"Werde meinen Dialekt nie wegkriegen"

Dienstag, 19.04.2016 | 11:08 Uhr
Carsten Jancker arbeitet seit 2010 als Trainer beim SK Rapid
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Carsten Jancker gehört beim SK Rapid Wien fast schon zum Inventar. Mitte der 90er Jahre noch als Stürmer bei den Grün-Weißen, ist Jancker mittlerweile Co-Trainer bei Rapid. Im SPOX-Interview spricht er über seinen Abstecher nach China, Kommunikationsprobleme in Wien, falsche Neuner und österreichische Fußball-Euphorie.

SPOX: Sie wohnen seit fast zehn Jahren in Österreich, erst im Burgenland und jetzt in Wien. Fühlen Sie sich schon als halber Österreicher?

Carsten Jancker: Das nicht, aber ich fühle mich jedenfalls sehr wohl. Da ich in den 1990er Jahren schon als Spieler für ein Jahr bei Rapid war, wusste ich was mich erwartet. Kontakt nach Deutschland habe ich nur mehr wenig; ich fahre auch nur etwa zweimal im Jahr heim.

SPOX: Ihre langfristige Zukunft sehen Sie also in Österreich?

Jancker: Das weiß man nie, aber ich habe jetzt bereits seit längerem meinen Lebensmittelpunkt hier und das bleibt auch erst einmal so. Da gibt es nichts, wo ich sage: Da muss ich unbedingt in fünf Jahren sein.

SPOX: Was sind Ihre Aufgaben hier bei Rapid?

Jancker: Mittlerweile bin ich als ganz normaler Co-Trainer angestellt. Zuvor habe ich als Individualtrainer gearbeitet, das lief über das sogenannte Project12 des ÖFB. Da war ich verantwortlich für Perspektivspieler, für die ich zusätzliche Trainingseinheiten geplant und veranstaltet habe, von der U15 hoch bis zur Reserve- und Kampfmannschaft.

SPOX: Welchen heutigen Profi haben Sie so betreut?

Jancker: Louis Schaub war zum Beispiel in diesem Projekt, ihn kenne ich also schon sehr lange.

SPOX: Der Hamburger SV hat schon einmal Interesse an Schaub gezeigt. Denken Sie er hat das Potential, sich in Deutschland durchzusetzen?

Jancker: Ich finde, dass Louis sehr, sehr gute Anlagen hat. Das hat er vor allem auch schon gegen große Mannschaften in der Europa League bewiesen. Zuletzt hatte er aber ein bisschen Pech mit seiner Verletzung, jetzt ist er langsam wieder am Zurückkommen.

Carsten Jancker 2013 im Interview: "Der Pokal hat mich verfolgt"

SPOX: Zurück zu Ihrer Karriere als Aktiver, die Sie 1995 auch als Spieler zu Rapid geführt hat. Was war damals Ihr erster Eindruck vom Verein?

Jancker: Ich hatte eine schwierige Situation in Köln, wo ich nicht mehr gefragt war. Dann bin ich hier zum Probetraining hergekommen und Wien hat mir sofort getaugt. Ich hatte auch gleich das Gefühl, dass ich Spielpraxis bekommen würde und wichtig war natürlich auch, dass Rapid international vertreten war. Dann hab ich mich recht schnell zu einem Wechsel entschieden.

SPOX: Hat der Wiener Dialekt zu Beginn für Kommunikationsprobleme gesorgt?

Jancker: Wenn die Wiener richtig im Dialekt geredet haben, war es schon schwierig. Wenn man so eine deutsche Aussprache hat wie ich wird man natürlich ab und zu von den Österreichern auf die Schippe genommen, aber das gehört dazu.

SPOX: Heute immer noch?

Jancker: Ich werde meinen deutschen Dialekt nie wegkriegen, aber ich lebe jetzt ja schon seit etwa zehn Jahren in Österreich und da nimmt man mit der Zeit schon einige Dinge an. Bei mir wird man aber wohl immer den Deutschen heraushören.

SPOX: Was macht den SK Rapid für Sie aus, was ist das Besondere am Verein?

Jancker: Die Geschichte vor allem. Rapid ist Rekordmeister, war zweimal im Europapokalfinale. Und natürlich auch die Fans, die sehr zahlreich vorhanden sind. Wenn man sich an das Europa-League-Auswärtsspiel vor ein paar Jahren in Hamburg erinnert: Da waren an einem Donnerstag auswärts 8000 Rapidler und haben für eine wahnsinnige Stimmung gesorgt. Das ist schon beeindruckend. Man kann stolz darauf sein, für diesen Verein arbeiten zu dürfen.

SPOX: Was hat sich bei Rapid in der Zeit zwischen Ihrem Abschied als Spieler und der Ankunft als Trainer verändert?

Jancker: Es wurde natürlich alles viel professioneller. Die Trainingsinfrastrukur wurde enorm verbessert und jetzt bauen wir gerade ein neues Stadion (Fertigstellung im Sommer 2016, Anm. d. Redaktion), was natürlich einen Riesenschritt bedeutet. Auch die Zuschauerzahlen sind in der Zwischenzeit stark gestiegen.

SPOX Was ist in den nächsten Jahren für Rapid möglich?

Jancker: Unser Ziel ist es, konkurrenzfähiger mit Salzburg zu werden, aber die investieren natürlich immer extrem. Wir wollen mit dem neuen Stadion im Rücken Jahr für Jahr um die Meisterschaft mitspielen. Und irgendwann auch den Titel holen.

Seite 1: Der Wiener Dialekt, reiselustige Rapidler und spendable Salzburger

Seite 2: Der Fußball in China, falsche Neuner und euphorische Österreicher

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