Fussball

Liverpool-Talent Paul Glatzel: "German Scouser" mit Comebackqualitäten

Von Falko Blöding
Paul Glatzel darf beim FC Liverpool auf eine glorreiche Zukunft hoffen.

Er gehört zu Deutschlands Sturmhoffnungen, ist Kapitän in der Jugend des FC Liverpool, und doch kennt ihn hier kaum jemand. Wir trafen Paul Glatzel.

Am Ende richtete es im Elfmeterschießen natürlich der Deutsche. Im April bejubelte der FC Liverpool den ersten Titel der Saison.

Die Rede ist dabei nicht von Jürgen Klopps Profis, die gut einen Monat später in der Champions League triumphierten. Es war die U18 der Reds, die den FA Youth Cup gewann, pikanterweise gegen Manchester City, den großen Rivalen der Profis in der vergangenen Premier-League-Saison.

Es war ein Endspiel in Liverpool, das spannender kaum hätte sein können - und für die Entscheidung im Elfmeterschießen sorgte schließlich Paul Glatzel.

Unter den Augen Pep Guardiolas trat er an, behielt die Nerven, versenkte das Leder mit einem wuchtigen Linksschuss im Winkel des City-Kastens und löste einen Jubelsturm in rot aus.

Auf seinen Knien rutschte Glatzel in eine Traube aus Mitspielern und feierte einen Erfolg, der für den Teenager nach einer schlimmen Verletzungshistorie auch einen persönlichen Triumph bildet.

Paul Glatzel: Größtes deutsches Sturmtalent seines Jahrgangs

Paul Glatzel ist zarte 18 Jahre alt und in seinem Jahrgang wohl das größte Sturmtalent Deutschlands. Trotzdem fliegt er hierzulande in der Öffentlichkeit noch unter dem Radar. Kein Wunder, hat er doch praktisch sein ganzes Leben auf der Insel verbracht.

Seine Eltern Peter und Julia stammen aus Bochum. Sie zogen vor knapp 20 Jahren nach England, um dort zu arbeiten. Der Plan war eigentlich, nur ein Jahr lang dort zu bleiben. Doch 2001 kam der junge Paul in Liverpool zur Welt, die junge Familie fühlte sich heimisch - und entschied sich für einen Verbleib. Heute wohnen die Glatzels eine knappe Autostunde von Liverpool entfernt in Parbold, in der Nähe Wigans.

"In England leben nur meine Eltern und ich", sagt Paul im Gespräch mit SPOX und Goal. "Der Rest meiner Familie wohnt in Deutschland. Ich reise also ziemlich oft dorthin, um sie zu besuchen. Deutschland nimmt in unserer Familie noch immer einen großen Platz ein."

So reisten umgekehrt auch einige Verwandte Ende April nach Liverpool, um das Pokalfinale, den vorläufigen Höhepunkt in Pauls Karriere, live vor Ort zu erleben.

Glatzel schon mit sechs Jahren zum FC Liverpool

Glatzels fußballerisches Talent war bereits früh zu erkennen. Schon im Alter von sechs Jahren schloss er sich dem FC Liverpool an, durchlief seitdem alle Jugendmannschaften. Er entwickelte sich zu einem Stürmer, dessen Repertoire man wohl als "komplett" bezeichnet.

Der Linksfuß kann auch mit rechts abschließen, ist unglaublich schnell, verfügt über eine gute Technik und hat auch ein Auge für seine Mannschaftskameraden. Zudem ist er ein Führungsspieler und seit dieser Saison Kapitän in der U18 des englischen Top-Klubs.

Was klingt wie ein reibungsloser Aufstieg, ist in Wahrheit eher das Ende einer langen Leidenszeit. Denn obwohl Glatzel gerade erst volljährig ist, hat er bereits mehrere schwere Verletzungen hinter sich.

"Das war schon hart", erinnert er sich. "Als ich in der U16 war, hatte ich eine Leistenverletzung, wegen der ich von Januar bis zum Saisonende ausfiel. Ich war auf dem Weg zurück, als ich mir das Bein brach und den Anfang der nächsten Saison verpasste."

Steven Gerrard trainierte Paul Glatzel

Noch schlimmer waren für Glatzel allerdings im vergangenen Jahr die immer wiederkehrenden, unterschiedlichen Blessuren, die regelmäßige Einsätze nicht möglich machten. Trainer der U18 war damals noch Steven Gerrard, die Liverpool-Ikone.

"Ich habe unter Steven nicht so viel gespielt, wie ich es gerne getan hätte", sagt Glatzel: "Das war ziemlich ärgerlich, er ist eine Legende und ein Vorbild. Mental hat mir das ein paar Probleme bereitet. Aber ich glaube, ich habe das nun ganz gut überwunden und jetzt weiß ich, dass ich solche Sachen hinter mir lassen kann."

Glatzel plagten damals Selbstzweifel, aber er bekam viel Zuspruch. Von Gerrard, von seinem aktuellen Coach Barry Lewtas und von U23-Trainer Neil Critchley, der die "steinharte Mentalität" seines Schützlings lobte.

Klopp lässt Glatzel mit den Profis trainieren

Nachdem es für Glatzel vor der Saison nach eigenen Angaben nur darum ging "fit zu bleiben und möglichst viel zu spielen", ist er nun neben Gerrards Cousin Bobby Duncan der Star in Liverpools U18.

Glatzel schießt Tore am Fließband (28 Treffer waren es 2018/19 insgesamt für die U18, U19 und U23) und bekam von Trainer Barry Lewtas die Kapitänsbinde. Auch Jürgen Klopp ist auf das Sturmtalent aufmerksam geworden und ließ es mehrfach mit den Profis trainieren.

Dass es seit Monaten so erfreulich läuft, "bedeutet mir einfach alles", sagt Glatzel, der aber auch unterstreicht, der Erfolg sei der Verdienst der ganzen Mannschaft. Einer Mannschaft, die über Jahre in dieser Form beisammen ist. Viele Mitspieler sind wie Glatzel bereits in ganz jungen Jahren zu den Reds gekommen. Sie verbindet eine enge Freundschaft.

Glatzel: "Wir lieben es, Tore zu erzielen"

So wie zwischen Glatzel und Sturmpartner Duncan. Gemeinsam erzielte sie in dieser Saison satte 59 Treffer und gelten als Traumduo.

Glatzel erklärt: "Wir beide lieben es, Tore zu erzielen. Aber am Ende geht es immer um die Mannschaft. Das sehen wir beide so, also gibt es keine Rivalität. Wir arbeiten für das Team und so ist es am Ende egal, wer die Tore schießt, solange wir Chancen kreieren und Spiele gewinnen."

Gefragt nach einem Vergleich mit dem extrovertierten Duncan muss Glatzel schmunzeln: "Ich glaube, ich bin ein wenig ruhiger. Er mag das ganze Social-Media-Zeug, aber er ist ein guter Junge. Wir alle mögen ihn hier und wir sind Freunde geworden."

Glatzel erhält Profivertrag beim FC Liverpool

Seine Zukunft auf Klubebene hat Glatzel zunächst einmal eng mit Liverpool verknüpft. Im Februar, am Tag seines 18. Geburtstags, unterschrieb er einen Profivertrag bei den Reds.

Sehr zur Freude von Barry Lewtas, der damals bei SPOX und Goal schwärmte: "Wir trauen ihm hier große Dinge zu. Von den Rückschlägen hat er sich gut erholt und in dieser Saison eindrucksvoll zurückgeschlagen."

Für welches Nationalteam spielt Glatzel in Zukunft?

Noch nicht endgültig entschieden ist dagegen, für welche Nationalmannschaft er später einmal auflaufen wird. Falls er es bis dorthin einmal schaffen wird.

Glatzel stürmte als Schüler für England und lief auch in der U16 der Young Lions auf. Im November vergangenen Jahres feierte er dann allerdings im Freundschaftsspiel gegen Zypern sein Debüt für die deutsche U18-Auswahl.

"Ich werde mich nur auf den Klubfußball konzentrieren und sehen, wohin mich das führt. Und falls ich eines Tages vor einer Entscheidung stehe, werde ich sie treffen", sagt Glatzel.

Sollte er von schweren Verletzungen von nun an verschont bleiben, könnte er eher vor dieser Entscheidung stehen, als man jetzt vielleicht meint.

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