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Auf der Suche nach Genugtuung

Von Sven Kittelmann
Mittwoch, 15.01.2014 | 10:51 Uhr
Wes Welker (r.) stellte bei den Broncos mit zehn Touchdowns eine persönliche Bestmarke auf
© getty
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Beim Spiel seiner Denver Broncos gegen die New England Patriots am Sonntag (ab 21 Uhr im LIVE-TICKER) trifft Wes Welker auf drei alte Weggefährten. Da wäre sein Kumpel Tom Brady, mit dem er sechs Jahre lang durch die NFL pflügte und dabei Rekorde aufstellte. Sein ehemaliger Coach Bill Belichick, mit dem er trotz aller Erfolge ein schwieriges Verhältnis hat. Und ein fataler Drop, der ihn bis heute verfolgt. Dafür setzt er auch seine Gesundheit aufs Spiel.

Jeder gute Quarterback hat ihn: den Go-to-Guy. Den Mann, den er anspielt, wenn es darauf ankommt. Auf den er sich verlassen kann. Wes Welker ist so einer: Das hat er sechs Jahre lang bei den Patriots bewiesen und in dieser Saison erstmals auch bei den Broncos.

Sechs Spiele musste Welker in dieser Saison wegen zweier Gehirnerschütterungen aussetzen, und doch ist er mit 778 Yards und zehn Touchdowns eine verlässliche Größe in einem Receiver-Korps, das Rekord-Quarterback Peyton Manning mit Demaryius Thomas, Eric Decker, Tight End Julius Thomas und eben Welker jede Menge Möglichkeiten im Passspiel gibt.

Und in dem sich Welker auch kleine Auszeiten wie am Sonntag gegen die Chargers nehmen kann. Wenn denn sechs Catches bei 38 Yards, aber auch einem Touchdown, eine wirkliche Auszeit sind.

Doch Welkers Ansprüche an sich selbst dürften höher sein. Immerhin bringt er es, seitdem er 2004 von den Chargers als Undrafted Free Agent verpflichtet wurde, alleine als Wide Receiver in neun Jahren auf über 9200 Yards und 47 Touchdowns - Playoffs nicht mitgerechnet.

Der Prototyp des Slot Receivers?

Welkers Spielstil hat ihm im Laufe der Jahre den Ruf eingebracht, die Position des Slot Receivers neu definiert zu haben. Im Gegensatz zu den schillernden Wide Receivern der 90er und 2000er Jahre führten Slot Receiver, die sich zwischen den außen positionierten schnelleren Kollegen und der Offensive Line aufstellen, ein Dasein als Nummer zwei ihrer Teams. Hinter eben jenen Mitspielern an der Seitenlienie, die für die Big Plays sorgten.

Welkers Stärke liegt nicht in weiten Läufen, bei denen er 20 bis 30 Yards an der Außenlinie downfield überbrückt und dann den Ball serviert bekommt. Nicht, dass er dies nicht auch gelegentlich machen würde. Doch sein Geld verdient er im Bereich bis zu zehn Yards vor der Line of Scrimmage und meist in der Mitte des Feldes. Dort bekommt er den Football, danach ist er für die ganz harten Yards zuständig. Damit erklärt sich natürlich auch seine Anfälligkeit für Gehirnerschütterungen.

Welker ist ein echter Possession Receiver, also einer, der den Ballbesitz seines Teams sichert, indem er eben Stück für Stück an den Yards und an der Uhr nagt. Diese Stärken drücken sich natürlich in seinen Statistiken aus. Im Sommer 2012 errechnete Scott Kacsmar vom "Bleacher Report" Welker mit 71 Prozent gefangener Pässe als klare Nummer eins - und auch die Tatsache, dass er über 50 Prozent seiner Yards nach dem Catch sammelte, spricht eine deutliche Sprache.

Patriots im Rückspiegel

Und doch fand sich Welker auf einmal bei einem anderem Team wieder, mehrere tausend Meilen von seinem gewohnten Quarterback entfernt. Sechs Spielzeiten lang war er der Wide Receiver, dem Tom Brady vertraute - sechs Spielzeiten, in denen er Bradys Lieblingsziel war, Liga- und Teamrekorde aufstellte, für insgesamt 37 Touchdowns und 7459 Yards sorgte. Dass Coach Bill Belichick Welker trotz dieser beeindruckenden Leistungen im Frühjahr ziehen ließ, sorgte in Boston teilweise für Unverständnis.

Dabei hatte Welker bei den Patriots bereits ein Jahr zuvor auf der Kippe gestanden, nachdem er im Super Bowl XLV einen eigentlich fangbaren Ball im vierten Viertel fallen ließ. "Ich habe mein Team enttäuscht", erklärte der sonst so verlässliche Receiver damals. Sein Vertrag wurde nicht verlängert, dafür wurde er mit dem Franchise Tag versehen, der ihm zwar eine Top-Bezahlung von 9,5 Millionen Dollar für ein Jahr zusicherte, einen möglichen Wechsel aber erschwerte.

Belichick im Kopf

Wie sehr er in seinem letzten Jahr mit Belichick haderte, zeigt eine Aussage aus dem Oktober 2012, nachdem er ausgerechnet gegen sein zukünftiges Team aus Denver mit 13 Catches, 137 Yards und einem Touchdown geglänzt hatte: "Es ist schön, wenn man es Bill manchmal zeigen kann." In den Spielen zu Beginn der Saison war Welker von Brady nicht so oft wie gewohnt angespielt worden. Zufall oder nicht?

Doch der Wide Receiver ruderte einen Tag später ein wenig zurück. Er habe diesen Spruch als "Witz gemeint", zitierte man ihn. "Ob sie es glauben oder nicht: Bill und ich - wir verstehen uns."

In seinen ersten Tagen in den Rocky Mountains musste er gestehen, dass ihm sein alter Coach noch nicht aus dem Kopf gewichen war. "Wenn ich vor die Presse trete, überlege ich, wie Coach Belichick auf meine Aussagen reagieren wird", erklärte er nach seinem Wechsel in der "Sports Illustrated". "Es war hart. Man musste ihn aushalten, ihm Widerstand leisten. Aber so ist er", berichtete Welker von seinem letzten Jahr bei den Patriots.

Vor dieser Saison bot New England ihm einen Zweijahresvertrag über zehn Millionen Dollar an - für Welker auch angesichts der Schwierigkeiten mit dem Coach keine Option.

Parallelen zu Peyton

Das Engagement bei den Denver Broncos kam da wie gerufen, wechselte Welker doch vom zukünftigen Hall-of-Fame-QB Brady zum zukünftigen Hall-of-Fame-QB Peyton Manning. Etablierte sich neben den Kollegen Thomas und Decker und stellte mit seinen zehn Touchdowns eine neue Karriere-Bestmarke auf.

Das Duell gegen sein Ex-Team ist bereits das zweite in dieser Saison. Beim ersten Aufeinandertreffen hatte sein alter Spezi Brady, mit dem Welker sich immer noch regelmäßig unterhält, nach gelungener Aufholjagd das bessere Ende für sich. Seinem Ex-Coach konnte es der Wide Receiver dabei nicht "zeigen" und blieb mit vier Catches für 31 Yards weit unter seinen Möglichkeiten.

Und auch der Fluch des Super Bowl-Drops - den Bradys Ehefrau Gisele Bündchen noch im Stadion mit den Worten "mein Mann kann nicht den verdammten Ball werfen und gleichzeitig fangen" kommentierte - verfolgt Welker in diesen Tagen, in denen alte Playoff-Geschichten so gern aufgewärmt werden. Schließlich konnte er auch im letztjährigen Championship Game gegen den späteren Super Bowl-Sieger Ravens einen Pass von Brady zu einem wichtigen Zeitpunkt nicht sichern.

Gegen die Chargers verpasste Welker ebenfalls eine Gelegenheit, seinen Ruf als Mister Zuverlässig zu untermauern, als er einen Manning-Pass zu Ende der ersten Hälfte abprallen ließ. Den er wohlgemerkt nicht hätte fangen müssen, aber hätte fangen können. So baut sich auf Welker derselbe Druck auf, wie er auch auf Manning lastet: Beide müssen ein Stück weit beweisen, dass sie in den Playoffs ihre üblichen Leistungen bringen können.

Welkers Zukunft: "Verdammt dumm"

Dass Welker am Sonntag (ab 21 Uhr im LIVE-TICKER) überhaupt noch antritt, hält zumindest der ehemalige "Sports Illustrated"-Kolumnist Jeff Pearlman für "verdammt dumm". Nach zwei Gehirnerschütterungen in so kurzer Zeit müsse Welker angesichts der nicht abzuschätzenden Spätfolgen einfach aufhören, so Perlman. Zumal es nicht die ersten Gehirnerschütterungen sind, die Welker in seiner Karriere erlitt.

"Der Super Bowl ist nicht so wichtig, sie haben letztes Jahr einen gespielt, sie werden nächstes Jahr einen spielen. Wichtiger ist Deine Gesundheit", so Pearlman in seinem offenen Brief an Welker.

Doch Welker ließ sich von solchen Ratschlägen nicht von einer Rückkehr aufs Feld abbringen. Wenn auch immerhin mit einem Spezialhelm, der im Vorprogramm des Chargers-Spiels Vergleiche mit Lord Helmchen provozierte. Den wird er gegen sein früheres Team wieder herausholen; der Einzug in den Super Bowl - gegen Brady, gegen Belichick, gegen den Fehler im Superbowl - ist für Wes Welker einfach wichtiger als der Rest.

Wes Welker im Steckbrief

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