Fussball

Schweinsteiger: "Grüß mir den Basti!"

Von Interview: Christian Bernhard
Tobias Schweinsteiger stürmt für Regensburg und führt die Torschützenliste der 3. Liga an
© Imago

Tobias Schweinsteiger ist Kapitän des SSV Jahn Regensburg, Führender der Torschützenliste in der 3. Liga - und der große Bruder von Bayern-Star Bastian. Im Interview spricht der 29-Jährige über seine sportliche Entwicklung zum Leader, den Begriff Heimat und die Beziehung zu seinem Bruder und wie er ihn zur Schlüsselbein-OP begleitete.

SPOX: Tobias Schweinsteiger, 1860- oder Bayern-Fan?

Tobias Schweinstiger: Ganz früher in der Jugend war ich Sechzig-Fan. Das hat sich dann irgendwann gelegt. Meine große fußballerische Liebe war dann Manchester United. Und klar, seitdem mein Bruder Basti beim FC Bayern spielt, fiebere ich auch mit den Bayern mit.

SPOX: Wie ist das dann mit Ihrem Torwart Michael Hofmann?

Schweinsteiger: (lacht) Der Michi ist ja nicht nur ein Ex-Spieler von Sechzig, sondern ein Vollblut-Blauer. Wenn es einen gibt, der eigentlich 1860-Präsident werden sollte, dann er. Er schaut sich jedes Spiel an und muss sich dementsprechend ein paar Sprüche anhören, wenn es bei den Löwen nicht gut läuft. Er hält aber wacker zu Sechzig und rechnet jeden Morgen rum, wie viele Punkte sie noch bis zum Winter holen werden. Wenn sie die Hälfte der Punkte holen, die er ihnen zutraut, dann passiert nichts mehr. (lacht) Es ist wirklich lustig mit ihm, weil er Vollblut-Sechziger und einfach fußballverrückt ist.

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SPOX: Hofmann sagte kürzlich über Sie: "Ab und zu ist er ein Grantler." Hat er recht?

Schweinsteiger: Ja, schon. Wenn es im Training oder Spiel nicht so läuft, wie ich es mir wünsche, dann bin ich relativ schnell sauer. Das dürfen dann gerne auch alle mitkriegen. Ich glaube, dass man einen gesunden Ehrgeiz braucht - dieses Nicht-verlieren-Können habe ich seit Kindheitstagen. Dieses Gen sollte jeder Leistungsspieler in sich haben. Ab einem gewissen Zeitpunkt muss man natürlich abschalten können, ich kann ja nicht drei Tage sauer sein. Aber ich kann kein Gegentor kassieren oder Trainingsspiel verlieren, ohne mich aufzuregen.

SPOX: Momentan läuft es für Sie blendend: Mit zehn Treffern führen Sie die Torschützenliste an. Spüren Sie eine besondere Genugtuung gerade in Regensburg so aufzublühen, wo Sie in Ihrer Jugend noch gescheitert waren?

Schweinsteiger: Ab und zu denke ich schon daran, vor allem wenn ich Leute von früher treffe. Ich bin im Moment sehr froh, wie wir spielen und als Mannschaft Erfolg haben. Das ist eine ganz andere Situation als vor acht Jahren. Ein Blick zurück ist aber manchmal ganz gut, um sich wieder anzuspornen und sich klarzumachen, wie weit unten man schon mal war.

SPOX: Sie waren in Ihrer Karriere schon viel unterwegs, teilweise auch weit weg von zuhause. Wie wichtig ist Ihnen Heimat?

Schweinsteiger: Sehr wichtig. Das war auch einer der Hauptgründe, dass ich nach Regensburg gegangen bin. Ich bin jetzt in eineinhalb Stunden zu Hause in Rosenheim. Ich verdiene wahrscheinlich ein paar Euro weniger, als ich woanders verdienen könnte, aber es ist mir sehr wichtig, dass ich jedes Wochenende heimfahren kann. Meine Eltern und Freunde kommen regelmäßig nach Regensburg - das ist viel besser, als wenn ich vier, fünf Stunden fahren muss und nur alle zwei Monate heimkomme.

SPOX: Heimat bedeutet auch Wohlfühlen. Welchen Einfluss hat das auf die Leistung eines Profisportlers?

Schweinsteiger: Ich glaube schon, dass das einiges bringt. Das ist natürlich von Typ zu Typ unterschiedlich. In Lübeck oder Braunschweig bin ich beispielsweise gegen Ende der Hin- bzw. Rückrunde öfters ein bisschen in ein geistiges Tief gefallen, weil ich so selten daheim war. Es tat gut, andere Menschen und neue Themen um sich zu haben - mehr als immer nur Fußball. Jetzt kann ich auch mal was anderes machen, als denselben, monotonen Ablauf: Training, heimfahren, in die Stadt gehen. Ich kann jetzt mal nach München fahren oder an den Chiemsee. Einfach andere Dinge machen, diese Abwechslung brauche ich.

SPOX: Für Ihren Coach Markus Weinzierl sind Sie "ein absoluter Leader". War es das, was Sie in Regensburg angestrebt haben?

Schweinsteiger: Ja, das war natürlich Teil der Gespräche mit dem Jahn, dass ich die Mannschaft sportlich weiterbringen soll. Da gehören natürlich auch Auftreten und eine gewisse Herangehensweise dazu. Ich wollte nicht nach Regensburg kommen, um mitzuschwimmen. Das war nicht mein Ziel.

Ich versuche den jungen Spielern zu helfen und ein Vorbild zu sein. Als Kapitän steht man noch ein bisschen mehr im Fokus, da man immer vorn weggehen soll. Manchmal geht das leichter, manchmal ist man selber nicht gut drauf - aber man muss trotzdem vorneweg gehen. Ich fühle mich gut in der Rolle und denke auch, dass ich sie ganz gut ausfülle. Klar mach ich auch noch meine Fehler, aber das gehört dazu.

SPOX: Auch Ihr Bruder Bastian ist beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft ein Leader. Wie oft werden Sie eigentlich auf ihn angesprochen?

Schweinsteiger: Das kommt darauf an. In Interviews relativ oft, ansonsten hält es sich in Grenzen. Klar, wenn ich eine Schule besuche oder bei einem Jugendtraining bin, dann heißt es immer: "Grüß mir den Basti!"

 

Teil II: Schweinsteiger über die OP von Bruder Bastian und den etwas anderen Verein Regensburg

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