Team USA im Check

Olympia: Sorry, Blake!

Von Florian Regelmann
Dienstag, 20.03.2012 | 12:47 Uhr
In diesen neuen Jerseys wird Team USA bei den Olympischen Spielen antreten
© nike
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Den vorläufigen Kader für die Olympischen Spiele hat USA Basketball bereits im Januar bekannt gegeben, aber wie wird das Team am Ende wohl zusammengesetzt sein? Welche sieben Superstars werden den Cut nicht überstehen? So würde der SPOX-Kader aussehen.

Punkt 1: Es gibt auf ewige Zeiten nur ein Dream Team. Die 1992 Edition. Punkt 2: Magic Johnson erklärte vor kurzem in einem Interview bei SPOX, dass das Dream Team von 1992 die heutige Truppe "zerstören" würde. Punkt 3: Obwohl Magic damit wohl Recht hat, wird die US-Mannschaft, die bei den Olympischen Spielen in London aufzocken wird, der absolute Wahnsinn sein.

Im Moment umfasst der vorläufige Kader von Team USA noch 20 Spieler - Chauncey Billups, der für den Coaching Staff um Cheftrainer Mike Krzyzewski und seine Assistenten Jim Boeheim (Syracuse), Mike D'Antoni (Ex-Knicks-Coach) und Nate McMillan (Ex-Portland-Coach) eine sehr interessante Option gewesen wäre, fällt wegen seines Achillessehnenrisses leider definitiv aus.

Es müssen also noch sieben Spieler gestrichen werden. "Wir haben eine unglaubliche Anzahl von Spielern, die dabei sein wollen. Viel mehr, als wir Plätze im Kader haben", meint General Manager Jerry Colangelo. Für Krzyzewski ist es jetzt schon das talentierteste der drei Teams, die er gecoacht hat.

Wie sollte der 12er Kader für London nun also aussehen? Wie würdet Ihr entscheiden?

Der SPOX-Team-USA-Kader:

Point Guard:

Starter: Chris Paul (Los Angeles Clippers)

Alleine bei der Auswahl des Starting-Point-Guards kann man schon böse Kopfschmerzen bekommen. Dennoch ist die Sache im Endeffekt klar: CP3 wird starten. Der Trade zu den Clippers hat Paul extrem gut getan, er spielt eine überragende Saison und wird auch in London der Katalysator für die US-Offense sein. Mit seiner Uneigennützigkeit der ideale Spielmacher für das US-Team.

Backup: Derrick Rose (Chicago Bulls)

Der amtierende NBA MVP als Backup? Halleluja. Aber genau so wird es sein. Obwohl Rose schon wieder eine MVP-Saison abspult, wird der Bulls-Superstar seine Explosivität nur von der Bank bringen. Die Wehwehchen, die ihn während der aktuellen Saison begleiten, machen ein bisschen Sorgen, aber Rose nicht mitzunehmen, wäre selbstredend völliger Nonsens.

Nummer drei: Deron Williams (New Jersey Nets)

Colangelo und Coach K werden auf jeden Fall einen dritten Point Guard mitnehmen. Und die Entscheidung wird und sollte für Williams ausfallen. Der 27-Jährige spielt in seiner ersten vollen Saison in New Jersey in puncto Scoring sein bestes Jahr seiner Karriere. Nicht schlecht, wenn jemand, der in dieser Saison schon 57 Punkte in einem Spiel gemacht hat, die dritte Option ist. D-Will wird im Normalfall nicht viele Minuten bekommen, was für eine Verschwendung.

Out: Chauncey Billups (Los Angeles Clippers, verletzt), Russell Westbrook (Oklahoma City Thunder)

Es wäre extrem schwer geworden, Billups als Mr. Big Shot und perfekten Mann für die Teamchemie draußen zu lassen - so wird der Härtefall Westbrook heißen. Klar, aufgrund seines Scorings und seiner brutalen Athletik wäre Westbrook eine Top-Option, im Vergleich zu Williams zieht er alleine schon wegen seiner schwierigen Persönlichkeit den Kürzeren. Außerdem ist er erst 23 und wird noch einige Chancen haben, im Team zu stehen.

Shooting Guard:

Starter: Kobe Bryant (Los Angeles Lakers)

Wenn man bedenkt, mit welchen Verletzungsproblemen er sich die ganze Zeit herumschlägt, müsste man eigentlich denken, dass er es sich gut überlegen sollte, ob er seinem Körper nicht im Sommer eine Pause gönnt. Aber hey, es ist Kobe. Egal, was zwickt oder zwackt, er spielt eh immer. Und er ist trotz seiner Verletzungen der NBA-Topscorer in dieser Saison. Mit seinem besten Punkteschnitt seit der Saison 2006-07. Seine Rolle im Team ist klar definiert. Es ist die gleiche wie schon in Peking. "Ich bin nur der Closer. Die Big Shots treffen, das ist das, was ich mache. Sie können mich auch nur für die letzten Minuten bringen, wenn sie mich brauchen. Bei dem Team mit Jungs wie LeBron, Durant, D-Wade muss ich gar nicht viel mehr machen", sagt Bryant. Für den Lakers-Superstar ist das 2012er Team in Sachen Talent übrigens das beste aller Zeiten. "Für uns sind das große Olympische Spiele. Wir haben die Möglichkeit, unseren Status als Powerhouse wieder zu zementieren", erklärte Bryant.

Backup: Dwyane Wade (Miami Heat)

D-Wade als Backup für Kobe - auch das ist natürlich ein krasser Luxus. Wade legt momentan in Sachen Field Goal Percentage die beste Saison seiner Karriere hin. Sollte in der Crunchtime gemeinsam mit Bryant auf dem Feld stehen.

Out: Eric Gordon (New Orleans Hornets)

Leider ein ganz klarer Streichkandidat. Gordon ist ein klasse Spieler, vor allem ein großartiger Scorer, wird aber vom Verletzungspech verfolgt. Aktuell fällt er wegen einer Knie-OP aus - er hat seit seinem Trade von den Clippers nach New Orleans erst zwei Spiele für die Hornets machen können. Spielte stark bei der WM in der Türkei und wird in Zukunft ein fester Bestandteil des US-Teams sein.

Small Forward:

Starter: LeBron James (Miami Heat)

Es steht außer Frage, dass wir in dieser Saison den besten LeBron James aller Zeiten sehen. Nur eine Statistik: Seine Trefferquote aus dem Feld liegt nahe der 55 Prozent. Womit wir schon beim Schlüssel für James' neues Level sind. Er hat tatsächlich hart an seinem Post-Game gearbeitet und ballert nicht wie früher zu viele Dreier. Er nimmt so wenige Würfe von Downtown wie noch nie in seiner Karriere, seine Shot-Selection ist viel besser geworden. Wenn er jetzt Dreier nimmt, trifft er sie auch hochprozentig. Einziger Kritikpunkt, der nach wie vor bleibt: James ist kein Closer. Ist er einfach nicht.

Backup: Carmelo Anthony (New York Knicks)

Melo ist in der Clutch eigentlich das Gegenteil von James - ihm würde man in der Crunchtime jederzeit den Ball geben. Aber: Anthony erlebt in New York eine Horror-Saison. Seine Verletzungsprobleme sind da keine Ausrede. Alle Shooting-Quoten sind weit nach unten gegangen, dazu kamen Gerüchte, dass Anthony aus NY wieder weg will. Im Madison Square Garden wurde er sogar schon mal ausgebuht. Dennoch ist sein Platz als James-Backup nicht gefährdet. In Peking war er noch Starter, aber jetzt gibt es Durant und Anthony wandert ins B-Team.

Nummer drei: Andre Iguodala (Philadelphia 76ers)

Überraschung Nummer eins. Iguodala hätte eine Nominierung absolut verdient. Vor Jahren machte Iggy mal knapp 20 Punkte im Schnitt, seitdem ist sein Scoring Schritt für Schritt weniger geworden. In dieser Saison sind es keine 13 Punkte mehr pro Partie, aber das heißt überhaupt nichts. Sein Wert ist deshalb nicht kleiner geworden. Iguodala ist der perfekte Allrounder, der jedem Team, auch Team USA, gut tut. Er reboundet, er verteilt Assists, er trifft gut von draußen, und er verteidigt auf absolut höchstem Niveau. Seine Defense half Team USA in der Türkei, sie würde Team USA auch in London helfen, um die gegnerischen Topscorer zum Verzweifeln zu bringen. Dazu ein guter Charakter. Kurzum: Iguodala for London!

