Dennis Krol: Einmal Barca und zurück

Von Linus Brüggemann
Freitag, 24.09.2010 | 12:17 Uhr
Dennis Krol wechselte 2009 von der Jugend des FC Barcelona zum U-19-Team von Leverkusen
© Imago
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Er galt als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Er lebte in La Masia und spielte für den FC Barcelona. Dennis Krol schien vor einer Bilderbuchkarriere zu stehen, doch mittlerweile ist er wieder dort angekommen, wo alles anfing. Bei Bayer Leverkusen. Dort kämpft er jetzt um einen Stammplatz in der zweiten Mannschaft.

Im Sommer 2004 bestreitet Dennis Krol mit der U 12 von Bayer Leverkusen ein internationales Jugend-Turnier auf Gran Canaria. Er überzeugt durch seine präzise Technik, einen starken linken Fuß und vor allem durch sein enormes Durchsetzungsvermögen. Zwei Monate später klingelt das Telefon. "Mein Vater sagte mir, ich hätte ein Angebot aus Barcelona", erzählt der mittlerweile 18-Jährige, "das konnte ich erst gar nicht glauben".

Danach geht alles ganz schnell - Dennis und sein Vater entscheiden sich für den Schritt nach Barcelona und damit gegen die Angebote von Real Madrid und Inter Mailand. Bayer Leverkusen bestritt übrigens in den darauffolgenden Jahren kein Turnier mehr in Spanien. Zu große Angst hatte der Verein davor, dass weitere Talente gen Spanien abwandern.

7000 Euro pro Monat

Krol ist jedoch nicht aufzuhalten. Sein Vater Gregor zieht mit ihm in die spanische Metropole. Auf einer privaten deutschen Schule macht er seinen Realschulabschluss. Auch beim Fußball läuft es: Von den Mitspielern wird er gut aufgenommen, die Verantwortlichen behandeln ihn wie den Sohn einer großen Familie.

Kein Wunder, immerhin überweist ihm der Verein, der von seinen Anhängern gerne auch als "die Religion" bezeichnet wird, jeden Monat ein sattes Gehalt. Von 7000 Euro pro Monat ist die Rede - fast das Zehnfache dessen, was gute Spieler in der A-Junioren-Bundesliga bekommen.

Dennis' Tagesablauf in Barcelona sieht immer identisch aus. Von acht bis 14 Uhr besucht er die Schule, danach isst er in La Masia - einem alten Bauernhaus, wo Barcas Nachwuchs lebt - mit den anderen Spielern, die alle den gleichen Traum haben.

Es folgen eine Stunde Freizeit und zweistündiges Training - sechsmal in der Woche. Jeden Tag eine Trainingseinheit, die ausschließlich mit dem Ball am Fuß durchgeführt wird. Kein Kraftraum, keine Ausdauerläufe. In La Masia lernt jedes Kind, genauso offensiv zu spielen und zu denken wie die Profis - auch Dennis Krol.

Barcas Nachwuchskonzept greift

Bei einem Blick auf die erste Mannschaft Barcelonas wird deutlich, wie erfolgreich das Nachwuchskonzept des Vereins ist. In der letzten Saison standen teilweise neun Spieler aus der eigenen Jugend in der ersten Elf. Zuletzt waren es Pedro und Sergio Busquets, denen der Sprung zu den Profis gelang.

Auch die zweite Mannschaft machte im letzten Jahr auf sich aufmerksam: Das Reserve-Team Atletic Barcelona schaffte in der vergangenen Saison den Aufstieg in die zweite spanische Liga. Das Potenzial an Talenten scheint unerschöpflich. Das musste auch Krol irgendwann einsehen.

Entscheidung pro DFB

Aber zunächst läuft alles nach Plan: Er agiert hinter den Spitzen als Spielmacher und gehört zum festen Stamm der Mannschaft. Es folgt der nächste Schritt: Der DFB und der Verband seines Geburtslandes Polen werden auf ihn aufmerksam. Beide Verbände kämpfen um ihn, um eines der größten Talentes seines Jahrgangs. Er entscheidet sich für den DFB, weil er dort den "Fußball kennen und lieben gelernt" hat.

Doch dann bekommt seine Bilderbuchkarriere erste Risse: Er wird bei Barcelona nicht mehr als Spielmacher, sondern als linker Außenverteidiger eingesetzt. Eine Position, die ihm völlig fremd ist. Hinzu kommt, dass seine körperliche Entwicklung stagniert. Der Körper war in den Jahren zuvor immer sein großer Trumpf, aber mittlerweile kann er die Defizite beim Passspiel und in der Koordination nicht mehr kompensieren.

Auch zu Lehrgängen des DFB wird er nur noch sporadisch eingeladen. Zum ersten Mal erfährt er, dass es nicht immer nur steil bergauf gehen kann. Doch bei Krol ist es nicht nur ein Rückschlag. Er steht so gut wie nie mehr im Kader bei Barcelona. Die Verantwortlichen teilen ihm mit, dass sie ihm den Sprung zu den Amateuren, geschweige denn zu den Profis, nicht zutrauen.

2009: Neuanfang bei Bayer

Im Januar 2009 verlässt Krol Barcelona schließlich, blickt aber trotz der zuletzt erfahrenen Enttäuschungen positiv auf die Zeit in Spanien zurück: "Ich habe diesen Schritt nie bereut", sagt er heute, "wenn ich es nicht getan hätte, würde ich mich immer fragen, was ich verpasst hätte".

Zurück in Deutschland stattet ihn Leverkusens Manager Michael Reschke mit einem Zweieinhalb-Jahres-Vertrag aus. Er soll einen Neuanfang starten und der Mannschaft mit seinen gesammelten Erfahrungen aus Barcelona weiterhelfen: "Dennis hat bei uns für zweieinhalb Jahre unterschrieben. Er soll sich erstmal gut einleben. Wir hoffen, dass er den Sprung zu den Profis schafft, aber alles mit der Zeit", ahnt Reschke schon bei der Vertragsunterschrift, dass Krol Anlaufzeit benötigt.

Er sollte recht behalten. Während Bayers A-Junioren in der Saison 2009/2010 durch die Bundesliga-West marschiert, kommt Krol gerade einmal auf zwei Einsätze von Beginn an. Nach dem dritten Spieltag wird er noch fünfmal eingewechselt - Verletzungen und die fehlende Form verhindern ein erfolgreiches Comeback. Seine Mannschaft schafft es bis ins Finale um die deutsche Meisterschaft, verliert dort aber mit 0:1 - ohne Krol.

Krol gibt nicht auf

Dennoch hat er vor dieser Saison den Sprung in die U 23, die von Ulf Kirsten trainiert wird, geschafft. Wieder läuft es für die Mannschaft gut - wieder kann Krol nicht seinen Teil dazu beitragen. Die Mannschaft belegt aktuell den zweiten Tabellenplatz, aber Krol hat noch keine Sekunde gespielt.

Der Traum von einer Karriere als Fußballprofi scheint für den jüngsten deutschen Legionär aller Zeiten in weite Ferne gerückt zu sein. Doch für geplatzte Träume bietet Bayer seinen Nachwuchsspielern eine Alternative: Im Jugendzentrum des Vereins erlernt er zurzeit den Beruf des Fitness-Kaufmannes. Aufgeben will Krol aber noch nicht. Das Ziel heißt nach wie vor: Profi werden. Schließlich war er doch mal beim großen FC Barcelona.

Dennis Krol im Steckbrief

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