Canelas 2010: Portugals brutalstes Fußball-Team verbreitet Angst und Schrecken

Drachen, die dealen, beißen auch

Von Mario Krischel
Mittwoch, 17.05.2017 | 17:36 Uhr
Canelas 2010 agiert brutal und gewalttätig auf dem Feld, Anhörungen und Verurteilungen sind keine Seltenheit
Advertisement
Allsvenskan
Malmö -
AIK
Primera División
Real Sociedad -
Espanyol
Primera División
La Coruna -
Girona
Copa del Rey
Saragossa -
Valencia
Serie A
Inter Mailand -
Sampdoria
League Cup
Arsenal -
Norwich
League Cup
Leicester -
Leeds
League Cup
Swansea -
Man United
League Cup
Man City -
Wolverhampton
Copa del Rey
Murcia -
Barcelona
Copa Libertadores
River Plate -
Lanus
Serie A
Atalanta -
Hellas Verona
First Division A
Genk -
Brügge
Serie A
Bologna -
Lazio
Serie A
Cagliari -
Benevento
Serie A
Chievo Verona -
AC Mailand
Serie A
Florenz -
FC Turin
Serie A
Genua -
Neapel
Serie A
Juventus -
SPAL
Serie A
AS Rom -
Crotone
Serie A
Sassuolo -
Udinese
Premiership
Aberdeen -
Celtic
League Cup
Chelsea -
Everton
League Cup
Tottenham -
West Ham
Coupe de la Ligue
Straßburg -
Saint-Etienne
Copa del Rey
Elche -
Atletico Madrid
Copa Libertadores
Barcelona SC -
Gremio
Copa Sudamericana
Fluminense -
Flamengo
Copa del Rey
Fuenlabrada -
Real Madrid
Ligue 1
PSG -
Nizza
Championship
Leeds -
Sheffield Utd
A-League
Adelaide Udt – Melbourne City
Primera División
Alaves -
Valencia
Premier League
Man United -
Tottenham
Premiership
Hearts -
Rangers
1. HNL
Dinamo Zagreb -
Rijeka
Premier League
Liverpool -
Huddersfield
Championship
Cardiff -
Millwall
Primera División
Sevilla -
Leganes
Ligue 1
Bordeaux -
Monaco
Serie A
Milan -
Juventus
Premier League
Bournemouth -
Chelsea
Primera División
Atletico Madrid -
Villarreal
Championship
Hull -
Nottingham
Ligue 1
Caen -
Troyes
Ligue 1
Dijon -
Nantes
Ligue 1
Guingamp -
Amiens
Ligue 1
Montpellier -
Rennes
Ligue 1
Strasbourg -
Angers
Premier League
West Bromwich – Man City (DELAYED)
Primera División
Bilbao -
Barcelona
Serie A
AS Rom -
Bologna
Primeira Liga
Boavista -
Porto
Premier League
Arsenal -
Swansea (DELAYED)
Premier League
Watford -
Stoke (Delayed)
Premier League
Crystal Palace -
West Ham (Delayed)
Super Liga
Cacak -
Partizan
CSL
Hebei -
Guangzhou Evergrande
J1 League
Kofu -
Kobe
Primera División
Getafe -
Real Sociedad
Eredivisie
Vitesse -
PSV
Serie A
Benevento -
Lazio
Championship
Birmingham -
Aston Villa
Premier League
Zenit -
Lok Moskau
First Division A
Brügge -
Sint-Truiden
Premier League
Brighton -
Southampton
Ligue 1
Lyon -
Metz
Serie A
Crotone- Florenz
Serie A
Neapel -
Sassuolo
Serie A
Sampdoria -
Chievo Verona
Serie A
SPAL -
Genua
Serie A
Udinese -
Atalanta
Primera División
Girona -
Real Madrid
Ligue 1
Toulouse -
St. Etienne
Premier League
Leicester -
Everton
Primera División
Eibar -
Levante
Serie A
Ponte Preta -
Corinthians
Primera División
Malaga -
Celta Vigo
Serie A
FC Turin -
Cagliari
Ligue 1
Lille -
Marseille
Superliga
Boca Juniors -
Belgrano
Serie A
Hellas Verona – Inter Mailand
Premier League
Burnley -
Newcastle
Primera División
Espanyol -
Real Betis
Primera División
Las Palmas -
La Coruna
Copa Libertadores
Lanus -
River Plate
Championship
Preston -
Aston Villa
Copa Libertadores
Grêmio -
Barcelona
Copa Sudamericana
Flamengo -
Fluminense
A-League
Melbourne City -
Sydney
Ligue 1
Rennes -
Bordeaux Begles
Primera División
Real Betis -
Getafe
Primera División
Valencia -
Leganes
Championship
Bristol -
Cardiff
Premiership
St Johnstone -
Celtic
Championship
Aston Villa -
Sheffield Wednesday
Primera División
Deportivo -
Atletico Madrid
Ligue 1
Angers -
PSG
Serie A
Bologna -
Crotone
Primera División
Alaves -
Espanyol
Championship
Brentford -
Leeds
Ligue 1
Metz -
Lille
Ligue 1
Monaco -
Guingamp
Ligue 1
Montpellier -
Amiens
Ligue 1
Nantes -Toulouse
Ligue 1
Troyes -
Straßburg
Primera División
Barcelona -
Sevilla
Serie A
Genoa -
Sampdoria
Primeira Liga
Porto -
Belenenses
Primera División
Levante -
Girona
Serie A
Inter Mailand -
FC Turin
Championship
Middlesbrough -
Sunderland
Ligue 1
Nizza -
Dijon
Serie A
Cagliari -
Hellas Verona
Serie A
Chievo Verona -
Neapel
Serie A
Florenz -
AS Rom
Serie A
Juventus -
Benevento
Serie A
Lazio -
Udinese
Primera División
Celta Vigo -
Bilbao
Eredivisie
PSV -
Twente
Ligue 1
Marseille -
Caen
Serie A
Atalanta -
SPAL
Primera División
Real Sociedad -
Eibar
Primera División
Villarreal -
Malaga
Primera División
Real Madrid -
Las Palmas
Serie A
Sassuolo -
AC Mailand
Ligue 1
Saint-Étienne -
Lyon

In Portugals Amateurregion eilt Canelas 2010 von Sieg zu Sieg. Weniger mit spielerischer Qualität, sondern vielmehr mit brutaler Gewalt schüchtert der Klub, dessen Spieler sonst Hooligans sind, seine Gegner dermaßen ein, dass sie gar nicht erst antreten. Sogar die Spezialeinheit der Polizei musste schon eingreifen.

Sebastian Prödl meinte mal, ein Auswärtsspiel bei den Bayern sei wie ein Zahnarztbesuch. Jeder müsse da mal hin. "Kann glimpflich ausgehen. Kann aber auch ziemlich wehtun."

Von der Deutschen Akademie für Fußballkultur in Nürnberg gab es dafür den undotierten Publikumspreis für den Fußball-Spruch des Jahres.

Ungeachtet dessen, dass Prödls Aussage wohl ziemlich ernst gemeint war, muss er es wissen. Für den Ex-Bremer setzte es mit Werder ein Debakel nach dem anderen in München.

Doch von den Schmerzen, die Prödl und so manch anderer Bundesliga-Profi bei oder nach einer Partie in der Allianz Arena empfindet, können die Akteure in Portugals vierter Liga nur träumen.

Dort, in der Region rund um Porto im Nordwesten der iberischen Halbinsel, verbreitet ein Verein dermaßen Angst und Schrecken, dass sich die Gegner bereits genötigt sahen, sich zurückzuziehen.

Der FC Bayern Portugals

Canelas 2010 hat sich der Klub getauft, der genauso gut als FC Bayern Portugals durchgehen könnte. Natürlich in nicht so hochklassig und (noch) nicht so bekannt. Achja, und in nicht so gut. Aber zumindest so erfolgreich.

Weil die Spieler von Canelas in ihren Partien so brutal und teilweise gewalttätig zu Werke gingen und nach wie vor gehen, reagierte der Großteil der restlichen Mannschaften der Liga. Die jeweiligen Klub-Präsidenten trafen sich zu einem inoffiziellen Meeting.

Man wolle gegen Canelas nicht mehr antreten, beschwerten sie sich mit nur einer Ausnahme. Diese Mannschaft trete, verprügle und beleidige nicht nur die Spieler, sondern auch die Schiedsrichter. Ein ehemaliger, nicht genannter Gegenspieler sagte gar aus, man hätte ihm gedroht, seiner Familie zu schaden: "Wir wissen, wo ihr wohnt."

Ein selbst zusammengestelltes, fünfminütiges Video auf Youtube sollte die Obersten davon überzeugen, einzugreifen. Doch die waren wenig beeindruckt.

Gegner treten nicht an - Canelas marschiert

Portos lokaler Verband machte die Vereine darauf aufmerksam, dass sie einen Boykott nicht akzeptieren würden. 750 Euro Strafe pro verpasster Partie und drei automatische Punkte für Canelas wären die Folge. Doch da war der Beschluss längst gefällt worden.

Und so nahm der "erfolgreiche" Lauf seinen Beginn. Ende Oktober 2016 war es, da durften die Spieler Canelas' dann mit ansehen, wie sie mühelos von Woche zu Woche in der Tabelle nach oben kletterten und sich dabei bis zum Jahresende zurücklehnen.

Wobei zurücklehnen relativ ist. Denn der Großteil der Mannschaft ist gleichzeitig Mitglied der "Super Dragoes", der größten, einflussreichsten und zugleich gefährlichsten Ultra-Gruppierung des FC Porto.

Canelas war überhaupt erst durch diese Personen gegründet worden, die sich neben den Besuchen der Heim- und Auswärtsspiele ihres Herzensvereins auch selbst wieder betätigen wollten. Auf dem Fußballfeld natürlich, abseits waren sie ohnehin schon recht aktiv.

Der Affe ergreift das Wort

Fernando Madureira, Kapitän des Teams und Anführer der Super Drachen, erinnerte sich im Gespräch mit der New York Times zurück, dass er eigentlich kein exzellenter Fußballer war, "aber ein sehr guter Anführer".

In der Szene rufen sie ihn bei seinem Spitznamen Macaco (Affe). Für seine Drachen tut der Affe einfach alles, erzählte Madureira weiter, auch wenn es da "gute und böse Jungs" gäbe. "Wir haben Drogendealer und Mörder, aber auch gute Menschen in unserer Szene."

Und dann stelle man sich vor, diese guten und schlechten Jungs verabredeten sich damals zum Kicken und am Ende blieb ein kleiner Teil übrig, überflüssig zu erwähnen, welcher. Das ist Canelas 2010. Ihr Motto lautet "nenhum passo atrás" - kein Schritt zurück.

Der Boykott gegen seine Mannschaft empfindet Macaco als ungerecht. "Es wäre diskriminierend, einen Afrikaner oder Chinesen nicht spielen zu lassen. Warum ist das bei den Super Drachen unterschiedlich?"

Vielleicht ja wegen der Tritte gegen Oberkörper und Gesichter der Gegenspieler, vielleicht wegen der Drohungen gegen deren Familien und vielleicht auch wegen unzähliger gebrochener Knochen. Vielleicht.

Nur eine schmutzige Kampagne?

Das Video zumindest, meinte der Affe, verzerre die Realität. Es sei ja nur ein Video gewesen und das liegt auch alles schon zwei Jahre zurück. "Immer wieder spielen sie das. Die Medien interessiert das sowieso nur wegen mir, den Super Drachen und dem FC Porto. Wenn ich nicht hier wäre und dieselben Sachen geschehen würden, würde nichts davon erwähnt werden."

Verdächtig käme es obendrein daher, dass die anderen Teams sich erst dann beschwert hätten, nachdem Canelas einen starken Saisonstart mit sechs Siegen aus den ersten sieben Saisonspielen hingelegt hatte.

"In dieser Liga gibt es viel Geld. Manche Klubs zahlen ihren Spielern eine Menge", so Madureira. "Sie haben ein viel größeres Budget als wir, um im Aufstiegskampf mitzureden. Canelas ist ohne Geld entstanden." Dann habe man entschieden, sie zu stoppen, als sie Erster waren.

Inzwischen stehen sie trotzdem in den Playoffs und kämpfen aktuell als Erster um den Aufstieg in die Drittklassigkeit, nachdem es einen zweiten, fünf Spiele andauernden Boykott gegeben hatte. Dieser wurde zwei Spieltage vor Schluss der regulären Saison beendet, weil zwei abstiegsbedrohte Gegner antreten mussten, sofern sie nicht nach unten wollten.

In diesen zwei Partien sei soweit nichts dramatisch passiert, berichtete Madureira. Sie hätten sich Disziplin jetzt als Regel notiert. Es habe lediglich ein paar Gelbe Karten gegeben. Achja, und eine Rote.

Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen die Regel.

Polizei-Einsatz und eine Viereinhalb-Jahres-Sperre

Und Canelas wäre nicht Canelas, wenn nicht auch dieser Platzverweis eine besondere Geschichte zu bieten hätte.

Marco Goncalves, Anhänger der Super Drachen, durfte bereits nach zwei Minuten duschen gehen - weil er seinen Gegenspieler geschlagen hatte.

Erlebe die internationalen Top-Ligen Live und auf Abruf auf DAZN. Hol Dir jetzt Deinen Gratismonat!

Damit der Schiedsrichter seinen Fehler schnellstmöglich bemerkte, trat Goncalves ihm noch mit dem Knie ins Gesicht und brach ihm die Nase. Wie konnte er ihm auch Rot geben? Um den Unparteiischen zu schützen, rückte letztlich das Sonder-Kommando der Polizei an und nahm Goncalves in Gewahrsam.

Sofort wurde der Portugiese von allen landesweiten Fußballspielen verbannt, ob als Fan oder als Spieler. Ihm drohte gar eine Gefängnisstrafe. Vergangene Woche sprach ein Richter dann das erleichternde Urteil. Goncalves wird nur vom Fußball gesperrt. Und auch nur für viereinhalb Jahre.

Alles zum internationalen Fußball

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung