SPOX-Blogschau

Zehn Grüße nach Manchester...

Von Max-Jacob Ost
Mittwoch, 07.04.2010 | 10:56 Uhr
Franck Ribery erzielte gegen Manchester United seinen ersten CL-Treffer in dieser Saison
© Getty

Gegen Schalke hat sich Bayern genügend Selbstvertrauen für acht Champions League-Titel in Folge geholt. Außerdem in der Blogschau: Der Schnitzelkönig von Frankfurt, der Handballgott aus Hamburg und diese gottverdammten Schwaben!

Bayern: Mit dem Skalp von Magath nach Old Trafford

Nun ist es also vorbei, das Gigantentreffen zwischen Schalke und Bayern. Die größte Auseinandersetzung seit dem Tag, an dem Tina Turner zufällig ins Wäschezimmer kam, als sich Hulk Hogan ihre Aerobic-Leggins "ausborgen" wollte. Wie gewohnt bot die Bundesligapartie alles, was das Herz begehrt: Wut, Rote Karten, lustige Frisuren, wilde Grätschen und neben einem Geläuf, das der Platzwart nur mit einem Offroader erkunden kann, natürlich das Wichtigste: Jede Menge Schnittbilder von Felix Magath.

Keine Chance durfte vergeben werden, kein Grashalm im Rasen wurde entdeckt, kein Bier am Tresen gezapft - ohne dass uns die Bildmagier von Sky nicht die Reaktion von Felix Magath darauf nachlieferten. Meistens verhielt er sich nahezu unglaublich und atmete still schweigend vor sich weiter. Doch einmal, einmal! - und das war endlich nach der siebten Zeitlupe erkennbar - rückte er sich die Brille zurecht. Wahnsinn!

Louis van Gaal jonglierte im übrigen zeitgleich auf dem Einrad fahrend ein Klavier auf seiner Nase (nicht zum ersten Mal), intonierte den "Grease"-Klassiker "Look at me, I'm Loooouis van Gaal" und fütterte abwechselnd Robben mit Hoeneß-Würstchen und Hoeneß mit Robben-Würstchen. So zumindest das Gerücht, das uns exklusiv von dem einen Menschen im Stadion überliefert wurde, der nicht 90 Minuten lang Felix Magath obduzierte. Zur Erklärung: Er hatte einen steifen Hals.

Wie dem auch sei. Hier die Stimmen zum Spiel, wie die Blogger es in der Spiegelung von Magaths Brille gesehen haben.

"Ich kann es immer noch nicht fassen. Innerhalb von wenigen Tagen haben die Bayern zwei Spitzenteams (Man United tatsächlich, Schalke tabellarisch) von ihrer eigenen Medizin kosten lassen. Manchester mit einem Last-Minute-Sieg und Schalke mit zwei völlig unterschiedlichen Spielweisen. Im Pokal noch die königsblauen Pläne durchkreuzend sich abwartend und verteidigend in das Elfmeterschießen retten zu wollen, in der Bundesliga mit einem Destruktiv-Spiel in Unterzahl, das Magath von seinem Team in vergleichbarer Situation wohl zu Jubelstürmen veranlasst hätte."
Breitnigge: Die bayerischen Medizinmänner

"In den rund 20 Minuten nach dem 0:2 Rückstand bis zum Ende der ersten Hälfte lief es für Schalke "wie gewohnt". Tempo, Druck, Fans, Chancen und mit dem Anschlusstreffer ein erster Erfolg. Hätte es keine Pause gegeben, München hätte das Spiel nicht gewonnen. So aber bekam Van Gaal Zeit, und er gab seiner Mannschaft die Anweisung den Ball zu halten - und nur das zu tun. Es war die perfekte Taktik gegen eine Schalker Mannschaft ohne die großen Individualisten, die solche Situationen durch Einzelaktionen aufbrechen können. München bot keinen Platz im Rückraum. Ähnlich wie beim Rugby bildete ein ballführender Münchener fast immer die vorderste Angriffsreihe."
Königsblog: Schalke unterliegt van Gaals Idee vom Halten

