SPOX-Serie Europareise, Teil 8: Österreich

Das Mainz Österreichs

Von Aufgezeichnet von Jochen Tittmar
Mittwoch, 12.01.2011 | 21:06 Uhr
Die SV Ried ist die Überraschungsmannschaft in Österreich und führt die Tabelle an
© Imago
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Premier League, Primera Division, Serie A - das Geschehen steht in der Sportberichterstattung fast täglich im Fokus. Weniger Beachtung hierzulande findet der Fußball aus anderen Ländern. SPOX hat sich in Europa umgesehen und zieht in Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen und Experten ein Hinrundenfazit einiger ausgewählter Ligen. Teil 8 der Europareise führt nach Österreich.

Von Peter Altmann, stellvertretender Chefredakteur bei www.laola1.at

Die Hinrunde kompakt

Die SV Ried ist so etwas wie das Mainz 05 Österreichs. Allerdings mit dem Unterschied, dass sie die Sache mit der Tabellenführung bis zum Jahresende durchgezogen haben.

Ärgern muss man sich bei Austria Wien und Sturm Graz, zwei der vier Spitzenteams.

Denn die anderen beiden Großen, Rapid und vor allem Salzburg (nur Linz und Mattersburg haben weniger Tore geschossen als Red Bull), hatten zu Saisonbeginn eine derart schwache Punkteausbeute, dass die Austria und Graz locker zehn Punkte Vorsprung haben müssten. Gegen Ende rückte das Spitzenfeld aber wieder eng zusammen.

Ich glaube auch, dass eines dieser vier Teams Meister wird, wahrscheinlich wieder Salzburg. Es kann sich niemand vorstellen, dass sich Ried bis zum Saisonende dort oben hält.

Wenn Red Bull tatsächlich seinen Titel verteidigen kann, darf man sich in der Mozartstadt also bei der Konkurrenz bedanken.

Die Schwäche des Meisters war eines der großen Themen der Hinrunde, Trainer Huub Stevens stand massiv in der Kritik, auch die Einkaufspolitik von Sportchef Didi Beiersdorfer wurde angezweifelt - vor allem weil "Torgarantie" Marc Janko (zu Twente Enschede) nicht adäquat ersetzt werden konnte.

Erwähnenswert ist auch die gute Leistung von Wacker Innsbruck, das als Aufsteiger einige Zeit lang Tabellenführer war, gegen Ende aber eingebrochen ist.

Der Abstiegskampf wird zwischen Mattersburg und Linz ausgetragen, die beide mit weitem Abstand die letzten Plätze belegen.

Anders als der LASK (siehe negative Überraschung) hat Mattersburg mehr Erfahrung im Abstiegskampf. Der Verein setzt auf junge, einheimische Spieler, denen aber (noch) Routine und letztlich die Qualität für ein besseres Abschneiden fehlen.

Die Tabelle in Österreich

Positive Überraschung

SV Ried. Paul Gludovatz ist ein hervorragender Trainer, der 2008 mit über 60 erstmals den Schritt in die Bundesliga gewagt hat.

Er hatte Österreich zuvor bei der U-20-WM 2007 zum vierten Platz geführt.

Ried spielt mit einem Kader ohne echte Stars und setzt auf ein variables und laufintensives 3-3-3-1-System, auf das sich die Konkurrenz unheimlich schwer einstellen kann.

Der Verein hat eine sehr gute Trefferquote bei Transfers und leistet sich kaum Fehlgriffe.

Dabei ist zu beobachten, dass man verstärkt auf spanische Spieler aus der 2. und 3. Liga setzt.

Stürmer Nacho machte den Anfang, nun haben Angreifer Guillem und Mittelfeldspieler Ivan Carril gut einschlagen.

Im Tor steht HSV-Leihgabe Wolfgang Hesl, der eine gute Runde spielt und die drittbeste Fangquote aller Torhüter aufweist.

Negative Überraschung

LASK Linz. Der Traditionsverein holte nur zehn Punkte aus 19 Spielen. Der neue Klub von Alex Zickler leitete im Sommer einen Umbruch ein.

Man hat gewisse Einsparmaßnahmen getroffen und gute Spieler wie Jürgen Macho oder Thomas Prager gehen lassen.

Die Vereinsführung agierte dabei relativ hilflos und schätzte den Kader völlig falsch ein.

Man dachte, dass man um die Plätze zwei bis fünf mitspielen kann.

Player to watch

Zlatko Junuzovic (Austria Wien). Der 23-Jährige war der dominierende Spieler der Hinrunde.

Er ist auch völlig verdient zu Österreichs Spieler des Jahres gewählt worden. Obwohl er ein gelernter Stürmer ist, ist er variabel einsetzbar. Bei der Austria spielt er meistens links im Mittelfeld, im Nationalteam auf der Zehn.

Er hat seit dem überraschenden Karriereende von Leader Milenko Acimovic einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht und ist in die Rolle des Anführers geschlüpft.

Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass er im Sommer im Ausland landet. Hannover 96 hat ihn bereits beobachtet.

Das internationale Abschneiden

Grundsätzlich muss man sagen, dass es immer positiv ist, wenn eine österreichische Mannschaft die Gruppenphase eines internationalen Wettbewerbs erreicht.

Im Vorjahr waren neben Salzburg und Rapid auch noch die Austria und Sturm in der Europa-League-Gruppenphase vertreten.

Dieses Jahr haben es nur Salzburg und Rapid geschafft, daher war das schon so etwas wie eine kleine Enttäuschung.

Red Bull hat letztes Jahr noch alle sechs Spiele der Gruppenphase gewonnen, nun sind sie in einer zugegebenermaßen auch sehr starken Gruppe (Juventus, ManCity, Posen) mit nur zwei Zählern ausgeschieden.

Rapid hat einen Punkt mehr gesammelt, sah aber gegen Porto und Besiktas kein Land.

Lustig jedoch: Das Team von Peter Pacult hat Aston Villa sowohl im Vorjahr als auch jetzt wieder in den Playoffs besiegt.

Sturm Graz ist nach einer sehr ansprechenden Leistung in den Playoffs an Juventus Turin gescheitert.

Gleiches gilt für die Austria, die gegen Aris Saloniki den Kürzeren zog.

Die Torschützenliste der tipp3-Bundesliga

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