Sonntag, 03.06.2012

Mario Rosas im Porträt

Der verhinderte Weltfußballer

Ende der 1990er-Jahre galt Mario Rosas als eines der größten Talente beim FC Barcelona. Xavi bezeichnet ihn heute noch als besten Fußballer, mit dem er je zusammenspielte. Die Karriere des begnadeten Mittelfeldspielers nahm jedoch einen völlig unerwarteten Verlauf. Vielleicht gibt's aber ein Happyend.

Mario Rosas (oben), hier im Trikot von Castellon, freut sich über das Lob von Xavi
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Mario Rosas (oben), hier im Trikot von Castellon, freut sich über das Lob von Xavi

Als im Januar 2011 im schweizerischen Nyon die Auszeichnung für den Weltfussballer des Jahres 2010 vergeben wurde, war bereits klar, dass die Wahl auf einen Spieler des FC Barcelona fallen würde. Alle drei Nominierten, Xavi, Lionel Messi und Andres Iniesta, spielten und spielen für den katalanischen Traditionsklub, der sich am vergangenen Freitag gegen Athletic Bilbao die Copa del Rey sicherte.

"Gewinne von uns Dreien, wer mag, die Auszeichnung gilt Barca", stellte Xavi damals vorab klar und unterstrich damit nochmals, was beim Champions-League-Siegers von 2011 seit jeher als Gesetz gilt: der Erfolg der Mannschaft steht über dem Erfolg des einzelnen. Überraschender war da schon Xavis Antwort auf die Frage, wer denn der beste Fußballer sei, mit dem er bisher gekickt habe.

Xavi: "Mario war der beste meiner Generation"

"Der wirklich Gute war Mario Rosas. Er war der beste meiner Generation. Er müsste hier sein", sagte der Mittelfeldspieler. Bereits im Jahr 2009 hatte er in einem Interview mit "El Pais" von den Qualitäten Rosas' geschwärmt: "Er war der Beste, besser als Ivan de la Pena." Vor der Wahl in der Schweiz erhielt er nun sogar noch Unterstützung von seinem mitnominierten Kollegen Iniesta. "Mario war unglaublich", pflichtete dieser bei. So mancher Experte außerhalb Spaniens wurde spätestens da hellhörig: Was für eine Granate muss dieser Rosas gewesen sein...

Mario Rosas, mittlerweile 32 Jahre alt, kam mit 13 aus seiner andalusischen Heimat in die Jugend des FC Barcelona und machte sich dort schnell einen Namen als quirliger, torgefährlicher Dribbler mit dem Auge für den tödlichen Pass. Johan Cruyff höchstpersönlich soll so begeistert von dem jungen Kicker gewesen sein, dass man ihn heute noch als "Augenstern Cruyffs" bezeichnet.

Mit dem gleichaltrigen Xavi verbindet ihn seit dieser Zeit eine enge Freundschaft. "Er ist der gleiche Mensch wie früher, als wir uns nicht trauten, alleine in die Umkleide der ersten Mannschaft zu gehen. Wir gingen stets gemeinsam", erinnert sich Rosas an die harten Anfangszeiten unter Trainer Louis van Gaal.

Debüt unter van Gaal

Der Ex-Bayern-Coach war es, der Rosas zu seinem Debüt für Barca in der Primera Division verhalf - noch vor Xavi. Am 15. Mai 1998 durfte der Mittelfeldspieler im bedeutungslosen Spiel gegen UD Salamanca von Beginn an ran. Es sollte sein einziger Einsatz für die Katalanen in der höchsten spanischen Spielklasse bleiben.

Während Puyol, Xavi, Valdes oder auch Iniesta in den Jahren darauf Titel und Triumphe feierten, kämpfte der vermeintlich begabteste Nachwuchsspieler seiner Zeit in der Segunda Division um Punkte.

Salamanca, Numancia, Cadiz, Girona, Castellon, Murcia: was sich wie der Etappenplan der Vuelta liest, sind in Wahrheit die Stationen, die Rosas nach einem unglücklichen Engagement beim UEFA-Cup-Finalisten von 2001, Alaves, im spanischen Unterhaus durchlief. Im Jahr 2011 zog es ihn schließlich sogar nach Aserbaidschan zu Khazar Lankaran.

Die Barca-Stars von heute und morgen
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Auch der Weltfußballer ist ein ehemaliger La-Masia-Schüler: Lionel Messi köpfte das 2:0 im CL-Finale 2009 gegen Manchester United
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Drei aus der Barca-Jugend auf dem Thron: Messi, Iniesta und Xavi (v.l.) mit der Champions-League-Trophäe
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Rosas: "Ich habe selbst Schuld"

Warum es mit der großen Karriere bei Barcelona nicht geklappt hat, lässt sich nicht so einfach beantworten. Er hatte Rivaldo, Figo, Luis Enrique oder auch Kluivert vor sich, behaupten die einen, er habe nicht genügend Biss gehabt die anderen. Mit 20 Jahren musste er schließlich gehen. "Ich hatte Glück soweit zu kommen und wenn ich an Mario Rosas denke, weiß ich, wie viel Glück ich hatte", sagt Xavi.

