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Fussball

Siegermentalität dringend gesucht

Von Daniel Reimann
Die deutsche Mannschaft zeigte gegen Portugal eine desaströse Leistung
© imago

Das EM-Aus der deutschen U21 gegen Portugal zeigt: Deutschlands Vereine bringen viele hochveranlagte Fußballer hervor - aber zu wenige Siegertypen. Eine wertvolle Tradition droht auf der Strecke zu bleiben. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Daniel Reimann.

Am Tag nach dem Knockout sprach Horst Hrubesch nochmal das aus, was in den 90 Minuten gegen Portugal unübersehbar war: "An der körperlichen Verfassung kann es nicht gelegen haben. Wir haben es vom Kopf her nicht hinbekommen." Der Grund für das deutsche Ausscheiden, für die kapitale Unterlegenheit, war mentaler Natur.

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Dass hinterher gleich mehrere Spieler den Einsatzwillen ihrer Kollegen infrage stellten und Emre Can sogar öffentlich gestand, er habe "nicht alles gegeben", spricht Bände. Vielen Spielern fehlte es offensichtlich an der notwendigen Einstellung. Die Gier zu gewinnen? Eine Turniermentalität, die neue Kräfte freisetzt? Fehlanzeige.

Ballkünstler ohne Siegermentalität

Seit den Umwälzungen im Jugendbereich Anfang der 2000er Jahre bringt Deutschlands Nachwuchsarbeit, die Kooperation des DFB mit den Leistungszentren, etliche großartige Fußballer hervor. Viele im U21-Kader bringen eine ausgezeichnete Ballbehandlung mit, verfügen über außergewöhnliche Spielintelligenz. Doch wem aus der Mannschaft würde man eine Siegermentalität oder gar ein Sieger-Gen unterstellen?

Dabei war es stets ein Markenzeichen deutscher Teams, das im Turnierverlauf besonders wertvoll werden konnte: Selten spielte das DFB-Team den besten Fußball, doch der Mangel an Ballkünstlern konnte durch die richtige Einstellung kompensiert werden. Eine Tradition, die bei zahlreichen Endrunden den Ausschlag gab. Sei es bei den EM-Erfolgen 1980 und 1996 oder beim WM-Finaleinzug 2002 mit Carsten Ramelow und Konsorten.

Mittlerweile ist diese Tradition gefährdet und es bleibt höchst zweifelhaft, ob sie bloß durch guten Fußball kompensiert werden kann. Beim Titelgewinn 2014 erzielte zwar Mario Götze das entscheidende Tor. Doch es war Bastian Schweinsteiger, der in diesem Spiel über sich hinauswuchs. Schweinsteiger, der noch vor der Revolution im Nachwuchsfußball Profi wurde. Er riss das Team mit, ging voran und lieferte damit letztlich sein Meisterstück ab. Schweinsteiger wurde an jenem Tag im Maracana zum Mentalitätsmonster.

Ein Turnier als Warnung

In der U21 hingegen war davon nichts zu sehen. Schon im Spiel gegen Tschechien, als man längst deutlicher hätte führen müssen, war dem deutschen Team nach dem 1:1-Ausgleich die Angst vor dem Ausscheiden anzumerken. Ein menschliches Phänomen, das zu Teilen auch dem Alter geschuldet sein dürfte. Aber in Kombination mit dem kollektiven Ausfall gegen Portugal ist es zugleich eine Warnung, dass es an Gewinnertypen mangelt.

Trainer Horst Hrubesch hatte 2013 im SPOX-Interview noch höchst selbst davor gewarnt: "Es ist wichtig, dass das, was wir schon immer besessen haben - die sogenannten deutschen Tugenden - beibehalten wird. Persönlichkeit, Mentalität, Aggressivität sind die Punkte, die dort mit reinspielen. Das dürfen wir nicht vernachlässigen." Ausgerechnet seine Spieler waren es, die am Samstag gegen Portugal bewiesen, dass man diese Warnung ernst nehmen sollte.

Portugal - Deutschland: Daten zum Spiel

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