Fussball

Kommentar zu Griezmann, Neymar und dem FC Barcelona: Gift für den Fußball

Antoine Griezmann und Neymar machen sich mit ihrem Verhalten nicht gerade beliebt.

Sie pokern um mehr Geld, sie streiken wie bockige Kinder - und werden dabei auch noch von einem einst als Sympathieträger bekannten Klub unterstützt, der schon länger gute Manieren vermissen lässt. Die Fälle Antoine Griezmann und Neymar schaden dem Fußball. Die Verbände müssen reagieren. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Kerry Hau.

Antoine Griezmann und Neymar, das muss man durchaus anerkennen, können schon ganz gut Fußball spielen. Der Franzose und der Brasilianer sind sogar so gut, dass sie in einer Welt ohne Cristiano Ronaldo und Lionel Messi vermutlich keine allzu schlechten Chancen auf den Gewinn des Ballon d'Or hätten. Umso bedauerlicher ist es, dass das von vielen Kindern angehimmelte Superstar-Duo seiner Vorbildfunktion in keiner Weise gerecht wird. Ganz im Gegenteil: Das Verhalten der beiden ist Gift für den Fußball.

Griezmann hatte dem FC Barcelona bereits Anfang 2018 seine Zusage für einen Wechsel im Sommer gegeben, um ein halbes Jahr später in einer eigens inszenierten Fernsehsendung zu verkünden, er werde jetzt doch bei Atletico Madrid bleiben und sogar seinen bis 2022 laufenden Vertrag um ein weiteres Jahr verlängern.

Eine saftige Gehaltserhöhung auf kolportierte 23 Millionen Euro pro Jahr hatte den Sinneswandel in ihm herbeigeführt. Das hinderte Griezmann allerdings nicht daran, sich Anfang 2019 erneut zu einem Gespräch mit dem FC Barcelona zu verabreden, schenkt man Atleticos Geschäftsführer Miguel Angel Gil Marin Glauben, diesmal sogar wenige Tage vor dem wichtigen Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen den italienischen Meister Juventus am 12. März.

Jenes Spiel endete übrigens 0:3 aus Sicht der Spanier, Atletico schied sang- und klanglos aus. Auch, weil der Anführer der Atletico-Offensive dabei so lustlos umhertrabte, als wäre er mit den Gedanken schon im Camp Nou. Dort wird er ziemlich sicher in der neuen Saison spielen. Weil Barca seine Ausstiegsklausel von 120 Millionen Euro dem Vernehmen nach hinterlegt hat. Der Monsieur will den viel zitierten "nächsten Schritt" machen.

Griezmann und Neymar nehmen dem Fußball Glaubwürdigkeit

Dafür tritt Griezmann sogar in den Streik. Ein Verhalten, das dem Fußball schadet, weil es ihm ein großes Maß an Glaubwürdigkeit raubt. Glaubwürdigkeit in Bezug auf Verträge, aber vor allem auf gesellschaftlich bedeutsame Werte wie Respekt und Verlässlichkeit. Dasselbe gilt für Neymar, der sich jetzt schon seit längerem bemüht, seinen Ruf zu ruinieren.

Begonnen mit seinem unrühmlichen Abschied aus Barcelona, angestiftet von seinem Vater, der es offensichtlich nicht ertragen konnte, dass sein Sohn weniger verdiente als Lionel Messi und ihm einredete, er würde um den Weltfußballer-Titel mitspielen können, wenn er die spanische gegen die französische Liga eintauscht.

Fortgeführt mit dem bunten Sammelsurium an Skandalen auf und abseits des Rasens wie Schiedsrichterbeleidigungen, eigenmächtig verlängerten Urlauben, Affären und Schlägereien. Bis hin zu dem plötzlichen Wunsch, wieder nach Katalonien zurückzukehren, weil ihm offensichtlich bewusst geworden ist, dass es doch nicht ganz so wenig Spaß macht, an der Seite von Messi auf Torejagd zu gehen.

Das Verwunderliche an der ganzen Sache ist aber nicht einmal das dreiste Verhalten von Neymar. Es sind die jetzt von PSG-Sportdirektor Leonardo bestätigten Gedankenspiele des FC Barcelona, das Enfant terrible trotz dessen Benehmen wieder zurückzuholen. Aktuell läuft ja sogar noch ein Gerichtsverfahren zwischen Barca und Neymar, es geht um eine Bonuszahlung von knapp 30 Millionen Euro, die der Klub angeblich dem Spieler schuldet.

Fairplay sieht anders aus: Die FIFA muss reagieren

Da ein Neymar-Comeback im Camp Nou allerdings an die 300 Millionen Euro kosten würde, hält sich der spanische Meister mit einem konkreten Angebot zurück, es müssen zunächst einige Stars verkauft werden. Stars wie Ousmane Dembele oder Philippe Coutinho. Josep Bartomeu, der umstrittene Präsident der Blaugrana, bezeichnete die beiden Akteure zuletzt zwar als "unentbehrlich".

Er war es aber eben auch, der ganz offensichtlich den Griezmann-Transfer ohne Atleticos Erlaubnis im stillen Kämmerchen vorantrieb und dennoch öffentlich beschwichtigte, nie mit dem Franzosen gesprochen zu haben.

Nicht grundlos hat Atletico schon vor Monaten rechtliche Schritte gegen den Ligarivalen angekündigt. Und nicht grundlos fordert mittlerweile ein nicht geringer Teil der Barca-Fans Bartomeus Rücktritt. Weil er den einst als Sympathieträger des internationalen Fußballs bekannten Klub mit seinen fragwürdigen Verhandlungsmethoden seit Jahren in ein schlechtes Licht rückt. Die Fälle Griezmann und Neymar sind nicht die einzigen, auch Dembele und Coutinho gingen ihren Arbeitgebern bekanntlich so lange auf die Nerven, bis sie wechseln durften.

Mit Fairplay hat das wenig zu tun. Die FIFA sollte dringend eine Lösung gegen dieses unwürdige Gebaren finden. Geldstrafen allein reichen nicht, in derartigen Fällen müsste man Spieler auch mal mehrere Monate lang aus dem Verkehr ziehen und Vereine, die respektloses Verhalten akzeptieren oder gar fördern, mit einer Punkt- oder Transferstrafe belegen. Sonst wird sich nichts ändern.

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