Themenwoche: Die Ausstiegsklausel

Das Spiel mit der Hintertür

Von Fatih Demireli
Montag, 15.07.2013 | 15:14 Uhr
Dick im Geschäft: Marco Reus (l.) und Mario Götze (r.) wechselten dank Ausstiegsklauseln
© imago
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Sommerpause heißt Transferzeit. Ein Gerücht jagt das andere, es gibt Anfragen und Angebote, Dementis, Absagen und Deals en masse. Doch was muss alles passieren, bis ein Spieler von Klub A zu Klub B wechselt? SPOX widmet sich in einer eigenen Themenwoche dem Thema Transfers in all seinen Facetten. Zum Start geht es um die Ausstiegsklausel. Vielen ist sie ein Dorn im Auge, dabei ist diese Vertragsoption für viele Klubs inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Verhandlungsstrategie. Dabei werden die Spieler immer mächtiger und nur die Großen können sich dagegen noch wehren.

Es war so ziemlich die Anfangszeit von Klaus Allofs als Sportdirektor bei Werder Bremen, damals, als noch nicht absehbar war, dass Allofs später zu einem der besten und bedeutendsten Macher der deutschen Fußballszene aufsteigen würde. Stattdessen hätte ein Missverständnis die noch jungfräuliche Manager-Karriere des heutigen Geschäftsführers des VfL Wolfsburg fast beendet.

Der Bremer Vorstand stellte Allofs für die Saison 2000/2001 ein Transferbudget von 15 Millionen Mark zur Verfügung. Allofs gab das Geld aus: Für Hamburgs Fabian Ernst und für Frank Verlaat, den man von Ajax Amsterdam weglocken konnte. Auch der damals noch unbekannte Mladen Krstajic machte dank Allofs seine ersten Schritte in der Bundesliga. Und da war noch Ivica Banovic, der damals als "kroatisches Toptalent" viele Klubs verrückt machte. Dingfest machte den Transfer letztlich Bremen.

Ein echter Coup, den sich Werder laut Vereinbarung mit NK Zagreb "nur" 3,7 Millionen Mark kosten ließ. So stand es in Ziffern im Transfer-Vertrag zwischen den Klubs - nur hatte man übersehen, dass in englischen Worten "German marks seven million five hundred thousand" - also 7,5 Millionen Mark - niedergeschrieben worden war. Allofs unterschrieb den Vertrag, der damit rechtsgültig wurde. Zagreb entdeckte den Unterschied und forderte die Differenz von 3,8 Millionen ein.

Mehrfache Absicherung

"In der allgemeinen Hektik ist dieser Schreibfehler untergegangen", sagte Allofs damals. "Ich habe im Vertrag nur auf andere Veränderungen geschaut. Aber entscheidend ist, wer unterschrieben hat - und das war ich."

Ein großer Rechtsstreit wurde trotz ungemütlicher Gespräche vermieden. Beide Parteien verständigten sich letztlich auf die ursprüngliche Abmachung - auch weil die Kroaten einlenkten. Ansonsten wäre der Fall wohl gar vor einem ordentlichen Gericht gelandet.

Ein ähnlicher Fauxpas ist Allofs nie mehr passiert. Mehrfache Absicherung heißt die Devise. Heutzutage durchlaufen Verträge mehrere Instanzen, bis sie abgesegnet werden.

"Es ist ein sehr großer Albtraum, wenn man im Vertrag etwas falsch liest oder etwas falsch deutet. Deswegen ist es wichtig, dass ihn sechs bis acht Augen lesen", sagt Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl bei SPOX.

Der Fall Goretzka

In Gladbach prüfen Geschäftsführer, Sportdirektor, Präsidium und natürlich Anwälte jeden Buchstaben, bevor ein Vertrag der anderen Partei zur Gegenzeichnung übergeben wird. Fehler oder Missverständnisse sind unverzeihlich. Sie könnten Millionen kosten wie im Fall Leon Goretzka.

Der Wechsel des möglicherweise größten Talents des deutschen Fußballs unter 20 Jahren verkam zuletzt zur Posse.

Der VfL Bochum und der FC Schalke 04 stritten darüber, ob Goretzka dank einer Ausstiegsklausel für 2,75 Millionen Euro wechseln dürfe oder nicht. Da die Klausel unterschiedlich aufgefasst wurde, verklagte der Mittelfeldspieler, der bei Schalke bereits einen Vertrag ab dem 1. Juli unterschrieben hatte, den VfL vor dem Arbeitsgericht.

"Er sagte: Das gibt's. Ich sagte: okay"

Die Klubs kamen erst beim letzten Treffen zu einer außergerichtlichen Einigung. Und selbst dann war der Transfer immer noch nicht fix. Letzte Vertragsdetails konnten erst Tage später schriftlich fixiert werden. Goretzka hatte derweil schon per Ausnahmegenehmigung für Schalke trainiert und erste Testspiele absolviert.

Der Fall Goretzka zeigt, dass trotz klarer Statuten und gängiger Vorgehensweisen immer noch Unklarheiten bei Spielertransfers herrschen können. "Schuld" daran sind vor allem die extravaganten Verträge, die heute aufgesetzt werden. Eberl erinnert sich an früher: "Ich saß Uli Hoeneß gegenüber. Er sagte: Das gibt's. Ich sagte: okay. Das war eine Sache von fünf Minuten."

Der ehemalige Bayern-Profi benötigt als Sportdirektor deutlich längere Gespräche: "Es ist ganz anders geworden. Zum einen, weil der Fußball gewachsen ist und zum anderen, weil es viel mehr Möglichkeiten gibt."

Viele Sonderklauseln und Optionen verzieren Verträge. Die Standardsummen, also Ablösebeträge und Gehalt, werden oft schnell abgehandelt. Zeit beanspruchen die Extrawünsche von Spielern und deren Vermittlern. Die Ausstiegsklausel, wie im Fall Goretzka zu sehen, gerät dabei immer mehr in den Fokus.

Götze wollte Ausstiegsklausel bei Bayern

Für eine Summe X kann ein Spieler bis zu einem bestimmten Zeitpunkt den Klub verlassen, ohne dass dieser sich dagegen wehren könnte. Branchenführer Bayern München machte bei den beiden teuersten Transfers seiner Vereinsgeschichte jeweils davon Gebrauch. Bei Javi Martinez, bei dem Athletic Bilbao 40 Millionen Euro festgesetzt hatte und bei Mario Götze, der Borussia Dortmund für 37 Millionen Euro verlassen durfte.

Als Götzes Berater zu ersten Verhandlungen in München vorstellig wurde, forderte er auch beim Rekordmeister eine Ausstiegsklausel ein. Karl-Heinz Rummenigge bestätigt: "Es ist versucht worden, diese in den Vertrag zu verhandeln." Aber die Bayern lehnten ab: "Wenn du Spielern die Möglichkeit gibst, sich mit Klauseln aus dem Vertrag zu lösen, dann darfst du am Ende des Tages auch nicht klagen, dass es passiert." Auch ein kleiner Seitenhieb Richtung Dortmund, das nach Götzes Wechsel verstimmt reagiert hatte.

Beim FC Bayern hat kein Spieler eine Ausstiegsklausel. Wer sich quer stellt, erhält keinen Vertrag.

"Dann hätte er nicht verlängert"

Dortmund will es dem Rivalen nach aktuell schlechter Erfahrung nun nachmachen: "Es wird künftig bei Borussia Dortmund keine Ausstiegsklauseln mehr geben", sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Nach zwei Meisterschaften in Folge und dem Einzug ins Champions-League-Finale hat sich der BVB-Status insofern verändert, dass die Westfalen die Bedingungen jetzt selbst stellen. Als Götze 2012 einen neuen Vertrag beim BVB unterschrieb, war ohne Ausstiegsklausel nichts zu machen. Watzke: "Dann hätte er seinen Vertrag nicht verlängert und wäre für weniger oder zum Nulltarif gegangen."

