Montag, 13.01.2014

SPOX-Meinung zur Weltfußballer-Wahl

Der Hass spricht für Ronaldo

Niemand polarisiert derart wie Cristiano Ronaldo. Aber: Der Ballon d'Or wird nur nach sportlichen Kriterien vergeben. Der Portugiese ist deshalb der verdiente Sieger. Ein Kommentar von Haruka Gruber.

Sinnbildlich: Cristiano Ronaldo (M.) als der Mittelpunkt der Fußball-Welt
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Sinnbildlich: Cristiano Ronaldo (M.) als der Mittelpunkt der Fußball-Welt

Vergangene Woche kam es zu einem Treffen mit einem Fußball-Profi. Ein entspannter Plausch im privaten Rahmen über das vergangene Jahr. Doch als ich nebenbei die Frage stellte, wen der Profi denn zum Weltfußballer 2013 wählen würde, entstand plötzlich eine lebhafte Diskussion.

Ich: "Eine echt schwierige Entscheidung. Irgendwie sind alle auf Augenhöhe."

Er: "WAS??? Es kann nur einen geben: Ronaldo!!!"

Ich: "Warum denn das?"

Er: "Bei Ribery ist nicht mal klar, ob er in seiner Mannschaft der wirklich beste Spieler ist."

Ich: "Und Messi?"

Er: "Messi hat es schon immer viel leichter gehabt als Ronaldo. Weißt Du, wie schwierig es für einen Fußballer ist, von jedem gegnerischen Fans ausgepfiffen und von den meisten Journalisten verspottet zu werden? Und dennoch seit Jahren fantastische Leistungen zu zeigen? Messi im Gegensatz wird doch von jedem geliebt, selbst bei Auswärtsspielen wird er beklatscht. Deswegen habe ich größten Respekt vor Ronaldo."

Ich: "Aber Ronaldo ist doch selbst schuld daran, dass er so polarisiert."

Er: "Sei ehrlich, Haruka: Soll die persönliche Präferenz der Grund sein, warum Ronaldo nicht Weltfußballer werden sollte? Oder müssten da nicht andere Kriterien wichtig sein?"

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Und da fühlte ich mich ertappt. Es ist mittlerweile eine Routine geworden für viele Fußball-Fans und eben auch Journalisten, Ronaldo nicht ganz ernst zu nehmen ob seines extravaganten Habitus' und der teils seltsam anmutenden Äußerungen. Wenn man allerdings nur den sportlichen Aspekt als ausschlaggebend berücksichtigt, konnte nur Ronaldo den Ballon d'Or gewinnen.

So imposant die Bayern und Ribery spielen, streng genommen durfte er kein Weltfußballer werden. Es ist ein Individual-Preis ähnlich dem MVP-Award in den US-Sportarten - doch war Ribery tatsächlich der wertvollste Spieler seiner Mannschaft? Oder war es Philipp Lahm? Arjen Robben? Thomas Müller?

