Mittwoch, 09.06.2010

Griechenland-Star Michael Gspurning im Interview

Wird Gspurning der Nikopolidis-Nachfolger?

Österreichs Nationaltorwart Michael Gspurning mauserte sich seit seinem Wechsel von Pasching zu Skoda Xanthi zum Top-Keeper Griechenlands und wird von den Topklubs gejagt. Auch Köln könnte eine Option sein. Aber wer ist dieser Gspurning? Im Interview mit SPOX spricht der 29-Jährige über das Olympiakos-Interesse und den Van-der-Sar-Stil.

Michael Gspurning spielt seit 2007 in Griechenland bei Skoda Xanthi
© Imago
Michael Gspurning spielt seit 2007 in Griechenland bei Skoda Xanthi

SPOX: Michael Gspurning - ein Name, der selbst deutschsprachigen Fußball-Fans erstmal nur schwer über die Lippen kommt. Wie kommt ein Grieche damit klar?

Michael Gspurning: Mittlerweile klappt das ganz gut. Aber der Stadionsprecher von Xanthi hat immer noch die gleiche Routine wie vor drei Jahren und sagt jedes Mal vor dem Anpfiff bei der Spielerpräsentation: "Jetzt kommt unser Torwart, gegen den ein Tor zu schießen schwieriger ist als dessen Name auszusprechen!" (lacht)

SPOX: In Deutschland sind Sie wenig bekannt, obwohl Sie seit Jahren zu den besten Torhütern der griechischen Liga zählen und auch von einigen Bundesliga-Teams beobachtet wurden. Was für ein Torwart-Typ sind Sie?

Gspurning: Ich gehöre eher zu den ruhigen, sachlichen Vertretern. Ich komme mehr nach Torhütern wie Edwin van der Sar und bin nicht so aufbrausend wie beispielsweise ein Oliver Kahn es gewesen war.

SPOX: Müssten Sie womöglich extrovertierter sein, um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen?

Gspurning: Vielleicht. Aber ich möchte mich anders als einige Kollegen nicht künstlich aufplustern, so bin ich nicht und so will ich nie sein. Daher hat es mich immer genervt, wenn mir der Ratschlag gegeben wurde, dass ich mich anders zu verhalten hätte. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen.

SPOX: Mit Erfolg, immerhin gelten Sie als Favorit auf die Nachfolge von Olympiakos-Torwartlegende Antonis Nikopolidis, der Anfang der Woche seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Auch bei Panathinaikos werden Sie seit langem gehandelt.

Gspurning: Seitdem werde ich jeden Tag von zahlreichen Journalisten angerufen, aber leider kann ich nicht viel dazu sagen. Offenbar hat Piräus konkretes Interesse und Kontakt zu Xanthi aufgenommen. Mehr weiß ich leider auch nicht.

SPOX: Sie haben mitt Xanthi in der abgelaufenen Saison gerade so den Abstieg vermieden. Warum sind Sie dennoch ein Kandidat für solche Spitzenklubs?

Gspurning: Weil ich mittlerweile einen sehr guten Namen in Griechenland habe. Natürlich verlief das Jahr für den Verein sehr enttäuschend, aber meine persönlichen Leistungen waren nicht schlechter als in der Vorsaison, als wir lange an der Tabellenspitze mit dabei waren, insgesamt nur 21 Gegentore kassiert haben und ich häufig im Fokus stand. Von daher weiß ich, dass ich zumindest bei den griechischen Klubs immer auf der Kandidatenliste stehe. Nur der richtige Zeitpunkt kam noch nicht.

