Formel 1

"Schumi und Rosberg sind Titelkandidaten"

Von Interview: Harry Miltner
Michael Schumacher (r.) stellte Fernando Alonso nach dem Qualifying in Melbourne zur Rede
© Getty

Fernando Alonso glänzte beim Australien-GP in Melbourne mit einer tollen Aufholjagd auf Platz vier. Im SPOX-Interview nach dem Rennen erklärt der Ferrari-Pilot, wie er das schaffen konnte, was die WM-Führung für ihn bedeutet und ob er noch mit Michael Schumacher im Titelkampf rechnet.

Nach der ersten Runde lag Fernando Alonso beim Australien-GP auf Platz 18. Jenson Button hatte ihn in der ersten Kurve umgedreht, er war in Michael Schumachers Mercedes gerutscht. Alles vorbei? Nicht für Alonso. Er biss sich in das Rennen rein, stellte Schumacher mit seinen Überholmanövern in den Schatten und rettete noch den vierten Platz ins Ziel.

Zwölf ganz wichtige WM-Punkte, noch wichtiger sogar als der Sieg in Bahrain. Das sagte Alonso im SPOX-Interview nach dem Rennen, als er über die Ausgangslage in der Fahrer-WM sprach. Außerdem äußerte er sich zu Sebastian Vettels Pech, seinen Begegnungen mit Michael Schumacher in Melbourne und den Titelchancen des Mercedes-Duos.

Rennanalyse: Button gewinnt - Vettel erneut im Pech

SPOX: Sie fahren als WM-Führender nach Malaysia. Hätten Sie das nach der ersten Runde des Australien-GP gedacht?

Fernando Alonso: Da habe ich nur daran gedacht, wie ich hier nochmal nach vorne kommen soll (lacht). Ich hatte einen schlechten Start, weil meine Reifen auf der Bodenmarkierung durchdrehten. Und in der ersten Kurve bekam ich dann einen Stoß von hinten und stand plötzlich wie ein Geisterfahrer verkehrt herum.

SPOX: Vom letzten auf den vierten Platz - eine Meisterleistung.

Alonso: Ja, ich bin sehr glücklich, dass es noch so ausgegangen ist, besonders, wenn man sieht, wie es der Konkurrenz ergangen ist.

SPOX: Wie war diese Aufholjagd noch möglich?

Alonso: Das Auto war perfekt eingestellt und wir hatten die optimale Strategie. Wir fuhren einen sehr, sehr langen Stint auf den weichen Reifen.

SPOX: Sie liefen dann sogar zu Ihrem Teamkollegen Felipe Massa auf. Überholen war nicht mehr drin?

Alonso: Heutzutage ist es sehr schwer zu überholen, vor allem, wenn Dein Gegner das gleiche Auto hat. Zudem ist Felipe mein Teamkollege. Da riskiert man nicht unnötig viel. Wären wir beide an Kubica vorbeigekommen, dann hätte ich mir einen Angriff überlegt. Aber dazu kam es nicht, und am Ende musste ich mich gegen Hamilton wehren.

SPOX: Hamilton kam in Riesenschritten näher, und Sie haben sich über den Bordfunk beschwert...

Alonso: Hamilton hatte frische Reifen und ich überlegte, ob wir einen taktischen Fehler gemacht hatten. Es war ein hektisches Rennen, da wird schon mal diskutiert. Jede Kurve war ein harter Abwehrkampf. Als er dann mit Webber abflog, war ich schon erleichtert. Und ich denke, jetzt wird keiner mehr über die "langweilige Formel 1" sprechen! (lacht)

SPOX: Sie führen nun mit vier Punkten Vorsprung auf Massa und sechs auf Button. Hamilton ist 14 Punkte hinten. Sind die McLaren also Ihre direkten Gegner um den Titel?

Alonso: Ich denke, das Bild täuscht noch etwas, da Vettel zweimal in Führung liegend ausgefallen ist. Der Red Bull ist sehr schnell, aber bislang haben sie es noch nicht ins Ziel gebracht. Aber mit ihnen ist sicher noch zu rechnen.

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

SPOX: Und mit Schumacher und Mercedes?

Alonso: Der hat mich ja schon besucht (lacht).

SPOX: Sie sprechen Ihren kleinen Disput nach dem Qualifying an.

Alonso: Ja, er dachte, ich hätte ihn absichtlich auf seiner schnellen Runde aufgehalten. Das ist aber Unsinn. Ich konnte ihn im Rückspiegel nicht sehen und über Funk kam keine Info. Daher konnte ich erst ausweichen, als er schon da war.

SPOX: Gut, aber wie stark schätzen Sie Mercedes nun ein?

Alonso: Schumacher und auch Rosberg sind natürlich Titelkandidaten. Aber ihr Wagen scheint noch nicht so zu laufen, wie sie es sich wünschen. Ich habe nun ein gutes Punktepolster auf sie, und das gilt es auszubauen. So gesehen war dieser vierte Platz hier noch wichtiger als der Sieg in Bahrain.

Vettel und Schumacher: Erfolgsduo ohne Erfolg

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