Mittwoch, 16.04.2008

Aufbruchsstimmung in Kaiserslautern

Zwei Legenden und ein Bischof

München - Acht Punkte Rückstand, sechs Monate kein Heimspiel gewonnen. Der 1. FC Kaiserslautern war auf dem Weg dorthin, wo Teufel normalerweise hingehören: In die Hölle. Nichts anderes wäre für Fans und Klub ein Abstieg in die 3. Liga oder tiefer. 

Kaiserslautern, Augsburg, Jubel
© Getty

Doch zwei FCK-Legenden und ausgerechnet ein Abgesandter der himmlischen Konkurrenz scheinen durch das 2:0 gegen den FC Augsburg rechtzeitig die Wende miteingeleitet zu haben.

Mit der Rückkehr des neuen Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz und einer Herzblut-Kampagne samt Appell des verstorbenen Fritz Walter an Kameradschaft und Wille wurden alle psychologischen Mittel ergriffen. Dazu erhielten die Roten Teufel göttlichen Beistand durch den neuen Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann.

Das Lachen ist zurück

Viel mehr als über seine gelungene Heimpremiere freute sich Kuntz im Gespräch mit SPOX.com für die Mannschaft. „Es war gut anzusehen, dass jeder Einzelne mal gezeigt hat, was er drauf hat. Es hat mich gefreut, dass sich die Jungs den Szenen- und Schlussapplaus verdienen konnten", sagte der neue FCK-Chef.

Der klare Erfolg gegen den unglaublich schwachen Abstiegskonkurrenten brachte das Lachen zurück in die Pfalz. Wurden die Spieler beim letzten Heimspiel gegen Hoffenheim (0:2) von Trainer Milan Sasic noch vor die Schlachtbank Westkurve geführt, um sich minutenlang beschimpfen zu lassen, wurde dieses Mal genau dort gefeiert.

Bei nur einem gefährlichen Torschuss der Gäste darf der Sieg zwar nicht überbewertet werden. Aber der zweitschlechteste Sturm der Liga war bisher auch nicht dafür bekannt, seine Chancen eiskalt zu nutzen.

Vorteil: Restprogramm?

Tatsächlich spricht einiges für Lautern. Das Restprogramm mit drei Heimspielen gegen Aachen, St. Pauli und Köln sowie Auftritten in Mainz und Jena ist verglichen mit den Aufgaben der Gejagten Osnabrück, Augsburg und Offenbach etwas leichter. Auch das Torverhältnis spricht für die Roten Teufel.

Sollte die Sasic-Elf schon am nächsten Spieltag durch einen Sieg gegen Aachen in Schlagdistanz zu den anderen Klubs kommen, könnten die letzten Wochen zum Selbstläufer werden.

Kleine Schritte zum Klassenerhalt

Öffentlich will Kuntz von solchen Rechenaufgaben nichts wissen. „Wir fangen nicht an, Woche für Woche zu zählen. Wir schauen von Spiel zu Spiel", sagt der Europameister von 1996 den heutzutage üblichen Satz. Doch damit wäre er ziemlich allein. Denn es gibt in der Pfalz derzeit kaum etwas, über das mehr gegrübelt wird, als das Restprogramm.

So schön der Erfolg gegen Augsburg war und so groß die Aufbruchstimmung ist: Noch sind es fünf Punkte Rückstand, die aufgeholt werden müssen bzw. die die Konkurrenz verspielen muss. Der ehemalige Nationalspieler muss sich deshalb weiter mit dem möglichen Abstieg und den Folgen zu beschäftigen.

Das Ding nach oben ziehen

SPOX: Steht der Finanzplan für die 3. Liga?

Kuntz: Es gibt schon die ganze Zeit Planungen für beide Ligen. Und je nachdem wie die aktuelle Tabellensituation aussieht, wird ein Plan wahrscheinlicher. Wir sind vorbereitet.

SPOX: Aber nur Tobias Sippel hat einen Vertrag für die 3. Liga.

Kuntz: Das ist richtig.

SPOX: Alle anderen könnten ablösefrei gehen.

Kuntz: Auch richtig.

SPOX: Wo liegt die Priorität in den nächsten Tagen und Wochen?

Kuntz: Wichtig ist, dass wir jetzt nicht nur die Fans, Sponsoren und Stadt begeistern können, sondern auch die Spieler. Wenn die sehen, dass hier etwas entsteht, dann wird der ein oder andere auf ein paar Mark verzichten und sagen: „Komm her, das Ding ziehe ich mit dem FCK wieder nach oben".

Sanierung durch Sippel?

Ob Kuntz bereits mit einigen Profis über einen Verbleib gesprochen hat, wollte er nicht verraten. Aufgrund seines vielsagenden Lächelns ist aber davon auszugehen.

Doch was nutzt es, wenn Spieler sich bekennen, aber die Lizenz für die 3.Liga nicht erteilt wird? Die Fernsehgelder würden auf 625.000 Euro schrumpfen, der jahrelange Hauptsponsor will aussteigen und die millionenschweren laufenden Kosten des Stadions lasten auf dem Verein.

Geld könnte nur durch den Verkauf des 20-jährigen Torhüters Sippel eingenommen werden. Ausgerechnet dem Liebling der Fans, Eigengewächs und bester Spieler, den der Verein derzeit hat.

Schnäppchenjäger und Geldgeber 

Wie auch immer die Saison endet: Die Fans können sich auf einen Neuanfang freuen. Das Duo Kuntz/Sasic hat bereits bei der TuS Koblenz erfolgreiche Aufbauarbeit geleistet und präsentiert sich auch in Kaiserslautern als Einheit.

Dass Kuntz ein hervorragender Schnäppchenjäger ist, hat er zudem beim VfL Bochum bewiesen. Mit seinem Namen sowie der Tradition, den Fans und dem Stadion im Rücken wird er wohl unabhängig von der Liga Geldgeber finden und eine gute Mannschaft zusammenstellen.

Torsten Nenner

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