Mourinho: "Messi hätte Gelb-Rot sehen können"

Von Thomas Gaber / Sebastian Schramm
Jose Mourinho (l.) verlor mit Real den Clasico - sehr zur Freude von Barca
© Getty

Der FC Barcelona hat den Clasico bei Real Madrid mit 3:1 (1:1) gewonnen und die Tabellenführung von den Königlichen übernommen, die aber ein Spiel weniger ausgetragen haben. Alexis Sanchez (29.), Xavi (52.) und Cesc Fabregas (65.) erzielten die Tore für die Mannschaft von Pep Guardiola. Real war durch den schnellsten Clasico-Treffer der Geschichte von Karim Benzema nach 22 Sekunden in Führung gegangen.

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Guardiola bleibt als Trainer im Bernabeu ungeschlagen. Für Real war es die erste Niederlage nach 15 Siegen in Folge und die sechste in den letzten sieben Liga-Spielen gegen Barca.

Stimmen:

Jose Mourinho (Trainer Real Madrid): "So ist der Fußball. Das 2:1 von Xavi war pures Glück und nichts anderes. Das hat nichts mit Können zu tun. Das Glück hat diesmal eine große Rolle gespielt und wir hatten es nicht. Cristiano hätte das 2:0 machen können. Ich denke, Messi hätte für sein zweites Foul die Gelb-Rote Karte sehen können. Wenn wir in Sevilla punkten, sind wir wieder Tabellenführer."

Pep Guardiola (Trainer FC Barcelona): "Im Leben muss man mutig sein und wir waren sehr mutig. Ich bin begeistert vom Spiel meiner Mannschaft."

Xavi (FC Barcelona): "Wir waren die klar bessere Mannschaft. Wir wussten, dass wir hier nur gewinnen können, wenn wir unserer Philosophie treu bleiben. Wir haben völlig verdient gewonnen, weil wir ein großes Spiel gemacht haben. Wir nehmen viel Selbstvertrauen mit nach diesem Sieg."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Mourinho entscheidet sich fürs 4-2-3-1. Lass spielt statt Khedira neben Alonso auf der Doppelsechs. Wie beim letzten Ligaspiel in Gijon spielt Coentrao Rechtsverteidiger.

Guardiola setzt auf eine Dreierkette in der Abwehr. Davor spielen Busquets und Fabregas, Alves gibt einen offensiven rechten Flügelspieler. Im Sturmzentrum bekommt Sanchez den Vorzug vor Villa.

1., 1:0, Benzema: Nur 22 Sekunden hat's gedauert. Valdes versucht den Diagonalball auf Iniesta, spielt aber Di Maria am rechten 16er Eck in den Fuß. Der schießt, Abpraller zu Özil, Schuss aus 15 Metern, Busquets an die Hacke, von dort geht der Ball zu Benzema und der schießt aus sechs Metern links oben rein.

6.: Messi zum ersten. An zwei Real-Verteidigern vorbei, Ramos rutscht weg. Schuss aus 16 Metern aufs linke Eck, Casillas kratzt den Ball raus.

25.: Benzema spielt C. Ronaldo klasse am 16er frei, der hat freie Bahn aufs Tor, schlenzt den Ball mit rechts aber weit am Tor vorbei.

29., 1:1, Sanchez: Messi steckt 30 Meter vor dem Real-Tor klasse durch auf Sanchez. Ramos macht den Schritt nach vorne und ist dann hinten dran, Sanchez zieht aus 16 Metern mit rechts ab, unten rechts schlägt's ein.

49.: Freistoß Real, 30 Meter Torentfernung. Ronaldo mit rechts, Aufsetzer, Valdes packt zu.

52., 1:2, Xavi: Xavi bekommt den Ball nach einem Abpraller rund 20 Meter vor dem Tor und haut sofort volley drauf. Marcelo fälscht mit dem linken Fuß ab, der Ball springt an den rechten Pfosten und von da ins Tor.

64.: Flanke Alonso von links, Ronaldo in der Mitte völlig frei, doch er setzt den Kopfball weit links am Tor vorbei. Riesen Chance!

65., 1:3 Fabregas: Marcelo kann dier Flanke von rechts von Alves nicht verhindern. Fabregas setzt sich am Fünfer gegen Coentrao durch und köpft knapp über das Grasnarbe ein.

76.: Benzema lässt Pique stehen und schießt vom linken Strafraumeck mit Effet aufs lange Eck. Higuain rutscht haarscharf am Ball vorbei.

Fazit: Barca erholt sich schnell vom frühen Schock und spielt Real in der zweiten Halbzeit an die Wand.

Der Star des Spiels: Xavi. Barcas Superhirn hatte vor dem Clasico angekündigt, dass Barca genau auf dieses Spiel gewartet habe. Xavi ging mit bestem Beispiel voran. Er führte glänzend Regie und machte vor allem nach der Pause intuitiv mal wieder alles richtig. Xavi demonstrierte in seinem 600. Spiel für Barca eindrucksvoll, dass es auf der Welt derzeit keinen besseren Spielgestalter gibt.

Der Flop des Spiels: Cristiano Ronaldo. Der Portugiese hatte in Hälfte eins nur eine Szene in der Offensive, als er den Ball freistehend aus 15 Metern weit am Tor vorbeischoss. Auch seine zweite Großchance (Kopfball) vergab er kläglich. Der Portugiese konnte dem Spiel zu keinem Zeitpunkt seinen Stempel aufdrücken. Genau das hatte man aber von C. Ronaldo im Clasico erwartet.

Der Schiedsrichter: Fernandez Borbalan. Es gibt kaum eine undankbare Aufgabe für einen Schiedsrichter als den Clasico zu leiten. Borbalan machte seine Sache sehr ordentlich. Alonso, Messi, Pique, Lass und Pepe sahen für teilweise rüde Fouls zurecht Gelb. Ramos hätte für sein brutales Einsteigen gegen Messi Rot aber verdient gehabt.

Analyse: Der schreckliche Faux-pas von Valdes ermöglichte Real das schnellste Tor der Clasico-Geschichte. Das Treffer war gleichzeitig das Resultat der äußerst aggressiven Arbeit gegen den Ball von Real. Mit bis zu sechs (!) Spielern attackierten die Königlichen die Barca-Defensive und erzwangen einige Ballverluste von Barca in der gefährlichen Zone vor dem eigenen Tor.

Nach der Balleroberung war es in der ersten Halbzeit vor allem Özil, der die Gegenangriffe inszenierte. Mal nahm Özil das Tempo raus, mal spielte er den vertikalen Pass auf Benzema, der sich vorne sehr gut bewegte und sich bei vielen Real-Angriffen auch als Ballverteiler nützlich machte.

Barca wechselte ständig das System. Bei Ballbesitz Real zog sich Busquets als zweiter Innenverteidiger in die Viererkette, Puyol rückte nach links und Iniesta oder Alves nach innen.

Fabregas spielte je nach Spielsituation im Zentrum überall, mal neben Busquets, mal auf der Acht knapp hinter oder vor Xavi und mal als hängende Spitze, wenn Messi, der sich anfangs viele Bälle schon in der eigenen Hälfte abholte, von der Mitte nach links rückte.

Dank dieser für Real schwer auszurechnenden Flexibilität kam Barca immer besser in die Partie und wurde mit dem 1:1 belohnt. Während Barca nach dem Ausgleich auf eigenen Ballbesitz setzte, blieb Real aggressiv, agierte aber im letzten Drittel zu hektisch.

Nach Xavis Glückstreffer zum 2:1 zog Barca sein gandenlos gutes Pass- und Positionsspiel auf. Iniesta taute auf, Xavi saugte die Bälle an und verteilte sie. Barcas Spiel ohne Ball war so exzellent, dass Real praktisch nur noch hinterher rannte und allmählich die Nerven verlor.

In der zweiten Halbzeit lieferte Barca eine nahezu perfekte Vorstellung ab und gewann den dritten der letzten fünf Clasicos im Bernabeu.

Real Madrid - FC Barcelona: Daten zum Spiel

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