"Tabus im Fußball": Profis mit Geldsorgen

Scheitern in der Scheinwelt

Mittwoch, 26.07.2017 | 09:00 Uhr
Geldsorgen im Fußball sind weit verbreitet. Selbst Großverdiener geraten immer wieder in Not
© imago
Advertisement
Primera División
Live
Real Sociedad -
Espanyol
Primera División
Live
La Coruna -
Girona
Copa del Rey
Saragossa -
Valencia
Serie A
Inter Mailand -
Sampdoria
League Cup
Arsenal -
Norwich
League Cup
Leicester -
Leeds
League Cup
Swansea -
Man United
League Cup
Man City -
Wolverhampton
Copa del Rey
Murcia -
Barcelona
Copa Libertadores
River Plate -
Lanus
Serie A
Atalanta -
Hellas Verona
First Division A
Genk -
Brügge
Serie A
Bologna -
Lazio
Serie A
Cagliari -
Benevento
Serie A
Chievo Verona -
AC Mailand
Serie A
Florenz -
FC Turin
Serie A
Genua -
Neapel
Serie A
Juventus -
SPAL
Serie A
AS Rom -
Crotone
Serie A
Sassuolo -
Udinese
Premiership
Aberdeen -
Celtic
League Cup
Chelsea -
Everton
League Cup
Tottenham -
West Ham
Coupe de la Ligue
Straßburg -
Saint-Etienne
Copa del Rey
Elche -
Atletico Madrid
Copa Libertadores
Barcelona SC -
Gremio
Copa Sudamericana
Fluminense -
Flamengo
Copa del Rey
Fuenlabrada -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Nizza
Championship
Leeds -
Sheffield Utd
A-League
Adelaide Udt – Melbourne City
Primera División
Alaves -
Valencia
Premier League
Man United -
Tottenham
Premiership
Hearts -
Rangers
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Rijeka
Premier League
Liverpool -
Huddersfield
Championship
Cardiff -
Millwall
Primera División
Sevilla -
Leganes
Ligue 1
Bordeaux -
Monaco
Serie A
Milan -
Juventus
Premier League
Bournemouth -
Chelsea
Primera División
Atletico Madrid -
Villarreal
Championship
Hull -
Nottingham
Ligue 1
Caen -
Troyes
Ligue 1
Dijon -
Nantes
Ligue 1
Guingamp -
Amiens
Ligue 1
Montpellier -
Rennes
Ligue 1
Strasbourg -
Angers
Premier League
West Bromwich – Man City (DELAYED)
Primera División
Bilbao -
Barcelona
Serie A
AS Rom -
Bologna
Primeira Liga
Boavista -
Porto
Premier League
Arsenal -
Swansea (DELAYED)
Premier League
Watford -
Stoke (Delayed)
Premier League
Crystal Palace -
West Ham (Delayed)
CSL
Hebei -
Guangzhou Evergrande
J1 League
Kofu -
Kobe
Primera División
Getafe -
Real Sociedad
Eredivisie
Vitesse -
PSV
Serie A
Benevento -
Lazio
Championship
Birmingham -
Aston Villa
Premier League
Zenit -
Lok Moskau
First Division A
Brügge -
Sint-Truiden
Premier League
Brighton -
Southampton
Ligue 1
Lyon -
Metz
Serie A
Crotone- Florenz
Serie A
Neapel -
Sassuolo
Serie A
Sampdoria -
Chievo Verona
Serie A
SPAL -
Genua
Serie A
Udinese -
Atalanta
Primera División
Girona -
Real Madrid
Super Liga
Cacak -
Partizan
Ligue 1
Toulouse -
St. Etienne
Premier League
Leicester -
Everton
Primera División
Eibar -
Levante
Serie A
Ponte Preta -
Corinthians
Primera División
Malaga -
Celta Vigo
Serie A
FC Turin -
Cagliari
Ligue 1
Lille -
Marseille
Superliga
Boca Juniors -
Belgrano
Serie A
Hellas Verona – Inter Mailand
Premier League
Burnley -
Newcastle
Primera División
Espanyol -
Real Betis
Primera División
Las Palmas -
La Coruna
Copa Libertadores
Lanus -
River Plate
Championship
Preston -
Aston Villa
Copa Libertadores
Grêmio -
Barcelona
Copa Sudamericana
Flamengo -
Fluminense
A-League
Melbourne City -
Sydney
Ligue 1
Rennes -
Bordeaux Begles
Primera División
Real Betis -
Getafe
Primera División
Valencia -
Leganes
Championship
Bristol -
Cardiff
Premiership
St Johnstone -
Celtic
Championship
Aston Villa -
Sheffield Wednesday
Primera División
Deportivo -
Atletico Madrid
Ligue 1
Angers -
PSG
Serie A
Bologna -
Crotone
Primera División
Alaves -
Espanyol
Championship
Brentford -
Leeds
Ligue 1
Metz -
Lille
Ligue 1
Monaco -
Guingamp
Ligue 1
Montpellier -
Amiens
Ligue 1
Nantes -Toulouse
Ligue 1
Troyes -
Straßburg
Primera División
Barcelona -
Sevilla
Serie A
Genoa -
Sampdoria
Primeira Liga
Porto -
Belenenses
Primera División
Levante -
Girona
Serie A
Inter Mailand -
FC Turin
Championship
Middlesbrough -
Sunderland
Ligue 1
Nizza -
Dijon
Serie A
Cagliari -
Hellas Verona
Serie A
Chievo Verona -
Neapel
Serie A
Florenz -
AS Rom
Serie A
Juventus -
Benevento
Serie A
Lazio -
Udinese
Primera División
Celta Vigo -
Bilbao
Eredivisie
PSV -
Twente
Ligue 1
Marseille -
Caen
Serie A
Atalanta -
SPAL
Primera División
Real Sociedad -
Eibar
Primera División
Villarreal -
Malaga
Primera División
Real Madrid -
Las Palmas
Serie A
Sassuolo -
AC Mailand
Ligue 1
Saint-Étienne -
Lyon

Trotz immer horrender werdender Millionen-Zahlungen im Spitzenbereich des Fußballs geraten regelmäßig Profis nach dem Ende Ihrer Laufbahn in finanzielle Nöte. Im Rahmen der Themenwoche "Tabus im Fußball" berichten Experten und ehemalige Spieler bei SPOX von ihren Erfahrungen. Und einer, dessen Traum längst geplatzt ist, spricht Klartext. Eine Reportage von Jannik Schneider mit Unterstützung von Christian A. Hoch.

Tom überlegt lange, sehr lange, bevor er in ruhigem Ton antwortet: "Nein, frustriert bin ich nicht mehr. Ich kann nicht darüber frustriert sein, dass ich an meinen Traum geglaubt habe." Dann schweigt er.

Tom ist Anfang 30 und heißt eigentlich anders. Er hat vor etwas mehr als einem Jahr einen neuen Weg eingeschlagen und möchte diesen unbeschwert und ohne dümmliche Kommentare oder Nebengeräusche beschreiten. Diesen öffentlichen Stress wolle er sich in Berlin nicht antun, sagt er zu Beginn. Also bleibt er im Gespräch mit SPOX anonym. Tom ist in die Hauptstadt gezogen, um zu studieren. Bis er fertig ist, dauert es noch drei Jahre, bis "ich dann richtiges Geld verdiene, wohl noch etwas länger".

Tom ist ehemaliger Fußball-Profi. Aber nicht die Marke Bundesliga-Star, wie sie auf den TV-Bildschirmen der Nation glänzen. Und auch keiner von einem der zahlreichen Traditionsvereine, die aufgrund der neuen Kräfteverhältnisse mittlerweile in Liga zwei oder drei um Punkte und Anerkennung kämpfen.

Gut, Tom hat einige wenige Einsätze in der 3. Liga vorzuweisen. Den Löwenanteil seiner Karriere brachte er nach vielen Einsätzen in der Junioren-Bundesliga aber in der Regionalliga und der Oberliga zu. In Letzterer waren es über 150 Spiele. "Zwischenzeitlich dachte ich, dass es für Liga drei perspektivisch reichen würde", sagt er und tatsächlich wechselte er mit 22 Jahren dorthin. Aber richtig viel Geld verdient hat er nach eigenen Angaben nie. Und rasch wurde er auch wieder ausgemustert.

"Nach dem Abitur habe ich alles auf die Karte Profi-Fußball gesetzt. Ich habe genug verdient, um davon leben zu können, mit Anfang 20 sogar besser als die meisten meiner Freunde. Nur während die studiert oder eine Ausbildung absolviert haben, habe ich nur Fußball gespielt", beschreibt er eine jahrelang andauernde, etwas zu bequeme Situation. Die Zeit für Studium oder Ausbildung hätte er gehabt. Eigentlich. Mit Mitte 20 dann verlor er die Perspektive auf höherklassigen Fußball. Drei Jahre später zog die eigene Einsicht nach. Er hörte zum Ende der Saison auf und schrieb sich zum Wintersemester an einer Universität ein.

Verband vertragsloser Fußballer hat viel zu tun

Tom ist mit seinem Lebenslauf beileibe kein Einzelfall. Er steht stellvertretend für die andere Seite der Medaille Profifußball. Eine verstaubte und von der Öffentlichkeit weitestgehend nicht beachtete Seite. Viele Fußballer wie Tom haben gegen Ende ihrer Laufbahn Probleme finanzieller und mentaler Natur. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Gesprochen wird darüber in der Scheinwelt Profifußball, wie über so viele andere heikle Themen ebenfalls, viel zu selten.

Einer, der von Berufs wegen transparent mit dieser Problematik umgeht, ist Ulf Baranowsky, der Chef des Verbands der Vertragsfußballer in Deutschland (VDV). Er und sein Team kümmern sich um beide Seiten: Da sind zum einen die Lizenzspieler, die in den ersten beiden Profiligen aktiv sind und parallel eine Lizenz-Vereinbarung mit der deutschen Fußballliga (DFL) eingegangen sind. Und dann sind da Fußballer wie Tom, sogenannte Vertragsspieler, die in allen Ligen professionell tätig sein dürfen. Während bei Lizenzspielern ein höheres Mindestgehalt gilt, ist bei Vertragsfußballern lediglich der Mindestlohn zu beachten.

Die Sommerpause ist für Baranowsky naturgemäß eine intensive Phase, gilt es doch, arbeitslos gewordene Profis wieder in Lohn und Brot zu bringen. Das praktizierte in der Vergangenheit keine Organisation in Europa so erfolgreich wie der deutsche VDV.

Medienwirksame Mini-EM: Neururer überrascht

Vor zwei Wochen richten sein Team und er medienwirksam eine Mini-Europameisterschaft für vertragslose Fußballer in Duisburg aus. Mittendrin der deutsche Kader des alljährlichen VDV-Camps für vertragslose Fußballer. Die Gegner: Teams aus Belgien und Österreich und als Sparringspartner der kurzfristig eingesprungene Regionalligist KFC Uerdingen. Das Ziel ist klar. Die Vertragslosen sollen Matchpraxis erhalten und sich den zahlreich anwesenden Scouts für eine neue Festanstellung empfehlen.

Da als Trainer ausgerechnet der langzeitarbeitslose Kulttrainer Peter Neururer verpflichtet wurde, kann sich auch das Medienaufkommen sehen lassen. Am Rande des Events, da ist auf den 62-Jährigen zunächst Verlass, lästert er der Reihe nach über seine alten Arbeitgeber. Die Reporter notieren fleißig mit, die Aufnahmegeräte laufen. Die Aufmacher in den nordrhein-westfälischen Tageszeitungen des Folgetages scheinen gerettet.

Dass ausgerechnet Neururer beeindruckende Worte für die Situation finanziell in Nöte geratener Profis findet, überrascht da fast. Gegenüber SPOX bekennt er: "Ich habe in meiner Karriere eine ganze Menge Profis mit Geldsorgen erlebt, leider! Im Fußball leben wir in einer unglaublichen Scheinwelt. Und nicht selten bricht diese Scheinwelt schon während einer Karriere zusammen."

Neururer: "Geldsorgen werden unter den Tisch gekehrt"

Ein Problem der Gesellschaft und speziell des Fußballs sei, dass Probleme unter den Tisch gekehrt werden, wenn Menschen Schwäche zeigen. "Ob das jetzt Geldsorgen sind, eine vermeintlich falsche sexuelle Neigung oder der mentale Aspekt. Diese Scheinwelt kann brutal werden, wenn du raus bist und die Karriere beendest. Dann verlierst du nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die finanziellen Vergünstigungen", so Neururer.

Baranowsky weiß, dass die Öffentlichkeitsarbeit über das Camp und die Probleme, mit denen diese Sportler zu kämpfen haben, groß geschrieben werden müssen. Bereits von 2011 bis 2015 gewährte er dem Dokumentarfilmer Mehdi Benhadj-Djilali uneingeschränkten Zugang zum Camp. Der Regisseur dankte es mit einer der sehenswertesten Langzeit-Dokumentationen im Sport über die Schicksale von vier ehemaligen Fußballprofis, darunter Christian Mikolajczak, der heute bei der Berufsfeuerwehr Oberhausen arbeitet.

Mikolaijczak und seine Kollegen besuchen heute in regelmäßigen Abständen die deutschen Nachwuchsleistungszentren (NLZ). Dort zeigen sie den aufstrebenden jugendlichen Kickern "ihren" Film und der verfehlt seine Wirkung meist nicht, heißt es.

Seite 1: Anonymer Profi berichtet, medienwirksame Vertragslosen-EM

Seite 2: Alarmierende Studie, Rolfes und Ramelow lassen tief blicken

Seite 3: Das fehlende Adrenalin nach der Karriere, Bildungsstärke wird zum Problem

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung