Freitag, 30.04.2010

32 Länder - 32 Geschichten: Südkorea

Der Schulabbrecher soll's richten

32 Teams nehmen an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil. Jedes Teilnehmerland hat seine eigene Geschichte zu erzählen. SPOX greift aktuelle Entwicklungen auf, lässt Protagonisten zu Wort kommen oder beleuchtet historische Ereignisse. Heute: Südkorea.

Chung-Yong Lee (l.) ist in der Nationalmannschaft im rechten Mittelfeld gesetzt
© Getty
Chung-Yong Lee (l.) ist in der Nationalmannschaft im rechten Mittelfeld gesetzt

Manchester United gegen Bolton Wanderers: Nicht nur in der Premier League gehen meistens die Red Devils als Sieger vom Platz. Auch auf der Playstation im Wohnzimmer von Ji-Sung Park gibt es eigentlich ausschließlich Siege für den Favoriten. "Immer wenn wir United gegen Bolton gespielt haben, setzte es eine Niederlage für mich", beklagt sich Chung-Yong Lee von den Wanderers über das ungleiche Duell in der virtuellen Welt.

Andere Gründe, sich über seine aktuelle Situation bei den Wanderes zu beschweren, hat Lee nicht. Der 21-Jährige gilt als kommender Superstar in seinem Heimatland Südkorea. Das verdankt er zu einem großen Teil seinem Wechsel auf die Insel.

Anfang der laufenden Saison kam Chung-Jong Lee, Spitzname Blue Dragon, vom FC Seoul für umgerechnet etwa 2,5 Millionen Euro zu den Wanderers in die Premier League.

Ein steiler Aufstieg, schließlich begann Lee überhaupt erst mit elf Jahren mit dem Fußballspielen. Scouts des FC Seoul entdeckten ihn in seiner Schule und sprachen ihm trotz seines relativ hohen Alters ein riesiges Talent zu. Um den spät geweckten Traum vom Profifußballer noch zu verwirklichen, ging Lee einen, für südkoreanische Verhältnisse, äußerst ungewöhnlichen Schritt: Er brach die Schule ab.

Ein Türke verhilft zum Aufstieg

2007 wurde Senol Günes Trainer beim FC Seoul und erkannte sofort das Talent des damals 18-Jährigen. Der ehemalige Nationalcoach der Türkei verhalf Lee in seinen ersten beiden Spielzeiten zu 37 Einsätzen.

Mit seinem kongenialen Partner Sung-Yong Ki eroberte Lee die Herzen der Fans im Sturm: Die Double Dragons wirbelten durch die Abwehrreihen der Gegner und führten den FC Seoul 2007 und 2008 zur Vizemeisterschaft.

Im Mai 2008 folgte der Höhepunkt für Lee: Unter Nationaltrainer Huh Jung-Moo gab er sein Debüt in der Nationalelf. Er avancierte innerhalb kürzester Zeit zum Leistungsträger und ist seit längerem fester Bestandteil des Teams um Kapitän Ji-Sung Park.

Die herausragenden Fähigkeiten des mittlerweile 21-Jährigen blieben dem europäischen Markt natürlich nicht verborgen. Gary Megson von den Bolton Wanderers war der Erste, der beim FC Seoul vorstellig wurde. Der Verein fühlte sich im Namen seines Spielers so geehrt, dass er den Wechsel teilweise sogar vorantrieb - dabei befand sich das Team gerade in der wichtigsten Phase der Saison.

Den Kontakt zu Landsmann Ji-Sung Park von Manchester United suchte Lee bereits vor seinem Wechsel auf die Insel. Der südkoreanische Superstar schwärmte vom ruhigen Leben in England: Ein Kontrast zum hektischen Tagesgeschehen im fußballverrückten Korea, wo die Menschen zur Glorifizierung ihrer Helden neigen. "Zu Hause wurden wir von unseren Fans verfolgt, weil wir zu den größeren Stars gehören. Hier ist es beschaulich und das gefällt mir viel besser", sagte Lee.

