Donnerstag, 26.04.2012

NFL: Worauf die Teams vor dem Draft achten

"Die Verrücktheit des Geschäfts"

Kamerateams, Privat-Gespräche und intime Fragen: SPOX war beim Scouting Combine in Indianapolis, hat sich mit Team-Verantwortlichen und Spielern unterhalten und erklärt, wie die NFL-Teams ihre potenziellen Rookies vor dem Draft auf die Probe stellen.

Ein Teil des Combines ist der 40-Yard-Dash. Auch RGIII musste da durch...
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Ein Teil des Combines ist der 40-Yard-Dash. Auch RGIII musste da durch...

Es ist eine kleine Bühne, die Case Keenum im Foyer des Lucas Oil Stadiums betritt. Vermutlich eine der Kleinsten, die er während seiner gesamten, Rekord-trächtigen Karriere als Quarterback der Houston Cougars betreten hat.

Nur eine Handvoll Menschen hat sich in diese ruhige Ecke des ansonsten überfüllten Korridors verirrt und kauert nun auf schwarzen Plastik-Klappstühlen vor einem Filz-bespannten Rednerpult.

Der Mock-Draft der Community

Dennoch wirkt Keenum extrem angespannt. Wenn man den 24-Jährigen bei den Vorbereitungen für seinen Kurz-Auftritt beobachtet, gewinnt man den Eindruck, als würde er in wenigen Sekunden eines der wichtigsten Interviews seines Lebens geben. Eine präsidiale Ansprache an die Nation. Nur eben im Trainingsanzug.

Warten auf den Ausrutscher

Und irgendwie ist genau das der Fall. Denn im Publikum sitzen diesmal keine Journalisten. Jedenfalls nicht nur. Die Kameras, die heute auf ihn gerichtet sind, gehören den diversen NFL-Teams. Zehn Teams, um genau zu sein. Unter ihnen, die Denver Broncos und Arizona Cardinals - zwei seiner potenziellen Arbeitgeber. Sie verfolgen ihn bereits, seit er am Vorabend am Flughafen von Indianapolis angekommen ist.

"Sie wollen sehen, wie ich mit dem Druck umgehe. Ob ich mit der Verrücktheit des Geschäfts klarkomme", erklärt Keenum im Gespräch mit SPOX. "Und der Combine ist eine hervorragende Gelegenheit dazu, denn das hier ist absolut verrückt."

750 Journalisten, mindestens ebenso viele Team-Vertreter - und kaum eine Minute, in der sich die Spieler unbeobachtet fühlen könnten. "Man hat fast das Gefühl, als würde an jeder Ecke jemand nur auf einen Ausrutscher warten", sagt Keenum. Einen Ausrutscher, der eine Karriere ruinieren kann, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Charakter vs. Skills

Denn was die Teams vor dem Draft am meisten interessiert, ist nicht, dass Keenum den obligatorischen 40-Yard-Dash in 4,82 Sekunden hinter sich bringt oder dass er 18 Wiederholungen mit den 225-Pfund-Gewichten schafft.

Sie interessiert auch nur am Rande, wie viele seiner Show-Pässe heute einen Receiver finden. Denn das wissen sie bereits. Haben seine Game-Tapes stundenlang studiert. Was die Teams an diesem und den folgenden Tagen wirklich interessiert, ist, wie Keenum tickt.

"Das Können auf dem Platz ist nur einer der Aspekte, auf die wir achten", erklärt Ted Thompson, General Manager der Green Bay Packers, SPOX. "Was so kurz vor dem Draft noch mehr zählt, ist der Charakter. Denn damit lässt sich viel ausgleichen. Deshalb rate ich all unseren Scouts, weniger selbst zu reden und dafür mehr zuzuhören."