Die Top-Torhüter von 1987-2009
Die internationale Föderation für Fußball-Historie und -Statistik hat die besten 75 Torhüter der letzten 23 Jahre gewählt. Platz 1: Gianluigi Buffon (Juventus Turin). Weltmeister 2006
© Getty
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Die internationale Föderation für Fußball-Historie und -Statistik hat die besten 75 Torhüter der letzten 23 Jahre gewählt. Platz 1: Gianluigi Buffon (Juventus Turin). Weltmeister 2006
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Platz 2: Iker Casillas (Real Madrid). Europameister 2008, Champions-League-Sieger 2000 und 2002, über 500 Spiele für Real Madrid
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Platz 2: Iker Casillas (Real Madrid). Europameister 2008, Champions-League-Sieger 2000 und 2002, über 500 Spiele für Real Madrid
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Platz 3: Peter Schmeichel. Europameister 1992, Champions-League-Sieger 1999, Welttorhüter 1992, 1993
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Platz 3: Peter Schmeichel. Europameister 1992, Champions-League-Sieger 1999, Welttorhüter 1992, 1993
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Platz 4: Oliver Kahn. Champions-League-Sieger 2001, Welttorhüter 1999, 2001, 2002. 557 Bundesligaspiele für den KSC und Bayern München
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Platz 4: Oliver Kahn. Champions-League-Sieger 2001, Welttorhüter 1999, 2001, 2002. 557 Bundesligaspiele für den KSC und Bayern München
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Platz 5: Edwin van der Sar (Manchester United). Champions-League-Sieger 1995, 2008. 130 Länderspiele für die Niederlande
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Platz 5: Edwin van der Sar (Manchester United). Champions-League-Sieger 1995, 2008. 130 Länderspiele für die Niederlande
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Platz 6: Jose Chilavert. Welttorhüter 1995, 1997, 1998. Freistoß-Spezialist: 8 Tore in 74 Länderspielen für Paraguay
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Platz 6: Jose Chilavert. Welttorhüter 1995, 1997, 1998. Freistoß-Spezialist: 8 Tore in 74 Länderspielen für Paraguay
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Platz 7: Walter Zenga. Welttorhüter 1989, 1990, 1991. 328 Serie-A-Spiele für Inter Mailand
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Platz 7: Walter Zenga. Welttorhüter 1989, 1990, 1991. 328 Serie-A-Spiele für Inter Mailand
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Platz 8: Petr Cech (FC Chelsea). Welttorhüter 2005, englischer Meister 2005, 2006
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Platz 8: Petr Cech (FC Chelsea). Welttorhüter 2005, englischer Meister 2005, 2006
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Platz 9: Michel Preud'homme. Welttorhüter 1994.
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Platz 9: Michel Preud'homme. Welttorhüter 1994.
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Platz 10: Claudio Taffarel. Weltmeister 1994, Copa-America-Sieger 1997. 101 Länderspiele für Brasilien
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Platz 10: Claudio Taffarel. Weltmeister 1994, Copa-America-Sieger 1997. 101 Länderspiele für Brasilien
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Platz 20: Andreas Köpke. Der heutige DFB-Torwarttrainer landet hinter Rinat Dasajew und Hans van Breukelen, aber vor Gianluca Pagliuca
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Platz 20: Andreas Köpke. Der heutige DFB-Torwarttrainer landet hinter Rinat Dasajew und Hans van Breukelen, aber vor Gianluca Pagliuca
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Platz 23: Bodo Illgner. Der Weltmeister von 1990 teilt sich Platz 23 mit Bayern-Legende Jean-Marie Pfaff und Neville Southall
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Platz 23: Bodo Illgner. Der Weltmeister von 1990 teilt sich Platz 23 mit Bayern-Legende Jean-Marie Pfaff und Neville Southall
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Platz 28: Jens Lehmann (VfB Stuttgart). Thomas Ravelli liegt vor dem 40-Jährigen, Angelo Peruzzi dahinter
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Platz 28: Jens Lehmann (VfB Stuttgart). Thomas Ravelli liegt vor dem 40-Jährigen, Angelo Peruzzi dahinter
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Platz 34: Timo Hilderband (1899 Hoffenheim). Deutscher Meister 2007
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Platz 34: Timo Hilderband (1899 Hoffenheim). Deutscher Meister 2007
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Platz 37: Toni Schumacher. Deutscher Meister 1978, 76 Länderspiele für Deutschland. Irlands Legende Pat Bonner leigt gleichauf mit Tünn
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Platz 37: Toni Schumacher. Deutscher Meister 1978, 76 Länderspiele für Deutschland. Irlands Legende Pat Bonner leigt gleichauf mit Tünn
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Platz 48: Eike Immel. 534 Bundesligaspiele für den BVB und den VfB Stuttgart. Immel (im Bild ganz links) nahm 2008 an der RTL-Show "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" teil
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Platz 48: Eike Immel. 534 Bundesligaspiele für den BVB und den VfB Stuttgart. Immel (im Bild ganz links) nahm 2008 an der RTL-Show "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" teil
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Platz 48: Stefan Klos. Champions-League-Sieger 1997. 254 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund, 208 Ligaspiele für die Glasgow Rangers
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Platz 48: Stefan Klos. Champions-League-Sieger 1997. 254 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund, 208 Ligaspiele für die Glasgow Rangers
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Platz 70: Rene Adler (Bayer Leverkusen). Deutschlands Nummer 1 schaffte es mit einem Punkt gerade noch in die Top 75
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Platz 70: Rene Adler (Bayer Leverkusen). Deutschlands Nummer 1 schaffte es mit einem Punkt gerade noch in die Top 75
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SPOX: In der Vergangenheit wurden sich auch von Köln beobachtet. Der FC verpflichtet in diesem Sommer wohl einen neuen Torwart als Backup für die aktuelle Nummer eins Faryd Mondragon. Wäre Köln eine Option - auch wenn Sie als österreichischer Nationalspieler womöglich auf der Bank sitzen müssten?

Gspurning: Es wäre eine Überlegung wert. Köln war schon einmal ein Thema und die Bundesliga als Ganzes ist natürlich sehr reizvoll, egal in welcher Konstellation etwas zustande kommen würde. Zumal es im Fußball sehr schnell gehen kann und eine Nummer zwei immer Chancen hat, die Nummer eins zu verdrängen.

SPOX: Zuletzt soll Red Bull Salzburg Interesse gezeigt haben.

Gspurning: Red Bull hatte lose angefragt und Salzburg ist der einzige Verein, für den ich nach Österreich zurückgekehrt wäre. Ich habe mich im Ausland durchgesetzt und will mich in einer der ganz großen Ligen Europas beweisen, von daher würde mir die österreichische Liga wie ein Rückschritt vorkommen, auch wenn sie zuletzt einen Sprung nach vorne gemacht hat. Aber mit Red Bull hat sich relativ schnell abgezeichnet, dass wir nicht zusammenkommen.

SPOX: Wäre ein Wechsel in die Heimat aber nicht förderlich für die Nationalmannschaftskarriere?

Gspurning: Nein, Nationaltrainer Didi Constantini meldet sich regelmäßig bei mir und ich werde vom ÖFB beobachtet, von daher weiß ich, dass die Fachleute meine Leistungen gut einschätzen können. Ich bin überzeugt davon, dass sie sehen, dass ich von meiner Klasse her jedem Konkurrenten ebenbürtig bin.

SPOX: Ihr Vertrag in Xanthi läuft bis 2011, als Ablösesumme sind eine Million Euro festgeschrieben. Viel Geld für einen 29-jährigen Torwart.

Gspurning: Das ist richtig. Ich habe den Vertrag kurz vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise unterzeichnet, damals war eine Million Euro lange nicht so viel wert wie heutzutage. Es ist schwer, so einen Betrag auf den Tisch zu legen, demtentsprechend gehe ich davon aus, dass Xanthi mich auch für einen niedrigeren Betrag ziehen lässt.

SPOX: Von der Weltwirtschaftskrise abgesehen manövrierte sich Griechenland selbst fast in einen Staatsbankrott. Wie sehr wird das Leben eines Fußball-Profis davon beeinflusst?

Gspurning: Es hat natürlich finanzielle Auswirkungen, beispielsweise wurden die Einkommens- und die Mehrwertssteuer deutlich erhöht. In der Kabine, aber auch im Gespräch mit den Fans ist das Thema allgegenwärtig. Dennoch fühle ich mich in Griechenland sehr wohl. Es sieht nicht rosig aus, aber die Griechen lassen sich das Leben nicht verderben. Diese Einstellung gefällt mir.

Von Superfund zu Skoda: Michael Gspurning im Steckbrief

Interview: Haruka Gruber

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