Dienstag, 15.11.2011

Bayreuth-Geschäftsführer Manfred Schöttner im Interview

"Durant-Entscheidung bis Mittwoch"

Angesichts des wahrscheinlichen Totalausfalls der NBA-Saison ist das Unmögliche weiter möglich: Bayreuths Geschäftsführer Manfred Schöttner verrät bei SPOX die Details im Poker um NBA-Superstar Kevin Durant. Der Plan: Nach Weihnachten kommt es zum Kracher gegen die Bayern.

NBA-Superstar Kevin Durant soll im Winter ein BBL-Gastspiel in Bayreuth geben
© Getty
NBA-Superstar Kevin Durant soll im Winter ein BBL-Gastspiel in Bayreuth geben

SPOX: Wie verliefen die letzten zwei Tage, seitdem bekannt wurde, dass Bayreuth mit Kevin Durant verhandelt?

Manfred Schöttner: Es war medialer Ausnahmezustand. Ich muss ehrlich sagen, dass ich den Überblick verloren habe. Es gab Anfragen aus der ganzen Welt, natürlich aus den USA, aber auch aus China oder sogar Kolumbien. Die letzten 48 Stunden verliefen außerhalb der Normalität.

SPOX: Die erste Reaktion in Deutschland war: Es kann nur ein PR-Gag sein.

Schöttner: Ganz und gar nicht. Was hätten wir davon? Wenn es nicht klappt, würde am Ende nur die Frage aufkommen: "Was sind das denn für komische Leute in Bayreuth?" Nein, das ist ein absolut seriöses Thema. Es ist nicht unsere Art, in der deutschen Basketball-Szene einen Ballon aufsteigen zu lassen, um zu demonstrieren, wie toll wir sind. Wir hatten mit Durants Agenten Aaron Goodwin ganz klar ausgemacht, dass wir vertraulich verhandeln. Erst wenn es geklappt hätte, wäre die Bombe geplatzt.

Bayreuth-Geschäftsführer Manfred Schöttner
Bayreuth-Geschäftsführer Manfred Schöttner
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SPOX: Doch Durant kam zuvor und sprach offen davon, dass für ihn Valencia, Tel Aviv und Bayreuth in Frage kommen.

Schöttner: Wir waren der Meinung, dass wir uns auf die uns zugesicherte Diskretion verlassen können. Aber es ist nun mal so, wie es ist, und wir gehen mit der Sache um.

SPOX: Haben Sie überlegt, wegen Durants Äußerung die Verhandlungen zu stoppen?

Schöttner: Nein, sicher nicht. Unsere Programmpunkte werden weiter abgearbeitet.

SPOX: Verraten Sie uns Details? Wie lange würde Durant in Bayreuth spielen?

Schöttner: Geplant sind zwei Partien direkt nach Weihnachten. Am 27. Dezember das Heimspiel gegen Bremerhaven und am 29. Dezember das Auswärtsspiel beim FC Bayern.

SPOX: Wann erwarten sie eine Entscheidung von Durant?

Schöttner: Nach meinem Kenntnisstand entscheidet sich Durant im Verlauf des Dienstags oder spätestens am Mittwoch.

SPOX: Woran hakt es noch?

Schöttner: Wir sind weiter im Rennen, einige stellen sich das trotzdem sehr leicht vor. Unser Angebot liegt auf dem Tisch, die große Unbekannte ist jedoch die Versicherungssumme. Wir wissen keine Details: Wie hoch ist die Prämie? Welches Risiko muss abgedeckt sein? Da kann noch etwas auf uns zukommen.

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SPOX: Heißt?

Schöttner: Es ist totales Neuland für uns, mit so einer Konstellation hatten wir noch nie zu tun. Dafür haben wir überhaupt kein Gespür. Im Extremfall könnte es sein, dass Durant mit einer schweren Verletzung berufsunfähig wird, dann reden wir von einer ganz anderen Summe als bei einer Zerrung. Die Diskussion kennen wir ja vom DBB, wenn es darum geht, Dirk Nowitzki für ein Großturnier zu versichern. Wir warten ab, bis wir alle Faktoren kalkulieren können. Vielleicht sagen wir, dass wir bei so einer Summe aussteigen müssen.

SPOX: Der Lohn ist dank Sponsorengelder finanzierbar?

