Dienstag, 05.01.2016

Real Madrid ersetzt Benitez durch Zidane

Nach Strich und Faden erniedrigt

Rafael Benitez hatte als Trainer bei Real Madrid nie eine echte Chance. Von Klubboss Florentino Perez gab's unmittelbar nach Amtsantritt die erste Ohrfeige. Perez schaltet und waltet weiter nach Belieben und geht mit der Verpflichtung von Zinedine Zidane ein hohes Risiko ein.

Rafael Benitez wurde am 4. Januar als Real-Trainer entlassen
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Rafael Benitez wurde am 4. Januar als Real-Trainer entlassen

Rafael Benitez war gerade mal ein paar Stunden Trainer von Real Madrid, als er von seinem Boss das erste Mal erniedrigt wurde. Florentino Perez empfahl dem neuen Coach, ein paar Kilo abzuwerfen. Ein Befehl, keine Bitte. Ein Dickerchen an der königlichen Seitenlinie - was denken da bloß die anderen?

Während seiner Zeit beim FC Chelsea wurde Benitez auf der Insel als "fetter, spanischer Kellner" verunglimpft; eine derartige Assoziation wollte Perez um jeden Preis vermeiden. Niemand darf es wagen, das große Real Madrid und seine Angestellten zu diskreditieren.

Genau das hat Perez bei Benitez getan, noch bevor der Neue das erste Mal mit Cristiano Ronaldo und Co. auf dem Trainingsplatz stand. Benitez war vom ersten Tag an eine lame duck bei Real. Verstärkt durch den Eindruck, dass seine besten Tage als Trainer etwa zehn Jahre zurückliegen.

"Benitez ist die Lösung"...

Nach der Clasico-Klatsche Ende November warteten die spanischen Medien minütlich auf Benitez' Entlassung. Er durfte bleiben und wurde von Perez am 17. Dezember verbal gestreichelt. "Benitez ist nicht das Problem. Er ist die Lösung", sagte Perez.

Dies diente jedoch lediglich dazu, die Öffentlichkeit zu beruhigen. In Wahrheit war Perez längst auf der Suche nach einem Nachfolger und bezog wenige Tage nach seiner Rafa-Huldigung die beste Kundschaft in seine Überlegungen mit ein. Perez ließ über Weihnachten alle Jahreskarteninhaber abstimmen, wer Benitez ablösen solle. So schildert es der renommierte spanische Journalist und Guardiola-Biograf Guillem Balague in einem Beitrag auf Sky Sports.

Die Wahl fiel eindeutig auf Zinedine Zidane, worauf Perez die Führungsspieler gefragt haben soll, ob sie mit Zizou als neuem Chef einverstanden wären.

Auch wenn er im Gegensatz zum Ancelotti- und Casillas-Rauswurf bei Benitez offenbar nicht im Alleingang entschied, rasiert Perez Angestellte weiter nach Belieben. Dankesreden sind nicht sein Ding, bei Zidanes Vorstellung am Montag nahm er sich 22 Sekunden Zeit, um Benitez zu verabschieden.

Die Trainer von Real Madrid seit 1999
Vicente del Bosque (November 1999 bis Juni 2003): Zwei Königsklassen-Titel - der erste als Interimscoach - und zwei Meisterschaften gehen auf das Konto von Vicente del Bosque. Doch sein Vertrag wurde nicht verlängert, Real wollte etwas Neues...
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Carlos Queiroz (Juni 2003 bis Mai 2004): ...und fand das in Carlos Queiroz. Der machte aber nach zehn erfolglosen Monaten den Abgang Richtung United
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Jose Antonio Camacho (Mai 2004 bis September 2004): Der vielleicht legendärste Real-Coach aller Zeiten! Jose Antonio Camacho schmiss bei seinem ersten Engagement 1998 nach 22 Tagen, sechs Jahre später ging er nach dem vierten Spieltag...
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Mariano Garcia Remon (September 2004 bis Dezember 2004): Camachos Co-Trainer Mariano Garcia Remon übernahm - und hielt sich tapfer bis Ende der Hinrunde
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Vanderlei Luxemburgo (Dezember 2004 bis Dezember 2005): Ein Jahr, keine Titel - auch die Amtszeit von Vanderlei Luxemburgo war nicht von überschäumendem Erfolg gekrönt
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Juan Ramon Lopez Caro (Dezember 2005 bis Juni 2006): Als Trainer der Castilla übernahm Juan Ramon Lopez Caro das Ruder, musste sich aber schon im Sommer verabschieden
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Fabio Capello (Juli 2006 bis Juni 2007): Denn dann kam Fabio Capello - wieder. Nach seinem Kurzengagement 1997 gelang dem Italiener nach seiner Rückkehr direkt die erste Meisterschaft seit del Bosque. Doch sein Spielstil missfiel den Oberen...
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Bernd Schuster (Juli 2007 bis Dezember 2008): ...was - wenig überraschend - zum Rauswurf führte. Der Nachfolger hieß Bernd Schuster, der 2008 Meisterschaft und Superpokal holte. Das war den Königlichen aber nicht gut genug
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Juande Ramos (Dezember 2008 bis Juni 2009): Zur Winterpause, richtig, die Entlassung. Doch auch Interimslösung Juande Ramos konnte nicht überzeugen und musste im Sommer seinen Hut nehmen
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Manuel Pellegrini (Juni 2009 bis Mai 2010): Die Bilanz von Manuel Pellegrini: Rekordpunktzahl in der Liga (aber nur Platz zwei), Pokal-Aus gegen einen Drittligisten, Aus im CL-Achtelfinale. Die Konsequenz? Weg!
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Jose Mourinho (Mai 2010 bis Juni 2013): The Grumpy One! Meister, Pokal, Supercup Rekorde - Jose Mourinhos Bilanz war fast makellos, doch führten Spannungen mit der Klubführung und das Verfehlen von La Decima zur Entlassung
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Carlo Ancelotti (Juni 2013 bis Mai 2015): Dieser Erfolg - der zehnte Erfolg in der Königsklasse - war Carlo Ancelotti vorbehalten. Doch auch für ihn endete das Engagement in Spaniens Hauptstadt frühzeitig
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Rafael Benitez (Juni 2015 bis Januar 2016): Er sollte Real wieder attraktiver und noch erfolgreicher machen: Rafael Benitez. Die bittere Bilanz: Rauswurf nach gut einem halben Jahr mit teils miserablen Auftritten der Königlichen
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Zinedine Zidane (seit dem 4. Januar 2016): Und er soll es jetzt richten: Klublegende Zinedine Zidane, zuvor im Jugendbereich tätig, soll Real zu altem Glanz führen
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Zinedine Zidane (seit dem 4. Januar 2016): Und er soll es jetzt richten: Klublegende Zinedine Zidane, zuvor im Jugendbereich tätig, soll Real zu altem Glanz führen
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Zidane ist Perez' Guardiola

Der hatte sich zur Jahreswende noch darüber beklagt, dass die Medien eine Hetzkampagne gegen ihn, die Spieler und Perez durchführen würden. Das Verhältnis zu- und untereinander sei exzellent. Drei Tage später war er seinen Job los. Er hat nicht mal die Probezeit überstanden.

Perez-Folter, Clasico-Demütigung, eine mitunter lustlos auftretende Mannschaft und die Tatsache, dass Real meist nur gegen die Kleinen ablieferte (8:0 gegen Malmö, 10:2 gegen Rayo Vallecano) - eine echte Chance hatte Benitez bei Real nie.

Von nun an soll alles besser werden - mal wieder. Eine Klubikone soll's richten. Einer, der als Spieler zu den Besten aller Zeiten gehört, der als Trainer aber ein noch völlig unbeschriebenes Blatt ist. Somit ist der Ruf Zidanes entscheidend. Er ist eine Respektsperson, die in Madrid über jedem einzelnen Spieler steht und kann so vielleicht die Kabine hinter sich einen, wie es Ancelotti vorzüglich schaffte.

Zidane beginnt als Diplomat

Zidane ging bei eben diesem Ancelotti in die Lehre, ehe er im August 2014 die zweite Mannschaft von Real übernahm. Bei seinem Amtsantritt gab er nicht nur die Vertragslaufzeit von zweieinhalb Jahren bekannt, sondern äußerte sich gleich ähnlich diplomatisch: "Wir werden alles versuchen, die Fans glücklich zu machen. Wir haben zwei Trophäen übrig, für diese werden wir kämpfen."

Er beginnt schon damit, an den Beziehungen zwischen Spieler und Trainer zu arbeiten. "Ich kann verstehen, wenn Gareth Bale nicht froh darüber ist, dass Benitez nicht mehr Trainer ist. Er war ein wichtiger Mann für ihn. Aber er wird von mir die gleiche Zuneigung auf Aufmerksamkeit bekommen, wie er sie von Rafa bekam", so Zidane, nachdem Bale dem ersten Training fern geblieben war.

Die Tätigkeit als Diplomat fand damit noch kein Ende: "Ich werde nicht viel mit der Presse sprechen. Die tägliche Arbeit mit den Spielern ist entscheidend." Zidane weiß, wie er die Leute in Madrid schnell hinter sich bringt - etwas, was Benitez nie vermochte: "Mein Stil wird anders sein. Positiver, mit Balance. Man wird es in den nächsten Wochen sehen."

Perez ist Plan und Projekt

Zidane ist Florentinos Guardiola, der einst beim FC Barcelona den gleichen Weg ging und in sehr kurzer Zeit der Superstar der Trainer wurde. Welcher Plan diesmal dahinter steckt? Nicht nur die Presse rätselt.

"Der Plan von Real Madrid ist, dass es keinen sportlichen Plan gibt. Genauso wie das Projekt daraus besteht, dass es kein Projekt gibt. Der Plan ist Florentino Perez. Das Projekt auch. Geht es so weiter, ist er bald auch Trainer", schrieb Marca.

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Idol Zizou, dessen vier Söhne allesamt in verschiedenen Jugend-Mannschaften von Real spielen, ist Perez' letzte Patrone im Lauf. Der Boss geht mit dem unerfahrenen Coach ein hohes Risiko ein. Zidane muss die aktuelle Mannschaft schnell auf Kurs bringen; auch er wird von Perez ausschließlich an Titeln gemessen werden.

Zudem steht langfristig der Kader-Umbau an. Benzema, Marcelo, Pepe und Arbeloa dürfen oder sollen gehen, selbst Ronaldo steht laut spanischen Medien zur Disposition. Dafür sollen David de Gea, Eden Hazard und vor allem Robert Lewandowski kommen.

Viel Arbeit für Zidane, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger bei Fans und Medien aber wenigstens genügend Kredit zu haben scheint. Wie lange Zidane Cheftrainer von Real Madrid bleibt, darüber entscheidet aber nur einer: Florentino Perez.

Zinedine Zidane im Steckbrief

Thomas Gaber

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Thomas Gaber(Chef vom Dienst)

Thomas Gaber, Jahrgang 1976, ist gebürtiger Münchner und Gründungsmitglied von SPOX. Nach dem Magister-Abschluss der Politikwissenschaft (2004) folgten Praktikum und Volontariat bei Sport1.de. 2007 Wechsel zu SPOX als Ressortleiter Fußball. Seit Mitte 2012 als Chef vom Dienst verantwortlich für den Inhalt der Homepage. Außerdem Reporter des FC Bayern München. Kernressorts: Fußball, Tennis, Golf.

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