Scheitern in der Scheinwelt

Mittwoch, 26.07.2017 | 09:00 Uhr
Geldsorgen im Fußball sind weit verbreitet. Selbst Großverdiener geraten immer wieder in Not
© imago
Advertisement
NFL
Sa21.01.
US-Kommentar gesucht? DAZN lässt dir die Wahl!
Primeira Liga
Setubal -
Sporting
Ligue 1
Caen -
Marseille
Championship
Derby County -
Bristol City
Primera División
Getafe -
Bilbao
Primeira Liga
FC Porto -
Tondela
Primera División
Espanyol -
FC Sevilla
Premier League
Brighton -
Chelsea
Championship
Aston Villa -
Barnsley
Primera División
Atletico Madrid -
Girona
Ligue 1
Nantes -
Bordeaux
Premier League
Man City -
Newcastle
Primera División
Villarreal -
Levante
Championship
Sheffield Wed -
Cardiff
Ligue 1
Amiens -
Guingamp
Ligue 1
Montpellier -
Toulouse
Ligue 1
Rennes -
Angers
Ligue 1
Straßburg -
Dijon
Ligue 1
Troyes -
Lille
Premier League
Arsenal -
Crystal Palace (DELAYED)
Primera División
Las Palmas -
Valencia
Premier League
West Ham -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Burnley -
Man United (DELAYED)
Premier League
Stoke -
Huddersfield (DELAYED)
Premier League
Leicester -
Watford (DELAYED)
Premier League
Everton -
West Bromwich (DELAYED)
A-League
Melbourne City -
Adelaide Utd
Primera División
Alaves -
Leganes
Serie A
Atalanta -
Neapel
Eredivisie
Ajax -
Feyenoord
Ligue 1
Nizza -
St. Etienne
Serie A
Bologna -
Benevento
Serie A
Lazio -
Chievo Verona
Serie A
Hellas Verona -
Crotone
Serie A
Sampdoria -
Florenz
Serie A
Udinese -
SPAL
Serie A
Sassuolo -
FC Turin
Primera División
Real Madrid -
La Coruna
Eredivisie
Heracles -
PSV
Ligue 1
Monaco -
Metz
Premier League
Southampton -
Tottenham
First Division A
Genk -
Anderlecht
Serie A
Cagliari -
AC Mailand
Primera División
Real Sociedad -
Celta Vigo
Primera División
Real Betis -
FC Barcelona
Serie A
Inter Mailand -
AS Rom
Ligue 1
Lyon -
PSG
Serie A
Juventus -
CFC Genua
Premier League
Swansea -
Liverpool
Primera División
Eibar -
Malaga
Coupe de France
Nantes -
Auxerre
League Cup
Bristol City -
Man City
Premiership
Partick Thistle -
Celtic
Coupe de France
Epinal -
Marseille
Copa del Rey
FC Sevilla -
Atletico Madrid
Coupe de France
PSG -
Guingamp
Serie A
Lazio -
Udinese
Copa del Rey
Alaves -
Valencia
Serie A
Sampdoria -
AS Rom
League Cup
Arsenal -
Chelsea
Coupe de France
Monaco -
Lyon
Copa del Rey
Real Madrid -
Leganes
Indian Super League
Kalkutta -
Chennai
First Division A
Brügge – Oostende
Coupe de France
Straßburg -
Lille
Copa del Rey
FC Barcelona -
Espanyol
A-League
Melbourne Victory -
FC Sydney
Ligue 1
Dijon -
Rennes
Primera División
Bilbao -
Eibar
Primera División
La Coruna -
Levante
Championship
Bristol City -
QPR
Primera División
Valencia -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Montpellier
Serie A
Sassuolo -
Atalanta
Primera División
Malaga -
Girona
Ligue 1
Angers -
Amiens
Ligue 1
Guingamp -
Nantes
Ligue 1
Metz -
Nizza
Ligue 1
St. Etienne -
Caen
Ligue 1
Toulouse -
Troyes
Primera División
Villarreal -
Real Sociedad
Serie A
Chievo Verona -
Juventus
Primera División
Leganes -
Espanyol
Eredivisie
Utrecht -
Ajax
Eredivisie
Feyenoord -
Den Haag
Ligue 1
Lille -
Strassburg
Serie A
Turin – Benevento
Serie A
Neapel – Bologna
Serie A
Crotone -
Cagliari
Serie A
Florenz -
Hellas Verona
Serie A
CFC Genua -
Udinese
Premiership
Ross County -
Rangers
Primera División
Atletico Madrid -
Las Palmas
Ligue 1
Bordeaux – Lyon
First Division A
Lüttich – Anderlecht
Primera División
FC Sevilla -
Getafe
Primera División
FC Barcelona -
Alaves
Serie A
AS Rom -
Sampdoria
Ligue 1
Marseille -
Monaco
Primera División
Celta Vigo -
Real Betis
Primeira Liga
Belenenses -
Benfica
Coppa Italia
Atalanta -
Juventus
Premier League
Huddersfield -
Liverpool
Coupe de la Ligue
Rennes -
PSG
Premier League
West Ham -
Crystal Palace (Delayed)
Premier League
Swansea -
Arsenal (Delayed)
Coppa Italia
AC Mailand – Lazio
Premier League
Tottenham -
Man United
Coupe de la Ligue
Monaco -
Montpellier
Primeira Liga
Sporting -
Guimaraes
Premier League
Man City -
West Brom (Delayed)
Premier League
Everton -
Leicester (Delayed)
Premier League
Stoke -
Watford (Delayed)
Premier League
Southampton -
Brighton (Delayed)
Premier League
Chelsea -
Bournemouth (Delayed)
Premier League
Newcastle -
Burnley (Delayed)
Indian Super League
Mumbai City – Jamshedpur

