Samstag, 13.06.2015

Legendenserie: Lawrence Taylor

"Wie stoppt man diesen Kerl?"

Lawrence Taylor hat als Linebacker wie kaum ein zweiter in den 80er Jahren die Defenses der NFL geprägt. Auf dem Platz gewann "LT" mit den New York Giants alles, was es zu gewinnen gab. Abseits des Gridiron jedoch kämpfte die legendäre Nummer 56 gegen seine Dämonen - mit Folgen für ihn und sein Umfeld. SPOX beleuchtet eine der schillerndsten und gleichzeitig umstrittensten Persönlichkeiten des American Football.

Lawrence Taylor (M.) sorgte von 1981 bis 1993 für Angst und Schrecken in der NFL
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Lawrence Taylor (M.) sorgte von 1981 bis 1993 für Angst und Schrecken in der NFL

Das Leben des Lawrence "LT" Taylor bietet den Stoff, aus dem Hollywood-Blockbuster gestrickt sind. Der Oscar-prämierte Spielfilm "The Blind Side" um den Offensive Tackle Michael Oher zeigt im Prolog deshalb auch eine Originalszene des Spiels der Giants gegen die Washington Redskins aus dem Jahr 1985. Diese trug zur Legendenbildung von Taylor bei - und stand symptomatisch für das meist faire, aber extrem harte Spiel des Outside Linebackers.

Ballbesitz Washington: Skins-Quarterback Joe Theisman probiert es mit einem Trick Play gegen die Giants-Defensive. Der Veteran bekommt den Ball von seinem Running Back zurück, wartet auf den richtigen Moment zum Wurf. Plötzlich schlägt es auf der linken Seite ein - der "Blind Side" eines mit rechts werfenden QBs. Taylor reißt Theisman zu Boden. Es ist ein Bild, das an einen Autounfall erinnert.

"Wie stoppt man diesen Kerl? Gar nicht!"

Mit der Kraft eines Löwen und der Schnelligkeit eines Geparden verspeiste LT die Quarterbacks der 80er und frühen 90er Jahre zuhauf. Oft kamen die mit dem Schrecken oder Prellungen davon. Theisman nicht. Seine Karriere war vorbei - der 36-Jährige brach sich beim Tackle das Bein.

Nicht erst seit diesem denkwürdigen Abend beschäftigten sich die Defensive Coordinator der NFL mit der Frage, wie die Hits des 1,93 Meter und 109 Kilogramm schweren Monsters zu bremsen waren. Ron Jaworski, QB der Philadelphia Eagles, hatte 1993 rückblickend eine wenig hoffnungsvolle Antwort parat: "Wie stoppt man diesen Kerl? Gar nicht!" Noch martialischer brachte es QB Terry Bradshaw nach seinen unfreiwilligen Bekanntschaften mit dem Pass Rusher zum Ausdruck. "Dieser Kerl hätte mich verdammt nochmal beinahe umgebracht. Wer ist der Typ? Er kam immer über meine Blind Side und hat meine Rippen in Einzelteile zerlegt", so der viermalige Super-Bowl-Champion der Pittsburgh Steelers.

"Er war ein Draufgänger"

Doch bevor aus Lawrence Taylor der unaufhaltsame Grenzgänger LT wurde, wuchs "Loonie" - so nannten ihn seine Eltern und Freunde - im Universitätsstädtchen Williamsburg in Virginia auf. Sein Vater verdiente sein Geld am Hafen von Newport News, seine Mutter war als Lehrerin tätig. Der am 4. Februar 1959 geborene Taylor war ein neugieriger und willensstarker Junge. "Er konnte nicht akzeptieren, wenn er etwas nicht tun konnte, sondern wollte alles unbedingt ausprobieren. Das gab Ärger, mehr als einmal", verriet seine Mutter in der Showtime-Doku "LT - Life and Times" 2013.

Trotz Ärger auf dem Schulhof wusste der Rabauke die Eltern stets mit seiner sonnigen Art zu beruhigen und versprach schließlich, ein Football-Stipendium zu ergattern. Gesagt, getan: Obwohl er erst in der 11. Klasse mit dem Football anfing, nahm ihn die University of Northern Carolina at Chapel Hill 1977 in ihr Athleten-Programm auf. Dort holte er 1980 als Team-Captain die NCAA-Meisterschaft und wurde zum besten Spieler der Atlantic Coast Division gewählt.

Gegenüber ESPN äußerste sich College-Trainer Bobby Cale fast schon ehrfürchtig über die aggressive Spielweise seine Schützlings: "Er war ein Draufgänger, waghalsig und rücksichtslos. Schon als Freshman sprang er bis zu zwei Meter hoch, um einen Punt zu blocken - selbst wenn er danach mit dem Nacken voran auf den Boden prallte."

Taylor weckt die Riesen

Diese aggressive und extravagante Lebensweise setzte sich auf dem College fort. Taylors erste Frau Linda, die an der Uni kennen lernte, sprach von Trinkgelagen und Frauenbekanntschaften - tatsächlich erwartete sogar eine andere Kommillitonin ein Kind vom Uni-Star. Doch obwohl die Giants von seinen Privataktionen wussten, wählte ihn General Manager George Young an zweiter Stelle - er war einfach zu gut. Spieler und Presse sahen diesem Draft allerdings argwöhnisch entgegen. Sie hätten einen Offensiv-Akteur, der die 18-jährige Playoff-Durststrecke der Franchise beenden sollte, bevorzugt.

"Jeder war glücklich, ich fühlte mich ausgelaugt. Ich habe jede Auszeichnung gewonnen. Was kommt als nächstes? Nichts. Die Begeisterung sinkt, wenn die Jagd vorbei ist."

Lawrence Taylor (1986)

Sie sollten sich täuschen: Taylor strafte seine Kritiker Lügen, der Big Apple hatte wieder eine Siegertruppe. Die Nummer 56 zeigte sofort seine physischen und mentalen Fähigkeiten auf dem Spielfeld. In seinem Rookie-Jahr ging er reihenweise auf QB-Hatz und machte sich als Defensive Player of the Year und späterer Pro-Bowler einen Namen in der Liga. In den darauffolgenden Jahren wurde klar: Taylor würde das Spiel verändern.

Vom H-Back zum Left Tackle

Der erste, der seine Defense umstellte, um die kolossalen Attacken des Giants-Stars zu kontern, war Redskins-Trainer Joe Gibbs. Um seine Signal Caller vor Ballverlusten und Verletzungen zu schützen, machte er die Position des H-Backs populär: Ein zusätzlicher Tight End, der an Stelle eines gewöhnlichen Backs - normal waren Halfback und Fullback - ins Spiel kam und das Missmatch gegen Pass Rusher ausgleichen sollte. Deshalb war der H-Back in der Regel schwerer und größer als die Running Backs.

In den 1990er Jahren gewann dann die Position des Left Tackles - die meisten QBs werfen mit rechts und brauchen somit zwei weitere Augen auf ihrer linken Seite - taktisch und gehaltstechnisch immer mehr an Bedeutung. Ihre Aufgabe besteht im Passing Game ausschließlich darin, den Outside Rusher zu blocken. Heute übernehmen NFL-Champions wie Sebastian Vollmer und der genannte Michael Oher die Aufgabe des QB-Bodyguards.

Super Bowl Halftime Shows: Von U2 bis Nipplegate
Der Super Bowl! Das NFL-Endspiel zieht jedes Jahr hunderte Millionen Zuschauer vor die TV-Geräte - und bietet Stars und Sternchen damit die perfekte Bühne. SPOX zeigt die Halftime-Shows der letzten Jahre: U2, Prince, Madonna - und natürlich Nipplegate
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Wir starten im Jahr 2000: Im Georgia Dome von Atlanta boten die Macher eine wahre Lawine an Stars auf. Toni Braxton und Tina Turner waren ebenso vor Ort wie "Two Worlds"-Sänger Phil Collins
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Außerdem hatte man mit Christina Aguilera und Enrique Iglesias zwei unschuldige Popsternchen für die jüngere Generation im Gepäck. Süß!
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2001 hielt man sich in Tampa an die gleiche Strategie: Aerosmith, 'N Sync, Britney Spears, Nelly, Mary J. Blige - von allem etwas!
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Das Endspiel 2002 stand ganz im Zeichen der Anschläge des 11. September: Während der Show wurden die Namen der Opfer auf eine überdimensionale Leinwand projeziert
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Rocken durften dazu die Jungs von U2, die mit "Beautiful Day" und "Where The Streets Have No Name" eine Performance ablieferten, die als beste Halftime-Show überhaupt in die Geschichte einging. Ursprünglich sollte übrigens Janet Jackson auftreten
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2003 waren wieder mehrere Stars am Start: Country-Star Shania Twain eröffnete die Show, danach teilten sich No Doubt's Gwen Stefani und Sting die Bühne
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Die Show von 2004 sollte ebenfalls Geschichte schreiben und die Fernsehlandschaft verändern. Das jedoch sicher nicht aufgrund der Auftritte von P.Diddy, Nelly oder Kid Rock...
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Justin Timberlake war es, der Janet Jackson am Oberteil zerrte und eine Brust entblößte, die die Nation schockierte. Unfall? Absicht? "Nipplegate" ging um die Welt, seitdem werden große Veranstaltungen mit ein paar Sekunden Verzögerung ausgestrahlt
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2005 sollte um jeden Preis ein Skandal vermieden werden. Also holte man Beatles-Ikone Paul McCartney nach Jacksonville. Der spielte auf seiner Klampfe unter anderem "Live And Let Die" und "Hey Jude"
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Und 2006 durften die Rolling Stones aufs Feld. "Start Me Up", "Satisfaction" - an die Skandälchen der Rock-Opas waren schließlich alle gewöhnt
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2007 durfte es schließlich wieder etwas bunter werden - "purple", um genau zu sein. Prince begeisterte die Massen in Miami und spielte gleich sieben Songs, darunter natürlich "Purple Rain"
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Ein Jahr später ging die Altherrentour weiter: Tom Petty & the Heartbreakers in Phoenix...
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13/24
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...2009 dann der "Boss" Bruce Springsteen erneut in Tampa, Florida. OK, wir geben es zu: "Born to Run" ist schon ein Kracher!
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14/24
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2010 hatte man schließlich alle Gitarren-Greise und Schlagzeug-Senioren abgearbeitet. Der Auftritt von "The Who" war so lahm, dass man sich danach wieder auf die Generation unter 65 zubewegte
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15/24
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Und zwar richtig schön fresh, funky und elektronisch-cool mit den Black Eyed Peas. "Boom Boom Pow", sagen wir da nur...
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16/24
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Nicht zu vergessen: Slash gab sich dazu her, zusammen mit Fergie den Klassiker "Sweet Child O' Mine" zu entweihen. Masel tov!
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17/24
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2012 in Indianapolis wurde geklotzt und nicht gekleckert: Madonna höchstpersönlich machte Bühnengymnastik und wurde dabei komplettiert von Cee Lo Green, LMFAO, Nicki Minaj und M.I.A. - Letztere zeigte dem Publikum ganz unartig den Mittelfinger
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2012 in Indianapolis wurde geklotzt und nicht gekleckert: Madonna höchstpersönlich machte Bühnengymnastik und wurde dabei komplettiert von Cee Lo Green, LMFAO, Nicki Minaj und M.I.A. - Letztere zeigte dem Publikum ganz unartig den Mittelfinger
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Noch mehr Frauenpower gab es 2013 in New Orleans: Beyonce brachte die Zuschauer mit einer wilden Bühnenshow ins Schwitzen, zwischendurch durften auch die ehemaligen Kolleginnen von Destiny's Child mittun
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Die sozialen Medien hatten mit Beys... äh... ungewöhnlichen Gesichtsausdrücken danach ihren Spaß. Vergessen hat den Auftritt von Mrs. Jay-Z dann auch so schnell niemand - Ziel erreicht!
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Die sozialen Medien hatten mit Beys... äh... ungewöhnlichen Gesichtsausdrücken danach ihren Spaß. Vergessen hat den Auftritt von Mrs. Jay-Z dann auch so schnell niemand - Ziel erreicht!
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2014 durfte in New York dann Schmusesänger Bruno Mars ran. Der schlug sich im Verbund mit den Chilis aber überraschend gut und zeigte zu Beginn, dass er auch am Schlagzeug was auf dem Kasten hat. Aber was ist bloß mit der Hose des Gitarristen passiert?
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2014 durfte in New York dann Schmusesänger Bruno Mars ran. Der schlug sich im Verbund mit den Chilis aber überraschend gut und zeigte zu Beginn, dass er auch am Schlagzeug was auf dem Kasten hat. Aber was ist bloß mit der Hose des Gitarristen passiert?
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Am 1. Februar ist Katy Perry an der Reihe: Hochgeschlossen? Offenherzig? Eigentlich wird es mal wieder Zeit für einen neuen Skandal - "I Kissed A Girl" lässt grüßen...
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Für Super Bowl 50 hat sich die NFL die Entertainment-Künste von Coldplay gesichert. Die Band durfte 2012 schon das Ende der Paralympics bespielen
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Für eine beeindruckende Show sollte auf alle Fälle gesorgt sein!
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Für eine beeindruckende Show sollte auf alle Fälle gesorgt sein!
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Von LT zum MVP

