"Bereit zu kämpfen"

Von Interview: Markus Hoffmann
Mittwoch, 03.09.2008 | 19:19 Uhr
Rene Adler, exklusiv, Interview, Fußball, Bundesliga, Bayer Leverkusen
© Getty
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Rene Adler hat große Ziele. Er will mit Leverkusen international spielen, in der Nationalmannschaft zur Nummer 1 werden und irgendwann ins Ausland wechseln.

Zu einem Top-Klub, versteht sich. "Das ist auf jeden Fall ein Ziel", so Adler. "Allein schon, um als Persönlichkeit zu reifen und eine andere Sprache zu lernen."

Doch noch ist es nicht soweit. Seit Mitte August laboriert Adler an einer Schulterverletzung, verpasste sein Debüt für den DFB sowie den Bundesligastart. Und so spricht er vor dem Bundesliga-Start bei SPOX über die Nachfolge von Jens Lehmann in der Nationalmannschaft, persönliche Stärken, den Umbruch bei Bayer Leverkusen und inwiefern ihn seine Verletzung zurückgeworfen hat.

SPOX: Herr Adler, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie vom Rücktritt von Jens Lehmann aus der Nationalmannschaft erfahren haben?

Rene Adler: Ich denke, Jens hat es sich gut überlegt. Er hat genug Erfahrung, um für sich die beste Entscheidung zu treffen.

SPOX: Mehr nicht? Zum Beispiel "Jetzt ist der Weg frei für mich"?

Adler: Nein, so denke ich nicht. Es ist nicht so, dass ich mich freue, weil ein Konkurrent weg ist. Ich versuche einfach, meine Leistung zu bringen und mich anzubieten. Alles andere liegt in der Hand des Bundestrainers.

SPOX: Der will keine neue Nummer 1 ausloben, sondern den Konkurrenzkampf eröffnen. Wie schätzen Sie Ihre Position ein?

Adler: Natürlich ändert sich jetzt einiges. Aber der Konkurrenzkampf motiviert mich. Ich bin bereit, für meine Chance zu kämpfen. Aber ich denke, dass alles offen ist und einige Kandidaten in Frage kommen.

SPOX: Sie sind extra früher aus dem EM-Urlaub gekommen, um ins Training einzusteigen, hatten eine gute Vorbereitung und dann die schwere Schulterverletzung kurz vor Saisonstart. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Adler: Natürlich war ich nicht begeistert. Aber ändern kann man es ja sowieso nicht. Zuerst dachte ich sogar, es wäre nicht so schlimm. Die OP war nötig, um mögliche Folgeschäden auszuschließen. Es hätte aber noch schlimmer kommen können. Eigentlich hatte ich sogar Glück im Unglück.

SPOX: Wie geht's der Schulter jetzt?

Adler: Schon wieder sehr gut. Der Heilungsprozess verläuft planmäßig.

SPOX: Wann kommen Sie zurück? Gegen Hamburg?

Adler: Möglich ist es. Ich werde demnächst wieder voll ins Training einsteigen. Dann muss man abwarten, ob es schon reicht. Ich werde allerdings nichts riskieren und mich wenn nötig auch bremsen.

SPOX: Sie verpassen jetzt die Länderspiele und können nicht am Konkurrenzkampf der Nationalkeeper teilnehmen. Ein Nachteil? Wie bewerten Sie Ihre persönliche Situation?

Adler: Wenn ich wieder fit bin und im Verein meine Leistung bringe, hoffe ich, bald wieder im Kreis der Nationalmannschaft zu sein. Letztlich entscheidet das der Bundestrainer, aber so lange war meine Pause ja dann nicht. Wichtig ist, dass ich erstmal wieder spiele. Alles andere kommt von alleine.

SPOX: Könnte es ein Nachteil gegenüber Tim Wiese, Roman Weidenfeller oder Manuel Neuer sein, dass Sie diese Saison nicht international spielen?

Adler: Das sehe ich nicht so. Es ist sicher nicht optimal, aber ich versuche einfach meine Leistung in der Bundesliga zu bringen.

SPOX: Wie sieht für Sie die perfekte deutsche Nummer eins aus?

Adler: Schwer zu sagen. Da gibt es zu viele individuelle Dinge, die eine Rolle spielen.

SPOX: Beschreiben Sie doch mal Ihre persönlichen Stärken.

Adler: Ich sehe mich als offensiven, mitspielenden Torwart. Ich kann das Spiel lesen und Situationen gut vorausahnen, bin aber auch risikobereit und übernehme Verantwortung. Fußballerisch kommt mir zugute, dass ich beidfüßig bin und dadurch nicht so leicht unter Druck gerate. Zudem bin ich ein akribischer Arbeiter und in jedem Training und jedem Spiel hochkonzentriert.

SPOX: Inwiefern hat Sie als junger Keeper die Erfahrung der EM 2008 weitergebracht? Als Außenstehender hört sich "Nummer 3 sein und nur trainieren statt Urlaub machen" irgendwie nicht so prickelnd an.

Adler: Im Gegenteil. Für mich persönlich war es ein super Erlebnis. Alles hautnah mitzubekommen, mit den besten Spielern zu trainieren. Das ganze Drumherum, das Medieninteresse, der öffentliche Druck. Ich denke, dass die EM für meine Entwicklung Gold wert war.

Im zweiten Teil spricht Rene Adler über Leverkusens Saisonstart, schildert seine Eindrücke von Bruno Labbadia, weshalb er sich in seiner Jugend gegen  Manchester und Arsenal entschieden hat, und welche Rolle Rüdiger Vollborn in seinem Leben spielt.

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