Out: Rudy Gay (Memphis Grizzlies), Lamar Odom (Dallas Mavericks)

Über Odom muss man wirklich nicht lange sprechen. Dass er überhaupt noch im Kader auftaucht, ist angesichts der grottigen Saison, die er in Dallas hinlegt, schon ein Witz an sich. Hat in der Verfassung da natürlich nichts zu suchen und wird nicht dabei sein. Bei Gay liegt die Sache anders. Der Forward spielt eine glänzende Saison für die Grizzlies, muss aufgrund der Konkurrenz aber auch bis zu den nächsten Olympischen Spielen warten, bis seine Zeit kommt.

Power Forward:

Starter: Kevin Durant (Oklahoma City Thunder)

James wird auf der Drei starten, Durant auf der Vier. KD ist mit seinen Shooter-Qualitäten und Physis wie dafür gemacht, um im internationalen Basketball die Vier zu spielen. Für die gegnerischen Power Forwards ist er viel zu schnell. Ansonsten gibt es bei Durant, der bei der WM in der Türkei ein überragendes Turnier spielte, nicht viel zu sagen. Spielt eine Monster-Saison, trifft zum ersten Mal in seiner Karriere an die 50 Prozent aus dem Feld und ist auch ein besserer Passer geworden. Der klare Go-to-Guy des zukünftigen US-Teams.

Backup: LaMarcus Aldridge (Portland Trail Blazers)

Überraschung Nummer zwei. Es gibt Quellen aus dem Team-Umfeld, die glauben, dass Aldridge einen Platz bekommen wird. Das Argument für den Blazers-Star liegt klar auf der Hand: sein Shooting. Aldridge ist ein guter Schütze aus der Mitteldistanz - und von dieser Sorte kann man im internationalen Basketball nie genug von haben. Es wäre sicher ein Pick, der für Aufsehen sorgen würde, es ist tendenziell wohl auch nicht wahrscheinlich, aber Aldridge sollte eine Fahrkarte bekommen.

Out: Blake Griffin (Los Angeles Clippers), Chris Bosh (Miami Heat)

Sorry, Blake. Würde SPOX das Team zusammenstellen, müsstest du zuhause bleiben. Es gibt widersprüchliche Meldungen, ob Griffin gesetzt ist oder nicht, aber eines steht fest: Olympia ist kein Showtime-Event. Seine Dunks wären ohne Frage spektakulär, aber für die Mannschaft wäre Aldridge die bessere Option. Griffins Wurf ist viel zu wackelig. Auch im Vergleich mit Bosh setzt sich Aldridge durch. Es bleibt die große Frage, ob man sich trotz des Drucks, Griffin mitnehmen zu müssen, traut, eine Entscheidung pro Aldridge zu treffen. Und ob James und Wade nicht entscheiden, dass Bosh mit muss...

Center:

Starter: Dwight Howard (Orlando Magic)

Zu Howards Gehabe im nervigen Trade-Theater um seine Person kann man geteilter Meinung sein. Aber es ist durchaus bemerkenswert, wie Howard trotz der täglichen Spekulationen seine Leistung abgerufen hat. Er greift zum ersten Mal in seiner Karriere mehr als 15 Rebounds pro Partie ab und hat seine Liste von 20-20-Spielen in dieser Saison schon extrem verlängert. Der beste Center der Welt. Punkt. Der dreifache Defensive Player of the Year wird der Anker der US-Defense sein. Wenn er doch nur ein paar mehr Freiwürfe treffen würde...

Backup: Kevin Love (Minnesota Timberwolves)

Love muss dabei sein, alles andere wäre kriminell. Der Franchise-Player der aufstrebenden T-Wolves ist der beste Power Forward der NBA - und im Team USA die ideale Besetzung als Backup-Center für Howard. Mehr als einen echten Center braucht Team USA auf internationalem Terrain, wo die meisten Center ohnehin viel am Perimeter agieren, nicht. Love ist bekanntermaßen nicht nur ein Tier am Brett, sondern vor allem ein Weltklasse-Schütze mit einer riesigen Range. Kann der große X-Faktor für dieses Team werden.

Out: Tyson Chandler (New York Knicks)

Es fällt schwer, Chandler nicht mitzunehmen. Ähnlich wie es Billups gewesen wäre, sprechen der Charakter und seine Leadership-Qualitäten für ihn. Dazu kommt seine Größe als 7-Footer. Und: Chandler spielt eine richtig gute Saison für die Knicks, so ist er die klare Nummer eins in der NBA in Sachen Field Goal Percentage (knapp 70 Prozent!). Dennoch ist für Chandler leider kein Platz, weil diese Mannschaft ihn schlicht und ergreifend nicht zwingend benötigt.

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