Samstag, 05.06.2010

Benzing-Berater Marko Pesic im Interview

NBA: Benzing spielt in Italien vor

Beim hochkarätigen Eurocamp im italienischen Treviso an diesem Wochenende misst sich Deutschlands NBA-Hoffnung Robin Benzing (21) vor den Augen etlicher NBA-Teams mit den besten Talenten Europas. Der Draft 2010 ist realistisch - aber er bleibt der BBL erhalten. Sein Berater und Ex-Nationalspieler Marko Pesic spricht bei SPOX über das Individual-Training mit seinem Vater und das Vorbild Marc Gasol.

Robin Benzing in der Saison 2009/10: 12,5 Punkte, 2,5 Rebounds, 1,2 Assists
© Imago
Robin Benzing in der Saison 2009/10: 12,5 Punkte, 2,5 Rebounds, 1,2 Assists

SPOX: Haben Sie bereits für den 24. Juni einen Flug nach New York gebucht?

Marko Pesic: Nein, soweit kann ich noch gar nicht planen.

SPOX: Der Draft ist aber schon in knapp drei Wochen, und Ihr Klient Robin Benzing hat realistische Chancen, von einem NBA-Team ausgewählt zu werden.

Pesic: Am Wochenende steht jedoch erstmal das Eurocamp in Treviso an - und von den Gesprächen dort machen wir abhängig, wie wir weiter vorgehen. Es kann sein, dass es nach dem Wochenende konkrete Anfragen gibt. Dann müssen wir spontan entscheiden, was passiert.

Marko Pesic ist Geschäftsführer der Agentur "Lumani 10.7"
Marko Pesic ist Geschäftsführer der Agentur "Lumani 10.7"
© imago

SPOX: Wie ist der genaue Zeitplan?

Pesic: Am 8. Juni, einen Tag nach dem Eurocamp, setze ich mich mit Robin zusammen und wir legen unsere Strategie fest. Bis spätestens 14. Juni müssen wir mitteilen, ob Robin in der Draft-Liste bleibt oder ob er sich rausstreichen lässt, um sich nächstes Jahr neu anzumelden.

SPOX: Warum nimmt Benzing nicht wie Tim Ohlbrecht an Probetrainings in den USA teil, um die Chancen zu erhöhen?

Pesic: Es gab sehr viele Anfragen von NBA-Teams, aber wir haben uns aus zwei Gründen gegen die Workouts entschieden. Erstens: Wir wollen nicht unnötig Druck aufbauen, Robin muss ja nicht dieses Jahr unbedingt gedraftet werden. Zweitens: Es war sinnvoller, in Deutschland zu bleiben, um individuell an Robins Spiel zu arbeiten. Denn im Sommer wird die Grundlage geschaffen, um sich weiterzuentwickeln.

SPOX: Benzings Privattrainer war kein Geringerer als ihr Vater und Trainer-Legende Svetislav Pesic. Wie zufrieden war er?

Pesic: Robin ist ein sehr intelligenter junger Mann, dem klar ist, dass er wie ein Arbeitstier schuften muss, um sich weiter zu verbessern. Er ist mit viel Enthusiasmus und Geduld nach Berlin gekommen und hat mit meinem Vater 17 Tage lang sehr intensiv geschuftet. Dementsprechend zufrieden war mein Vater.

Video: So trainiert Benzing mit Svetislav Pesic, Part I

Video: So trainiert Benzing mit Svetislav Pesic, Part II

Video: So trainiert Benzing mit Svetislav Pesic, Part III

Video: So trainiert Benzing mit Svetislav Pesic, Part IV

Video: So trainiert Benzing mit Svetislav Pesic, Part V

SPOX: Svetislav Pesic lobte Benzing sogar mit den Worten: "Erst war Henning Harnisch da, dann kam Dirk Nowitzki, jetzt kommt Robin Benzing!"

Pesic: Er wollte damit nicht andeuten, dass Benzing bereits in einem Atemzug mit Henning und Dirk genannt werden könnte. Vielmehr wollte mein Vater ausdrücken, dass die drei mehr oder weniger ähnliche Positionen spielen und Robin damit die deutsche Historie an überdurchschnittlich guten Flügelspielern fortsetzt.

SPOX: Benzing war mit 12,5 Punkten im Schnitt der beste deutsche Scorer der BBL-Saison. Könnte ein Wechsel in die NBA jedoch vielleicht zu früh kommen?

Pesic: Es lässt sich derzeit überhaupt nicht voraussagen, wie die nächsten Tage werden. Aber eine Sache ist zu 99,9 Prozent sicher: Robin spielt 2010/11 in Deutschland. Unabhängig davon, wie, wo und wann er gedraftet wird.

SPOX: Bleibt er in Ulm?

Pesic: Robin hat bis 2011 Vertrag in Ulm.

SPOX: Aber sollte er nicht zu einem besseren Klub gehen, um den nächsten Schritt zu schaffen?

Pesic: (lacht) Robin hat bis 2011 Vertrag in Ulm. Mehr gibt es nicht zu sagen.

SPOX: Warum schließen Sie so gut wie aus, dass Benzing nach Übersee wechselt? In dieser Saison haben Spieler wie Rodrigue Beaubois, Omri Casspi oder Jonas Jerebko bewiesen, dass man sich als europäisches Talent sofort in der NBA durchsetzen kann, auch wenn man tief in der ersten Runde oder im Fall von Jerebko sogar erst in der zweiten Runde gedraftet wird.

Pesic: Es gibt aber auch Spieler, bei denen es sich bewährt hat, ein, zwei Jahre länger in Europa zu bleiben. Mein guter Freund Marc Gasol beispielsweise wurde 2007 an Nummer 48 gedraftet und blieb eine weitere Saison in Spanien. Jetzt ist er in Memphis nicht mehr wegzudenken und gehört zu den besten Centern der Liga.

SPOX: Gasol ist ein positives Beispiel. Andere Spieler wie Renaldas Seibutis oder Mile Ilic gerieten jedoch in die Vergessenheit, nachdem Sie in Europa geparkt wurden.

Pesic: Nichts ist voraussehbar. Es kann in der Tat sein, dass Robin gedraftet wird und dennoch nie in die NBA wechselt. Alles ist möglich. Dejan Bodiroga wurde auch gedraftet, hat nie in der NBA gespielt - und gehört dennoch zu den Legenden des Basketballs. Als Brandon Jennings 2008 direkt von der Highschool nach Rom gegangen ist, dachte jeder, dass es eine katastrophale Fehlentscheidung ist - und dann geht er ein Jahr später nach Milwaukee und macht 55 Punkte in einem NBA-Spiel. Es hängt immer vom einzelnen Spieler ab.

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