Fussball

Auf dem Weg zum Frieden

Von Andreas Lehner
380 Mal trafen Celtic und Rangers aufeinander: 152 Siege Rangers, 136 Siege Celtic, 92 Unentschieden
© Getty

Es ist kein Spiel wie jedes andere. Es ist kein Lokalderby wie jedes andere. Das Old-Firm-Derby zwischen dem Celtic Football Club und dem Rangers Football Club ist das wohl brisanteste Fußballspiel der Welt. Vor allem, weil es nicht nur um Sport geht.

Hatte er sich nur einfach verplappert oder ein wahres Wort ganz gelassen ausgesprochen?

"Wir haben ihn in erster Linie als Fußballspieler verpflichtetet. Aber auch, um die Tradition des Vereins zu brechen, keine römisch-katholischen Spieler zu holen", sagte Sir David Murray in einem Interview mit dem "Herald" auf die Frage, ob der Transfer von Mo Johnston der wichtigste in der Geschichte der Rangers war.

Der Vorstandsvorsitzende hatte damit nämlich zugegeben, dass der Klub jahrzehntelang einem ungeschriebenen Vereinskodex folgte und die Konfession als zentralen Punkt der Transferpolitik betrachtete. Er hatte indirekt sektiererisches Verhalten eingestanden und damit vielen Celtic-Fans eine Angriffsfläche geboten.

Ursprung in religiösen und nationalistischen Konflikten

Die Rivalität zwischen den Rangers und den Celtics ist eine der ältesten und auch brisantesten weltweit. Denn der Konflikt zieht seine Schärfe nicht nur aus dem sportlichen Aspekt und der Tatsache, dass zwei große Vereine aus einer Stadt kommen, sondern findet seinen Ursprung in religiösen und nationalistischen Ansichten.

Während die Celtic-Fans zum Großteil Katholiken sind und dem irischen Republikanismus anhängen, sind die Rangers-Fans zum Großteil protestantischer Herkunft und Loyalisten, das heißt Anhänger des nord-irischen Unionismus.

Auch deshalb sieht man in den Fanblöcken der beiden Teams kaum schottische Fahnen. Im Celtic-Teil regiert die irische Flagge und im Rangers-Teil der Union Jack.

"Bis zu den Knien in Katholiken-Blut"

Besonders das Liedgut der beiden Gruppen ist durchwirkt von religiösen und politischen Aussagen. Beide Klubs haben - auch auf Drängen der UEFA - das Singen diverser sektiererischer Lieder untersagt und drohen bei Zuwiderhandlung sogar mit Stadionverbot.

Seitdem dürfen die Rangers-Fans den Song "The Billy Boys" nicht mehr singen. Ein Lied, das unter anderem die Textzeile "we're up to our knees in fenian blood" führt. Wobei "fenian" ein abwertender Ausdruck für Katholiken ist und sich der Liedtext auf eine Schlacht aus dem Jahr 1690 bezieht, in der König William of Orange (Billy) seine Armee zum Sieg über die Truppen von James II. geführt hat.

Religiöse Eiferer für 90 Minuten

Auf der anderen Seite ist es den Celtic-Fans verboten, "The Boys of the old Brigade" zu singen. In diesem Lied erzählt der Vater seinem Sohn über seine Zeit in der IRA.

Besonders Murray störte sich an diesen Liedern, da seiner Meinung nach die meisten Fans keine sektiererischen Ansichten haben, sondern nur "ninety-minute bigots" sind, also religiöse Eiferer für 90 Minuten, die sich der Menge anzuschließen, um nicht ausgegrenzt zu sein.

Sektierertum der falsche Weg

Doch Murray war es, der den Kampf gegen das Sektierertum im Fußball annahm und 1989 Mo Johnston als einzigen Katholiken ins Team holte. mit Alfie Conn und Kenny Miller ist Johnston einer von nur drei Spielern seit dem Zweiten Weltkrieg, die für Celtic und die Rangers spielten.

Murray vertritt auch die Meinung, dass die lange Zeit verfolgte Personalpolitik der falsche Weg gewesen sei und glaubt, dass der Johnston-Wechsel ein wichtiger Schritt war, das hochbrisante Verhältnis der beiden Glasgower Vereine zu verbessern.

Lage entspannt sich

Diese Meinung teilt auch der Ex-Rangers-Profi Sandy Jardine, der Murrays revolutionären Beitrag lobt, aber auch weiß: "Man kann 80 Jahre Sektierertum nicht einfach in acht Monaten wegwischen, aber wir haben bereits ein gutes Stück des Weges hinter uns."

Doch müssen einige Hürden überwunden und Mauern eingerissen werden. Zu oft mündet Rivalität zwischen Bhoys (Celtic) und Gers (Rangers) in gewalttätigen Exzessen, die zum Teil tödlich enden. Wie der Mord an einem 16-jährigen Celtic-Fan nach dem Cup-Finale 1999.

Angriff auf McGeady

Doch im Großen und Ganzen hat sich die Lage in den letzten Jahren sichtlich entspannt. Ein paar Wirrköpfe lassen sich aber nie bekehren.

So wurde Celtic-Profi Aiden Mc Geady im November in einem Nachtklub ohne Vorwarnung ins Gesicht geschlagen. Rangers-Keeper Allan McGregor fand im März dagegen seinen Bentley mit den in den Lack geritzten Buchstaben IRA wieder.

Das Beispiel des Tommy Burns

Doch beide Vereine arbeiten an einem entspannteren Verhältnis und nutzen jede Möglichkeit, ihren guten Willen auszudrücken. So legten die Rangers-Verantwortlichen im Mai dieses Jahres am Celtic-Park einen Kranz nieder, als Zeichen der Anerkennung und der Trauer um Celtic-Legende Tommy Burns, der einem Krebsleiden erlag.

Rangers-Co-Trainer Ally McCoist sagte über Burns: "Ich habe viele gute Menschen im Fußball getroffen, aber Tommy war der allerbeste. Er war einer, der Brücken bauen konnte." Burns verstarb einen Tag nach dem UEFA-Cup-Finale zwischen den Rangers und Zenit St. Petersburg. Sogar Rangers-Fans, die auf der Heimreise von Manchester waren, hielten am Celtic-Park inne.

Es scheint, als würde die Vernunft nach und nach über die Vergangenheit siegen.

Das Old Firm in Zahlen: Die Bilanz zwischen Celtic und Rangers

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung