NHL-Lockout

Ein unschätzbarer Imageschaden

Von Christoph Köckeis
Samstag, 08.12.2012 | 10:47 Uhr
Sie sind die Leidtragenden im Milliarden-Poker zwischen NHL und NHLPA: Die treuen Fans
© Getty
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Die NHL liegt zugrunde: Zum dritten Mal in der Geschichte sind die Spieler ausgeschlossen. Weshalb trotz Rekordplus aus dem Vorjahr keine Einigung in Sicht ist, bleibt für viele ein Rätsel. SPOX über die tiefgreifenden Folgen des Lockouts.

Die Umkleide menschenleer. Das Eis unberührt. Auf der Tribüne beklemmende Einsamkeit. Nordamerikas Arenen offenbaren ein tristes Bild. Seit Monaten bleiben die Eingänge verschlossen, befindet sich die NHL doch in ihrem dritten Lockout.

Millionen Fans blicken dieser Tage nach Europa. Dorthin, wo die Ausgesperrten einen selten zuvor dagewesenen Boom auslösten. Ihre Idole hautnah mitzuerleben, zuletzt im von Hurrikan Sandy schwer gezeichneten Atlantic City, bleibt eine Rarität.

Entsprechend groß war das Gedränge, als Scott Hartnell (Flyers) und Brad Richards (NY Rangers) zum Benefizspiel einluden. 11.000 Menschen bescherten den Opfern satte Erlöse. Nicht minder wertvoll: Die Außenwirkung für den Sport.

"We want Hockey", brüllten die frustrierten Massen. Dass der unsägliche Arbeitskampf die Gemüter zunehmend erregt, dokumentiert ein Zwischenfall Ende November.

"Erheblichen Einfluss auf die gesamte Liga"

Nach ergebnislosen Gesprächen bedrängte ein wütender New Yorker NHL-Commissioner Gary Bettman. Man solle an die kleinen Leute denken, an die Jobs hinter der glamourösen Fassade. Im Milliarden-Poker vergisst man ausgerechnet jene, die es am nötigsten hätten.

Seit Bekanntgabe des Tarifstreits traf eine Einsparungswelle die Angestellten hart. Wer lediglich Lohnkürzungen erdulden musste, darf sich glücklich schätzen. Andere traf es deutlich härter, sie wurden über Nacht zu Arbeitslosen.

Für die Franchises sind derartige Entlassungen existenzsichernd. Jedes gecancelte Heimspiel kostet etwa die Boston Bruins durchschnittlich drei Millionen Dollar. "All das hat erheblichen Einfluss auf die gesamte Liga", so Bettman.

Im Kollektiv büßen die Spieler täglich zehn Millionen ein, rechnet er vor. Bei den Besitzern sei es das doppelte, sie schreiben tiefrote Zahlen. "Leider können wir nichts unternehmen, wenn die Gewerkschaft nicht bereit ist, ein langfristiges Übereinkommen für die Zukunft auszuhandeln."

Über 420 Partien, darunter das lukrative "Winter Classic", wurden gestrichen. Staatliche Mediatoren versuchten zu vermitteln - ohne Fortschritt. Noch Ende November waren die Fronten derart verhärtet, dass eine Einigung in weite Ferne rückte. Zu Wochenmitte plötzlich die Wende.

Der Frustpegel steigt

Ohne Donald Fehr, dem NHLPA-Boss, und seinem Liga-Äquivalent schien endlich Bewegung in die Verhandlungen zu kommen. Über 20 Stunden Dialog versiegte schließlich Donnerstagabend: "Es sieht nicht so aus, als würden wir das Problem in den nächsten Tagen lösen", berichtet Bettman, der versichert: "Wir hätten dramatische Zugeständnisse in Kauf genommen, letztendlich muss das System aber funktionieren."

Im Vorjahr verzeichnete man ein dickes Rekordplus von 3,3 Milliarden Dollar. Dennoch wollte die NHL den Anteil der Spieler am Kuchen ursprünglich von 57 auf 43 Prozent reduzieren. Ungehalten reagierten darauf die Leidtragenden: "Für mich ist es ist nicht nachzuvollziehen, dass jemand so auf seiner Meinung beharrt, sie der anderen Seite aufzwingt", äußerte sich Christian Ehrhoff damals empört.

Dank Dreijahres-Engagement in Buffalo stieg der Deutsche zu den bestbezahlten Verteidigern auf. Bis 2014 sollte er insgesamt 40 Millionen einstreifen, nun trägt er unentgeltlich das Trikot seines Heimatvereins Krefeld in der DEL.

Zerrissenheit im Spieler-Lager

Obwohl bezüglich Umsatzverteilung eine 50:50-Lösung im Bereich des Wahrscheinlichen liegt, steckt der Teufel im Detail. Die "Union" präferiert fünf Jahre Laufzeit für das neue "Collective Bargaining Agreement", zu wenig für die NHL. Entgegen dem Vorhaben der Teameigner plant man außerdem die Rechte bei Vertragsabschlüssen und der Free Agency zu wahren.

"Viele Leute denken, es ginge hier einzig um Geld. Nein, wir führen eine Grundsatzdiskussion. Um auf ein solch hohes Level zu gelangen, trainieren wir hart. Wir bieten den Fans jeden Abend eine Show. Und dann sollen wir uns herumschubsen lassen?", begründet Blackhawks-Superstar Jonathan Toews. "Wir müssen in dieser Krise Geschlossenheit bewahren."

Ein Appell, welchem zuletzt nicht jeder nachkam. So entstanden durch Roman Hamrliks (Capitals) Kritik an Gewerkschaftschef Fehr zweifelhafte Dissonanzen. "Setzt ihm das Messer an die Brust, die Zeit spielt gegen uns. Wir haben ein Viertel der Saison verloren, 425 Millionen."

Troy Brouwer, Teamkollege in Washington, konterte: "Er besuchte nie eines unserer Treffen, zeigte kein Interesse. Ich weiß nicht, wie ich ihm künftig vertrauen soll. Er hat uns verraten." Canadien Erik Cole nannte es "die egoistischste Aussage im Laufe des Lockouts".

Auflösung ein Armageddon-Szenario

Der Umgangston wird jedenfalls rauer. Kris Versteeg (Florida) diskreditierte erst unlängst Bettman: "Er ist ein Krebsgeschwür". In Montreal kursierten Kappen mit dem Schriftzug "Puck Gary", der erste Buchstabe ist dabei durch ein "F" zu ersetzen.

Überdies spekuliert Nordamerikas Medienlandschaft über eine bevorstehende "Decertification", die Auflösung der NHLPA. Ein ähnlicher Schachzug trug schon in der NBA und NFL zur prompten Schlichtung bei. Das US-Kartellgesetz verbietet nämlich Besitzern, Mitarbeiter auszusperren, sofern sie keiner Gewerkschaft angehören. Demnach wäre der Lockout nicht rechtens.

Klingt nach einer plausiblen Repressalie, könnte allerdings weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Das komplette System mit Salary Cap und Draft, in welches die NHL gebettet ist, würde fallen und ein jahrelanger Rechtsstreit ausbrechen. Für Experten das Armageddon-Szenario.

Wiederholt sich die Lockout-Posse?

"Bevor wir es soweit kommen lassen, müssen wir alles Erdenkliche probieren. Es ist unser letzter Ausweg", beteuert Canucks-Schlussmann Cory Schneider. Zu unvorhersehbar wären die mit der "Decertification" einhergehenden Folgen. Zu großes Leid hatte man dem Sport bisher zugefügt.

Colorados Paul Stastny findet im SPOX-Interview klare Worte: "Das Schlimmste ist nicht mal, wie viel Geld verloren geht. Das Schlimmste ist, wie sehr dem Eishockey geschadet wird, dadurch dass wir nicht auf dem Eis stehen. In den letzten sieben Jahren ist die Liga so gewachsen, es wurde so viel aufgebaut, das Potenzial ist so groß - und jetzt wird alles kaputt gemacht."

Besonders in südlichen Gefilden hinkt die NHL auf der Beliebtheitsskala weit hinterher. Das "Forbes"-Magazin sieht sogar Rang vier hinter Football (NFL), Basketball (NBA) und Baseball (MLB) gefährdet - der vielerorts belächelte Fußball könnte davon profitieren.

Durch die Lockout-Posse - 04/05 fiel den Streitigkeiten erstmals in der nordamerikanischen Sport-Historie eine komplette Saison zum Opfer - droht man jetzt auch die treuesten Fans zu vergraulen. Auf eine Einigung deutet aktuell nichts hin. Nach dem dramatischen Zusammenbruch der Gespräche am Donnerstag hört man jetzt von den NHL-Bossen, dass sie nicht beabsichtigen, wieder Kontakt mit der NHLPA aufzunehmen.

Ein frustrierter und enttäuschter Penguins-Superstar Sidney Crosby ("Wir haben von unserer Seite alles gemacht, um einen Deal zustande zu bringen") wird wohl nicht mehr lange warten, um auch in Europa ein bisschen Eishockey zu spielen. Die Schweiz scheint seine erste Option. Der Lockout dauert also an. Es ist ein Imageschaden von unschätzbarem Wert.

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