Montag, 21.04.2008

NBA: Hornets provozieren Dirk

So wie einst Magic und Sir Charles

München - Es war spät im Spiel. Es war klar, dass Dallas verlieren würde, und es war keine besonders erwähnenswerte Szene: Zwei Spieler gehen Face to Face, provozieren ein wenig und kriegen beide von den Refs ein Technisches Foul verpasst, damit wieder Ruhe herrscht. 

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© Getty

Selbst wenn da zwei All Stars aufeinander prallen, ist das nicht viel mehr als eine Randnotiz. Oder doch nicht? Hat David West bei seinem Tete-a-tete mit Dirk Nowitzki im ersten Playoff-Match der New Orleans Hornets gegen die Dallas Mavericks den Bogen vielleicht etwas überspannt, als er dem Deutschen etwas despektierlich mehrfach die Wange tätschelte?

War das eine ganz normale Konfrontation im Eifer des Gefechts oder die zur Schau gestellte Respektlosigkeit gegenüber dem schon geschlagenen Gegner?

Die Mavericks jedenfalls wollten dem Zwischenfall keine große Bedeutung beimessen, ganz anders dagegen der erlesene Expertenkreis des Fernsehsenders "TNT".

Erregte Legenden

Die früheren NBA-Größen Magic Johnson, Charles Barkley und Kenny Smith ereiferten sich nach Kräften über den Vorfall.

Magic: "Du kannst dir in den Playoffs doch nicht von einem anderen Kerl ins Gesicht fassen lassen."

Sir Charles: "Ich liebe Dirk Nowitzki. Er ist fantastisch, ein großer Spieler. Aber sie wollten ihm sagen: 'Du bist ein Weichei!' Das ist die Message."

Smith: "Dallas muss sie bei den nächsten Plays dafür bluten lassen. Der Ball muss zu Dirk und er muss sagen: 'Wisst ihr was?! Jetzt kriegt ihr die Quittung für eure Respektlosigkeit!"

Barkley hätte es dann noch besser gefunden, wenn Nowitzki Wests Hand weggeschlagen und ihm anschließend auf dem Platz gezeigt hätte, wo der Hammer hängt.

Wie bereits erwähnt, Nowitzki und die Mavs blieben cool. Den Rat der TNT-Weisen konterte Klub-Besitzer Mark Cuban auf seine Weise aus: "Ich liebe diese Jungs, aber sie leben in 1998. Wenn du dich heutzutage wehrst, wirst du gesperrt."

Die besten Bilder der Playoffs

Nowitzki cool

Nowitzki beließ es bei Phrasen: "Wir haben ein sehr körperbetontes Spiel geführt. Wir sind nicht nur einmal aneinander geraten, aber so sind die Playoffs nun mal."

Teamkollege Jason Kidd bemühte sich um Verständnis für West: "Man kann es von dem Standpunkt aus sehen, dass sie nicht klein beigeben wollten."

Die beste Antwort, die Nowitzki und Co. auf die Provokationen geben können, ist ohnehin ein Sieg im zweiten Duell in der Nacht zum Mittwoch in der New Orleans-Arena.

Schlechte Statistik

Allerdings spricht die Statistik nicht unbedingt dafür. Fast zwei Jahre liegt der bislang letzte Auswärtserfolg in den NBA-Playoffs mittlerweile zurück. Sieben Versuche stehen seitdem zu Buche.

Am 3. Juni 2006 hatten die Mavs im sechsten Spiel der Western-Conference-Final gegen die Phoenix Suns gewonnen. Seitdem setzte es in den Playoffs nur noch Auswärts-Schlappen - je drei Pleiten gegen die Miami Heat in den Finals 2006 und den Golden State Warriors im letzten Jahr.

Zudem kommt die schlechte Auswärtsquote gegen Teams mit einer positiven Bilanz seit dem Trade von Kidd am 19. Februar. Sie lautet: 1-8. Für die ambitionierten Texaner einfach nur eine peinliche Statistik, die gegen die Hornets schnellstens korrigiert werden soll.

Einfach mal machen 

Nowitzki gab sich aber optimistisch: "Du brauchst in den Playoffs Kontinuität, die wir bisher in der zweiten Spielhälfte gegen New Orleans noch nicht hatten. Wir sind zuversichtlich, dass wir auswärts gewinnen können. Wir müssen es einfach nur tun."

Und Kidd fügte hinzu: "Jede Serie reißt einmal und hoffentlich schaffen wir dies am Dienstag."

Dafür muss aber vor allem die Wurfquote (33,3 Prozent) deutlich besser werden. Zudem gilt es Chris Paul zu stoppen. Der Spielmacher der Hornets drehte in der zweiten Hälfte der ersten Partie groß auf und lag am Ende bei 35 Punkten.

Und es gilt sich zu wehren. Zur Not auch im Retro-Stil von 1998. Magic und Sir Charles hätten ihren Spaß.

Vincent Alberola

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