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Einzigartig gegen den Strom

Von Max Marbeiter
Mittwoch, 22.07.2015 | 14:28 Uhr
Rudy Gobert (l.) und Derrick Favors machten die Jazz zu einem der besten Defenseteams der NBA
© getty
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Mit Geduld und Geschick haben die Utah Jazz ein richtig gutes Team zusammengestellt. Die Defense zählt sogar zu den besten der gesamten Liga. Nach prominentem Vorbild verfolgen die Jazz einen einzigartigen Plan. Mit dabei: Tibor Pleiß.

Die beste Defense der Liga? Rein statistisch spielte sie vergangene Saison in Oakland. Auch in Memphis wurde gewohnt unangenehm verteidigt. Nimmt man allerdings nur die finalen 29 Spiele der abgelaufenen Spielzeit, präsentiert sich die Spitze leicht verändert. Sie wechselt von der Bay Area an den Salzsee. Von Kalifornien nach Utah.

94,8 Punkte ließen die Jazz während besagter 29 Spiele pro 100 Possessions zu und distanzierten Memphis (99,4) damit so weit, dass die Grizzlies im Vergleich beinahe wirkten wie einst Muggsy Bogues neben Alonzo Morning. Doch auch im rein wörtlichen Sinn überragten und überragen die Jazz den Rest der Liga.

Denn in Utah widersetzt man sich dem in der Association mittlerweile allgemein gültigen Trend. Die Golden State Fashion Week hat noch nicht Einzug gehalten in Salt Lake City. Wo andernorts nur zu gern Small Ball gespielt wird, lief in Utah regelmäßig eines der größten Lineups der vergangenen Saison auf (kein Spieler maß weniger als 1,98 Meter). Wo Steve Kerr die Finals unter anderem entschied, indem er anstatt Andrew Bogut Draymond Green auf die Fünf stellte, regieren in Utahs Zone Rudy Goberts zwei Meter und 18 Zentimeter.

Langer Gegenpart

Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass sich der Mormonenstaat einfach um des Widersetzens willen zwanghaft dem Mainstream widersetzt. Die Jazz verfolgen einen Plan. "Natürlich müssen wir auf die Liga reagieren", weiß auch General Manager Dennis Lindsey. "Andererseits ist es aber schön, der Gegenpart und so groß wie möglich zu sein. Die Spieler, die wir verpflichtet haben, sind groß und lang für ihre jeweilige Position."

Groß und Lang. Nicht die einzigen Attribute, nach denen man in Utah seine Neuzugänge auswählt. Aber doch essentielle. So denke man selbstverständlich an das Mantra des "best player available", sagt Lindsey. "Aber wir haben immer die Größe für die jeweilige Position im Blick und uns für größere Spieler entschieden."

Pleiß mit ungeahnten Qualitäten

2013 für Rudy Gobert. In diesem Jahr für Trey Lyles - und für Tibor Pleiß. Mit seinen 2,18 Metern passt der Nationalspieler perfekt ins Konzept der Jazz. Wahrscheinlich sicherten sich die Jazz im Zuge des Trades um Enes Kanter auch deshalb Pleiß' Dienste. Wahrscheinlich statteten sie ihn auch deshalb mit einem Dreijahresvertrag aus. In Utah scheint man angetan zu sein vom Deutschen - wenngleich die Jazz angeblich Ante Tomic, an dem sie ebenfalls die Rechte halten, favorisierten.

Der Kroate verlängerte jedoch in Barcelona, Pleiß unterschrieb in Salt Lake City. Dort soll er mit Rudy Gobert nun eines der längsten Center-Duos der Association bilden. Dazu eines, dessen Stärken sich ergänzen. "Rudy ist mehr der Center, der unter dem Korb spielt, den Ball dunkt und Blöcke setzt", sagt Pleiß selbst im SPOX-Interview. "Und ich könnte der sein, der mehr von außen agiert."

Dass er dazu in der Lage ist, obwohl er in Barcelona zuletzt häufiger in Ringnähe eingesetzt wurde, bewies Pleiß beim Workout kurz vor der Vertragsunterschrift. Dort traf er über fünf Tage beständig 60 Prozent seiner Dreier, insgesamt 66 von 90.

Nun ist ein Workout sicherlich nicht mit einer Spielsituation zu vergleichen, trifft Pleiß den Dreier - oder zumindest den Wurf aus der Mitteldistanz - halbwegs sicher, bestünde in der Theorie jedoch die Option, Minuten an der Seite Derrick Favors' zu sehen. Der nimmt einen Großteil seiner Würfe nämlich in unmittelbarer Ringnähe (weniger als 1,52 Meter entfernt) und versenkt dort 67,6 Prozent seiner Abschlüsse. Schließt der Power Forward aus größerer Distanz ab, sinkt die Quote deutlich.

Favors unverzichtbar

Möchte man nun wieder den Bogen zum allgemein vorherrschenden Trend spannen, passt Favors also nicht zwingend in die moderne NBA. Dort ist Spacing gefragt. Dort trifft der Big Man im Optimalfall seinen Dreier so sicher, als kommuniziere er regelmäßig mit seinem inneren Reggie Miller. Dort werden Big Men klassischer Prägung immer unbeliebter.

Größtenteils jedenfalls. Denn erstens lassen sich nur die wenigsten Dinge pauschalisieren und zweitens dienen die Jazz umgehend als Gegenbeispiel. In Utah wissen sie nämlich sehr wohl um Favors' Wert und tradeten ihren Big Man allen Gerüchten zum Trotz deshalb nicht.

"Wir wollen von unserer Länge profitieren", erklärt Dennis Lindey. "In den letzten 30 Spielen hat man gesehen, was das bedeuten kann. Es gibt keinen Grund, sich davon zu verabschieden. Derrick (Favors, Anm. d. Red.) haut uns da häufig raus. Wäre er nicht so mobil, folgte er dem Game Plan nicht oder fehlten ihm die Instinkte, wäre es viel schwieriger, Vierer zu verteidigen. Derrick erlaubt es uns mit seiner Intelligenz, Mobilität und Größe, einzigartig zu sein."

Es mag ein wenig hochgestochen klingen, doch einzigartig sind sie tatsächlich, die Jazz. Nicht nur, weil sie ein laut Lindsey - richtig - "einzigartiges Defensivkonzept spielen." Auch Utahs Gebaren während der Free Agency wollte so gar nicht in das allgemein hektisch praktizierte Hin-und-Her-Schieben von Assets und harter Währung passen.

Seite 1: Gegen den Trend - mit Tibor Pleiß

Seite 2: Favors, Lyles und Exum

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