Fussball

Kommentar zu Eintracht Frankfurt in der Europa League: Ein Vorbild für ganz Europa

Eintracht Frankfurt hat das Finale der Europa League knapp verpasst.

Die märchenhafte Reise durch Europa endet für Eintracht Frankfurt auf die bitterste Art und Weise: in der Lotterie des Elfmeterschießens. Trauern muss diese großartige Mannschaft mit ihren großartigen Fans nach ihrer denkwürdigen Werbung für den deutschen Fußball aber nicht. Die Hessen sind die Sieger der Herzen. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Kerry Hau.

In Frankfurt wird man sich in vielen Jahren noch von dieser filmreifen Europa-Reise erzählen. Von der Büffelherde, von der Hinti-Army, von Eurofalette, von Rodic und wie sie alle heißen. Man wird sich mit glühenden Augen an die atemberaubenden Aufholjagden gegen Marseille und Benfica zurückerinnern, an die zauberhaften Tore in Rom und Charkiw, an die abgöttischen Choreographien im Waldstadion.

Und man wird auch voller Stolz darüber sprechen, wie diese Reise zu Ende ging. In London. An der Stamford Bridge. Gegen einen Giganten, der trotz des kräftigen Dazutuns eines spendierlaunigen Milliardärs aus Russland doch recht klein erschien.

Die Eintracht drängte den FC Chelsea am Donnerstagabend an den Rande des Ausscheidens. Nicht durch Glück, nicht durch Zufall. Sondern durch leidenschaftlichen Kampf, durch Liebe zum Fußball. Nach einer wackligen ersten Hälfte drehte die Mannschaft von Adi Hütter auf und dominierte den Tabellendritten der englischen Premier League sogar phasenweise. Ein Szenario, das im Vorfeld des Spiels nicht einmal die größten Optimisten für möglich hielten. Und der beste Beleg dafür, dass eine Symbiose zwischen Mannschaft und Fans in diesem Sport Berge versetzen kann.

Zu einem Wunder, wie es Liverpool 48 Stunden zuvor noch gegen Barcelona vollbracht hatte, reichte es zwar nicht. Nach dieser Reise überwiegt in jedem Fußballbegeisterten aber nichts als Dankbarkeit gegenüber der Eintracht. Dankbarkeit dafür, dass sie die einst von Franz Beckenbauer als "Cup der Verlierer" diffamierte Europa League nicht als Last wahrnahm, sondern als Chance, sich in viele Herzen zu spielen.

Dankbarkeit dafür, dass sie und ihre Fans stets wie eine große Familie Seite an Seite standen und sangen. Dankbarkeit dafür, dass sie nach den teilweise kläglichen Vorstellungen von Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04, Bayer Leverkusen und Rasenball Leipzig die Ehre der Bundesliga auf dem internationalen Parkett rettete.

Eintracht Frankfurt dient als Vorbild

Um es mit den Worten von Sportvorstand Fredi Bobic auszudrücken: "Wir können in erster Linie stolz auf uns sein." Und als Vorbild dienen. Nicht nur für den deutschen Fußball, sondern für ganz Europa. Kein Verein machte in diesem Jahrzehnt so viel Werbung für die Europa League wie die SGE. Man muss eben nicht immer ans Ziel gelangen, um der Sieger zu sein. Und wer weiß, vielleicht erleben wir ja im nächsten Jahr eine ähnlich emotionale Reise. Vielleicht sogar mit einem Happy End.

Dazu müssen sich die erschöpften Spieler aber erst einmal aufrichten und dem schwierigen Bundesliga-Restprogramm mit Mainz 05 und dem FC Bayern erwehren, um Qualifikation für das internationale Geschäft zu sichern.

Dazu müssen die Kader-Baumeister um Bobic aber auch den wohl nicht mehr aufzuhaltenden Abgang von Luka Jovic zu Real Madrid kompensieren, andere begehrte Leistungsträger wie Ante Rebic oder Sebastien Haller halten und ausgeliehene Leistungsträger wie Kevin Trapp, Martin Hinteregger, Sebastian Rode oder Filip Kostic fest verpflichten.

Auf die Eintracht kommt auch nach der verpassten Sensation gegen Chelsea viel Arbeit zu. Aber das ist normal. Sie spielt spätestens seit Donnerstagabend endgültig im Konzert der Großen mit.

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