David Stern & Adam Silver im Interview

"Die NBA wird von den Bayern profitieren"

Von Interview: Haruka Gruber
Donnerstag, 24.01.2013 | 00:21 Uhr
David Stern tritt 2014 nach genau 30 Jahren als NBA-Commissioner zurück
© Imago
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Der eine gründete ein einzigartiges Imperium. Der andere wird ihn im Februar 2014 als den mächtigsten Mann des Basketballs beerben. Zum Launch der neuen NBA.de-Seite: Commissioner David Stern (70) und sein Stellvertreter sowie designierter Nachfolger Adam Silver (50) im exklusiven SPOX-Interview über die digitale Revolution, die Psychologie des größten Commissioners aller Zeiten und Mark Cuban.

SPOX: Herr Stern, Herr Silver: Die NBA prognostiziert für die laufende Saison einen Rekord-Umsatz von 5 Milliarden Dollar, was eine Steigerung von 20 Prozent zur letzten komplett absolvierten Spielzeit 2010/11 bedeuten würde. Und das trotz des Lockouts im Vorjahr und der Wirtschaftskrise in vielen Ländern. Warum ist die NBA so krisenresistent?

David Stern: Der Schlüssel ist die Globalisierung: Das Wachstum wäre nicht denkbar, wenn die NBA als Ganzes nicht so international aufgestellt wäre. Wir haben großartige Spieler, die von den Massen geliebt werden - und das über alle Grenzen hinaus.

Adam Silver: Das sieht man auch am europäischen Fußball: Ligen wie England oder Deutschland prosperieren, obwohl die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht optimal sind. Solange gutes Entertainment geboten wird, kann sich Sport dem allgemeinen Trend widersetzen.

SPOX: Das Regular-Season-Spiel zwischen den Knicks und den Pistons in London war in kürzester Zeit ausverkauft. Ist das ein Indiz dafür, wie erfolgreich eine Expansion nach Europa sein könnte?

Stern: Irgendwann, die Betonung liegt auf irgendwann, lautet die Antwort: Ja, wir werden eine europäische Division gründen. Das wird jedoch eine gewisse Zeit dauern. Wir müssen an der Infrastruktur arbeiten, an besseren TV-Verträgen, an besserem Sponsoring, an besseren Arenen. Wenn das alles zusammenpasst, schauen wir mal. Bis dahin geht es uns darum, die Basis in Europa zu legen und das grundsätzliche Interesse an Basketball zu steigern, indem wir zum Beispiel nach London kommen und die NBA zum Anfassen anbieten.

SPOX: Können Sie konkretisieren, warum eine Europa-Expansion mittelfristig unrealistisch ist?

Silver: Das fängt mit der Hallensituation an. Es gibt in Europa kaum eine Arena, die die NBA-Standards erfüllt. Deswegen zieht es uns so oft nach London. In der O2 Arena wird gewährleistet, dass das Niveau der NBA nicht nach unten gezogen wird. Wenn ein europäisches NBA-Team wettbewerbsfähig sein will mit den amerikanischen NBA-Teams, ist eine topmoderne Arena mit entsprechenden Vermarktungsmöglichkeiten und Ticketerlösen unabkömmlich.

Stern: Die Erlöse sind der entscheidende Punkt: Es ist schon eine Herausforderung, ein Heimspiel vor ausverkauftem Publikum zu veranstalten. Aber wie groß ist die Herausforderung, alle Tickets für 41 Heimspiele an den Mann zu bringen? Und vielleicht noch einmal die Playoffs? Da benötigt man eine Basis, die bereit ist, für die Spiele zu zahlen. Irgendwann werden wir so weit sein. Allerdings erst irgendwann.

SPOX: Herr Stern, ein Forcieren der Europa-Expansion könnte Ihre letzte Mission sein, um Ihre Ära als NBA-Commissioner zu krönen.

Stern: Es wäre ein Erfolg, trotzdem es ist nicht mein ultimatives Ziel. Ich finde, dass wir beim Thema Internationalität gut aufgestellt sind: Über alle Social-Media-Kanäle erreichen wir 300 Millionen Menschen. Wenn wir eine Nation wären, wären wir die drittbevölkerungsreichste Nation der Welt. China, Indien - und dann die NBA. Wir müssen die vorhandenen Potenziale nur besser nutzen. Nur ein Beispiel: In Mumbai sitzen fünf NBA-Mitarbeiter. Eigentlich sollten wir dort 500 Mitarbeiter haben, um in Indien schneller zu wachsen, mehr Sponsoren zu finden, bessere TV-Verträge abzuschließen. Das gilt für viele Länder.

Silver: Wir dürfen nicht vergessen: Dank des League Pass kann jeder NBA-Fan auf der Welt zumindest virtuell nah dran sein an seinem Lieblingsteam. Er kann im Internet sofort alle Recaps lesen und unterwegs sich die Highlight-Clips anschauen. Der NBA-Fan in den USA ist mittlerweile nicht mehr privilegiert - abgesehen von der Zeitverschiebung, was das größte Problem darstellt.

Stern: Das wird einer der nächsten Schritte sein: Die Tipoff-Zeiten so anzupassen, dass die Spiele in den anderen Ländern zur Primetime laufen können.

SPOX: Bereits vor 8 Jahren gab Herr Stern ein langes Interview, in dem er seine Vorstellung von der digitalen Revolution skizzierte. Was damals fast schon illusorisch geklungen hatte, wurde zur Realität: Die NBA gehört zu den Pionieren der digitalen Revolution. Woher hatten Sie die Vision?

Stern: Adam half mir sehr dabei, die richtige Perspektive einzunehmen. Schon vor zehn Jahren lebten wir in einer Zeit, in der man eine Idee im Kopf entwickelte - und sie jemand anders schon umgesetzt hatte. Daher wollte ich einen Schritt voraus sein. Ich wusste, dass unsere Fans sehr jung und affin sind zu neuen Medien. Unsere Spieler selbst sind ebenfalls Trendsetter gewesen, indem sie als erste Sportler die neuen Social-Media-Kanäle nutzten. Wer kann sich noch an die Werbespot erinnern mit dem Handy zum Aufklappen, mit dem Dwyane Wade SMS geschrieben hat? Damals war das richtig fortschrittlich. Wir lernten davon und wollten die Ersten sein, die den Digital Promise, das digitale Versprechen, einlösen.

SPOX: Was kommt als Nächstes?

Stern: Ich glaube, nach dem Thema Mobilität kommt das Thema Vernetzung. Vielleicht kommen wir an den Punkt, an dem jeder NBA-Fan der Regisseur des eigenen Spiels ist: Er entscheidet, aus welchem Winkel er auf den Court schaut und welchem Spieler er folgt. Das alles kann er von seinem Smartphone machen und dabei den Hallensound in Dolby Surround hören und sich dabei den eigenen Boxscore anzeigen lassen. Intelligentes Fernsehen ist das Schlagwort. Unsere Fans werden zukünftig auf allen erdenklichen Ebenen vernetzt sein.

SPOX: Herr Stern, Sie und Mavs-Besitzer Mark Cuban, der mit dem Internet ein Milliarden-Vermögen verdient hat, eint offenbar der gleiche Glaube an die digitale Revolution. Ist er dennoch der Owner, der Ihnen in den letzten Jahren am meisten auf den Nerv ging?

Stern: Ich werde Mark nicht damit auszeichnen, dass ich ihm einen Superlativ gebe, selbst wenn er negativ gemeint sein sollte. (lacht) Spaß beiseite: Es glaubt mir niemand, aber ich genieße es, mich mit Mark auszutauschen. Manchmal kontrovers, manchmal einvernehmlich. Ich bewundere es, wie Mark es geschafft hat, die Fans in Dallas so zu mobilisieren, dass die Halle immer ausverkauft ist. Die Fans spüren, dass sich der Besitzer um sie sorgt und dass es ihm wichtig ist, sie zu unterhalten. Mark macht alles für die Fans und fast alles fürs Entertainment. Ich habe letztens laut auflachen müssen, als ich von Mark das Zitat hörte: "Die Trading-Phase beginnt - und die Bank of Cuban hat die Türen geöffnet!" Großartig! Ich liebe es! So etwas möchte ich in der NBA sehen.

"Hoeneß war sehr neugierig": Hier geht's zu Teil II

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