Donnerstag, 06.05.2010

Die DEB-Goalies im Check

Endras soll der deutsche Halak werden

Ein Goalie kann im Eishockey mit Wunderleistungen für riesige Überraschungen sorgen. Genau solche Wunderleistungen braucht die deutsche Nationalmannschaft bei der Heim-WM von ihren Keepern. DEB-Team-Manager Klaus Merk stellt bei SPOX die potenziellen Helden vor. Fazit: Alles ruhige Jungs, keine Clowns. Gegen die USA steht Dennis Endras ins Tor.

Dennis Endras steht seit 2008 für die Augsburger Panther auf dem Eis
© Getty
Dennis Endras steht seit 2008 für die Augsburger Panther auf dem Eis

In keiner Sportart kann ein Goalie so entscheidend sein wie im Eishockey. Man muss nur bei den Washington Capitals nachfragen, die in den NHL-Playoffs nicht gegen die Montreal Canadiens ausschieden, sondern im Grunde gegen Jaroslav Halak.

Was der slowakische Top-Keeper zeigte, war außerirdisch gut. Genauso außerirdisch müssen die deutschen Goalies bei der Eishockey-WM halten, wenn das DEB-Team irgendeine Chance auf Erfolg haben will.

"Die besten Mannschaften haben immer auch den besten Torwart, sonst wären sie nicht die besten Mannschaften. So einfach ist das", meint Ex-Nationalkeeper und jetziger DEB-Team-Manager Klaus Merk im Gespräch mit SPOX.

"Torwart muss unser bester Mann sein"

"Wenn unser Torwart lediglich gut spielt, haben wir zwar eine Chance, ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen, aber gewinnen werden wir so gut wie nie. Egal, gegen wen wir spielen, unser Torhüter muss unser bester Mann und absolut überragend sein", so Merk weiter.

Ein Beispiel: Spielt der deutsche Keeper nur normal, dann kassiert er auch gegen Japan oder Dänemark mal schnell drei Tore. Und wie oft schießt Deutschland auf internationalem Eis schon mehr als drei Tore? Sehr, sehr selten.

Nun ist der Qualitäts-Unterschied zwischen Deutschland und den Top-Nationen viel größer als jener zwischen Washington und Montreal, aber die Frage ist dennoch: Wer wird der deutsche Halak?

Dimitri Pätzold, der in den letzten Jahren die Nummer eins war, steht diesmal nicht im Aufgebot. Nicht aus Leistungsgründen, sondern weil das "Timing" einfach nicht so gepasst habe, wie Merk erklärt.

Statistik: Top-Torschützen und Top-Torhüter der WM

Endras vorläufige Nummer eins

Mit Dennis Endras steht Bundestrainer Uwe Krupp der überragende Goalie der DEL-Playoffs zur Verfügung. Der Mann von Vize-Meister Augsburger Panther wird im Eröffnungsspiel gegen die USA im Tor stehen.

"Es war eine sehr, sehr enge Entscheidung", sagte Bundestrainer Uwe Krupp am Donnerstag: "Dennis hat Augsburg mit seinen Leistungen bis ins Finale der DEL gebracht."

Damit hat Endras das Rennen gegen Dimitrij Kotschnew vorerst für sich entschieden. Der gebürtige Kasache, der in der KHL und in der Vorbereitung teils spektakuläre Leistungen bot, muss warten. "Endras und Kotschnew bewegen sich auf sehr hohem Niveau", sagte Krupp.

Sollte Endras gegen die USA überzeugen, hat er gute Chancen, dass er sogar die komplette WM durchspielt. So wie es Pätzold im letzten Jahr in der Schweiz getan hat.

Der dritte Goalie im Bunde ist Rob Zepp, der nach dem frühen Playoff-Aus der Eisbären schnell zum Team stoßen konnte, dem aber zunächst nur die Rolle als Nummer drei bleiben wird.

Was zeichnet Endras, Kotschnew und Zepp besonders aus? Merk stellt die deutschen Goalies für SPOX vor.

Dennis Endras (Augsburger Panther, 24 Jahre)

"Er war jetzt schon ein paar Mal dabei und hat nicht die Chance bekommen zu spielen. Er ist aber genauso wie Dimi sehr ehrgeizig. Er ist physisch nicht so stark, weil er schmaler und leichter ist. Deshalb ist er aber dann auch extrem flexibel und beweglich. Er ist der Mann für die spektakulären Highlight-Saves, davon hat er eigentlich in jedem Spiel welche. Er ist bei seinen lateralen Bewegungen einfach extrem flink.

Außerdem zeichnet es ihn aus, dass er erneut in Augsburg verlängert und auf mehr Geld bei einem anderen Verein verzichtet hat. Er ist sehr dankbar, dass ihm der Klub das Vertrauen gegeben hat, die Nummer eins zu werden und zahlt es damit zurück. Das sagt viel über seinen Charakter aus.

Über seine Playoffs müssen wir nicht lange sprechen, die waren fantastisch. Er ist wie Dimi ein ganz bodenständiger, ruhiger Typ und im Training immer sehr fokussiert und für neue Sachen offen. Es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten."

Dimitrij Kotschnew (HK Spartak Moskau, 28 Jahre)

"Dimi ist ein ganz intelligentes Kerlchen. Er weiß genau, was er will und hat mit dem Wechsel nach Russland einen mutigen Schritt gemacht. Er hat zwar den Vorteil, dass er die Sprache spricht, aber es ist dennoch ein Abenteuer. Er hat sich sportlich in der zweitbesten Liga der Welt durchgesetzt und war auch jetzt in den Playoffs der große Rückhalt seiner Mannschaft.

Wenn sich jemand dort durchsetzt, dann muss man schon aus einem gewissen Holz geschnitzt sein. Er ist sehr, sehr ehrgeizig und geht geradlinig seinen Weg - einfach ein Hundertprozentiger. Was sein Torwartspiel angeht, ist er technisch sehr gut ausgebildet und er hat eine enorm starke Physis. Das ist seine große Stärke.

Er ist kein Torwart, der viel spekuliert oder mit dem Schläger dazwischen geht, sondern einer, der lieber seinen Körper von A nach B bewegt und dadurch die Sachen löst. Er hat ein starkes Stellungsspiel.

Manchmal würde ich mir wünschen, dass er aggressiver wäre. Aber das ist nicht seine Art, er vertraut lieber auf seine Technik und physische Stärke. Ansonsten ist er ein ganz ruhiger Typ, sehr souverän. Solch einen Spieler wünscht man sich in seiner Mannschaft."

Rob Zepp (Eisbären Berlin, 28 Jahre)

"Rob ist der dritte ruhige Vertreter bei uns. Da sind sich unsere Goalies sehr ähnlich. Das sind alles keine Jungs, die die Mannschaft unterhalten und den Clown machen. Dafür sind sie alles harte Arbeiter, die man kaum vom Eis bringt und die eher zu viel machen. Rob hat bei den Eisbären bewiesen, dass er da ist, wenn es drauf ankommt und dass er Drucksituationen meistern kann.

Wie er sich international schlägt, wird man sehen. Er war in der Vorbereitung leider einige Tage krank und konnte nur ein Spiel machen. Er ist so ein bisschen die Mischung aus Kotschnew und Endras, physisch fehlt ihm ein Hauch zu Dimi, und er ist nicht so spektakulär wie Dennis.

Rob ist ein Goalie, der sich mehr im Tor bewegt mit einem kleinen Spielraum außen herum. Er ist niemand, der das Spiel schnell machen will. Er hat es gerne, wenn die Verteidiger sich die Scheibe holen und den ersten Pass spielen. Ein sehr angenehmer Mensch, absolut zuverlässig, auch ein perfekter Torwart."

Krupp streicht Greilinger aus dem Kader

Florian Regelmann/Klaus Merk

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