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Kommentar zum Achtelfinal-Aus der Spanier

Überholt.

Dienstag, 28.06.2016 | 16:00 Uhr
Spaniens Sergio Ramos nach der Achtelfinal-Pleite gegen Italien
© getty
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Spanien prägte mit seinem spektakulären Spielstil eine ganze Ära und dominierte den Fußball über mehrere Jahre wie kaum ein anderes Team zuvor. Spätestens mit dem Achtelfinal-Aus gegen Italien ist das goldene Zeitalter der Iberer vorbei. Das muss sich vor allem der einstige Vater des Erfolgs auf die Fahne schreiben.

2008. 2010. 2012. Wenige Zahlen, die die Dominanz der Spanier in den letzten zehn Jahren besser verdeutlichen als jede Statistik, jede Expertenmeinung und jeder Tiki-Taka-Querpass. Drei große Turniere in Folge gewannen die Spanier und dominierten dabei wie kaum eine Mannschaft zuvor. Ihr Spielstil prägte das komplette moderne Fußball-Zeitalter. Doch spätestens nach dem Achtelfinal-Aus ist die Dominanz des spanischen Fußballs zu Ende.

Klar, die Wachablösung lediglich an einem (uninspirierten und planlosen) Spiel auszumachen, wäre falsch und viel zu einfach. Schließlich ist es für die Iberer die erste Pleite in einem K.o.-Spiel seit 2006. Und nach einem frühen Ausscheiden kann schließlich jeder mit dem Finger auf den Verlierer zeigen und diesem eine handfeste Krise anheften. Da sind die starken zwei Partien zum Auftakt der EM auch schnell mal gedanklich ad acta gelegt.

Gegen diese taktisch brillanten Italiener kann ein Topteam ausscheiden, keine Frage. Doch das Achtelfinal-Aus der Spanier steht sinnbildlich für ein grundlegendes Problem in den letzten Jahren. Die Iberer verbreiteten Anfang des Jahrzehnts mit ihrem Spielstil Angst und Schrecken - seitdem passierte wenig bis gar nichts. Viel zu lange badeten die Spanier im Ruhm vergangener Tage. Während sich zahlreiche Top-Teams in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelten, traten die Iberer auf der Stelle.

Stagnation statt Fortschritt

Auch die starken Auftritte auf Klubebene legten zu oft den Deckmantel über die Stagnation der Nationalmannschaft. Die Furia Roja hat eben keinen Ronaldo, keinen Messi, keinen Neymar und keinen Suarez. Im spanischen Nationaldress stürmten bei der EM Nolito und Silva an der Seite von Morata. Das ist internationales Topniveau, aber keine Weltklasse.

Dass im Lager der Spanier zusätzlich zahlreiche Störfeuer loderten, passt ins Bild. Da waren der Sex-Skandal um Keeper de Gea, der mosernde Pedro und die letztlich konstruierte obszöne Geste des Überzeugungskatalanen Pique bei der Nationalhymne. Allesamt Themen, die zur Unzeit aufgekommen sind oder schlichtweg hätten vermieden werden können. Sie verstärkten den Trend sicherlich. Die Hauptschuld trägt allerdings Trainer Vicente del Bosque.

Del Bosque versagt

Es ist obskur, dass sich gerade der Vater des Erfolgs die negative Entwicklung der letzten Jahre ankreiden muss. Doch er hielt nach dem peinlichen Aus bei der WM in Brasilien an seinem Posten fest, schrieb sich aber die Verjüngunskur der spanischen Mannschaft auf die Fahne.

Helden vergangener Tage sollten nicht mehr bevorzugt werden, stattdessen junge Spieler eingebunden werden. Das ist dem 65-Jährigen nicht mal im Ansatz gelungen. Statt in den entscheidenden Momenten neue Spieler zu bringen, setzte del Bosque stets auf die Arrivierten. Bei der EM änderte er seine Startelf kein einziges Mal. Spieler, die er in der Qualifikation ins Team einfügte, waren Bruno Soriano (32), Nolito (29) oder Aritz Aduriz (35).

Es ist müßig zu spekulieren, was passiert wäre, wenn Spanien gegen Kroatien nicht verloren hätte. Dann hätten sie die vermeintlich leichteren Gegner bekommen. Doch das haben sie sich auf der einen Seite selbst eingebrockt, auf der anderen Seite hätte es das Problem lediglich verschoben. Denn der Umbruch wird und muss kommen: jetzt oder später.

Umbruch steht bevor

Jetzt braucht es in der spanischen Nationalmannschaft einen Trainer, der radikal den Reset-Knopf sucht und diesen drückt. Schon beim nächsten großen Turnier, der WM 2018 in Russland, werden zahlreiche Stützen der Mannschaft den Zenit ihrer Karriere längst überschritten haben. Ramos und Silva werden dann 32 Jahre alt sein, Pique und Fabregas 31, Iniesta gar 34. Ein kompletter Schnitt ist unumgänglich. Sowohl auf der Trainerposition als auch im Aufgebot.

Man muss sich ja keine Sorgen um die Zukunft der Spanier machen. Mit Thiago, Koke, Bartra und Co. stehen unzählige Superstars in den Startlöchern. Doch der neue Trainer muss ihnen die Chance geben, sich zu entfalten. Die Möglichkeit, sie an der Seite der alten Meister aufzuziehen, hat Spanien verpasst.

Jetzt muss die junge Garde die Kohlen aus dem Feuer holen. Eine einfache Aufgabe für das neue Team wird das sicherlich nicht, denn auch dieses muss sich erst finden. In der WM-Qualifikation wird die Mannschaft erstmals auf die Probe gestellt werden. Als Gegner wartet dort: Italien.

Italien - Spanien: Die Statistik zum Spiel

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