Aufstieg: Jetzt oder nie

Von Daniel Reimann
Montag, 22.02.2010 | 12:09 Uhr
Sidney Sam (l.) erzielte in dieser Saison bisher fünf Tore in 22 Ligaspielen
© Getty
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In Kaiserslautern machen finanzielle Probleme den Aufstieg dringend notwendig. SPOX erklärt das Erfolgsrezept von Trainer Marco Kurz, den Mythos Betzenberg, weshalb die Mannschaft keinen Druck spürt und wieso man sich beim FCK noch immer scheut, vom Aufstieg zu sprechen.

Das Ziel ist zum Start einer Saison bei allen Mannschaten das gleiche: Aufstieg in die Bundesliga. Momentan hat der 1. FC Kaiserslautern als Spitzenreiter die besten Karten. Doch der FCK will nicht nur aufsteigen, er muss aufsteigen.

Denn im Falle des Nichtaufstiegs wäre der finanziell klamme Traditionsverein gezwungen, Leistungsträger gehen zu lassen. Besonders die ausgeliehenen Spieler wären dann kaum zu halten. Nur mit viel gutem Willen wäre den Lauterern ohne finanzielle Mittel und ohne die ausgeliehenen Sidney Sam, Ivo Ilicevic, Rodnei oder Georges Mandjeck im kommenden Jahr den Aufstieg zutrauen.

Kuntz hadert mit finanziellen Rückschlägen

Grund für den engen wirtschaftlichen Rahmen sind immer neu auftauchende Finanzprobleme, die dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz zu schaffen machen. Erst Anfang Februar wurde bei einer Betriebsprüfung für die Jahre 2000 bis 2003 eine noch fällige Rückzahlung an das Finanzamt in Höhe von 3,2 Millionen Euro entdeckt.

Dann fiel auch noch der Mietnachlass der Stadt Kaiserslautern für das Stadion niedriger aus als erwartet. In den beiden kommenden Spielzeiten muss der FCK zwar 1,2 Millionen Euro weniger Miete zahlen, doch das sind noch 600.000 Euro weniger als erhofft.

Grund für die Minderung der Stadionmiete: Der Ausbau zur WM-Arena war von Seiten des Vereins gar nicht gewollt. Der Verein forderte ein Entgegenkommen der Stadt und hat jetzt trotzdem höhere Ausgaben für ein ausgebautes Stadion, das er in dieser Form gar nicht wollte.

Von Erfolgsdruck keine Spur

Die finanzielle Situation macht somit den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse bitter nötig. Die Mannschaft scheint von diesem Druck allerdings kaum etwas zu spüren.

Erst ein Spiel ging in der Rückrunde verloren und der FCK profitiert immer noch von einem komfortablen Abstand zu den Nicht-Aufstiegs-Plätzen, den er sich mit beeindruckenden Serien (neun Spiele ungeschlagen) in der Hinserie erarbeitet hatte.

Doch wie ist dieser Erfolg möglich? Mit einem Trainer, der beim Vorgänger-Verein 1860 München wegen Erfolglosigkeit entlassen wurde. Mit einem Team ohne Topstars. Mit schwerwiegenden finanziellen Einschränkungen.

Festung Betzenberg

Wolfgang Wolf, der zwölf Jahre als Spieler und eineinhalb Jahre als Trainer beim FCK tätig war und dessen Herz noch immer für die Roten Teufel schlägt, sieht das Kollektiv bei Lautern als Erfolgsgrund, wie er gegenüber SPOX erklärt: "Für mich ist der FCK Aufstiegsfavorit Nummer eins. In Kaiserslautern passt momentan einfach alles, vom Vorstand über den Trainer bis hin zu den Spielern."

Das von Fußballfreunden oft genutzte Sprichwort "Der Star ist die Mannschaft" beschreibt die aktuelle Situation der Lauterer perfekt.

Doch nicht nur die allgemeine Atmosphäre im Verein zeichnet Kaiserslautern aus. Auch die unmittelbare Stimmung im Stadion ist maßgeblich für den Erfolg. Nur eines von zehn Heimspielen ging bisher verloren.

Die Lauterer Heimstärke ist für Wolf vor allem ein Verdienst der Fans: "Der FCK ist ein Traditionsklub, die Fans identifizieren sich in dieser Region zu 100 Prozent mit dem Verein. Das sorgt für eine außergewöhnliche Atmosphäre im Stadion."

Konstanz und Erfahrung als Erfolgsrezept

Aber natürlich ist das Hoch der Roten Teufel nicht nur psychologisch zu erklären. Aus sportlicher Hinsicht genügt zunächst ein Blick auf die Tabelle, um zu erkennen, was das Lauterer Erfolgsrezept ist: Eine beinharte Defensive.

Der FCK kassierte mit Abstand die wenigsten Gegentore. Trainer Marco Kurz setzt in der Abwehr auf Konstanz und Erfahrung: In der Stamm-Viererkette um Abwehrchef Martin Amedick ist kein Spieler jünger als 25 Jahre.

Souveränität und Cleverness zeichnen die erfahrene FCK-Defensive aus, individuelle Patzer oder jugendliche Unsicherheiten haben Seltenheitswert. Zudem ist die Viererkette beim Trainer unumstritten, die vier Stammverteidiger Amedick, Bugera, Rodnei und Dick kommen alle auf 22 Einsätze in 22 Spielen. Die Abwehrreihe ist optimal eingespielt, zudem strotzen alle vier vor Selbstbewusstsein durch die vom Trainer erhaltene Rückendeckung.

Auch in der Offensive besticht der FCK durch Konstanz: Sam (22 Spiele, fünf Tore), Nemec (21/5) und vor allem Jendrisek (20/9) zahlen Kurz das Vertrauen mit Toren zurück.

Sportlicher Erfolg und finanzielle Engpässe: Das ist im modernen Fußball fast schon ein Widerspruch. Eine Gratwanderung, die in Kaiserslautern (noch) mit Bravour gemeistert wird.

"Der Betze wird beben!"

Am Montag geht es im Topspiel gegen den unmittelbaren Verfolger St. Pauli (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY). Kuntz schwärmt schon im Vorfeld von der Begegnung: "Das ist gefühlte Bundesliga." Und Lauterns Torwart Tobias Sippel verspricht: "Der Betze wird beben!"

Ex-Lauterer Wolf traut den Hamburgern ebenfalls den Aufstieg zu: "Auch St. Pauli kann das schaffen, Holger Stanislawski ist ein sehr guter Trainer." Doch für die Partie in Kaiserslautern sieht der FCK-Fan schwarz für die Gäste: "Ich tippe auf einen knappen Sieg für Lautern, 2:1."

Kuntz will die kommenden fünf Spiele abwarten will, um zu beurteilen, ob der FCK reif ist für den Aufstieg. Er hat den Rückrunden-Absturz des vergangenen Jahres im Hinterkopf.

Aber sollte sich der Tipp von Wolf bewahrheiten, hätte man schon zehn Punkte Abstand auf Platz vier. Das klingt aufstiegsreif!

"Das ist gefühlte Bundesliga"

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