SPOX-Themenwoche, Teil II: Ralf Rangnick im Interview

"Die Ronaldos und Robbens sterben aus"

Von Interview: Daniel Börlein/Haruka Gruber
Dienstag, 20.07.2010 | 08:57 Uhr
Ralf Rangnick ist seit 2006 Trainer bei 1899 Hoffenheim und führte sie 2008 in die Bundesliga
© Getty
Advertisement
International
So17:00
Topspiel am Sonntag: Tottenham - Liverpool
Ligue 1
St. Etienne -
Montpellier
Premier League
West Ham -
Brighton
J1 League
Kobe -
Tosu
A-League
FC Sydney -
Sydney Wanderers
Primera División
Levante -
Getafe
Premier League
Chelsea -
Watford
Premier League
Huddersfield -
Man United
Primera División
Real Betis -
Alaves
Ligue 1
Monaco -
Caen
Serie A
Sampdoria -
Crotone
Premier League
Southampton -
West Bromwich
Primera División
Valencia -
Sevilla
1. HNL
Hajduk Split -
Dinamo Zagreb
Ligue 1
Amiens -
Bordeaux
Ligue 1
Angers -
Toulouse
Ligue 1
Metz -
Dijon
Ligue 1
Nantes -
Guingamp
Ligue 1
Rennes -
Lille
Premier League
Man City -
Burnley (DELAYED)
Primera División
Barcelona -
Malaga
Serie A
Neapel -
Inter Mailand
Primeira Liga
Porto -
Pacos Ferreira
Premier League
Stoke -
Bournemouth (DELAYED)
Premier League
Swansea -
Leicester (DELAYED)
Premier League
Newcastle -
Crystal Palace (Delayed)
Primera División
Villarreal -
Las Palmas
Eredivisie
PSV – Heracles
Serie A
Chievo Verona -
Hellas Verona
Championship
Ipswich -
Norwich
CSL
Evergrande -
Guizhou
Eredivisie
Feyenoord -
Ajax
Premier League
Everton -
Arsenal
Ligue 1
Nizza -
Strassburg
Serie A
Atalanta -
Bologna
Serie A
Benevento -
Florenz
Serie A
AC Mailand -
Genua
Serie A
SPAL -
Sassuolo
Serie A
FC Turin -
AS Rom
Premier League
ZSKA Moskau -
Zenit
Primera División
Celta Vigo -
Atletico Madrid
Ligue 1
Troyes -
Lyon
Premier League
Tottenham -
Liverpool
First Division A
Anderlecht -
Genk
Serie A
Udinese -
Juventus
Premier League
Dynamo Kiew -
Schachtjor Donezk
Primera División
Leganes -
Bilbao
Super Liga
Roter Stern Belgrad -
Lucani
Primera División
Real Madrid -
Eibar
Serie A
Lazio -
Cagliari
Serie A
São Paulo -
Flamengo
Ligue 1
Marseille -
PSG
Allsvenskan
Malmö -
AIK
Primera División
Real Sociedad -
Espanyol
Primera División
La Coruna -
Girona
Copa del Rey
Saragossa -
Valencia
Serie A
Inter Mailand -
Sampdoria
League Cup
Arsenal -
Norwich
League Cup
Leicester -
Leeds
League Cup
Swansea -
Man United
League Cup
Man City -
Wolverhampton
Copa del Rey
Murcia -
Barcelona
Copa Libertadores
River Plate -
Lanus
Serie A
Atalanta -
Hellas Verona
First Division A
Genk -
Brügge
Serie A
Bologna -
Lazio
Serie A
Cagliari -
Benevento
Serie A
Chievo -
Milan
Serie A
Florenz -
FC Turin
Serie A
Genua -
Neapel
Serie A
Juventus -
SPAL
Serie A
AS Rom -
Crotone
Serie A
Sassuolo -
Udinese
Premiership
Aberdeen -
Celtic
League Cup
Chelsea -
Everton
League Cup
Tottenham -
West Ham
Coupe de la Ligue
Strasbourg -
Saint-Etienne
Copa del Rey
Elche -
Atletico Madrid
Copa Libertadores
Barcelona SC -
Gremio
Copa Sudamericana
Fluminense -
Flamengo
Copa del Rey
Fuenlabrada -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Nizza
Championship
Leeds -
Sheffield Utd
A-League
Adelaide Udt – Melbourne City
Primera División
Alaves -
Valencia
Premier League
Man Utd -
Tottenham
Premiership
Hearts -
Rangers
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Rijeka
Premier League
Liverpool -
Huddersfield
Championship
Cardiff -
Millwall
Primera División
Sevilla -
Leganes
Ligue 1
Bordeaux -
Monaco
Serie A
Milan -
Juventus
Premier League
Bournemouth -
Chelsea
Primera División
Atletico Madrid -
Villarreal
Championship
Hull -
Nottingham
Ligue 1
Caen -
Troyes
Ligue 1
Dijon -
Nantes
Ligue 1
Guingamp -
Amiens
Ligue 1
Montpellier -
Rennes
Ligue 1
Strasbourg -
Angers
Premier League
Arsenal -
Swansea (DELAYED)
Primera División
Bilbao -
Barcelona
Serie A
AS Rom -
Bologna
Primeira Liga
Boavista -
Porto
Premier League
Watford -
Stoke (Delayed)
Premier League
West Bromwich – Man City (DELAYED)
Premier League
Crystal Palace -
West Ham (Delayed)
CSL
Hebei -
Guangzhou Evergrande
J1 League
Kofu -
Kobe
Primera División
Getafe -
Real Sociedad
Eredivisie
Vitesse -
PSV
Serie A
Benevento -
Lazio
Championship
Birmingham -
Aston Villa
Premier League
Zenit -
Lok Moskau
First Division A
Brügge -
Sint-Truiden
Premier League
Brighton -
Southampton
Ligue 1
Lyon -
Metz
Serie A
Crotone- Florenz
Serie A
Neapel -
Sassuolo
Serie A
Sampdoria -
Chievo Verona
Serie A
SPAL -
Genua
Serie A
Udinese -
Atalanta
Primera División
Girona -
Real Madrid
Ligue 1
Toulouse -
St. Etienne
Premier League
Leicester -
Everton
Primera División
Eibar -
Levante
Serie A
Ponte Preta -
Corinthians
Primera División
Malaga -
Celta Vigo
Serie A
FC Turin -
Cagliari
Ligue 1
Lille -
Marseille
Superliga
Boca Juniors -
Belgrano
Serie A
Hellas Verona – Inter Mailand
Premier League
Burnley -
Newcastle
Primera División
Espanyol -
Real Betis
Primera División
Las Palmas -
La Coruna
Championship
Preston -
Aston Villa

