Fussball

Kommentar zu DFB-Aussagen: Zu Rücktritten kann es keine Alternative mehr geben

Stehen nach ihren Aussagen zu Mesut Özil im Kreuzfeuer der Kritik: DFB-Präsident Reinhard Grindel und Oliver Bierhoff.
© getty

Im Umgang mit der Erdogan-Affäre hätten der DFB, aber auch die Spieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan, nur auf eine Weise glaubwürdig handeln können. Stattdessen ergehen sich Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und Präsident Reinhard Grindel in populistischen Stillosigkeiten. Ihr Rücktritt ist daher so alternativlos wie das Ende von Özils Karriere im DFB-Team. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Jochen Tittmar.

Der DFB-Spitze scheint es allmählich zu dämmern, dass ihr verheerender Umgang mit der Affäre um die Erdogan-Fotos nicht zielführend ist. Den nun kurz hintereinander erschienenen Interviews von Manager Oliver Bierhoff und Präsident Reinhard Grindel liegt eine simple wie durchschaubare Strategie zu Grunde: Die beiden Funktionäre erhöhen den Druck auf den zum Thema schweigenden Mesut Özil und wie immer bei fußballpolitischen Schlammschlachten liegt der Schluss sehr nahe, dass es auch darum geht, die eigene Haut in dieser von Anfang an vollkommen falsch gehandhabten Debatte zu retten.

Ihre Aussagen sind das Eingeständnis einer Niederlage, die längst nicht mehr abzuwenden ist. Das Problem ohne eine Stellungnahme Özils auszusitzen, hat wenig verwunderlich nicht funktioniert. Nun wird dem Spieler die Pistole auf die Brust gesetzt. Der seit Wochen bestehende Ruf nach einer Äußerung Özils ist zwar grundsätzlich richtig. Es darf dabei jedoch keinesfalls nur darum gehen, dass sich geäußert wird. Im Mittelpunkt muss klar der Inhalt der Äußerung stehen.

Özil und Gündogan müssen sich von Erdogans Politik distanzieren

Denn da kann es nur einen einzigen und keinen weiteren geben: Özil, und selbstverständlich auch Ilkay Gündogan müssen es klar als persönlichen Fehler deklarieren, überhaupt nur mit Erdogan posiert zu haben. Viel entscheidender und wichtiger ist jedoch auch jetzt noch: Sie müssen sich eindeutig und unmissverständlich von der undemokratischen wie menschenunwürdigen Politik des Autokraten Erdogan distanzieren, mit dem sie sich ablichten ließen.

Dies ist nicht passiert. Deshalb hätte der DFB schon unmittelbar nach Erscheinen der Aufnahmen ein deutliches Machtwort sprechen müssen. Und zwar mit dem Inhalt: Entweder ihr distanziert euch eindeutig von den Werten und Haltungen, die Erdogan vertritt, - oder aber ihr habt keine Zukunft mehr im Elite-Team eines Landesverbands, der sich den Werten der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet sieht. Nur dies wäre glaubwürdiges Handeln seitens des DFB gewesen.

Mesut Özils Leistungsdaten fürs DFB-Team

WettbewerbSpieleToreAssists
Freundschaftsspiele30510
WM-Qualifikation20910
Weltmeisterschaft1624
EM-Qualifikation15512
Europameisterschaft1124

Bierhoff und Grindel sollten zurücktreten

Dass Bierhoff und Grindel nun Özil zum Sündenbock machen und der Öffentlichkeit zum Abschuss freigeben, belegt einmal mehr deren vollkommen missratenes Krisenmanagement und führt den Schlingerkurs der letzten Wochen nahtlos fort. Diese Aussagen zu diesem Zeitpunkt sind nichts anderes als eine populistische Stillosigkeit. Bierhoff wie Grindel haben ihrer Ämter unwürdig gehandelt und sollten daher unverzüglich zurücktreten. Der angerichtete Schaden ist schlicht zu groß.

In dieser Gemengelage ist letztlich auch Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft alternativlos. Dass er sich öffentlich deutlich gegen Erdogans Politik stellt, wird allem Anschein nach nicht mehr passieren. Jetzt hat Özil auch den Rückhalt des DFB verloren.

Bleibt er dennoch bei seinem Schweigen oder grenzt sich ähnlich wenig wie Gündogan vom autoritären Gebaren des türkischen Machthabers ab, werden der Druck und die hitzige Diskussion bis zum nächsten Länderspiel Anfang September nicht abebben.

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