Ante Sapina bestach Spieler in Österreich

SID
Auch Spiele mit Beteiligung von RB Salzburg mit Alex Zickler sind vom Wettskandal betroffen
© Getty

Sechsstellige Beträge soll Wettpate Ante Sapina durch Bestechungen in der österreichischen Bundesliga gewonnen haben. Auch Partien dreier deutscher Spieler sollen betroffen sein.

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An die deutsche Bundesliga wagten sich die Wettbetrüger um Ante Sapina nicht heran, in Österreichs Topliga sollen sie jedoch Spieler bestochen und dadurch sechsstellige Beträge gewonnen haben.

Auch Partien mit Ex-Nationalspieler Alexander Zickler, dem Ex-Münchner Steffen Hofmann und dem ehemaligen HSV-Ersatztorwart Raphael Wolf sind betroffen. Das geht aus der Anklageschrift gegen den mutmaßlichen Haupttäter im Fußball-Wettskandal und fünf seiner Helfer hervor, die sich ab 21. März vor dem Bochumer Landgericht verantworten müssen.

Ante Sapina, der durch den Wettskandal um den DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer berühmt wurde, und sein Kompagnon Marijo C. sollen Spieler des Bundesligisten Kapfenberger SV bestochen haben, damit sie absichtlich drei Partien verlieren. Im Mittelpunkt stand dabei, so die Bochumer Staatsanwaltschaft, ein Abwehrspieler des Klubs. Er soll über einen Mittelsmann insgesamt mehr als 200.000 Euro erhalten haben, die er zum Teil an seine Teamkollegen weitergeben sollte.

Wettpaten mit Verlusten

Ante Sapina und Marijo C. setzten dann laut Staatsanwaltschaft hohe Beträge auf die Kapfenberger Spiele am 29. August 2009 bei Red Bull Salzburg mit dem Ex-Bayern Zickler (0:4), am 23. September 2009 gegen Rapid Wien mit Hofmann (0:1) und am 28. Oktober 2009 gegen Austria Wien (1:0). Bei allen drei Spielen stand der ehemalige Hamburger Wolf im KSV-Tor. Allerdings spielten die Steirer nicht immer so, wie es die Wettpaten erwarteten.

Der Sieg gegen die Austria kam Sapina und Marijo C. teuer zu stehen. Über 423.000 Euro setzten sie nach den Erkenntnissen der Ermittler bei asiatischen Wettanbietern, 312.000 Euro davon verloren sie. Zudem brachten sie laut Staatsanwaltschaft "mindestens 140.000 Euro" an Bestechungsgeld auf, das Marijo C. dem belasteten Abwehrspieler zwei Tage vor dem Spiel in Wien zumindest teilweise übergeben haben soll. Der Spieler gab bei der österreichischen Polizei zu, von Marijo C. auf Manipulationen angesprochen worden zu sein.

Wettbetrüger zahlten drauf

Ante Sapina, wie Marijo C. seit dem 19. November 2009 in Untersuchungshaft, bestätigte bei seinen Vernehmungen im August, dass von den 140.000 Euro "100.000 für die korrupten Spieler erforderlich" gewesen seien. Die restlichen 40.000 Euro sollten für die Profis auf eine eigene Niederlage gewettet werden. Weil Kapfenberg gewann, forderten die Wettpaten das Geld zurück. Ein Mittelsmann soll es in bar zurück zu Marijo C. nach Nürnberg gebracht haben.

Auch beim Kapfenberger 0:1 gegen Rapid zahlten die mutmaßlichen Wettbetrüger drauf: Von mehr als 246.000 Euro Einsatz in Asien erhielten sie nur knapp 70.000 Euro zurück, weil sie auf eine höhere Niederlage gesetzt hatten. Ante Sapina gab zu, dass er das Spiel für 100.000 Euro "gekauft" habe. Da Kapfenberg aber nicht mit mindestens zwei Toren verloren habe, sei der Betrag nicht gezahlt worden.

Einmal kassierten Ante Sapina und Marijo C., so die Ermittler, jedoch ab: Einen Wettgewinn von knapp 104.000 Euro listet die Anklageschrift nach dem Kapfenberger 0:4 in Salzburg auf. 80.000 Euro soll Sapina über einen Mittelsmann mehreren KSV-Profis gezahlt haben, damit sie mit mindestens drei Toren Unterschied verlieren. Weil die Buchmacher in Asien aber von Manipulationsgerüchten gehört hatten, seien die Wetten "nur unter Schwierigkeiten" zu setzen gewesen, so Sapina. Das 1:0 für die vom früheren Bundesliga-Coach Huub Stevens trainierten Salzburger erzielte der Ex-Bayern-Profi Zickler, das 3:0 der Ex-Schalker Simon Cziommer.

Höchsten Gewinne bei Zweitligaspiel in Österreich

Die höchsten Gewinne fuhren die "Köpfe der Bande" (Staatsanwalt Andreas Bachmann) bei einem österreichischen Zweitligaspiel ein. Über 650.000 Euro bei asiatischen Buchmachern brachte ihnen laut Anklageschrift die 0:7-Niederlage des TSV Hartberg bei Red Bull Juniors Salzburg am 22. September 2009 ein.

60.000 Euro seien an Hartberger Mittelfeld- und Abwehrspieler geflossen, sagte Sapina aus. Auch beim Hartberger Pokalspiel beim Drittligisten SC Zwettl am 14. August 2009 (4:2) soll es Manipulationsabsprachen gegeben haben.

Insgesamt sollen die sechs Beschuldigten, die wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs angeklagt sind, Wetten auf 47 Spiele platziert haben, bei denen Manipulationsabsprachen bestanden. Sie sollen 550.000 Euro aufgewendet haben, um Spieler und Schiedsrichter zu bestechen. Mit 3,5 Millionen Euro Einsatz sollen sie 2,8 Millionen Euro Gewinn erzielt haben.

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