Trotz immer horrender werdender Millionen-Zahlungen im Spitzenbereich des Fußballs geraten regelmäßig Profis nach dem Ende Ihrer Laufbahn in finanzielle Nöte. Im Rahmen der Themenwoche "Tabus im Fußball" berichten Experten und ehemalige Spieler bei SPOX von ihren Erfahrungen. Und einer, dessen Traum längst geplatzt ist, spricht Klartext. Eine Reportage von Jannik Schneider mit Unterstützung von Christian A. Hoch.

Tom überlegt lange, sehr lange, bevor er in ruhigem Ton antwortet: "Nein, frustriert bin ich nicht mehr. Ich kann nicht darüber frustriert sein, dass ich an meinen Traum geglaubt habe." Dann schweigt er.

Tom ist Anfang 30 und heißt eigentlich anders. Er hat vor etwas mehr als einem Jahr einen neuen Weg eingeschlagen und möchte diesen unbeschwert und ohne dümmliche Kommentare oder Nebengeräusche beschreiten. Diesen öffentlichen Stress wolle er sich in Berlin nicht antun, sagt er zu Beginn. Also bleibt er im Gespräch mit SPOX anonym. Tom ist in die Hauptstadt gezogen, um zu studieren. Bis er fertig ist, dauert es noch drei Jahre, bis "ich dann richtiges Geld verdiene, wohl noch etwas länger".

Tom ist ehemaliger Fußball-Profi. Aber nicht die Marke Bundesliga-Star, wie sie auf den TV-Bildschirmen der Nation glänzen. Und auch keiner von einem der zahlreichen Traditionsvereine, die aufgrund der neuen Kräfteverhältnisse mittlerweile in Liga zwei oder drei um Punkte und Anerkennung kämpfen.

Gut, Tom hat einige wenige Einsätze in der 3. Liga vorzuweisen. Den Löwenanteil seiner Karriere brachte er nach vielen Einsätzen in der Junioren-Bundesliga aber in der Regionalliga und der Oberliga zu. In Letzterer waren es über 150 Spiele. "Zwischenzeitlich dachte ich, dass es für Liga drei perspektivisch reichen würde", sagt er und tatsächlich wechselte er mit 22 Jahren dorthin. Aber richtig viel Geld verdient hat er nach eigenen Angaben nie. Und rasch wurde er auch wieder ausgemustert.

"Nach dem Abitur habe ich alles auf die Karte Profi-Fußball gesetzt. Ich habe genug verdient, um davon leben zu können, mit Anfang 20 sogar besser als die meisten meiner Freunde. Nur während die studiert oder eine Ausbildung absolviert haben, habe ich nur Fußball gespielt", beschreibt er eine jahrelang andauernde, etwas zu bequeme Situation. Die Zeit für Studium oder Ausbildung hätte er gehabt. Eigentlich. Mit Mitte 20 dann verlor er die Perspektive auf höherklassigen Fußball. Drei Jahre später zog die eigene Einsicht nach. Er hörte zum Ende der Saison auf und schrieb sich zum Wintersemester an einer Universität ein.

Verband vertragsloser Fußballer hat viel zu tun

Tom ist mit seinem Lebenslauf beileibe kein Einzelfall. Er steht stellvertretend für die andere Seite der Medaille Profifußball. Eine verstaubte und von der Öffentlichkeit weitestgehend nicht beachtete Seite. Viele Fußballer wie Tom haben gegen Ende ihrer Laufbahn Probleme finanzieller und mentaler Natur. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Gesprochen wird darüber in der Scheinwelt Profifußball, wie über so viele andere heikle Themen ebenfalls, viel zu selten.

Einer, der von Berufs wegen transparent mit dieser Problematik umgeht, ist Ulf Baranowsky, der Chef des Verbands der Vertragsfußballer in Deutschland (VDV). Er und sein Team kümmern sich um beide Seiten: Da sind zum einen die Lizenzspieler, die in den ersten beiden Profiligen aktiv sind und parallel eine Lizenz-Vereinbarung mit der deutschen Fußballliga (DFL) eingegangen sind. Und dann sind da Fußballer wie Tom, sogenannte Vertragsspieler, die in allen Ligen professionell tätig sein dürfen. Während bei Lizenzspielern ein höheres Mindestgehalt gilt, ist bei Vertragsfußballern lediglich der Mindestlohn zu beachten.

Die Sommerpause ist für Baranowsky naturgemäß eine intensive Phase, gilt es doch, arbeitslos gewordene Profis wieder in Lohn und Brot zu bringen. Das praktizierte in der Vergangenheit keine Organisation in Europa so erfolgreich wie der deutsche VDV.

Medienwirksame Mini-EM: Neururer überrascht

Vor zwei Wochen richten sein Team und er medienwirksam eine Mini-Europameisterschaft für vertragslose Fußballer in Duisburg aus. Mittendrin der deutsche Kader des alljährlichen VDV-Camps für vertragslose Fußballer. Die Gegner: Teams aus Belgien und Österreich und als Sparringspartner der kurzfristig eingesprungene Regionalligist KFC Uerdingen. Das Ziel ist klar. Die Vertragslosen sollen Matchpraxis erhalten und sich den zahlreich anwesenden Scouts für eine neue Festanstellung empfehlen.

Da als Trainer ausgerechnet der langzeitarbeitslose Kulttrainer Peter Neururer verpflichtet wurde, kann sich auch das Medienaufkommen sehen lassen. Am Rande des Events, da ist auf den 62-Jährigen zunächst Verlass, lästert er der Reihe nach über seine alten Arbeitgeber. Die Reporter notieren fleißig mit, die Aufnahmegeräte laufen. Die Aufmacher in den nordrhein-westfälischen Tageszeitungen des Folgetages scheinen gerettet.

Dass ausgerechnet Neururer beeindruckende Worte für die Situation finanziell in Nöte geratener Profis findet, überrascht da fast. Gegenüber SPOX bekennt er: "Ich habe in meiner Karriere eine ganze Menge Profis mit Geldsorgen erlebt, leider! Im Fußball leben wir in einer unglaublichen Scheinwelt. Und nicht selten bricht diese Scheinwelt schon während einer Karriere zusammen."

Neururer: "Geldsorgen werden unter den Tisch gekehrt"

Ein Problem der Gesellschaft und speziell des Fußballs sei, dass Probleme unter den Tisch gekehrt werden, wenn Menschen Schwäche zeigen. "Ob das jetzt Geldsorgen sind, eine vermeintlich falsche sexuelle Neigung oder der mentale Aspekt. Diese Scheinwelt kann brutal werden, wenn du raus bist und die Karriere beendest. Dann verlierst du nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die finanziellen Vergünstigungen", so Neururer.

Baranowsky weiß, dass die Öffentlichkeitsarbeit über das Camp und die Probleme, mit denen diese Sportler zu kämpfen haben, groß geschrieben werden müssen. Bereits von 2011 bis 2015 gewährte er dem Dokumentarfilmer Mehdi Benhadj-Djilali uneingeschränkten Zugang zum Camp. Der Regisseur dankte es mit einer der sehenswertesten Langzeit-Dokumentationen im Sport über die Schicksale von vier ehemaligen Fußballprofis, darunter Christian Mikolajczak, der heute bei der Berufsfeuerwehr Oberhausen arbeitet.

Mikolaijczak und seine Kollegen besuchen heute in regelmäßigen Abständen die deutschen Nachwuchsleistungszentren (NLZ). Dort zeigen sie den aufstrebenden jugendlichen Kickern "ihren" Film und der verfehlt seine Wirkung meist nicht, heißt es.

Seite 1: Anonymer Profi berichtet, medienwirksame Vertragslosen-EM

Seite 2: Alarmierende Studie, Rolfes und Ramelow lassen tief blicken

Seite 3: Das fehlende Adrenalin nach der Karriere, Bildungsstärke wird zum Problem

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung