Klopp: "Das hat alle Grenzen gesprengt"

SID
Jürgen Klopp (l.) nimmt Kevin Pezzoni (r.) in Schutz und kritisiert seinen ehemaligen Arbeitgeber
© Getty

Die Bundesliga reagiert mit Kritik auf die Vertragsauflösung von Kevin Pezzoni beim 1. FC Köln. Die Mannschaft des Zweitligisten reagierte mit einem Offenen Brief an die Fans auf den Vorfall. Holger Stanislawski rechtfertigt die Entscheidung. Der Klub und der Innenverteidiger hatten sich voneinander getrennt, nachdem Pezzoni von Fans vor seiner privaten Wohnung bedroht wurde. Markus Babbel warnt die Vereine vor einer Wiederholung des Szenarios.

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Die Vertragsauflösung gab Trainer Holger Stanislawski am Freitagabend im Rahmen der Niederlage im Zweitliga-Spiel gegen Energie Cottbus bekannt.

"Es sind Dinge vorgefallen, die ihm das Fußballspielen hier in Köln nicht mehr ermöglichen", sagte Stanislawski und berichtete von den neuesten Anfeindungen. "Da hat eine Gruppe von Menschen dem Spieler Pezzoni in dieser Woche vor dessen Privatwohnung aufgelauert, ihn angepöbelt und ihn massiv bedroht."

Stani weiter: "Sie haben Zettel an sein Auto geklebt und ihm klar gemacht, dass sie ihm wehtun wollen. Damit haben diese Leute eine Grenze überschritten. Ich hoffe, er findet wieder Spaß am Fußball."

Pezzoni war von sogenannten FC-Fans bereits während der Abstiegssaison zum Sündenbock gestempelt worden. Während einer Karnevalsfeier hatte ein Angreifer dem 23-Jährigen, der 80 Bundesliga- und 10 Zweitligaspiele für Köln absolvierte, die Nase gebrochen.

Klopp: "Glaube nicht, dass Kevin das wollte"

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp fand am Samstag deutliche Worte und kritisierte neben den Fans vor allem auch die Verantwortlichen des 1. FC Köln.

"Ich glaube nicht, dass Kevin den Vertrag auflösen wollte. Ich denke, der Verein war auch daran interessiert, dass das Ganze beendet wird! Ich weiß nicht genug darüber, aber Fakt ist, dass das definitiv alle Grenzen gesprengt hat. Das geht überhaupt nicht! Ich weiß allerdings, dass das 99 Prozent der Fans auch so sehen", sagte er gegenüber "LigaTotal".

Am Abend im "Aktuellen Sportstudio" relativierte Klopp seine Aussagen: "Ich war in Gedanken bei unserem Spiel. Sowieso wird dem, was ich sage, zu viel Bedeutung beigemessen und direkt in der Presse hochgebauscht."

Stanislawski rechtfertigt sich: "Da bist du machtlos"

Holger Stanislawski rechtfertigte sich und führt die Gründe für die Trennung weiter aus: "Pezzoni war nicht mehr in der Lage, hier statt zu finden. Wir hätten Pezzo gerne behalten. Da bist du machtlos. Das macht mich unheimlich wütend."

Der Trainer suchte gar den Kontakt zu Pezzonis Familie. "Ich habe auch mit seinem Vater darüber gesprochen. Bei jedem Ball, den er im Spiel bekommen hat, hat er gehofft, dass er keinen Fehlpass spielt - das kann nicht sein. Ich habe Pezzo auch gesagt, dass es Zeit ist, das Buch hier zu schließen."

Offener Brief der Kölner Profis

Derweil hat die Mannschaft des 1. FC Köln mit einem offenen Brief ("Appell an Fairness und Respekt") auf die Bedrohungen gegen Kevin Pezzoni und die Vertragsauflösung des Abwehrspielers reagiert.

"Wenn wir als Spieler und als Mannschaft unsere Leistung nicht bringen, nehmen wir die Kritik der Medien und der Fans an. Doch wir lassen als Mannschaft nicht zu, dass einzelne Spieler von einzelnen Chaoten gedemütigt und persönlich angegangen werden", heißt es in dem Schreiben, das auf der Klubhomepage veröffentlicht und vom Team unterzeichnet wurde.

"Dann ist eine Grenze überschritten"

"Wir erwarten, dass Berufliches und Privates getrennt bleiben. Wenn einem Spieler vor der Haustür aufgelauert wird, wenn Lebenspartner beleidigt und hässliche Nachrichten geschrieben werden, dann ist eine Grenze überschritten. Das werden wir nicht akzeptieren", schrieb die Mannschaft.

Man werde nicht zulassen, dass einige wenige Störenfriede das Bild des FC in der Öffentlichkeit bestimmen.

Babbel warnt vor Wiederholung

Hoffenheims Coach Markus Babbel warnt dagegen davor, dass sich solche Vorfälle wiederholen könnten. "Diese Vorfälle häufen sich, das ist bedenklich. Da müssen wir höllisch aufpassen, dass das nicht zur Normalität wird!"

Babbel appellierte an die Klubs: "Als Verein müssen wir versuchen, die Spieler so gut wie möglich zu schützen. Aber ich appelliere da auch an jeden einzelnen Fan, so etwas gefälligst zu unterlassen. Er kann seinen Unmut hier im Stadion äußern, aber nicht auf der Straße mit Gewaltdrohungen."

Kevin Pezzoni im Steckbrief

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