15 Minuten Charakter-Test

Der Charakter also. Doch wie können die Teams nach einem 15-minütigen Gespräch einschätzen, ob ein Spieler mit dem Druck, der in der NFL auf ihm lasten wird, klarkommt? Oder ob er ins Teamgefüge passt? "Natürlich ist die kurze Zeit, die uns vonseiten der NFL für Privat-Gespräche mit den Spielern gewährt wird, nicht genug, um sie wirklich kennenzulernen", räumt John Elway, Ex-Quarterback und aktueller Boss der Denver Broncos, ein. "Aber wenn wir die richtigen Fragen stellen, können wir den wahren Charakter der Spieler wenigstens kurz zum Vorschein bringen."

Wie genau diese Fragen lauten, will Elway nicht verraten. Keiner der Verantwortlichen will das. "Schließlich könnte einer unserer Konkurrenten diese Information gegen uns verwenden", erklärt Thompson. Auch Keenum sagt nur: "Die Teams werden sehr persönlich und schauen dann, wie du reagierst. Und sie testen deine Intelligenz. Nicht mit Mathematik oder so, sondern mit Fragen zum aktuellen Weltgeschehen. Sie wollen sehen, ob du dich informierst und dich ausdrücken kannst. Oder ob du das Team blamieren würdest, wenn dich später mal ein Journalist etwas fragt."

Und: Sie wollen wissen, ob sich die Spieler auf ihre Gesprächspartner vorbereitet haben. "Sie loten aus, wie gut du dich mit dem Spielsystem des Teams auskennst und wie du dich selbst darin siehst", erklärt Keenum. "Dabei kommt es nicht nur darauf an, wie gut du dich mit Taktik generell auskennst, sondern auch, ob du ins bestehende Team passt."

Die Super-Bowl-Sieger der letzten 20 Jahre
Super Bowl XXX: Den Super Bowl 1996 gewannen die Dallas Cowboys. Hier feiert Running Back Emmitt Smith
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Super Bowl XXXI: 1997 gewann die Green Bay Packers gegen die New England Patriots das Finale. Mit Desmond Howard wurde der Kick- und Punt-Returner MVP
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Super Bowl XXXII: Die Green Bay Packers wollten ihren Titel verteidigen, aber die Denver Broncos hatten das Gegenmittel: Terrell Davis. Der Running Back war nicht zu stoppen
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Super Bowl XXXIII: Den Denver Broncos gelang 1999, was den Packers im Jahr zuvor verwehrt blieb: Sie verteidigten den Titel. Mittendrin: Quarterback-Legende John Elway
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Super Bowl XXXIV: "The Greatest Show on Turf", die St. Louis Rams um Kurt Warner, war auch von aggressiven Tennessee Titans nicht aufzuhalten.
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Super Bowl XXXV: Die Baltimore Ravens durften 2001 ihren ersten Titel bejubeln. Ray Lewis und Co. demütigten die New York Giants beim 34:7 geradezu
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Super Bowl XXXVI: Nach den Ravens 2001 feierte auch 2002 ein Team seinen ersten Titel. Die von Tom Brady angeführten New England Patriots besiegten die St. Louis Rams
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Super Bowl XXXVII: Die Tampa Bay Buccaneers und die Oakland Raiders boten beim 48:21 ein Spektakel. Trotzdem wurde mit Tampas Dexter Jackson ein Defensivspieler MVP
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Super Bowl XXXVIII: Nach einem Jahr Pause waren 2004 wieder die New England Patriots dran. Der MVP-Award beim Sieg über die Carolina Panthers ging wie 2002 an Tom Brady
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Super Bowl XXXIX: 2005 fuhren die New England Patriots ihren dritten Finalsieg in vier Jahren ein. Aber nicht Tom Brady, sondern Receiver Deion Branch wurde MVP
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Super Bowl XL: Die Jubiläumsausgabe 2006 war eine klare Kiste. Hines Ward und die Pittsburgh Steelers schlugen die Seattle Seahawks mit 21:10
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Super Bowl XLI: Endlich war es soweit. Nach neun Jahren in der NFL gewann Peyton Manning mit den Indianapolis Colts seinen ersten Titel. Geschlagen: Die Chicago Bears
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Super Bowl XLII: Ein Jahr nach Peyton Manning konnte auch sein Bruder Eli jubeln. Er führte die New York Giants 2008 zum Sensationssieg über die New England Patriots
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Super Bowl XXLIII: Mit diesem Catch machte sich Santonio Holmes unsterblich. In letzter Sekunde gewannen die Pittsburgh Steelers 2009 gegen die Arizona Cardinals
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Super Bowl XLIV: Das lange Warten hatte endlich ein Ende. Nach Jahren der Tristesse gaben die New Orleans Saints um Drew Brees 2010 ihren Fans einen Grund zu jubeln
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Super Bowl XLV: Im Jahr 2011 gewannen die Green Bay Packers den Titel. Quarterback Aaron Rodgers führte sein Team zum Sieg und wurde zum MVP gekürt
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Super Bowl XLVI: 2012 standen sich mal wieder die Giants und Patriots gegenüber. Und wieder siegten die Giants. 21:17 G-Men!
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Super Bowl XLVII: Die Baltimore Ravens sicherten sich gegen die San Francisco 49ers ihre zweite Championship. Überragend dabei: Joe Flacco (l.), der zum MVP gewählt wurde
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Super Bowl XLVIII: Die Seattle Seahawks zerstören Peyton Mannings Denver Broncos im MetLife Stadium zu New Jersey mit sage und schreibe 43:8
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Super Bowl XLIX: Tom Brady siegt mit den New England Patriots dramatisch gegen Russell Wilsons Seattle Seahawks und macht sich mit Titel Nummer vier unsterblich
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Interviews als Karriere-Sprungbrett?

Doch nicht nur für die Teams sind diese Frage-Antwort-Spiele eine Chance. Spieler, die während ihrer College-Karriere nicht sonderlich im Rampenlicht standen, können mit einem gelungenen Auftritt beim Combine ihre Draft-Aussichten deutlich verbessern.

So wie Michigan-State-Quarterback Kirk Cousins. Der 23-Jährige steht beim aktuellen Draft klar im Schatten seiner Quarterback-Kollegen Andrew Luck, Robert Griffin und Ryan Tannehill, die allesamt als sichere Top-10-Picks gelten. Um so wichtiger ist es für ihn, einen guten Eindruck bei den Teams zu hinterlassen.

"Ich will beweisen, dass ich das Zeug habe, mich in der NFL durchzusetzen", sagt er zu SPOX. "Und dabei geht es nicht nur darum, was ich auf dem Feld leisten kann. Da haben sie schon lange gesehen." Selbst intime Fragen seien für ihn dabei kein Problem.

"Es geht doch schließlich darum, dass sie mich kennenlernen", sagt Cousins. "Dass beide Seiten herausfinden, ob man zueinanderpasst. Das ist doch in beiderseitigem Interesse - denn nur so kann man später tatsächlich eine erfolgreiche Partnerschaft haben. Deshalb habe ich auch nichts zu verbergen. Ganz im Gegenteil. Ich bin davon überzeugt, dass die Teams so nur noch mehr positive Dinge über mich herausfinden."

Der Aufstieg des Kirk Cousins

Und im Fall von Cousins scheint das zu funktionieren. Galt er vor dem Combine und seinem anschließenden Pro Day noch als Fünftrunden-Pick, könnte er Experten zufolge nun bereits in der zweiten Runde ein Team finden.

"Kirk Cousins ist aktuell vermutlich der viertbegehrteste Quarterback im Draft", schreibt etwa Draft-Experte Len Pasquarelli für "CBS". Der vermeintliche Grund für den Aufstieg: Cousins professionelles Auftreten.

