Motorsport

Bradl traut dem Braten (noch) nicht

SID
Darf Stefan Bradl bald etwa schon vorzeitig jubeln? Bradl steht kurz vor dem Gewinn der Weltmeisterschaft
© Getty

Für Stefan Bradl ist der Gewinn seines ersten Weltmeistertitels zum Greifen nah. Höchstwahrscheinlich hat der 21-Jährige die WM-Krone sogar schon vor dem Start beim Saisonfinale in Valencia sicher.

Stefan Bradl wollte die Glückwünsche lieber nicht annehmen. "Ich traue dem Ganzen nicht", sagte der Motorrad-Pilot, als ihn die Nachricht vom angeblichen Startverzicht seines einzigen Titelkonkurrenten Marc Marquez vor dem Abflug nach Valencia erreichte. Der 21-Jährige tat gut daran, die vermeintliche Entscheidung im Rennen um die WM-Krone in Frage zu stellen, denn schnell sah die Sache schon wieder ganz anders aus. Hinter dem Einsatz des Spaniers steht vor dem Saisonfinale in seiner Heimat zwar weiter ein großes Fragezeichen, eine kleine Chance gibt es aber noch.

Marquez war das große Thema unmittelbar vor dem Start ins Rennwochende, nicht etwa Bradl. Schließlich spielt der amtierende 125ccm-Champion bei der Vergabe des Moto2-Titels ein ganz entscheidende Rolle. Nur das Supertalent kann noch verhindern, dass Deutschland den ersten Motorrad-Weltmeister seit 18 Jahren feiert. Muss Marquez am Sonntag zuschauen, weil seine aus einem Trainingssturz resultierenden Sehstörungen einen Start unmöglich machen, gehört der Titel Bradl.

Schicksal selbst in der Hand

Der Spitzenreiter beschäftigt sich nur nebenbei mit den Problemen seines spanischen Rivalen, in erster Linie konzentriert sich Bradl wie immer auf sich selbst. Vor allen Dingen, weil er sein Schicksal selbst in der Hand hat. Trotz der ausgezeichneten Ausgangslage versucht der Kalex-Pilot, sich auf einen ganz normalen Grand Prix einzustellen, auch wenn es diesmal schwer fällt. "Ich verspüre nicht mehr Druck als vor einem anderen Rennen, aber es ist schon ein anderes Gefühl als sonst", gibt Bradl zu.

Der Grund dafür ist einfach, der Titel liegt für den Zahlinger auf dem Präsentierteller. Bradl hat vor dem möglichen Showdown 23 Punkte Vorsprung auf seinen Verfolger Marquez, schon ein 13. Platz würde dem Sohn des früheren Vizeweltmeisters Helmut Bradl beim Griff nach der Trophäe reichen. Suter-Pilot Marquez hat nur dann eine Chance, wenn Bradl weniger als drei Punkte holt und er selbst das Rennen vor seiner Haustüre gewinnt. Dass dieses Kunststück dem Wunderkind aus Katalonien im derzeitigen Gesundheitszustand gelingt, darf angezweifelt werden.

Alles spricht für Bradl

Die Aussichten, als erster deutscher Pilot nach Dirk Raudies wieder einen WM-Titel nach Deutschland zu holen, könnten kaum besser sein. Raudies hatte 1993 in der 125ccm-Klasse triumphiert, am Wochenende drückt er kräftig die Daumen. "Stefan wird am Sonntag hoffentlich neuer Weltmeister", sagte der heute 47-Jährige dem kicker.

Bradl steht vor dem Höhepunkt seiner bisherigen Karriere, die beherrschende Figur rund um den Grand Prix wird aber eine andere sein. In Spanien steht das erste Rennen nach dem tödlichen Unfall des Italieners Marco Simoncelli an.

Bradl ist froh darüber, dass es nach der Tragödie von Malysia weitergeht: "Ich denke, es ist auch im Sinne von Marco, dass wir uns wieder unseren Sport konzentrieren. Ich denke, er hätte das auch so gewollt. Wenn wir dann am Sonntag auf eine erfolgreiche Saison anstoßen können, werden unsere Gedanken sicher auch mit bei ihm sein."

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