Mittwoch, 06.06.2012

Nach Besuch in Auschwitz

Niederländische Nationalspieler tief bewegt

Nach ihrem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau am Mittwochmorgen haben sich die niederländischen Nationalspieler tief bewegt gezeigt.

De Jong (l.) und Balotelli (l.) besuchten mit ihren Nationalteams die Gedenkstätte von Auschwitz
© Getty
De Jong (l.) und Balotelli (l.) besuchten mit ihren Nationalteams die Gedenkstätte von Auschwitz

Es waren Momente der Ruhe. Der Einkehr. Der Besinnung. Am Mittwochmorgen besuchte die niederländische Nationalmannschaft die Holocaust-Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau. Die Atmosphäre war bedrückend.

Sportliche Fragen rückten gänzlich in den Hintergrund. Die richtige Besetzung des Sturmzentrums? Van Persie oder Huntelaar? Eine Petitesse. Die Welt ist mehr als Fußball. Zumindest in diesen Augenblicken schien die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ganz weit weg. Das Auftaktspiel der Niederlande am Samstag gegen Dänemark war eine Ewigkeit entfernt.

"Unglaublich, was passiert ist"

"Es ist unglaublich, was hier passiert ist. Wir dürfen das nie vergessen", twitterte Innenverteidiger Johnny Heitinga anschließend tief bewegt. Khalid Boulahrouz vom VfB Stuttgart schrieb: "Auschwitz ... es gibt keine Worte, dies zu beschreiben."

Gut eine Stunde blieb die Mannschaft von Bondscoach Bert van Marwijk auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers, in dem während des 2. Weltkrieges rund 1,1 Millionen Menschen umgebracht wurden. "Es ist unglaublich zu sehen und zu hören, was hier geschehen ist", twitterte Mittelfeldspieler Kevin Strootmann.

Van der Vaart will den Titel

Mit Handykameras hielten die Profis das Unfassbare fest - viel Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, blieb ihnen jedoch nicht. Binnen weniger Stunden musste der Fokus verschoben und die Rückkehr in die verhältnismäßig kleine EM-Welt geschafft werden.

Der Kontrast konnte kaum extremer ausfallen: Am Abend stand ein öffentliches Training an - vor 25.000 Zuschauern im Stadion von Wisla Krakau. Der Trubel war zurück. Die EM, Dänemark und damit auch die großen Ziele der kommenden Wochen wieder ganz nah. Die Eindrücke vom Morgen blieben. Doch die Gier nach Erfolg rückte wieder in den Vordergrund.

Man gibt sich dieser Tage mutig bei Oranje. Der Titel soll her. "Die EM ist für uns dann ein Erfolg, wenn wir sie gewinnen", sagte Mittelfeldstar Rafael van der Vaart in einem Interview auf der Internetseite der UEFA: "Man muss es auch laut aussprechen, ich kann ja nicht sagen: 'Das Halbfinale wäre nett.' Nein, wir waren im Endspiel der Weltmeisterschaft, also müssen wir jetzt auch wieder maximale Ambitionen haben."

Van Marwijk stapelt tief

Ein Sieg gegen Dänemark ist folglich schon fast Pflicht - zumal im zweiten Vorrundenspiel am 13. Juni die DFB-Elf wartet. "Das Spiel gegen Dänemark wird für beide Teams wichtig. Wenn man nicht gewinnt, hat man gleich ein Problem", sagte van der Vaart und hofft auf einen ähnlichen Start wie bei der WM vor zwei Jahren in Südafrika.

Damals gelang zum Turnierauftakt ein 2:0 gegen die Dänen. "Noch haben wir aber nicht die Form der WM", warnt van Marwijk: "Ich schaue nur auf das erste Spiel. Spekulationen über den weiteren Verlauf der EM bringen niemandem etwas."

Dänemark, Deutschland, zum Vorrundenabschluss am 17. Juni dann Portugal. Viel wird auf die Elftal in den kommenden Tagen einprasseln. Vielleicht Lob, möglicherweise Kritik. Die Eindrücke vom Mittwochmorgen werden von all dem aber unberührt bleiben. Die Welt ist mehr als Fußball.

Die EM-Gruppe B der Niederländer im Überblick


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