Wie Gibbs bei den Skins bereiteten sich die Teams in der Folge bei direkten Aufeinandertreffen fast ausschließlich auf Taylor und seine "Big Blue Wrecking Crew" vor. Meist ohne Erfolg. Nach regelmäßigen Postseason-Auftritten gelang den Giants 1986 mit Coach Bill Parcells und Defensive Coordinator Bill Belichick der große Wurf - trotz des tragischen Krebstodes von Running Back John Tuggle. Nach einer 14-2 Regular Season, bei der die Defense um LT die eher durchschnittliche Offense von Playmaker Phil Simms wettmachte, erreichten die Giants durch deutliche Siege über die 49ers (49:3) und die Washington Redskins (17:0) Super Bowl XXI.

Da hatte CBS-Kommentator und NFL-Ikone John Madden die Stärken der Franchise längst erkannt: "Ich dachte, die Bears hätten die beste Defense. Aber nach den letzten zwei Wochen habe ich das Gefühl, dass die Giants wohl über die beste Abwehr verfügen, die je in der NFL gespielt hat." Im Rose Bowl von Pasadena führten LT und die wiedererstarkte Offense von QB Phil Simms die G-Men zu einem 39:20-Erfolg über John Elway und die Denver Broncos.

Gleichzeitig wurde Taylor mit 20,5 Sacks zum MVP der Regular Season gewählt. Eine Ehrung, die kein weitererer Defensivspieler in den folgenden 30 Jahren einheimsen sollte. Er war auf dem absoluten Höhepunkt angekommen.

Seite 1: Taylor küsst die Riesen wach

Seite 2: Die Schattenseiten des LT

Michael Berndt

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Michael Berndt(Redakteur)

Michael Berndt, Jahrgang 1988, ist seit 2015 Redakteur bei SPOX. Studierte Geschichte und Ethnologie in Augsburg. Hauptsächlich im Fußball-Ressort unterwegs, schreibt der Dachauer Texte zum Handball, Tennis und US-Sport.

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