Gladbachs Sportchef Eberl kennt die Problematik zu genau. Marco Reus, der selbst dank einer Ausstiegsklausel längst in Dortmund spielt, verlängerte auch nur, weil man ihm eine Hintertür per Klausel ermöglichte. "Bei Marco war die Ansage: Wenn er die Chance hat, deutscher Meister zu werden, muss man sie ihm geben und genau deswegen konnten wir auch damals verlängern. Viele unken immer, wenn ein Spieler von einer Ausstiegsklausel Gebrauch macht, aber man muss vielleicht zwei, drei Jahre zurückblicken. Ohne Ausstiegsklausel hätte der Spieler unter Umständen überhaupt nicht verlängert und wäre ablösefrei."

So kann Eberl dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen: "Auch wenn die Trauer über den sportlichen Verlust groß ist, hat man hinterher doch einiges richtig gemacht. Mit Reus haben wir den größten Transfererlös aller Zeiten gemacht." Das gleiche gilt für Dortmund mit Götze.

Freiburger Sorgen

Die positiven Aspekte der Ausstiegsklausel überwiegen in den Augen vieler Klub-Verantwortlicher, auch wenn das wichtige Key Asset des heutigen Fußballer-Vertrags auch größeren Schaden anrichten kann. Der SC Freiburg, der in der Saison 2012/2013 nach Bayern München möglicherweise den aufregendsten Fußball der Liga spielte, verlor per Ausstiegsklausel die Stammspieler Max Kruse, Jan Rosenthal, Johannes Flum, Daniel Caligiuri und Cedrick Makiadi an die direkte Konkurrenz und muss nun vor der Europa-League-Saison einen Umbruch starten.

Im Breisgau weiß man allerdings, dass sich die Situation auch künftig nicht großartig ändern wird, wenn man Spieler mit Perspektive verpflichten will. Präsident Fritz Keller hat nach der aktuellen Erfahrung nur eine Lösungsmöglichkeit parat. "Wir sollten künftig darauf achten, dass nicht zu viele Spieler zur gleichen Zeit via Ausstiegsklausel wechseln können. Die Fristen müssen unterschiedlich gesetzt werden", sagt er der "Badischen Zeitung".

Wie in München und Dortmund kann der Mittelstandsklub SC Freiburg seinen Spielern aber nicht diktieren, auf die Klausel komplett zu verzichten. Ganz im Gegenteil. "Wenn es darum geht: doppeltes Gehalt oder Ausstiegsklausel, würde ich mich immer für die Ausstiegsklausel entscheiden", sagt Keller, "Ausstiegsklauseln sind für uns ein probates Zugeständnis, um die Gehälter im Rahmen zu halten."

Vertrag verliert Stahlkraft

Dirk Dufner, ehemals Freiburger Sportdirektor, der aufgrund der Massenflucht beim Sport-Club in die Kritik geraten war, sieht die Methode gar als Erfolgsgarant: "Durch dieses System hat der Verein wahnsinnig viel Geld verdient. Fakt ist: Der Sportclub ist auch dank der Spieler mit Ausstiegsklauseln Fünfter geworden, spielt Europa League und ist wirtschaftlich richtig gut aufgestellt."

Die Ausstiegsklausel hat die Vertragsposition der Spieler-Fraktion grundsätzlich gestärkt. Viele Klubs gewinnen dadurch aber immer mehr den Charakter einer Übergangsstation. Langfristige Verträge verlieren dagegen die Wirkung, die viele Klubs in puncto Planungssicherheit gerne hätten. "Verlängert man heutzutage mit einem Spieler den Vertrag, ist die erste Frage: 'Zu welcher Summe kann er gehen?' Das enttäuscht mich", sagt Gladbach-Chef Eberl.

Leon Goretzka verlängerte im Juni 2012 für vier Jahre in Bochum, Götze verlängerte drei Monate vorher. Julian Draxler, der eben seinen Vertrag bei Schalke 04 verlängerte, verzichtete trotz Ausstiegsklausel und der Möglichkeit, ein Vielfaches seines Gehalts zu verdienen, auf einen Wechsel zu Manchester City. Immerhin ein Lichtblick.

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