Die Werdegänge von Chelseas Außenbahnspielern Victor Moses und Marcos Alonso

Der Ex-Asylsuchende und der Dynastie-Erbe

Freitag, 17.02.2017 | 12:30 Uhr
Victor Moses wechselte 2012 aus Wigan zu Chelsea, Marcos Alonso 2016 aus Florenz
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Seit die Außenbahnspieler Victor Moses und Marcos Alonso in der Startelf stehen, eilt der FC Chelsea von Sieg zu Sieg. Die beiden 26-Jährigen verfügen über Lebensgeschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf dem Platz ergänzen sich Moses und Alonso aber ideal und etablierten sich als unverzichtbare Größen im Team des Tabellenführers.

Diego Costa schießt zwar viele Tore, Eden Hazard zeigt tolle Dribblings, Thibaut Courtois tolle Paraden und N'Golo Kante gewinnt viele Zweikämpfe, aber der Erfolgslauf des FC Chelsea, der ihn an der Tabellenspitze der Premier League bis auf acht Zähler enteilen ließ, ist mindestens ebenso auf die beiden unscheinbaren Außenbahnspieler im 3-4-3-System zurückzuführen. Tatsächlich lösten sie die Siegesserie Anfang Oktober erst aus: Victor Moses und Marcos Alonso.

Am 7. Spieltag beim Auswärtsspiel in Hull, Chelsea hatte gerade 0:3 gegen den FC Arsenal verloren und war seit drei Partien sieglos, beorderte Trainer Antonio Conte Moses und Alonso in die erste Mannschaft. Für das Duo war es das Startelf-Debüt, für den FC Chelsea fortan eine Erfolgsgarantie. Seitdem lautet die Bilanz in der Liga: 16 Siege, zwei Remis, eine Niederlage. Tordifferenz: 42:9.

So parallel die Werdegänge des Victor Moses und Marcos Alonso in den vergangenen Monaten verliefen, so diametral unterschiedlich waren sie bis zu eben jenem Spiel in Hulls KCOM-Stadium. Alles begann im Winter 1990.

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Staubige und gut getrimmte Plätze

16 Tage vor Alonso erblickte Victor Moses am 12. Dezember 1990 in Nigeria das Licht der Welt. Während er in den folgenden Jahren auf den staubigen Plätzen von Kaduna begeistert Fußbällen hinterherjagte, predigte sein Vater in der lokalen Kirche. Er war in einem religiös zutiefst zerfurchten Land christlicher Pastor, bis er gemeinsam mit seiner Ehefrau bei einem religiös-motivierten Attentat ermordet wurde. Victor war damals elf Jahre alt und fortan Vollwaise.

Die verbliebenen Verwandten hatten Angst um Victors Sicherheit, kratzen Geld zusammen und schickten ihn, begleitet nur von einem Asylersuch, nach Großbritannien. Moses kam bei einer Gastfamilie im Süden Londons unter und jagte Fußbällen nun eben auf den staubigen Plätzen Englands statt Nigerias hinterher.

Marcos Alonso Mendoza lebte zu dieser Zeit mit seiner Familie in Madrid. Am Abend war er nicht alleine, sondern durfte sich wohl von seinem Papa Marcos Alonso Pena oder Opa Marcos Alonso Imaz fesselnde Geschichten von Flutlichtspielen im Santiago Bernabeu oder Camp Nou erzählen lassen. Sie waren einst selbst Fußballer, erfolgreiche noch dazu. Der Opa gewann mit Real Madrid fünf Mal den Europapokal der Landesmeister, der Papa mit dem FC Barcelona die spanische Meisterschaft. Beide spielten auch für die Nationalmannschaft.

Alonso stammt aus einer Fußballerfamilie mit besten Kontakten zu den nationalen Top-Vereinen. Er musste auf keinen staubigen Plätzen Fußbällen hinterherjagen, sondern durfte das auf perfekt getrimmten machen. Im Alter von acht Jahren wechselte er in die Jugendabteilung von Real Madrid. Alonsos Weg war ein vorgezeichneter.

Holy Moses und Verkehrssünder Alonso

Moses Weg war dagegen stets einer der Ungewissheit. Er hatte keine familiäre Nähe zu einem Profiverein, da er keine Familie mehr hatte, dafür aber eine geographische. Nur ein paar Straßen vom Haus seiner Gastfamilie und den Parks, in denen er stets spielte, befindet sich der Selhurst Park, das Stadion von Crystal Palace. Scouts beobachteten Moses im Park und luden ihn zu einem Probetraining ein. "Ihnen muss gefallen haben, was sie sahen", sagte Moses später. Er wurde in die Jugendakademie aufgenommen, bekam einen Platz in Whitgift, der Partner-Schule des Vereins, und machte sie kurzerhand zum nationalen Meister.

50 Treffer erzielte Moses der Legende nach 2004 in einer Saison. Fünf davon beim 5:0-Sieg im Finale gegen eine Schule aus Grimsby, woraufhin der Grimsby Evening Telegraph titelte: "Holy Moses - Wonder Player Parts Red Sea." Grimsby spielte in roten Trikots. "Wonder Player" Moses war damals kein Außenbahnspieler, sondern Stürmer. "In diesem Alter der talentierteste, den ich je gesehen habe", sagte sein damaliger Trainer Colin Pates später dem Guardian. Mit 16 debütierte Moses dann für die erste Mannschaft von Crystal Palace.

Marcos Alonso erregte im Jugendbereich weniger Aufsehen. Er war kein Stürmer, sondern immer schon Außenverteidiger und kämpfte sich als solcher Stufe für Stufe für Stufe durch die Jugendmannschaften von Real Madrid. Im Alter von 19 Jahren machte Alonso sein erstes Spiel für Reals Profis. Es sollte sein einziges bleiben, im darauffolgenden Sommer emanzipierte sich Alonso von seiner Familie und Heimatstadt und wechselte nach England zum Zweitligisten Bolton Wanderers.

Zu Besuch in Madrid war Alonso natürlich trotzdem hin und wieder, einmal im Mai 2011. Damals ließ er sich aber keine Geschichten von Flutlichtspielen im Santiago Bernabeu oder Camp Nou erzählen, damals war er mit Freunden etwas trinken. Alkoholisiert und mit über 110 km/h raste Alonso am Heimweg durch eine 50er-Zone, krachte gegen eine Wand und riss eine Mitfahrerin in den Tod. "Fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung, Fahren unter Alkoholeinfluss", waren die Anklagepunkte; 61.000 Euro und 30 Monate Führerscheinentzug die Strafe.

Ewige Leihen und der Umweg Florenz

Hätte Alonso seinen heutigen Kollegen Moses damals schon gekannt und das Bedürfnis gehabt, ihn besuchen zu müssen, hätte er auf die öffentlichen Verkehrsmittel ausweichen müssen. Lange hätte die Anfahrt aber auch mit diesen nicht gedauert, mit der Northern Line Richtung Southport genau drei Stationen und 16 Minuten. Im Sommer 2010 wechselte Moses nämlich von Palace zu Wigan, Boltons Nachbarstadt.

Während Alonso in Bolton aber hauptsächlich in der U21 zum Einsatz kam, entwickelte sich Moses in Wigan als Flügelstürmer zum Stammspieler. Nach zwei Jahren warb ihn der FC Chelsea für 11,5 Millionen Euro ab. Spielen durfte er bei den Blues aber nur in der ersten Saison, dann wurde er per Leihen durch die Premier League gereicht. Liverpool, Stoke, West Ham - bei Chelsea bekam er keine Chance.

Im dritten Jahr in Bolton bekam derweil Alonso seine Startelf-Chance und er nutze sie. Die Fiorentina wurde aufmerksam auf Alonso, verpflichtete ihn, formte ihn für drei Jahre und verkaufte ihn im vergangenen Sommer für 23 Millionen Euro zurück nach England an den FC Chelsea. Bei seiner Ankunft im vergangenen Sommer in London sagte Alonso: "Es ist der perfekte Ort, um mich weiterzuentwickeln."

Für Moses war es in jenem Sommer bereits die vierte Ankunft bei Chelsea und er glaubte nicht mehr wirklich daran, dass es der perfekte Ort für ihn sei, um sich dort weiterzuentwickeln. Moses dachte über einen endgültigen Abschied nach, zu oft wurden seine Erwartungen bei Chelsea enttäuscht, zuletzt von Jose Mourinho.

Gelernter und ungelernter Außenbahnspieler

In der Zwischenzeit hatte bei Chelsea aber Antonio Conte das Traineramt übernommen und er empfing Moses unvoreingenommen. "Ich wollte ihn mit meinen eigenen Augen beurteilen", sagte Conte und was er sah, beeindruckte ihn: "Er ist ein fantastischer Spieler und ich bin froh, ihn in meiner Mannschaft zu haben."

Als erster Trainer erkannte Conte neben Moses offensiven Fähigkeiten auch seine defensiven und machte ihn kurzerhand zu einem defensiven Außenbahnspieler. Neuland für Moses. "Ich habe auf dieser Position noch nie gespielt", sagt er, "ich folge aber einfach den Anweisungen, die mir der Trainer von der Seitenauslinie zuruft." Alonso muss Conte unterdessen weniger zurufen, er spielt diese Position schon sein Leben lang und kennt die Anforderungen. Wenn er Moses also einen "fantastischen Job" bescheinigt, dann ist das durchaus glaubhaft.

Alonso und Moses ergänzen sich ideal. Mit seinem Zug zum Tor und seiner Durchschlagskraft ist Moses auf Rechts der Offensivstärkere, mit seiner Zweikampfstärke und seinem Stellungsspiel Alonso auf Links der Defensivstärkere. "Wenn ich sehe, dass er angreift, sicher ich etwas weiter hinten ab und er macht es umgekehrt genauso", erklärte Alonso jüngst gegenüber Sky Sports das Wechselspiel des Duos.

Erstmals machten sie das am 7. Spieltag in Hull, Chelsea siegte 2:0 und startete seinen Erfolgslauf. Der vollwaise nigerianische Ex-Asylsuchende und der Enkel der spanischen Fußballer-Dynastie Alonso standen seitdem in jedem Premier-League-Spiel des FC Chelsea in der Startelf.

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