Fussball

"Reserveteams gehören nicht in eine Profiliga"

Von Interview: Kevin Bublitz / Mark Heinemann
Uwe Fuchs: "Wir haben immer gemacht, was der Trainer wollte"
© Getty

Uwe Fuchs, seit Jahresbeginn Trainer des Wuppertaler SV, wurde der Fußball quasi schon in die Wiege gelegt. Sein Vater und sein Onkel waren ebenso wie er als Spieler und Trainer aktiv.

Der 42-Jährige selbst erwies sich bislang als ausgemachter Wandervogel. Jetzt soll er mit den Löwen die Klasse halten. Wie dies klappen soll und was er von den Reserveteams der Profimannschaften sowie der heutigen Spielergeneration hält, verriet er SPOX nun im Interview.

SPOX: Ist Ihre Mannschaft fit genug für den Abstiegskampf?

Fuchs: Man muss sagen, dass die Mannschaft physisch am Boden lag, als ich sie übernommen habe. Jetzt haben wir gut gearbeitet. Aber wir müssen nun natürlich eine Schippe drauflegen.

SPOX: Auch wenn spielerisch noch nicht alles läuft, so scheint das Team zumindest wieder kämpfen zu wollen.

Fuchs: Lauf- und Kampfbereitschaft sind für mich Grundlagen des Fußballsports. Das habe ich den Jungs einmal gesagt und werde es nicht wiederholen. Den Einsatzwillen setze ich einfach voraus.

SPOX: Auch wenn der Erfolg in den letzten Partien ausblieb, loben Ihre Spieler die Art und Weise wie sie die Mannschaft einstellen. Wie machen Sie das?

Fuchs: Meine Mannschaft hat klare taktische und spielerische Vorgaben bekommen. Es ist viel Qualität im Kader, die jetzt umgesetzt werden muss. Wir müssen dahin kommen, dass wir das Spiel noch viel stärker kontrollieren, viel im Ballbesitz sind und dominanter auftreten. Daran arbeiten wir jeden Tag.

SPOX: Sie haben nicht viele Punkte Rückstand bis zum Tabellenmittelfeld. Schielen sie noch nach oben?

Fuchs: Oberste Priorität hat der Klassenerhalt. Das ist meine Aufgabe. Ein Platz im Mittelfeld der Tabelle wäre daher gut, weil wir dann unser Ziel erreicht hätten. Dass es schwer wird, wissen wir, denn die 3. Liga ist unheimlich stark.

SPOX: Haben Sie die Liga bereits so stark eingeschätzt, als sie eingeführt worden ist?

Fuchs: Ja. Ich hätte nur die zweiten Mannschaften der Profiteams nicht mit berücksichtigt.

SPOX: Warum?

Fuchs: Schauen Sie sich doch alleine den wirtschaftlichen Aspekt an. Bremen holt für seine Reserve in der Winterpause mal eben Fabrice Begeorgi von Olympique Marseille oder Addy-Waku Menga vom Zweitligisten Rostock. Das sind Dinge, welche die anderen Vereine nicht ohne Weiteres stemmen können. Die 3. Liga ist noch unter dem Dach des DFB, aber trotzdem schon eine Profiliga. Daher gehören die Reserveteams meiner Meinung nach nicht dazu.

SPOX: Wo sollen die Teams hin?

Fuchs: In England gibt es beispielsweise eine Reserveliga für die zweiten Mannschaften der Profiteams. Als ich selbst Spieler auf der Insel war, habe ich das als sehr positiv erlebt. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Vereine selbst diese Liga ernst nehmen und dementsprechend fördern. Wenn die Klubs das Thema nur halbherzig angehen, dann ist natürlich auch die Akzeptanz bei den Spielern gering.

SPOX: Haben hoffnungsvolle Talente, die es noch nicht bis in den Profikader geschafft haben, nicht in der starken 3. Liga bessere Entwicklungsmöglichkeiten?

Fuchs: Ganz ehrlich, ich hätte als junger Spieler niemals einen Vertrag bei einer zweiten Mannschaft unterschrieben. Als Talent will man doch in die Bundesliga. Ich hätte keine Lust gehabt, am Wochenende in Bremen auf irgendeinem Nebenplatz vor 287 Zuschauern zu spielen.

SPOX: Wieso das?

Fuchs: Es gehört doch gerade für die Entwicklung eines jungen Spielers dazu, sich vor vollen und lauten Zuschauerrängen behaupten zu müssen. Dort in der Bundesliga Krisen und Erfolge mitzumachen, das fördert die Entwicklung.

SPOX: Apropos laute Zuschauerränge. Auch die Wuppertaler Fans haben in der Hinrunde ihren Unmut deutlich gemacht. Was erwarten Sie jetzt von ihnen?

Fuchs: Erst einmal erwarte ich von meinem Team, dass es auf dem Platz positive Signale gibt und so die Fans begeistert. Der Verein weiß, dass die Hinrunde nicht gut gelaufen ist. Daher suchen wir den Dialog mit den Fans.

SPOX: Was halten Sie generell von den Fanausschreitungen in der 3. Liga?

Fuchs: Ich kann die einzelnen Fälle schlecht beurteilen, weil ich die Hintergründe nicht kenne. Klar ist aber, dass Fanausschreitungen nicht gut für den Fußball sind. Die Vereine und der DFB sind gefragt, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

SPOX: Wie haben Sie aus ihrer aktiven Zeit in England die dortige Fankultur erlebt?

Fuchs: Das ist jetzt schon einige Zeit her. Generell sind die Atmosphäre und die Erwartungshaltung an die Mannschaft anders.

SPOX: Das heißt?

Fuchs: Neid gibt es dort nicht, weil man auf der Insel einfach voraussetzt, dass die Mannschaft alles gibt. Das wissen die Teams und setzen es zumeist auch um. Man muss allerdings in der Premier League schon deutlich zwischen den wirklichen Top-Teams und dem Rest der Liga unterscheiden.

SPOX: Wird die englische Liga zu hoch gejubelt?

Fuchs: Das ist ja nicht nur in England so. Man muss bedenken, dass die Top-Teams der Liga viele Spieler aus dem Ausland haben.

SPOX: Haben Sie es eigentlich als Trainer leichter, weil Sie auch die Spielerseite kennen?

Fuchs: Das weiß ich nicht. Es gibt auch gute Trainer, die vorher keine Profis waren. Wichtig ist, dass die Spieler ihrem Trainer vertrauen.

SPOX: Wie fällt Ihr Fazit aus, wenn Sie die frühere mit der heutigen Spielergeneration vergleichen?

Fuchs: Die Spielertypen sind immer auch Abbilder der Gesellschaft. Heutzutage wachsen sie mit MTV, Handys und Computern auf. Sie wollen generell mehr kommunizieren und überzeugt werden. Daher brauchen sie mehr Erklärungen, als wir früher. Wir haben immer gemacht, was der Trainer wollte (lacht).

SPOX: Dann ist es für Sie kein Problem, wenn Ihre Spieler mit MP3-Playern in der Kabine sitzen? Bayerns Reservetrainer Hermann Gerland gefällt das nicht unbedingt.

Fuchs: Ach herrje, letztendlich kommt es doch darauf an, was der Spieler für einen Charakter hat. Für mich sind Respekt, Menschlichkeit und gegenseitige Hilfsbereitschaft wichtig. Wenn einer mit einem MP3-Player hereinkommt, aber ansonsten charakterlich in Ordnung ist, dann ist es halt so. Hermann Gerland hat seine Methoden - und damit ist er erfolgreich. Wir können die Gesellschaft letztendlich beide nicht ändern.

SPOX: Sie kommen aus einer Fußballfamilie. Ihr Vater war selbst lange Trainer und hat Ihnen Tipps für den Abstiegskampf angeboten. Nehmen Sie diese an?

Fuchs: Ich bin mit meinem Vater in ständigem Kontakt, wir reden regelmäßig miteinander. Wenn ich einen Rat habe, frage ich ihn natürlich. Ich denke aber, dass ich als Trainer genug Fähigkeiten habe.

SPOX: Letzte Frage: Schafft der WSV den Klassenerhalt?

Fuchs: Ja.

Uwe Fuchs im Steckbrief

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