"Reserveliga? - Ein schlechter Witz"

Von Kevin Bublitz/Mark Heinemann
Donnerstag, 24.09.2009 | 20:43 Uhr
Die dritte Liga wurde 2008 als eingleisige Liga zwischen der 2. Liga und der Regionalliga eingeführt
© Getty
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2010 veranstaltet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen Bundestag. Mit auf der Agenda stehen dann auch die Zweitvertretungen der Profivereine. Der DFB untersucht aktuell deren Teilnahme am Spielbetrieb. Als Endergebnis könnte die Einführung einer Reserveliga stehen. Doch die Profiklubs schieben Frust.

Die 3. Liga ist in Deutschland momentan die höchste Spielklasse, in der die Reserveteams ran dürfen. Dort spielt auch der von Uwe Fuchs trainierte Wuppertaler SV. Der ehemalige Bundesligaprofi ist kein Freund der zweiten Mannschaften.

Viel Optimismus, dass sich etwas ändert, hat er aber nicht: "Letztendlich werden die Profiklubs die Sache schon so drehen, dass es für sie passt."

Sein Trainerkollege Ruud Kaiser von Dynamo Dresden hofft genau das, denn eine Begrenzung der Reserveteams in der 3. Liga und in der Regionalliga oder gar die Einrichtung einer Reserveliga hält er schlichtweg für einen "schlechten Witz". Das Thema hat Spaltpotenzial.

Wolter: Wer hat denn die Leistungsträger ausgebildet?

Die Profiklubs befürchten besonders negative Auswirkungen für die Entwicklung ihres talentierten Nachwuchses.

"Wir haben in den letzten Jahren viel investiert, um mit den Amateuren in die höchstmögliche Liga zu kommen. Aktuell ernten wir mit Spielern wie Holger Badstuber und Thomas Müller die Früchte. Jetzt sollen wir wieder einen Schritt zurück machen? Da machen wir nicht mit!", wird Werner Kern, Nachwuchskoordinator beim FC Bayern München, deutlich.

Auch Thomas Wolter, der die Reserve von Werder Bremen trainiert, "kann die Diskussionen nicht mehr hören. Die Teams, die sich beschweren, sollen sich doch bitte mal umschauen, wo viele der Spieler, die jetzt mit 26 oder 27 bei ihnen Leistungsträger sind, ausgebildet wurden.

Wenn eine Reserveliga kommt, spielen die Jungs ab der C-Jugend jede Saison wieder gegen den gleichen Gegenspieler und die gleichen Teams. Das hemmt die Entwicklung und nimmt die Motivation."

Tasci, Träsch, Khedira und Gomez die besten Beispiele

Die Ausbildungskonzepte der Bundesligisten sehen es logischerweise vor, dass alle Jugendmannschaften in der höchstmöglichen Liga spielen, "also muss dies auch im Profibereich möglich sein", so Stuttgarts Sportdirektor Jochen Schneider und ergänzt, dass "man so junge Spieler nicht nur an die Bundesliga heranführt, sondern auch an die Nationalmannschaft, dem Aushängeschild des Deutschen Fußball-Bundes."

Die Schwaben liefern beste Argumente, denn ob sich Stuttgarts Eigengewächse, wie zuletzt Serdar Tasci, Christian Träsch, Sami Khedira oder der vor der Saison zum FC Bayern München abgewanderte Mario Gomez, in einer Reserveliga so rasant entwickelt hätten, ist fraglich.

Kaiser: In der englischen Reserveliga werden junge Talente verbrannt

Dabei lohnt sich auch ein Blick auf die internationalen Ligen. Die englische Reserve League wird gerne als gelungenes Beispiel angeführt. Zu unrecht, wie Dresdens Ruud Kaiser findet: "Dort wird Laola-Fußball gespielt. Das ist nichts, was die jungen Talente weiterbringt.

Kaiser erlebte den Spielbetrieb in seiner Zeit als A-Jugendtrainer des FC Chelsea mit und kritisierte bereits in einem früheren Interview mit SPOX die englische Methode, junge Talente in die Reserveliga zu schicken und dann an zweit- oder drittklassige Klubs zu verleihen. Für Kaiser eine nicht nachvollziehbare Vorgehensweise, die junge Talente verbrennt und nicht fördert.

WSV-Trainer Uwe Fuchs, der in seiner Karriere ebenfalls in England aktiv war, hat hingegen positive Erfahrungen gemacht, die er ebenfalls im SPOX-Interview darstellt: "Dort geht es richtig rund. Es ist natürlich letztendlich Sache der Vereine, wie sie ihren Spielern die Liga verkaufen. Dementsprechend ist dann auch die Motivation der Talente. Das klappt in England ganz gut."

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