WM-Stadien: Sky-Walk und afrikanische Erde
Oktober 2009: Das 200-Millionen-Euro-Wahrzeichen der WM ist fast fertig. Soccer City in Johannesburg. Die Farben der Hülle symbolisieren die afrikanische Erde
© Getty
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Oktober 2009: Das 200-Millionen-Euro-Wahrzeichen der WM ist fast fertig. Soccer City in Johannesburg. Die Farben der Hülle symbolisieren die afrikanische Erde
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94.700 Fans können im Johannesburger Soccer City Stadion das Eröffnungsspiel und das Finale der WM live mitverfolgen. Soccer City: die Heimat des südafrikanischen Fußballs
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94.700 Fans können im Johannesburger Soccer City Stadion das Eröffnungsspiel und das Finale der WM live mitverfolgen. Soccer City: die Heimat des südafrikanischen Fußballs
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Der Ellis Park ist eines der beiden Johannesburger WM-Stadien. Bereits 1982 erbaut, wurde es für die WM 2010 auf 62.000 Plätze erweitert
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Der Ellis Park ist eines der beiden Johannesburger WM-Stadien. Bereits 1982 erbaut, wurde es für die WM 2010 auf 62.000 Plätze erweitert
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Der Ellis Park nach dem Umbau: Das so genannte Coca-Cola Park ist eine moderne Fußballarena mitten in Johannesburg
© Getty
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Der Ellis Park nach dem Umbau: Das so genannte Coca-Cola Park ist eine moderne Fußballarena mitten in Johannesburg
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Juli 2008: Der Neubau des Moses Mabhida Stadions in Durban wird mit einer Kapazität von 70.000 Sitzplätzen das zweitgrößte Stadion der WM. Ein Halbfinale wird hier ausgetragen
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Juli 2008: Der Neubau des Moses Mabhida Stadions in Durban wird mit einer Kapazität von 70.000 Sitzplätzen das zweitgrößte Stadion der WM. Ein Halbfinale wird hier ausgetragen
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Die Bögen des Moses Mabhida Stadions in Durban symbolisieren südafrikansiche Einheit. Der 106 Meter hohe Sky Walk ist begehbar
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Die Bögen des Moses Mabhida Stadions in Durban symbolisieren südafrikansiche Einheit. Der 106 Meter hohe Sky Walk ist begehbar
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Das Free State Stadion in Bloemfontein wurde bereits 1952 erbaut und wird für die WM modernisiert und aufgestockt. 45.000 Fans finden hier Platz
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Das Free State Stadion in Bloemfontein wurde bereits 1952 erbaut und wird für die WM modernisiert und aufgestockt. 45.000 Fans finden hier Platz
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März 2009: Das Green Point Stadion im Kapstadt besticht durch seine herrliche Lage direkt am Atlantik. Seine Wellenform erhält eine spezielle Dachkonstruktion aus Glas
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März 2009: Das Green Point Stadion im Kapstadt besticht durch seine herrliche Lage direkt am Atlantik. Seine Wellenform erhält eine spezielle Dachkonstruktion aus Glas
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Kapstadts Perle: Im Green Point Stadion findet eines der beiden Halbfinals statt. 68.000 Zuschauer haben Platz. Nach der WM wird das Stadion eine reine Rugby-Arena
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Kapstadts Perle: Im Green Point Stadion findet eines der beiden Halbfinals statt. 68.000 Zuschauer haben Platz. Nach der WM wird das Stadion eine reine Rugby-Arena
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Januar 2008: Das Nelson Mandela Bay Stadion in Port Elizabeth mit seiner außergewöhnlichen Dachkonstruktion. 43.000 Zuschauer haben hier später Platz
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Januar 2008: Das Nelson Mandela Bay Stadion in Port Elizabeth mit seiner außergewöhnlichen Dachkonstruktion. 43.000 Zuschauer haben hier später Platz
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Ein architektonisches Meisterwerk für 70 Millionen Euro: Das Nelson Mandela Bay Stadion ist bereits fertig. Hier findet das Spiel um Platz drei statt
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Ein architektonisches Meisterwerk für 70 Millionen Euro: Das Nelson Mandela Bay Stadion ist bereits fertig. Hier findet das Spiel um Platz drei statt
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Juni 2008: Das Mbombela Stadion in Nelspruit wird extra für die WM gebaut. Hier entsteht auch das neue Medienzentrum
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Juni 2008: Das Mbombela Stadion in Nelspruit wird extra für die WM gebaut. Hier entsteht auch das neue Medienzentrum
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Oktober 2009: Das Mbombela Stadion in Nelspruit fasst 46.000 Zuschauer. Die Pfeiler sind der Form von Giraffenköpfen nachempfunden
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Oktober 2009: Das Mbombela Stadion in Nelspruit fasst 46.000 Zuschauer. Die Pfeiler sind der Form von Giraffenköpfen nachempfunden
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Juli 2008: Das Peter Mokaba Stadion in Polokwane wurde für 112 Millionen Euro extra für die WM 2010 gebaut. Polokwane ist die nördlichste Spielstätte
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Juli 2008: Das Peter Mokaba Stadion in Polokwane wurde für 112 Millionen Euro extra für die WM 2010 gebaut. Polokwane ist die nördlichste Spielstätte
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Das Peter Mokaba Stadion in Polokwane fasst 45.000 Zuschauer. Es wurde nach einem berühmten Gegner des Apartheit-Regimes benannt
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Das Peter Mokaba Stadion in Polokwane fasst 45.000 Zuschauer. Es wurde nach einem berühmten Gegner des Apartheit-Regimes benannt
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Mit 42.000 Sitzplätzen ist der Royal Bafokeng Sports Palace in Rustenburg das kleinste Stadion der WM in Südafrika
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Der Royal Bafokeng Sports Palace in Rustenburg nord-westlich der Hauptstadt Johannesburg wurde 1999 für 33 Millionen Euro umgebaut
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Der Royal Bafokeng Sports Palace in Rustenburg nord-westlich der Hauptstadt Johannesburg wurde 1999 für 33 Millionen Euro umgebaut
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Im alt-ehrwürdigen Loftus Versfeld Stadion in Südafrikas Hauptstadt Pretoria haben 50.000 Zuschauer Platz. "Loftus" ist eines des ältesten Stadien in Südafrika
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Erstes Spiel mit Jet-Lag

Bereits knapp 48 Stunden nach seiner Ankunft in Bolton stand Lee im Kader. Trotz Jetlag wurde er gegen den FC Sunderland eingewechselt. Lee muss lachen, wenn er an seinen ersten Ballkontakt als Bolton-Spieler denkt. Er stolperte über den Ball und legte sich der Länge nach hin. "Ich war total müde und weiß gar nicht mehr, wie ich überhaupt spielen konnte. Ich bin sogar auf der Bank eingeschlafen", verriet Lee.

Dabei ist er selbst gemeinsam mit Park für die Schlaflosigkeit von Millionen Südkoreanern verantwortlich. Das Duell zwischen Manchester und Bolton verfolgen regelmäßig zehn Millionen Landsleute, obwohl das Spiel zu südkoreanischer Zeit früh am Morgen stattfand. Lee gegen Park, das ist wie Beckham gegen Rooney in England, wie Ballack gegen Schweinsteiger in Deutschland - Der Superstar gegen den legitimen Nachfolger.

Reds zeigen Interesse

Lees Entwicklung vollzieht sich auch bei den Trotters sehr rasant. Bereits im dritten Spiel erzielte der wieselflinke Außen sein erstes Tor. Seine Antrittsschnelligkeit, die enge Ballführung und seine trickreiche Art erinnern an die Spielweise von Flügelspieler wie Eljero Elia oder Nani. "Mir bereitet es genau so viel Freude, wenn meine Mitspieler treffen. Eigentlich bevorzuge ich sogar, Tore vorzubereiten", gibt sich Lee uneigennützig.

Wenn er in dieser Saison selbst traf, immerhin schon vier Mal, gab es jeweils einen Sieg für Bolton.

Gerüchte über ein Interesse des FC Liverpool wurden bereits laut, aber die Wanderers denken nicht daran, ihren neuen Publikumsliebling abzugeben: Manager Owen Coyle sieht den Südkoreaner auf dem richtigen Weg: "Chung-Yong entwickelt sich jeden Tag weiter und ich bin überzeugt, dass er mal ein großer Spieler wird."

"Wir sind wie Brüder"

Und auch Ji-Sung Park ist sich sicher, dass der 21-Jährige eine große Zukunft vor sich hat. Bei der Nationalmannschaft teilen sie sich ein Zimmer und Lee gewährte unlängst einen Einblick in die Beziehung der beiden: "Wir sind wie Brüder."

Wenn Lee nicht gerade Englisch büffelt, womit er täglich immerhin zwei bis drei Stunden verbringt, besucht er Park im benachbarten Manchester. Der kocht dann oft für ihn und wenn ein wenig Zeit bleibt, kommt es zu den Duellen auf der Konsole: Dass es noch keinen Sieg für ihn gegeben hat, liegt für Lee am Heimvorteil des 29-Jährigen: "Er war noch nicht bei mir zu Hause. Ich glaube, es liegt daran, dass er eine Playstation 3 hat und ich nur eine Playstation 2."

Double Dragons sollen es richten

Im Sommer in Südafrika laufen Park und Lee gemeinsam für Südkorea auf. Dann kommt es auch zur Wiedervereinigung der Double Dragons. Lees Partner Sung-Yong Ki hat mittlerweile ebenfalls den Sprung nach Europa gewagt und steht seit Januar bei Celtic Glasgow unter Vertrag.

Bei der WM warten Griechenland, Argentinien und Nigeria in der Gruppe. Die Koreaner erwarten ein Weiterkommen, denn das Team von Huh Jung-Moo hat es zum achten Mal in die Endrunde geschafft - so häufig wie keine andere asiatische Mannschaft.

Vielleicht sollten Lee und Park die Weltmeisterschaft schon mal auf der Playstation durchspielen - dann aber gemeinsam.

Der Spielplan der WM 2010

Jan Wunder

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