Mittwoch geht es gleich munter weiter für die Bayern und ihre Fans: Dann darf man sich an Zeitlupen von Sir Alex Ferguson erfreuen. Der kaut aber wenigstens so aufreizend lässig wie ein Starlet aus dem San Francisco der 40er Jahre auf einem Kaugummi. Da knallen die Sektkorken in der Sky-Regie! Und was es zum Spiel zu sagen gibt, fasst der "Kaisergrantler" markig zusammen: "Ihr habt Linksverkehr. Wir haben diesmal beides."
Kaisergrantler: Die 10: Was ich gerne ManUtd mitteilen möchte

 

Messi: Der Unbeschreibliche

Was soll man zu einem Menschen sagen, der mit seinen Beinen Dinge anstellt, die man selbst nicht mal mit Worten ausdrücken kann? Vielleicht nur das, was der "Trainer" gesagt hat: Messi, du prägst unsere Generation. Danke. "For all of you out there ... die dachten, sie hätten das Pech gehabt, zu spät für Maradona und Cruyff und erst Recht für Pelé geboren zu sein und gleichzeitig dachten, die seit den alten Größen stattgefundene Evolution des Fußballs hätte es unmöglich gemacht, dass ein Einzelner noch so aus einem ohnehin schon auf höchstem Niveau spielenden Team heraussticht - für all jene gibt es eine gute Nachricht: Er hat das A und das S am Ende seines Namens aus reiner Bescheidenheit gestrichen - und damit es nicht ganz so schnell auffällt."
Trainer Baade: A new hope

 

 

Caio: Vom Schnitzelkönig zum Schnippelkönig

Was soll man zum Aufschwung der Eintracht und dem Traumtor von Caio noch schreiben, wenn es die Blogger doch schon so schön machen:

"Es gibt solche Momente, da scheint die Zeit still zu stehen. Ich saß in der zweiten Halbzeit des Spieles vor der Hauptribüne auf Höhe der Grundlinie von Adlers Tor und machte meine Bilder, direkt an der Eckfahne. Mein Objektiv reicht nur bis gut 25 Meter in das Spielfeld herein, und ca. 30 Meter von mir weg schnappt sich Caio den Ball und hält drauf. In dieser Sekunde schaue ich nicht durch den Sucher, weil es sowieso keinen Sinn machen würde auf den Auslöser zu drücken. Caio zieht ab. Keine Ahnung warum, aber als der Ball den Fuß des Brasilianers verließ, wusste ich, dass das Ding drin sein würde. Der Ball beschreibt eine Flugbahn, wie ich sie noch nie gesehen habe, er flattert von rechts nach links, dann senkt er sich, man hört ihn an die Latte krachen, man sieht Adler, absolut ohne Chance, der Ball springt auf, hinter der Linie, der ist drin, unfassbar, das gibt's doch nicht, solch einen Schuss habe ich noch nie in einem Spiel gesehen. Kamera hoch, um wenigstens den Jubel noch im Bild einzufangen. Meine Fresse - welch ein Tor."
Blog-G:
Wow! Sehr erfreulich, das!

"Der Ball hebt ab, flirrt ein wenig, fliegt in hohem Bogen, nimmt eine Kurve, dreht sich dabei um die eigene Achse, scheint immer schneller zu werden, schlägt noch einen Haken und dann mit voller Wucht direkt unter der Latte ein, springt hinter der Linie auf. Einen Moment lang ist es still im Stadion - glaube, das habe ich so zum letzten Mal beim Tor von Jay-Jay Okocha gegen den KSC erlebt - und dann bricht er los, der Wahnsinn. Was e Ding. Was hat der Bub denn da gemacht? Nicht zu fassen. Ich glaub's net. Unglaublich. Der Hammer. Der Caio. Unser Caio. Strahlt. Strahlt. Strahlt. Genau so wie der kleine Paul in der Reihe neben uns. Mindestens."
Rotundschwarz: "Schwebst du noch oder läufst du schon wieder?"