Früher war Ralf Rangnick unzufrieden über die grotesken "Nummerndecker" und vertraute als Trainer-Pionier auf die moderne Sechs: Der Chefcoach von 1899 Hoffenheim über Synchronisation, Altruismus und die Zukunft des Fußballs.

SPOX: Wer sind die ersten Sechser, an die Sie sich erinnern können?

Ralf Rangnick: Luis Fernandez, Frank Rijkaard, Carlos Dunga, Didier Deschamps und Josep Guardiola - wenn es um Sechser gehen soll, deren Teams konsequent in Raumdeckung und vorwiegend ballorientiert verteidigten.

SPOX: Ein Deutscher ist nicht darunter...

Rangnick: ... und das ist nicht weiter verwunderlich. Den Grund kenne ich aus eigener Erfahrung: Anfang der 80er Jahre wurde ich als Spieler häufig im defensiven Mittelfeld aufgestellt. Statt das Spiel mitzuorganisieren, sollte ich jedoch - wie es in Deutschland damals Gesetz war - lediglich den Hacki Wimmer mimen und den gegnerischen Spielmacher ausschalten. Hin und wieder bekam ich dafür ein dickes Lob vom Trainer und von der Presse - aber tief im Inneren habe ich damals schon gespürt, dass etwas falsch läuft. Wie konnte ich gut spielen, wenn ich vielleicht zehn Ballkontakte hatte und nicht aktiv am Spiel teilnahm?

SPOX: Sie klingen im Nachhinein etwas enttäuscht.

Rangnick: Als ich Spielertrainer in Backnang war, beobachtete ich eine Begegnung zwischen Schwäbisch Hall  und Rommelshausen mit dem ehemaligen Stuttgarter Zehner Buffy Ettmayer, der ebenfalls als Spielertrainer gearbeitet hat. Schwäbisch Hall hatte einen solchen Respekt vor Buffy, dass sie ihm selbst bei eigenem Ballbesitz einen Bewacher hinstellten. Irgendwann war Buffy derart genervt von seinem jungen Gegenspieler, dass er einfach weit in die Hälfte des Gegners gesprintet ist, obwohl Rommelshausen gar nicht den Ball hatte. Dabei rief er seinem Gegenspieler zu: "Komm mit!" - und dieser war so verdutzt, dass er tatsächlich hinterher gerannt ist. Damit wollte Buffy seinem Nummerndecker und dem Publikum zeigen, wie grotesk die Manndeckung ist.

SPOX: Nummerndecker?

Rangnick: Der Begriff Manndecker oder defensiver Mittelfeldspieler hat früher nicht den Tatsachen entsprochen. Statt sich die Gegenspieler zu übergeben, hieß es immer nur seitens vieler Trainer: "Du musst den Spieler mit der Rückennummer X 90 Minuten lang decken, unabhängig davon, wohin er läuft." Daher: Nummerndecker.

SPOX: Wann entstand aus dem diffusen Gefühl der Unzufriedenheit die konkrete Idee, dass der Sechser anders interpretiert werden soll?

Rangnick: Mein Aha-Erlebnis war ein Testspiel von Backnang gegen das von Walerij Lobanowskyj trainierte Dynamo Kiew. Beeindruckend, wie sie mit allen Spielern konsequent Raumdeckung gespielt und klug verschoben und gepresst haben, so dass ich dachte, Kiew würde mit 13 Mann auf dem Platz stehen. Es war aus mannschaftstaktischer Sicht eine Demonstration. Und bereits damals setzte Lobanowskyj im defensiven Mittelfeld auf den blutjungen Oleksij Mychajlytschenko, der schon zu dem Zeitpunkt der Prototyp des modernen Sechsers war.

SPOX: Und in Deutschland?

Rangnick: Als Spiegelbild diente die deutsche Nationalmannschaft. Frankreich, Italien Spanien, selbst die Schweiz waren uns in der Jugend und bei den Senioren weit voraus, aber bedingt durch den WM-Sieg 1990 wurde bis Mitte/Ende der 90er Jahre am Libero festgehalten, weil es ja keinen Grund gegeben hätte, etwas umzustellen. Mit der Folge, dass wir als letzte Nation in Europa gemerkt haben, wohin die Entwicklung geht und dass im Zuge dessen die Sechser-Position neu erfunden wurde. Als ich mit Ulm 1998 in die 2. Liga aufgestiegen bin, haben von vier  Zweitligisten und  zwei Bundesligisten abgesehen alle Teams mit Libero, zwei Manndeckern und gegnerorientierten Sechsern gespielt.

SPOX: Und jetzt?

Rangnick: Dank der Bemühungen der Bundesliga-Nachwuchsleistungszentren und von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer haben wir den 15-jährigen Rückstand ganz gut aufgeholt. Auf der Sechs beispielsweise gibt es mit den beiden Benders oder Sebastian Rudy viele Talente mit Perspektive, die irgendwann die Klasse von Schweinsteiger oder Khedira erreichen können, sofern sie Spielpraxis bekommen.

SPOX: Bei der WM überzeugten Schweinsteiger und Khedira als deutsche Doppelsechs - im Halbfinale gegen Spanien wurden ihnen jedoch die Grenzen aufgezeigt.

Rangnick: Das finde ich nicht. Vielmehr wurden der ganzen Mannschaft die Grenzen aufgezeigt, was das Spiel gegen den Ball anbelangt. Im Grunde waren Schweinsteiger und Khedira gegen Spanien die ärmsten Schweine auf dem Platz. Vorne drin hat Miroslav Klose zwar gut gearbeitet, aber bei der offensiven Dreier-Reihe dahinter mit Lukas Podolski, Mesut Özil und Piotr Trochowski war ballorientiertes Pressing nur phasenweise zu erkennen. Das hat Spanien perfekt ausgenutzt. Ein Schweinsteiger und ein Khedira reichen im Mitteldrittel des Platzes eben nicht aus, um eine solch überragende Ballstafetten-Maschinerie zu stoppen. Selbst foulen konnten die Deutschen nicht, weil sie anders als die Niederländer zu weit weg standen.

SPOX: Was auffiel: Während Podolski, Özil und Trochowski fast ausschließlich offensiv dachten und sogar Khedira häufig in die Tiefe ging, fühlten sich die spanischen Mittelfeldspieler für alle Aufgaben verantwortlich.

Rangnick: Deswegen ist das spanische Mittelfeld für mich der Inbegriff von Perfektion. Die Grenzen zwischen defensivem und offensivem Mittelfeld, beziehungsweise zwischen Sechser und Zehner, waren fließend. Selbst Andres Iniesta, der nominell als Rechtsaußen aufgestellt wurde, übernahm genauso wie Xavi, Sergio Busquets und Xabi Alonso Sechser-Aufgaben. Jeder war bereit, bei Ballverlust umzuschalten.

Hier geht's zum zweiten Teil: Rangnick über Altruismus, Iniesta und Ronaldo

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung