6,7 Millionen an FIFA

WM 2006: Zahlung sorgt für Aufregung

SID
Freitag, 16.10.2015 | 13:53 Uhr
Der DFB veranlasste bereits eine interne Untersuchung der Angelegenheit
© getty
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Eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro des Organisationskomitees der WM 2006 in Deutschland an die FIFA sorgt für Aufregung. Wie der DFB in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung mitteilte, sei die Summe möglicherweise nicht dem angegebenen Zweck (FIFA-Kulturprogramm) entsprechend verwendet worden.

Im Korruptionssumpf der FIFA scheint auch eine Millionen-Zahlung vom Sommermärchen 2006 versandet zu sein. Wie der DFB am Freitag mitteilte, sei eine Überweisung in Höhe von 6,7 Millionen Euro durch das damalige WM-Organisationskomitee im Jahr 2005 an die FIFA "möglicherweise nicht dem angegebenen Zweck entsprechend" verwendet worden. Dafür gebe es "Hinweise".

Geflossen sei das Geld im April vor dem WM-Jahr für ein FIFA-Kulturprogramm - was im Rahmen einer millionenschweren Ausrichtung des größten Einzelsportereignisses der Welt nicht unüblich ist.

"Die Zahlung stand in keinem Zusammenhang mit der bereits rund fünf Jahre zuvor erfolgten Vergabe", bekräftigte der DFB, dessen Präsident Wolfgang Niersbach (64) damals geschäftsführender Vizepräsident des Organisationskomitees war.

Keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten

Anlässlich der Untersuchungen gegen den in seiner tiefsten Krise steckenden Weltverband hatte sich der DFB in den vergangenen Monaten intern mit der Vergabe der WM 2006 befasst.

"Im Rahmen seiner Prüfungen hat der DFB keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gefunden. Ebenso wenig haben sich irgendwelche Anhaltspunkte dafür ergeben, dass Stimmen von Delegierten im Zuge des Bewerbungsverfahrens gekauft wurden", teilte der weltgrößte Fußballverband mit. Dazu hatte es in der vergangenen Monaten immer wieder Gerüchte gegeben, auch über unlautere Deals mit der deutschen Wirtschaft war spekuliert worden.

Hinweise über eine mögliche andere Verwendung der für das Kulturprogramm vorgesehenen 6,7 Millionen Euro hatten Niersbach im Sommer dieses Jahres dazu bewogen, eine interne Untersuchung zur Aufklärung des Vorgangs anzuordnen.

Ansprüche des DFB auf Rückforderung?

Die Prüfung umfasst laut DFB unter Hinzuziehung externer Rechtsberater auch die Frage, ob im Zusammenhang mit diesem Vorgang Ansprüche des DFB auf Rückforderung bestehen. Ein abschließendes Ergebnis gibt es noch nicht, die eingeleiteten Prüfungen würden noch andauern. Auch der Kontrollausschuss sei involviert.

Niersbach war zu dem Zeitpunkt auch der Pressechef des Organisationskomitees, dem "Kaiser" Franz Beckenbauer vorstand. Im Aufsichtsrat des Gremiums, welches das spätere Sommermärchen verantwortete, saßen unter anderem der heutige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, der ehemalige Innenminister Otto Schily und der aktuelle Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Erinnerung an ähnliche Fälle

Beckenbauer wurde 2007 Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee. An der Macht im Weltverband waren 2005 FIFA-Präsident Joseph S. Blatter, der in der vergangenen Woche für 90 Tage suspendiert worden war, und Generalsekretär Urs Linsi (beide Schweiz).

Der Vorgang erinnert in seinen Grundzügen an die dubiose Zahlung von zehn Millionen Dollar, die 2008 vom südafrikanischen Fußballverband SAFA über ein FIFA-Konto an den karibischen Regionalverband CFU gegangen war.

Die US-Justiz hält die in der FIFA-Zentrale veranlasste Überweisung für Bestechungsgeld für die WM 2010, nachdem der damalige CFU-Boss und FIFA-Topfunktionär Jack Warner (Trinidad und Tobago) für die Vergabe 2004 Stimmen für die Afrikaner organisiert haben soll. Vertreter des südafrikanischen Verbandes SAFA hingegen bezeichnen die Summe als Entwicklungshilfe. Die FIFA habe dies gewusst.

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