"Und ich rufe "Komm', Caio" und weiß selbst nicht, was ich jetzt von ihm erwarte. Ein Tempodribbling, ein kluger Pass? Was ich auch immer erwartet habe, es ist ganz gewiss nicht dieser düsentriebwerkgesteuerte Strahl, den er gemächlich trabend plötzlich ansatzlos abfeuert. Ein Geschoss, das auf seiner Flugbahn die Richtung ändert und spät alle bestraft, die den Physikunterricht in der Schule langweilig fanden oder ihm - wie ich - einfach nicht folgen konnten und nun so ungläubig dreinblicken, wie René Adler sich fühlen muss. (...) Ich habe seit Bernd Nickel auf Flattermänner der Marke Dr. Hammer verzichten müssen, allein dieser Treffer Caios ist das Kommen wert."
The Diva and the Kid: Für mich

 

Klopp: Mindestens so schnittig wie Magath

Jürgen Klopp steht endgültig auf einer Stufe mit dem Houdini der Bundesligatrainer Felix Magath! Nicht, weil er locker lässig mit den Dortmundern die Champions League 2011 aufmischen wird. Auch nicht, weil er sich mindestens genauso gut für Schnittbilder eignet. Nein, der eigentlich Grund liegt vorne. Also auf dem Platz. Denn mal ganz im Ernst: Wer einen Stürmer mit dem Vornamen "Kevin" zu hünenhafter Größe aufplustern kann, der hat es geschafft. Nicht mehr und nicht weniger. Chapeau!

"Insgesamt war es ein hervorragender Tag. Die Mannschaft hat zwar in der zweiten Halbzeit nicht mehr blendend gespielt, aber leidenschaftlich gekämpft. Und auch der Support war gut. Es kam zwar nicht an das Leverkusen-Spiel ran, aber in den entscheiden Momenten war das Stadion zu Stelle. Und so hatten wir alle kollektiv einen wunderschönen Tag. Diese Euphorie die in den Gesichter der Menschen zu sehen war, müsste man konservieren können. Wobei ich auch heute noch mit dem breitesten Grinsen rumlaufe, dass man sich vorstellen kann. Natürlich wird erst am 34. Spieltag abgerechnet, aber den Tag gestern kann uns niemand mehr nehmen."
Hamburg Schwarzgelb: Wie geil kann ein einzelner Spieltag sein?

 

Werder: Der Fisch stinkt von der Flosse her

Werder Bremen ist in dieser Saison wie ein Lastwagen der Müllabfuhr: Vorne sieht's prima aus, aber hinten liegen die Probleme. Wie gut, dass die Saison schon vorbei ist...

"Das war's. Werders Bundesligasaison ist seit gestern Nachmittag beendet. Natürlich stehen noch fünf Spiele auf dem Programm, unter anderem gegen Schalke und den HSV, doch ehrlich gesagt ist es mir fast schon egal, ob Werder am Ende Fünfter wird oder Siebter. Es wäre zwar schön, vor den Hamburgern zu bleiben und sie am letzten Spieltag zu besiegen, aber im Moment ist mir nicht mal das wichtig. Zu groß ist die Enttäuschung nach dem Spiel gegen Dortmund. Es ist nicht einmal so sehr das Ergebnis. In Dortmund kann man inzwischen wieder verlieren, ohne dass es eine Blamage wäre. Vielmehr ist nun Gewissheit, was ich vorher nicht wahrhaben wollte: Werder ist in dieser Saison nicht gut genug für die Champions Leauge. Punkt."
Meine Saison mit dem SVW:
29. Spieltag: Zu grün

 

Im zweiten Teil der Blogschau: Schwabenhass und Falling Down

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