Rosas selbst blickt entspannt zurück: "Es hatte nichts mit Glück oder falschen Trainern zu tun. Ich habe selbst schuld, dass ich nicht in der Primera Division spiele. Alle Barca-Spieler sind vom selben Schlag, sehr offensiv, auf Ballbesitz bedacht und immer voll auf Angriff. Als ich gehen musste, konnte ich mich nicht an die neuen Anforderungen, die auf mich zukamen, anpassen. Ich musste mehr verteidigen und andere Aufgaben übernehmen, als ich es von Barca gewohnt war."

Kurzzeitig dachte Rosas sogar an einen Neuanfang in den USA. Der damals 22-Jährige packte seine Sachen, setzte sich in den Flieger und absolvierte Probetrainings bei D.C. United und den New York Metro Stars. "Eine schöne Erfahrung, aber nichts für einen 21 oder 22-Jährigen", so Rosas im Rückblick.

Rückkehr nach Spanien

Seit Januar 2012 spielt Mario Rosas nun wieder in Spanien. Bei der SD Huesca in der Segunda Division hat er eine neue Heimat gefunden. "Ich hatte große Lust wieder nach Spanien zurückzukehren und danke den Verantwortlichen von Huesca für die Chance, dass sie mir dies ermöglichen", sagte Rosas bei seiner Vorstellung und ergänzte: "Ich habe große Lust der Mannschaft zu helfen und meine Stärken einzubringen."

Bei den abstiegsbedrohten Aragoniern erhoffte man sich durch die Verpflichtung Rosas' die nötige Qualität und Erfahrung, um die Klasse zu halten - und wurde nicht enttäuscht. Seit Rosas das Trikot der Blau-Roten trägt, verbesserte man sich vom drittletzten auf den 13. Platz der Tabelle und kann einen Spieltag vor Schluss bereits für die nächste Saison in der Segunda planen.

Neue Power aus La Masia
Bereits beim Audi Cup in München bewies Thiago Alcantara der Welt, was in ihm steckt. Er spielte groß auf und schenkte den Bayern gleich mal zwei Tore ein
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Isaac Cuenca ließ sich zweimal ausleihen. Am Ende landete er aber immer wieder in La Masia, wo er den Durchbruch schaffte
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Gerard Deulofeu (l.) in Aktion. Der letzte Spieler, der vor dem Stürmer mit 17 Jahren bei Barca depütierte, war kein geringerer als ein gewisser Lionel Messi
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Marca Bartras großes Vorbild ist Carles Puyol. Dies macht sich neben seiner Position auch durchaus in seiner Spielweise bemerkbar. Beide ähneln sich sehr
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Sergi Roberto kam im Alter von 14 Jahren nach Katalonien. Pikant: Der offensive Mittelfeldspieler hatte zuvor Real Madrid abgesagt, um in La Masia sein Glück zu finden
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Jonathan Dos Santos (l.) ist der jüngere Bruder von Ex-Barca-Spieler Giovanni. Der 21-Jährige stieg durch seine Einsätze bei Barca zum mexikanischen Nationalspieler auf
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Späße in der Kabine

Das Lob seiner ehemaligen Masia-Kollegen schmeichelt dem nur 1,67-Meter großen gebürtigem Malagueno, wenngleich er deren Einschätzung sofort relativiert: "Xavi mag mich sehr. Ich weiß, dass er dies immer antwortet, aber ich war nie damit einverstanden. Vielleicht war ich etwas auffälliger und habe mehr Tore gemacht, weil ich weiter vorne spielte, aber er spielte schon damals wie heute."

Im Interview mit "El Pais" im Jahr 2009 gestand er, dass er während seiner Zeit bei Castellon von den Mannschaftskameraden in der Kabine damit aufgezogen wurde: "Es gab einige Späße darüber. Dass ich in der Primera spielen könnte und jede Menge Geld verdienen könnte." Den Glauben daran habe er aber noch nicht aufgegeben: "Natürlich denke ich, dass ich immer noch in der Primera Division spielen könnte und es würde viel besser laufen. Heute bin ich viel ehrgeiziger als früher."

Guardiolas Barca besser als unter Cruyff

Im selben Interview verpasste er dem scheidenden Barca-Trainer Pep Guardiola zugleich den Ritterschlag. "Schon als er noch Spieler war, merkte man, wie akribisch er war - ein zukünftiger Trainer. Ich glaube dieses Barca ist besser als jenes unter Cruyff", so Rosas. Umso bemerkenswerter, denn Cruyff sei für ihn und die jungen Spieler aus der Masia "Gott" gewesen, "Barca pur".

Gegen Bilbao verabschiedete sich Guardiola mit dem 14. Titel in drei Jahren von Barcelona. Wohin ihn die Reise führt, ist noch nicht klar. Für Rosas jedenfalls ist der FC Barcelona bis heute das Nonplusultra und sein Abgang vor 12 Jahren habe ihm dies nochmals vor Augen geführt: "Die Größe dieses Klubs wird dir erst klar, wenn du gehst."

Ob und wohin Mario Rosas als nächstes geht, steht noch nicht fest. Sein Vertrag bei Huesca läuft noch bis 30. Juni. Am vergangenen Wochenende wurde er im Estadio Riazor Zeuge der Rückkehr von Deportivo La Coruna in die Primera Divison. Ein Aufstieg, von dem auch Mario Rosas noch träumt.

Mario Rosas im Steckbrief

Norbert Pangerl

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