Schöttner: Es gibt Unternehmen, die sonst nicht am klassischen Sport-Sponsoring interessiert sind, sich dafür aber auf solche speziellen Events fokussieren. Durant würde eine unglaubliche mediale Wirkung erzielen.

SPOX: Ihren Hauptsponsor dürften Sie nicht meinen. "TenneT" ist ein lokaler Strom-Netzbetreiber.

Schöttner: Unser Hauptsponsor ist nicht involviert. Das betreffende Unternehmen gehört nicht zu unserem derzeitigen Sponsorenkreis.

SPOX: Auch im Falle einer Einigung bei Gehalt und Versicherung: Warum soll Durant in Bayreuth und nicht bei einem Topklub sein Gastspiel geben?

Schöttner: Da müssen wir noch genau nachfragen. Die richtige Intention konnte uns noch keiner erhellend beantworten.

SPOX: Es gibt keine Querverbindungen zu einem Bayreuther Spieler, mit dem Durant befreundet ist? Im Kader gibt es mit Sinan Samuel Durant sogar einen deutschen Nachwuchsspieler mit gleichem Nachnamen.

Schöttner: Nein, wir haben alles sondiert. Sinan ist ein großes Talent, er hat jedoch genauso wenig eine Verbindung zu Kevin Durant wie die Spieler aus den USA. Der Anruf von seinem Agenten vor drei Wochen war wirklich der Erstkontakt.

SPOX: Wie verlief die Kontaktaufnahme?

Schöttner: Erstaunlicherweise hat Aaron Goodwin direkt bei unserem Manager Uli Eichbau am Handy angerufen. Wir waren völlig überrascht davon, dass ein NBA-Agent mit uns kleinen Bayreuthern sprechen wollte. Erstmal dachte Uli, dass es ein Scherz sei, aber im Verlauf des Gesprächs wurde klar, dass es ernst gemeint ist. Die Gespräche verlaufen seitdem fair und sachlich, das sind eben Profis.

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2. Kobe Bryant (Los Angeles Lakers), 83
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SPOX: Im Spaß spekulieren viele, dass Durant ein heimlicher Richard-Wagner-Fan ist.

Schöttner: Ich habe sogar davon gehört, dass bei einer Recherche angeblich rauskam, dass Durant tatsächlich gerne klassische Musik hört. Doch das sind wohl wirklich nur Spekulationen.

SPOX: Wären Sie genauso interessiert, wenn es sich um Allen Iverson oder der in Metta World Peace umbenannte Ron Artest gehandelt hätte?

Schöttner: Es war ein Thema, das uns beschäftigt. Angeblich soll Durant jemand sein, der pflegeleicht ist und keine Allüren pflegt. Es stellt sich natürlich die Frage: Hätte Durant sportlichen Sinn?

SPOX: Und?

Schöttner: Unser Trainer Marco van den Berg würde für Durant eine Ausnahme machen, dennoch sagt er auch völlig zu Recht: 'Solange Durant nicht in der Halle steht, beschäftige ich mich nicht damit.'

SPOX: Ihre Mannschaft gilt als Abstiegskandidat, hat sich nach dem Trainerwechsel von Andreas Wagner zu van den Berg aber ans Mittelfeld der BBL herangekämpft. Mit Durant würde wieder Unruhe einkehren.

Schöttner: Wir gehen von einem riesigen Medienwirbel aus, dennoch würde die Mannschaft in den zwei Spielen mit Durant stärker sein. Andererseits muss man ehrlich sein: Wenn wir die zwei Spiele nicht gewinnen, wäre es sportlich ein Schuss in den Ofen gewesen.

SPOX: Wie reagieren die Ligakonkurrenten?

Schöttner: Erstaunlichweise halten sich die Kollegen bedeckt. Viele glauben es vielleicht auch nicht richtig.

SPOX: Oder Sie sind genervt ob der Aufmerksamkeit für Bayreuth.

Schöttner: Jeder sollte wissen: Wir bleiben klein aber fein. Wir wollen jedes Jahr einen kleinen Schritt nach vorne machen: organisatorisch, finanziell und sportlich. Dieser Kontinuität haben wir uns verschrieben. Wir wollen keine verrückten Dinge machen, damit sind wir die letzten Jahre gut gefahren.

SPOX: Und Durant wäre kein verrücktes Ding?

Schöttner: Absolut nicht. Er würde kurzzeitig Glanz bringen, das wäre schon alles.

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