Von Loddar bis Messi: Die Weltfußballer seit 1991
Seit 1991 kürt die FIFA offiziell den Weltfußballer des Jahres. Den Anfang machte Lothar Matthäus, damals in Diensten von Inter
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Seit 1991 kürt die FIFA offiziell den Weltfußballer des Jahres. Den Anfang machte Lothar Matthäus, damals in Diensten von Inter
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1992 krönte sich Marco van Basten vom AC Milan zum besten Spieler des Planeten
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Auch 1993 kam der Weltfußballer von einem italienischen Verein: Roberto Baggio von Juventus Turin
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Brasilien wurde 1994 Weltmeister, der Barca-Stürmer Romario traf fünf Mal und wurde zum besten Spieler der Welt gewählt
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Der bisher einzige Weltfußballer aus Afrika. George Weah zauberte für Paris St. Germain und wechselte dann zum AC Milan
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Der bisher einzige Weltfußballer aus Afrika. George Weah zauberte für Paris St. Germain und wechselte dann zum AC Milan
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1996 wechselte Ronaldo vom PSV Eindhoven zum FC Barcelona und wurde als bester Spieler der Welt ausgezeichnet
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1996 wechselte Ronaldo vom PSV Eindhoven zum FC Barcelona und wurde als bester Spieler der Welt ausgezeichnet
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Ein Jahr später wiederholte Ronaldo das Kunststück, mittlerweile im Trikot von Inter Mailand
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Ein Jahr später wiederholte Ronaldo das Kunststück, mittlerweile im Trikot von Inter Mailand
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1998 schoss Zinedine Zidane Frankreich zum Weltmeistertitel und wurde zum ersten Mal zum Weltfußballer gewählt
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1998 schoss Zinedine Zidane Frankreich zum Weltmeistertitel und wurde zum ersten Mal zum Weltfußballer gewählt
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Rivaldo vom FC Barcelona wurde der letzte Weltfußballer des vorigen Jahrtausends
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Nach einem Jahr Pause setzte sich Zinedine Zidane 2000 wieder die Krone des besten Fußballers auf
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Luis Figo bekam den Ballon d'Or 2001 von Real Madrid-Legende Alfredo di Stefano (M.) überreicht
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Die letzte Sternstunde von Il Fenomeno. Ronaldo machte Brasilien 2002 zum Weltmeister und sich zum dritten Mal zum Weltfußballer
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2003 war Zinedine Zidane mal wieder nicht zu stoppen. Der Franzose wurde zum dritten Mal als Weltfußballer ausgezeichnet
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2004 ist das Jahr von Ronaldinho. Der Barca-Star führte die Katalanen zum ersten Meistertitel seit 2000
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Ronaldinho verteidigte 2005 seinen Titel. Nach einem fantastischen Auftritt im Bernabeu bejubelten ihn sogar die Fans von Real Madrid
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Ronaldinho verteidigte 2005 seinen Titel. Nach einem fantastischen Auftritt im Bernabeu bejubelten ihn sogar die Fans von Real Madrid
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Als einziger Abwehrspieler schaffte es Fabio Cannavaro 2006 in die Phalanx. Auch dank seiner überragenden Leistungen wurde Italien Weltmeister in Deutschland
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2007 gab es zwei große Titel für Kaka. Mit Milan gewann er die Champions League und er selbst die Wahl zum Weltfußballer
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Cristiano Ronaldo freute sich 2008 über die Trophäe für den Weltfußballer
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Cristiano Ronaldo freute sich 2008 über die Trophäe für den Weltfußballer
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Sechs Titel in einem Jahr waren Grund genug: Lionel Messi wurde Weltfußballer des Jahres 2009
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Sechs Titel in einem Jahr waren Grund genug: Lionel Messi wurde Weltfußballer des Jahres 2009
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2010 verteidigte der Dribbelkünstler aus Argentinien trotz enttäuschender WM seinen Titel
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2010 verteidigte der Dribbelkünstler aus Argentinien trotz enttäuschender WM seinen Titel
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Und auch 2011 war er der alles überragende Mann: Messi gewinnt zum dritten Mal in Folge den "FIFA Ballon d'Or"
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Und auch 2011 war er der alles überragende Mann: Messi gewinnt zum dritten Mal in Folge den "FIFA Ballon d'Or"
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Der vierte Streich hintereinander! Auch 2012 führt kein Weg am 91-Tore-Mann aus Argentinien vorbei.
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Die fünfte Auszeichnung in Folge verhinderte Cristiano Ronaldo 2013 mit beeindruckenden 69 Toren
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Die fünfte Auszeichnung in Folge verhinderte Cristiano Ronaldo 2013 mit beeindruckenden 69 Toren
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Erfolgreiche Titelverteidigung: Ronaldo wird auch 2014 Weltfußballer - mit 62 Toren in 62 Spielen
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2015 war dann wieder Lionel Messi dran und erhielt seinen fünften Ballon d'Or
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2015 war dann wieder Lionel Messi dran und erhielt seinen fünften Ballon d'Or
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Verbleibt Messi, dessen Bedeutung in Barcelona vergleichbar ist mit der von Ronaldo bei Real. Statistisch sind beide ohnehin gleichauf: 2012/13 traf Messi in allen Spielen 64 Mal das Tor und gab 20 Vorlagen, bei Ronaldo waren es derer 62 und 17.

Dennoch sind Ronaldos Leistungen etwas höher zu bewerten, weil er diese in einer feindseligeren Umgebung erbringt. Und das, von wenigen Ausnahmen wie dem Champions-League-Halbfinale gegen Dortmund abgesehen, mit einer unfassbaren Beständigkeit.

Anders als Messi, an dem sich selbst gegnerische Fans ergötzen, war Ronaldo nie der Liebling aller, sondern wird von einem Großteil gehasst oder zumindest verabscheut. Dem Ressentiment zu trotzen und seit drei Jahren im Schnitt über 60 Tore pro Saison zu schießen und sich bei aller Belastung nie zu verletzen, gebührt höchste Anerkennung. Ronaldo ist deshalb völlig verdient Weltfußballer 2013.

Cristiano Ronaldo im Steckbrief

Haruka Gruber

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Haruka Gruber(Chefredakteur)

Haruka Gruber, Jahrgang 1980, ist als Content Director des Mutterkonzerns PERFORM Deutschland verantwortlich für die redaktionellen Inhalte bei SPOX.com. Geboren und aufgewachsen in Tokio, Umzug als Achtjähriger mit der Familie in die Nähe von Frankfurt. Nach dem Abschluss des Politikwissenschafts-Studiums in Mainz und Stationen in Köln und Hamburg folgte 2006 der Umzug nach München zu Sport1.de. 2007 der Wechsel zum neugegründeten SPOX.com. Kernressorts: Fußball, Basketball und Boxen.

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