"Er nimmt seine Vorbereitung sehr ernst; ist fast schon ein Freak - und das gefällt einem als Coach", erklärt der ehemalige NFL-Coach Jon Gruden, der Cousins vor dem Combine privat traf. "Nach einem Treffen mit ihm weiß man einfach, dass er sich sehr gut informiert hat und weiß, wie er sich bei den einzelnen Teams einbringen kann. Und das kann er auch rüberbringen. Kommunikation kann eine sehr große Stärke sein."

"Ein schnelllebiges Geschäft"

Eine große Stärke, aber kein Allheilmittel. Das musste Case Keenum beim Combine erfahren. Der Mann mit den meisten Passing-Yards und Touchdowns in der Geschichte des College Football schleicht nach seinem Interview fast unbeachtet zurück in die Umkleidekabine, um sich für das anschließende öffentliche Training umzuziehen.

Ganz ohne Kamerateams im Schlepptau. Die haben ihre Objektive mittlerweile auf jemand anderen gerichtet. "Es ist eben ein schnelllebiges Geschäft", sagt Keenum - und klingt dabei fast ein wenig erleichtert. Er will gleich seine Taten für sich sprechen lassen.

Wie sich herausstellen sollte, ohne Erfolg. Experten schätzen, dass er vermutlich erst gegen Ende des Drafts ausgewählt wird. Wenn überhaupt. Der Grund: Sein College-Stil ist nicht mit der NFL kompatibel. Und: Er habe bei einigen seiner Team-Interviews nicht den Eindruck hinterlassen, als ob er in diesem Punkt an sich arbeiten könne oder wolle.

Record Breakers: Die NFL-Rekordhalter
Die Pro Football Hall of Fame in Canton, Ohio. Warum wir sie zeigen? Weil die meisten unserer Rekordhalter entweder schon drin sind - oder bald sein werden
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Die meisten Touchdowns hat Peyton Manning auf dem Konto - schon über 520 sind es, Tendenz steigend. Den Rekord in einer Saison hält er mit 55 ebenfalls (2013)
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Mehr als 5477 Yards hat übrigens noch kein QB geworfen - der Rekord geht also auch an Manning. Oh, und fünf MVP-Awards sind ebenfalls Rekord
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Die meisten Playoff-Spiele als Quarterback gewonnen hat Tom Brady mit bisher 18. Zudem bringt es niemand auf mehr Passing Yards in einem Quarter als er (252)
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Brett Favre ist schon einige Rekorde los. Ihm bleiben die meisten Fumbles (166) und Interceptions (176) aber auch insgesamt 298 Spiele und unglaubliche 71.838 Passing Yards
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Michael Strahan ist der Mann, der den Rekord für die meisten Sacks in einer Saison hält. 22,5 waren es in der Saison 2001 für die NY Giants
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Die meisten All-Purpose-Yards in einer Saison - also Rushes, Pässe und Returns zusammengerechnet - sammelte Darren Sproles in der Saison 2011 für die Saints. Er brachte es auf 168,5 pro Spiel - Respekt!
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Der fleißigste Running Back der NFL-Geschichte ist Emmitt Smith: 18.355 Yards sammelte der ehemalige Cowboys- und Cardinals-Star von 1990 bis 2004
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Barry Sanders ist Mr. Konstanz. 1997 erlief der Lions-Running-Back in 14 Spielen hintereinander mehr als 100 Yards, bis heute unerreicht!
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404 Yards in einem Spiel. Dabei kam Glyn Milburn für die Broncos als Running Back (131 Yards), Receiver (45 Yards), Punt (95 Yards) und Kick Returner (133 Yards) zum Einsatz
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Der Return-Mann schlechthin ist Devin Hester. Auf 19 Kick- und Punt-Return-Touchdowns insgesamt bringt er es
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An ihm kommt allerdings niemand vorbei: Kicker Morten Andersen. Der Däne hält den Rekord für die meisten Karriere-Punkte 2544 (Punkte), Spiele (382) und Field Goals (565)
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Für SPOX in den USA: Jan-Hendrik Böhmer

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