Dennis Schröder im Interview

"Das darf einem Leader nicht passieren"

Mittwoch, 01.03.2017 | 09:08 Uhr
Dennis Schröder soll bei den Hawks die rechte Hand von Mike Budenholzer sein
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Im ersten Jahr als Starting Point Guard der Atlanta Hawks hat sich Dennis Schröder erneut gesteigert und liegt mit seinem Team klar auf Playoff-Kurs. Im Interview spricht der Nationalspieler über seine Probleme bei der Einreise in die USA, das bevorstehende Duell mit Dirk Nowitzki (Do, 1.30 Uhr live auf DAZN) und die EuroBasket 2017.

SPOX: Dennis, während der All-Star Break waren Sie in Deutschland. Was haben Sie erlebt und wie war es, mal wieder zurückzukommen?

Dennis Schröder: Richtig gut! Ich hatte ein paar schöne Tage, habe meine Mutter und meine zwei kleinen Geschwister wiedergesehen. Im Prinzip war die ganze Familie da. Etwas Besseres konnte mir nicht passieren. Und ich war beim BBL Top Four in Berlin vor Ort, das hat richtig Spaß gemacht, meine alten Kumpels zu besuchen. Die letzten Tage waren allerdings ein wenig stressig, da ich Probleme bei der Rückreise in die USA hatte.

SPOX: Es wurde ja schon viel über den Grund Ihrer Verspätung spekuliert. Was ist denn nun genau vorgefallen?

Schröder: Wirklich nichts Großes. Mein Reisepass und Visum waren abgelaufen, daher musste ich beides neu beantragen. Ich habe die Hawks natürlich direkt informiert und sie haben mir auch geholfen. Aber es hat leider etwas gedauert und ging nicht schneller. Daher konnte ich dann erst später fliegen und war beim Training nicht da.

SPOX: Mike Budenholzer hat Sie anschließend für ein Spiel suspendiert. Wie haben Sie die Strafe aufgenommen?

Schröder: Ich bin ein Leader. Und das darf einem Leader nicht passieren. Deswegen hat der Coach mich auch bestraft, das nehme ich so hin.

SPOX: Glauben Sie, dass dieses Vorkommnis Auswirkungen auf Ihre Freigabe für die EuroBasket im September haben kann?

Schröder: Ich weiß es nicht. Ich will jetzt erst einmal die Saison beenden, die Playoffs stehen ja auch bald an. Danach werden wir mal schauen. Und ich habe schon im letzten Jahr gesagt: Wenn ich mich gut fühle, werde ich auch spielen. Aber erst einmal abwarten.

SPOX: Beim Top Four haben Sie den Pokalsieg von Bamberg live miterlebt. Gab es im Finale kein Problem mit dem Daumendrücken? Schließlich waren neben Daniel Theis und Maodo Lo ja auch Ihre anderen Kumpels Maxi Kleber und Alex King für Bayern dabei...

Schröder: Nein, das war kein Ding. Ich bin für alle deutschen Nationalspieler, egal, bei welchem Klub sie spielen. Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie persönlich und mit dem Team erfolgreich sind. Jeder weiß, dass ich mit Daniel zusammengespielt habe und daher immer etwas mehr für ihn sein werde. Wir sind zusammen aufgewachsen. Daher wird mir sicherlich niemand meine Sympathie für Bamberg übel nehmen.

SPOX: Was haben Sie aus Deutschland in den USA am meisten vermisst?

Schröder: Das Essen. (lacht)

SPOX: Es wäre ja aber nicht so, als würden Sie mit den Hawks nur in Fastfood-Restaurants gehen...

Schröder: Klar, wir gehen schon in gute Restaurants. Aber es ist eben doch noch etwas anderes. Ich liebe das Hähnchen-Schnitzel im Alex, da war ich mit meiner Familie auch dieses Mal wieder. Oder auch die Gerichte im Vapiano. Wenn man 18, 19 Jahre dort gelebt hat und sich an den Geschmack von bestimmten Dingen gewöhnt hat, dann möchte man die ab und zu auch wieder haben.

