler verwundert reagiert hätten, weil Trainer Ralf Rangnick im Winter Sie und Andreas Beck nachträglich in den Mannschaftsrat berufen hat - obwohl Sie beide bei der teaminternen Abstimmung vor dem Saisonstart nicht berücksichtigt wurden. Ihr Kommentar?

Compper: Ich weiß nicht, ob so ein Schritt gewöhnlich oder ungewöhnlich ist. Aber ich kann nichts Seltsames daran finden. Andi und ich sind beide deutsche Stammspieler in einem deutschen Verein, daher ist es doch normal, wenn wir im Mannschaftsrat sitzen. Und zu mir kam noch kein Mitspieler und hat sich in irgendeiner Art und Weise beschwert. Damit ist die Sache für mich erledigt.

SPOX: Für Aufregung sorgt auch immer wieder Carlos Eduardo. Offenbar strebt er einen Weggang an, sollte Hoffenheim den internationalen Wettbewerb verpassen. Wie sehr stören solche Neben-Schauplätze?

Compper: Anders als die Journalisten habe ich tagtäglich mit Carlos zu tun und ich kann mir nicht vorstellen, dass Carlos klipp und klar gesagt hat, wechseln zu wollen. Vieles wird falsch wiedergegeben oder es werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen.

SPOX: Hoffenheims Plan ist es mittelfristig, im Falle eines Verkaufs von Leistungsträgern wie Eduardo diese mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu ersetzen. Von Boris Vukcevic vielleicht abgesehen gelang bisher aber keinem Talent der Sprung. Warum?

Compper: Wir dürfen nicht vergessen, dass wir noch über Jugendliche sprechen. Marco Terrazzino, Pascal Groß oder Manuel Gulde sind allesamt erst 18 Jahre alt und könnten noch in der A-Jugend spielen. Daher ist es unrealistisch, von ihnen zu fordern, jetzt schon die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Das Jugendkonzept ist auf mehrere Jahre ausgelegt, dementsprechend werden wir auch erst die richtigen Früchte ernten, wenn die Spieler aus der U 14 oder U 15 alt genug sind für die Profi-Mannschaft. Denn diese Talente werden davon profitieren, die komplette Ausbildung in Hoffenheim absolviert zu haben. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Marvin Compper im Steckbrief

Interview: Haruka Gruber

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