32 Länder - 32 Geschichten: Japan

Gestatten: Kaiser Keisuke I.

Von Markus Elser
Mittwoch, 19.05.2010 | 15:00 Uhr
Keisuke Honda (am Ball) erzielte in elf Länderspielen für Japan drei Tore
© Imago
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32 Teams nehmen an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil. Jedes Teilnehmerland hat seine eigene Geschichte zu erzählen. SPOX greift aktuelle Entwicklungen auf, lässt Protagonisten zu Wort kommen oder beleuchtet historische Ereignisse. Heute: Japan.

Kaiser sein verpflichtet. Denn der Kaiser gilt gemeinhin als Hoffnungsträger für sein Volk. Ein Mann der Taten, nicht großer Worte, bescheiden und doch zielstrebig - so soll ein Kaiser sein.

Keisuke Honda ist 23 Jahre alt und spielt Fußball. Früher in seinem Heimatland Japan bei Nagoya Grampus Eight, später bei VVV-Venlo in den Niederungen der zweiten Liga im königlichen Holland und nun für ZSKA Moskau in Russland, dem Land der Zaren.

Natürlich ist er kein Kaiser im eigentlichen Sinne, doch er hat trotz seiner Jugend schon Großes geleistet, und er ist der Hoffnungsträger einer ganzen Nation bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. Sein Spitzname Kaiser steht dafür als Mahnmal.

Auch Köln und Wölfe interessiert

Das japanische Märchen beginnt im Winter 2008. Als talentierter Jungspund wechselt Honda zum VVV-Venlo, der gerade um den Klassenerhalt in der holländischen Eredevise kämpft. Honda setzt sich auf Anhieb durch, auch wenn er alleine den Abstieg in die zweite holländische Liga nicht verhindern kann.

Auf den ersten Blick scheint der Wechsel nicht unbedingt das Sprungbrett für die große Karriere zu sein. Für Honda spielt das keine Rolle. Anstatt sich zu beklagen, überzeugt er auch in der zweiten Liga als Antreiber im offensiven Mittelfeld.

Schon bald sitzen Scouts des FC Liverpool, des FC Arsenal und Galatasaray Istanbul auf der Tribüne. Auch deutsche Vereine, wie der 1. FC Köln oder der VfL Wolfsburg, schicken ihre Späher in die Stadt kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze. Die große Fußball-Welt zu Gast im beschaulichen Venlo - wegen Honda.

Vergleiche mit van der Vaart

Im Sommer 2009 gelingt Venlo der direkte Wiederaufstieg und Honda wird zum besten Spieler der Eerste Divisie gewählt. Für den japanischen Wirbelwind stehen 16 Tore und 14 Vorlagen zu Buche.

Honda ist das, was man einen kompletten Spieler nennt: Er ist technisch beschlagen, hat eine gute Übersicht, ist zweikampf- und laufstark. Mit 1,81 Meter Körpergröße gibt Honda zudem einen guten Kopfballspieler ab.

"Er ist sehr torgefährlich, ein typischer Zehner. Honda ist Rafael van der Vaart sehr ähnlich. Beide schießen mit links und sind torgefährlich", sagt der Wolfsburger Makoto Hasebe gegenüber SPOX über seinen Nationalmannschaftskollegen.

Der linke Fuß ist Hondas stärkste Waffe. Sein Markenzeichen: Brandgefährliche Ecken und vor allem Freistöße. Am 1. Januar 2010 wechselt er schließlich für sechs Millionen Euro von Venlo zu ZSKA Moskau und feiert sein Debüt im Champions League Achtelfinale gegen den FC Sevilla.

Sein Durchbruch: Freistoßtor gegen Sevilla

Im Rückspiel gibt er dann zum ersten Mal seine Visitenkarte ab: Beim 2:1 in Sevilla bereitet Honda das 1:0 vor und den Siegtreffer markiert er gleich selbst. Per direkt verwandeltem Freistoß. Mit links, natürlich. Moskau steht im Viertelfinale.

Einen Eintrag in den Geschichtsbüchern hat Honda durch sein Tor auch schon sicher: Als erstem Japaner überhaupt ist es ihm gelungen, in dieser Phase der Königsklasse zu treffen.

"Honda dachte, Sergej Ignaschewitsch solle schießen, aber ich habe ihm gesagt, er müsse ran, da er einen fantastischen Schuss habe. Zum Glück konnte ich ihn überzeugen. Trotzdem habe ich es nicht glauben können, als der Ball wirklich ins Tor zischte", sagte sein Teamkollege Mark Gonzalez.

2008 bei Olympia dabei

Ausgebildet wurde Honda in der Nachwuchsakademie von Gamba Osaka. 2001 wechselte er in die Mannschaft der Seiryo High School. Zwei Jahre später war er einer der Schlüsselspieler und führte sein Team ins Halbfinale der nationalen Schulmeisterschaft.

Seine starken Leistungen blieben auch den Klubs aus der J-League nicht verborgen. 2005 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei Nagoya Grampus und entwickelte sich dort schnell zum Stammspieler und Leistungsträger.

Mit der Junioren-Nationalmannschaft nahm er 2008 an den Olympischen Spielen in Peking teil. Mittlerweile ist er ein fester Bestandteil der japanischen A-Nationalmannschaft, für die er in bisher elf Einsätzen drei Tore erzielen konnte.

Karriere wie im Comic

Bei der WM in Südafrika zählt Honda zu den Offensiv-Hoffnungen der Japaner, auch wenn er noch im Schatten von Kengo Nakamura und Shunsuke Nakamura steht.

Abseits des Feldes bevorzugt der Offensivmann lieber die leisen Töne, liebt Ruhe und Abgeschiedenheit. Sich ins Rampenlicht zu stellen, ist nicht seine Welt. Die Balance wahren, das ist Honda wichtig. Aus diesem Grund, so erzählt man sich, trägt er stets zwei Armbanduhren, eine an jedem Handgelenk.

Außerdem ist Honda ein großer Fan des Kult-Mangas "Captain Tsubasa". Die Manga-Serie handelt von einem jungen Fußballspieler namens Tsubasa Ozora und seinem Traum, der beste Spieler der Welt zu werden und mit der japanischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein. Sein Lieblingscharakter ist Kojiro Hyuga, der brandgefährliche Stürmer mit dem Tigerschuss.

Die Parallelen zu Hondas Karriere sind unverkennbar. Das Ziel Weltmeisterschaft hat er bereits erreicht, zum besten Spieler der Welt ist es zwar noch ein weiter Weg, doch Honda hat zweifelsohne das Zeug und das Selbstbewusstsein dazu, einmal ein europäischer Top-Spieler zu werden.

"Er ist noch sehr jung, ich halte ihn für ein sehr großes Talent", sagt Makoto Hasebe und glaubt fest daran, dass Honda in Zukunft auch bei einem großen Verein eine Rolle spielen kann.

Viele Japaner vertreten ebenso die Meinung, dass der 23-Jährige nach Hidetoshi Nakata und Nakamura der nächste große japanische Star in Europa wird.

Seinen Spitznamen verpassten sie ihm übrigens während seiner Zeit beim VVV-Venlo. Vielleicht rufen sie ihn auch bald in Japan so. Die Voraussetzungen stimmen jedenfalls.

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