SPOX: Vor Kurzem haben Sie bei Instagram geschrieben, dass sich jeder Tag für Sie immer noch wie ein Traum anfühlt. Ist die NBA für Sie nach dreieinhalb Jahren nicht inzwischen Alltag?

Schröder: Ich weiß, wo ich herkomme. Und es ist keine Selbstverständlichkeit, in der NBA spielen zu dürfen. Jeden Tag kommen Leute zu dir und wollen etwas, fordern dich. Aber auf der anderen Seite hat man natürlich großen Einfluss in der Organisation und eine Menge zu sagen. Sie bringen dir die Schuhe und alles andere, was du brauchst. Du kannst zum Training gehen ohne irgendwelche Sachen, es ist immer alles schon da. Das hatte ich früher nicht. Und es ist einfach ein tolles Gefühl, so weit gekommen zu sein.

SPOX: Als Starter haben Sie sich diese Saison noch einmal gesteigert, einem Career High folgte das nächste. Einige Beobachter sehen in Ihnen einen Kandidaten für den Most Improved Player Award. Wie würden Sie sich selbst einschätzen?

Schröder: Es wäre natürlich eine große Ehre, aber die Konkurrenz ist nicht ohne. Ich hoffe, dass Giannis Antetokounmpo nicht mehr dazu zählt. (lacht) Er war immerhin schon All-Star. Und er war schon im letzten Jahr Starter. Gerade die Spieler, die von der Bank in die Starting Five kommen und sich dann noch weiter steigern, haben meiner Meinung nach gute Chancen. Wenn man die persönliche Leistung und den Team-Erfolg zusammennimmt, dann gibt es diese Saison nicht so viele andere Kandidaten.

SPOX: Hat sich Ihre Routine vor dem Spiel eigentlich geändert, seitdem Sie Starter sind?

Schröder: Nein, ich gehe nach wie vor 60 Minuten vor dem Spiel duschen, davor esse ich meist noch eine Kleinigkeit. Und dann arbeite ich mit den Athletic Coaches an meinen Knöcheln, um sie ein wenig zu lockern. Die sind nach den Spielen immer ein wenig steif.

SPOX: In der Nacht zum Donnerstag spielen Sie gegen die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki. Früher war es das Duell Youngster gegen den alten Hasen. Hat sich das inzwischen etwas angenähert?

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Schröder: Ja, schon. Es ist immer eine coole Sache, gegen eine lebende Legende zu spielen. Besonders, wenn sie aus Deutschland kommt. (lacht) Aber ich denke, dass es nicht mehr so im Fokus steht wie noch bei unseren ersten Duellen. Wir müssen als Team gewinnen, das ist das Wichtigste.

SPOX: In den vergangenen Spielen haben Sie gegen Dallas oft gut ausgesehen. Nutzen Sie das Matchup extra aus, wenn Dirk mal gegen Sie verteidigt, weil Sie wissen, dass wenige Sekunden später ein Video von der Aktion im Netz auftaucht?

Schröder: Dirk gegen Dennis - da wird vor einem Spiel gegen die Mavs oft deutlich mehr draus gemacht, als es eigentlich ist. Wir spielen auf zwei verschiedenen Positionen. Aber klar, wenn man ihn vor sich hat, dann will man natürlich vorbeiziehen und punkten oder einen guten Assist spielen. Ansonsten denkt man im Spiel nicht so viel daran.

SPOX: Wie war die Trade-Deadline der Hawks für Sie persönlich? Atlanta hat Ersan Ilyasova geholt, dafür aber Tiago Splitter und auch Mike Scott verloren, mit dem Sie ja viel zu tun hatten...

Schröder: Stimmt, er ist wirklich ein guter Typ. Aber das ist leider so und daran muss man sich in der NBA gewöhnen. Ein Spieler geht, ein Spieler kommt, das ist nun mal das Geschäft. Das war mit Kyle Korver ja nicht anders. Er ist auch abseits des Feldes ein sehr guter Freund von mir. Wir haben noch viel Kontakt und schreiben uns, wenn wir ein gutes Spiel hatten. Im Sommer werde ich auch wieder hinfliegen und mit ihm trainieren, so wie ich es zuvor ja auch gemacht habe. Die Freundschaft ist auf jeden Fall geblieben.

Dennis Schröder im Steckbrief

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